Hallo jototheannes!
Du solltest es Dir gut überlegen, Dich mit "so einem Schrott" zu beschäftigen - gerade, wenn Du noch nicht so weit fortgeschritten bist. Andererseits kann es natürlich lehrreich sein zu lernen, wie man solch eine Spielweise positionell gekonnt auseinandernimmt. Denn eine kurzzügige taktische Widerlegung gibt es natürlich nicht. [Im Gegensatz etwa zu 1.e4 e5 2.Sf3 Df6?! 3.Sc3! c6 4.d4 exd4 (das "organische" 4...d6? geht nämlich nicht wegen 5.dxe5! dxe5 6.Lg5! Dd6 7.Sxe5!! +-) 5.Sxd4 Lc5 6.Le3 mindestens += ]
Idee von 2...De7?! kann zweierlei sein:
Der ältere ("romantischere") Plan ist zweifellos, mit ...f5?! zum
Gegenangriff zu kommen (auch Philidors ursprüngliche Idee war ja 2...d6 3.d4 f5??!), dabei aber mit der De7 den Be5 zu stärken sowie allgemein den eigenen König zu schützen (wozu sich ein Vergleich mit Lettisch 2...f5?! aufdrängt, wo Weiß oft abscheuliche Dinge auf der Diagonale h5-e8 anrichtet).
Der moderne ("positionellere") Plan besteht in einer
Strongpoint-Strategie (dazu habe ich woanders hier im Forum schon viel gesagt!): Ahnlich wie in Philidor/Altindisch/Geschl.Spanier/Pirc/Königsindisch will Schwarz seinen starken Zentrumsposten e5 erstmal "nur" halten (ohne wie im Spanier oder gar im Schotten zu frühem e5xd4 genötigt zu sein), sich im Schutze seiner Zentrumsbastion entwickeln und später zum Gegenangriff übergehen. Positiv dabei ist, daß d2-d4 mit ...d7-d6 beantwortet werden kann und daß der andere (bessere!) Hebel f2-f4 durch den Sf3 blockiert und somit zeitaufwändig ist.
Schwarz beabsichtigt also sowas wie ...d6/c6/h6/Sf6/Sbd7 und dann ...g6/Lg7/0-0 oder aggressiver ...g5/Lg7/Sd7-f8-g6-f4/Tg8/Lh3... mit furchterregendem schwarzen Königsangriff ... Soweit der schwarze Traum. Wenn Weiß positionell ziemlich planlos spielt und erstmal einfach nur "normale" Entwicklungszüge macht, kommt Schwarz überraschend häufig damit durch.
Weiß sollte also nicht "allzu normal" spielen. Weiß kann natürlich extrem vorsichtig spielen und den schwarzen Plan verhindern (etwa nur d3 statt d4, selbst g3/h3/Lg2, Sb1-d2-f1-g3 etc.), aber das wäre irgendwie lachhaft, daß Weiß sich nach 2...De7?! schon in der Verteidigung einrichtet. Der bessere weiße Plan ist eben, die schwarze Mitte doch irgendwie aufzureißen, obwohl (s.o.) dies nicht so simpel ist. Weiße Motive dabei wären z.B. Le3/0-0/Se1/f4 oder Sf3-d2-c4-d6+ oder a4/b3/La3 usw. Das ist nicht ganz einfach:
Weiß muß die richtige Mischung finden aus (1) normaler Entwicklung, (2) Prophylaxe gegen schwarzen Plan, (3) der Drohung, die Mitte (mit einem Opfer) taktisch brutal aufzureißen und (4) der Bereitschaft, sich ggf. mit einigem positionellem Vorteil zufriedenzugeben, falls Schwarz Konzessionen wie spätem ...exd4 macht.
Sorry, besser kann man das nicht angeben, der schwarze Aufbau ist flexibel und zugumstellungreich! Und man braucht mit Weiß wohl eben auch eine gewisse Erfahrung und Spielstärke, um damit gegen 2...De7 erfolgreich zu sein (dann ist man es aber auch und
2...De7 ist nicht wirklich gut!)
Literatur zu 2...De7 gibt es nicht viel.
Meines Wissens eigentlich nur die Uraltbücher von Gunderam selbst:
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Gerhart Gunderam, Neue Eröffnungswege - ein Schachpraktikum (in 2 Bänden: 140+71 Seiten, Berlin 1967-72, vergriffen, findet man hin und wieder bei eBay oder bei zvab.de zu jeweils 5-20€ das Stück)
Das "Werk" behandelt nur zum Teil 2...De7, daneben noch allerhand anderes "verschrobenes Zeug" wie Franco-Benoni, Königsindisch-6Bauern-Angriff usw.
Eine sehr interessante Darstellung aus weißer Sicht findet man in
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Neil McDonald, Starting out 1e4 - a reliable repertoire for the improving player (200 Seiten, Everyman London 2006, ~18€ ,
http://www.everymanchess.com/chess/b...proving_player)
Nicht direkt ein theoretische Abhandlung über 2...De7 (sondern ein komplettes 1.e4-Weißrepertoire für 1400-1800-Niveau), aber an einer Stelle zeigt GM McDonald auf paar Seiten, wie man ganz allgemein am besten gegen "unregelmäßige Überraschungen" vorgeht. Und als Beispiel wählt er genau eine der wenigen modernen Meisterpartien mit 2...De7.
Wenn ich mich recht erinnere, ist in
Khalifmans Opening for White according to Anand Volume I (Spanisch ohne 3...a6, Russisch, Philidor, Lettisch, Unregelmäßiges; 236 Seiten, ChessStars 2003, ~23€,
http://books.chessmix.com/anand-ches...o-anand-1.html ) auch bißchen was (aber wenig) drin, die Reihe setzt allerdings eine gewisse (taktische wie positionelle) Technik voraus.
Ansonsten kann man natürlich auch die
Datenbanken nach möglichst hochwertigen Partien unter
ECO-Code C40 oder C41 durchforsten (2...De7 und 2...d6 3.d4 De7 unterscheiden sich wohl kaum).
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Das
Motiv, daß ein
früher Damenzug nach e7/e2 die Zentrumsstellung zusammenhält und Linienöffnungen/Abtäuschen aus dem Weg geht, kommt natürlich auch in anderen Eröffnungen vor:
- 1.e4 e6 2.De2
- 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.De2
- 1.e4 c5 2.c3 Sf6 3.d3 d5 4.De2
- 1.e4 c6 2.d3 d5 3.De2
- 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.De2
- 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.c3 Sf6 4.d3 d5 5.De2
usw.
Mit Weiß haben diese Varianten tendenziell weniger Biss als die Hauptvarianten, sind aber nicht ganz ungiftig, falls Schwarz schablonenhaft spielt. Mit Schwarz ist sowas aber schon ziemlich gefährlich, s.o.
Ähnlich, aber irgendwie doch ganz anders (und meist "deutlich besser" bzw. zumindest "einigermaßen spielbar"!), ist ...De7 nach bereits erfolgter Entwicklung des Lf8, also etwa:
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 Lb4+ 4.Ld2 De7
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 De7
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Okay, das war´s erstmal...
tracke

PS:
Der
Thread gehört wohl eher unter "Offene Spiele" oder "Spezialsysteme" als ins "Eröffnungsarchiv" ?!