Das sind die Regeln von Türkisch-Schach:
Allgemeine Einführung und Regelwerk
Alternativschach, hier auch Türkischschach genannt, ist eine Erfindung des Rheinlandes. Ob für die Entwicklung und Namensgebung der recht hohe Anteil türkischstämmiger Mitbürger verantwortlich ist, wird wohl nicht mehr zu klären sein. Der Schachverein Würselen im Aachener Schachverband, preist sich im Übrigen als der Geburtsort dieser Schachvariante. Hier findet alljährlich auch die so genannte Weltmeisterschaft im Türkischschach statt, ein Turnier, welches während der Sommerpause, in welcher der reguläre Ligabetrieb ruht, für erheblich Kurzweil und große Spannung sorgt. Der Autor, soviel sei an dieser Stelle verraten, ist amtierender Weltmeister in dieser lustigen Disziplin.
Türkischschach funktioniert im Prinzip nach den klassischen Regeln, allerdings beginnt Schwarz. Die einzige grundlegende Regeländerung stellt die Art des Schlagens von Spielsteinen dar. Die Bauern sind die Meister dieses Spiels, denn nur sie dürfen andere Steine schlagen. Springer, Läufer, Turm, Dame und König dürfen zwar nach den klassischen Regeln ziehen, dürfen aber keine anderen Steine schlagen. Das Schachbrett bleibt demnach relativ voll, denn sehr schnell verkeilen sich die Bauern ineinander. Schon jetzt wird erkennbar, dass die Remisbreite recht hoch ist. Wie ist nun möglich, den Sieg zu erringen? Zwar dürfen die eigenen Figuren keine gegnerischen Figuren schlagen, Schachgebote allerdings, also Königsschlagen, bleibt erlaubt. Da der König die gegnerischen Figuren allerdings nicht schlagen kann, entstehen äußerst originelle Mattbilder. Hier ein Beispiel:
Diagramm 20

Diagramm 20 - Schwarz am Zug
Schwarz zog gerade
1. d5-c4:?
Ein tödlicher Fehler, denn nun dringt die Dame in die schwarze Stellung ein und wütet bis zum Matt.
2. … Df3-c6+!
Die weiße Dame kann nicht geschlagen werden, da nur Bauern diese Fähigkeit besitzen.
2. Se5-d7 Dc6-c8+
3. Ke8-f7
Nun beginnt die Königsjagd mit unrühmlichem Ende.
3. … Dc8-e8+
Steht die feindliche Dame erst einmal derart in Feindkontakt, ist der nahende Tod unwiderruflich. Begleitet wird eine solche Attacke in Kennerkreisen mit dem Ausspruch „Sie kömt!“, was wohl soviel heißen soll wie „Sie kommt!“.
4. Kf7-g8 De8-f7++
matt
Taktische und strategische Grundüberlegungen
Über das Mittelspiel hinaus dauern Türkischschach-Partien in der Regel nicht. Dies liegt daran, dass Türkischschach vom Angriff auf den gegnerischen König im Getümmel des Mittelspiels mit zahlreichen aktiven Figuren lebt. Erreicht einer der beiden Parteien eine so genannte sichere „Bunkerstellung“, kann die andere Partei keinen Sieg mehr erzwingen. Eine sichere Bunkerstellung ist stets dann gegeben, wenn der eigene König von in der Regel eigenen Bauern bzw. Figuren derart sicher abgesichert wird, dass der Gegner diese Festung nicht mehr erobern kann. Auch noch so viel Materialübergewicht reicht dann nicht aus, um doch noch den Sieg davon zu tragen. Der Verteidigende steht besonders dann in einer sicheren Bunkerstellung, wenn der eigene König Luft zum Atmen hat, also sich selber noch bewegen kann. Dies ist gerade dann von Vorteil, wenn die Gefahr droht, austempiert zu werden, also gezwungen zu sein, die Festung zu schwächen. Wenn nun der eigene König innerhalb einer Festung beweglich bleibt, entsteht niemals dieser Zwang zur Schwächung der eigenen Festungsstellung. Auch notwendig für eine sichere Bunkerstellung ist das Fehlen möglicher Hebel des Gegners. Meist in Form von Bauernvorstößen könnten Bauernhebel eine Festung erheblich gefährden.
Nachfolgende Stellung (Diagramm 21) ist für Schwarz nicht mehr zu verlieren! Der schwarze König ist von eigenen Figuren sicher umschlossen, gegnerische Figuren können nicht mehr eindringen, der König hat Luft zum Atmen, gegnerische Hebel sind nicht mehr zu befürchten.
Diagramm 21

Diagramm 21 - Schwarz im Bunker
Dass eine solche Stellung eine Idealstellung darstellt, bedarf keiner vertiefenden Analyse, denn in dieser Stellung hat nur noch der Chef der schwarzen Steine Aussicht auf Erfolg. Gerade im Türkischschach kommt es darauf an, zunächst einmal das eigene „Backoffice“ zu sichern, um sodann kontrolliert nach vorne agieren zu können. Blinder Aktionismus und gerade auch wildes Anstürmen führt im Türkischschach schnell zum Verlust, weil eigener Angriff zumeist auch eine Schwächung der eigenen Verteidigungslinien verursacht.
TK - Quelle: Döring: Alternatives Schach . Urania 2007
Also kurz und knapp: nur die Bauern dürfen schlagen