Hallo BlackKing1971!
Ziemlich schwer, darauf allgemein zu antworten. Bzw. eventuell nicht sehr hilfreich. Außerdem gibt es hier im Forum wohl nicht viele Schachfreunde 2200+ und noch weniger, die regelmäßig lesen und posten.
Es kommt vielleicht auch erstmal darauf an, ob Du selbst irgendwelchen speziellen Probleme/Schwächen bei Dir siehst.
Ist das nicht der Fall, so gebe ich die üblichen Tips:
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viel spielen: mindestens 25 Turnierpartien pro Jahr
- eigene Partien
gründlich analysieren, mindestens 4h pro Partie
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ernsthaft spielen: selber kaum remis anbieten, Partien ausspielen (Kurzremisen sind nur erlaubt, wenn es direkt/unmittelbar mit Turniersieg/Klassenerhalt o.ä. belohnt wird); Blitz-, Bier-, Laber- und Internetschach (muß alles sein!) sollte höchstens 20% der Zeit ausmachen, die Du für Schach hast
Taktiktraining ist natürlich immer sinnvoll, mache ich aber eher unregelmäßig, wenn mir 'ne Schachzeitung über'n Weg läuft. Eher schon in dem Sinne, daß ich, wenn bei der Analyse einer scheinbar harmlosen Stellung plötzlich "die Engine ausschlägt", die entsprechende mehrzügige Enginevariante auf keinen Fall ablese, sondern das Engine-Fenster sofort schließe und selber gucke, welche kleine Finesse tief in der Stellung verborgen liegt.
Für wichtiger halte ich da schon
Endspieltraining, vor allem Turmendspiele! Die gängigen Themen dürften auf 2100-2200-Niveau ja schon ausreichend bekannt sein, eine vertiefende Auffrischung ist aber sehr empfehlenswert, etwa "100 Endgames you must know" von de la Villa, genau für dieses Niveau und diese Zwecke geschrieben.
Mittelspiel-/Strategie-Training unabhängig von Eröffnungen mache ich eigentlich nicht. Ich versuche aber, alle Partien der Top20 bißchen zu verfolgen. Insbesondere filtere ich aus jedem TWIC alle Partien 2500+ und gehe JEDE dieser Partien ganz kurz (20-90sec) durch: dabei finde ich wöchentlich etwa ein Dutzend Partien, die aus irgendeinem Grund interessant sind, die gehe ich jeweils ca. 3-15min durch. Das muß für mich als Ideenbörse und Kreativitäts-Input genügen.
Kommen wir zu den
Eröffnungen. Wenn man intelligent damit umgeht, kann man sich meiner Meinung nach in diesem Bereich (samt zugehöriger Mittelspiel-Strukturen) ganz gehörig verbessern und daraus auch sein Schach ganz allgemein verbessern!
Natürlich will ich hier keine speziellen EÖ empfehlen, wäre wohl auch nutzlos ...
Erstens sollte aber vom 2000-Niveau an das Repertoire zu 99% aus "korrekten" EÖ bestehen. Zu jeder EÖ, die man spielt, sollte man mindestens 3 GM aus den Top200 finden, die das Zeug regelmäßig und auch gegen Vorbereitung spielen.
Zweitens sollte man dementsprechend größtenteils Hauptvarianten spielen, sich aber nicht nur in superscharfe und theorieintensive Modevarianten verzetteln. Am besten "alte Hauptvarianten", die ein bißchen aus dem Theorieduell-Fokus der Super-GM geraten sind, zu denen man aber immer wieder paar (aber nicht zuviele) aktuelle Super-GM-Partien findet.
Drittens sollte man aber definitiv einen kleinen Bereich seines Repertoires haben, wo man immer auf dem neusten Super-GM-Stand ist und der aktuellen Entwicklung folgt; dies ist meines Erachtens ungemein lehrreich, weil man über einen längeren Zeitraum sieht, wie Meister mit EÖProblemen umgehen. Tendenziell sind dies vor allem paar kritische Schwarz-Varianten, BlackKing1971, denn auf unserem Niveau trifft man doch schon regelmäßig auf Theorie-Monster, die ihren Khalifman/Avrukh/Marin o.ä. komplett absorbiert haben und 1.e4 oder 1.d4 oder 1.c4 entsprechend vortragen. (Ich z.B. spiele mit Weiß gern halbwegs Ruhiges wie Spanisch-Abtausch oder Lb5-Sizi, aber mit Schwarz muß ich bei Caro-Kann-Vorstoß oder Slawisch mit 6.Se5 ziemlich auf dem neuesten Stand sein, um nicht unterzugehen. Und gerade bei Zentral-Slawisch habe ich m.E. viel über Zentrumsdynamik gelernt, weil sich dort in den letzten 15 Jahren furchtbar viel getan hat, die beste schwarze Antwort hat mehrfach gewechselt, ich habe mitgelitten und verstanden, warum die Meister Abspiele aufgaben, wo und wie sie neue fanden und bei welchen Rettungsankern sie zwischendurch parkten). Wenn man etwa mit Schwarz Spanisch-Bird und Altindisch spielt, dann ist dort in den letzten Jahren (Jahrzehnten?) nichts wesentliches passiert - ganz abgesehen von möglichen objektiven Mängel bekommt man für diese Varianten kaum kreativen Input von draußen. Als Amateur kann man diese Entwicklungen der Top-Theorie sicher nicht in ganzer Breite und in ganzer Tiefe mitmachen, in einem kleinen Ausschnitt sollte man es schon versuchen!
Viertens (und das ist jetzt genau umgekehrt!) sollte man auf jeden Fall auch einen kleinen Bereich haben, wo man abseits aller kurzlebigen Hauptvarianten einfach nur Schach spielt und bißchen kreativ ist. Auch, aber nicht nur, um ggf. Theorieduellen aus dem Wege gehen zu können. Also mit Weiß mal 1.Sc3, 1.f4 oder 1.b3 einschalten, mit Schwarz mal Dd8-Skandi oder Franz mit 3...a6/h6 o.ä.
Okay, soweit war das vielleicht auch nichts so furchtbar Neues ...
"Wer sich im Schach verbessern will, sollte eine neue Eröffnung lernen!" (Kortschnoi)
Da ist viel Wahres dran. Das systematische Lernen einer völlig neuen EÖ mit möglichst neuen Mittelspielstrukturen kann wahre Wunder bewirken. Die meisten "älteren" Schachfreunden (alles über 30) spielen mit 30, 35, 40, 45, 50 ... Jahren zum größten Teil immer noch die gleichen Eröffnungen/Strukturen, die sie sich mit 16-20 (max.25) Jahren angeeignet haben. Vielleicht wurde mal ´ne Variante aufpoliert, das Subsystem geändert oder "sogar" auf was Ähnliches gewechselt (von Pirc auf Modern, von Königsgambit auf Wiener Partie, von 1.c4 auf 1.Sf3), aber an sich sind die meisten Spieler ziemlich träge. Ist auch ziemlich verständlich, schließlich ist nach Abschluß von Schule/Ausbildung/Studium oft weniger Zeit! Und da "man in seinen Systemen drin ist" und die Erfahrung noch wächst, ist man auch nicht allzu erfolglos damit.
Eine neue Eröffnung kann einen neuen Schub bewirken und den Horizont wesentlich erweitern. Am besten lernt man eine "große Eröffnung" mit ungewohnten Strukturen, die man noch nie zuvor ernsthaft angewandt hat. Also Nimzo-Indisch/Slawisch für alle KID/Benoni-Fans, Spanisch für eingefleischte Franzosen und Drachen für alle Russen (und umgekehrt)?! Oder auch 1.d4 ( nebst HV, also z.B. Nimzo-Rubinstein) für lebenslängliche e4-er . Ist natürlich ziemlich arbeitsaufwendig. Denn erstens sollte die neue Eröffnung wirklich eines der großen, strategisch reichhaltigen Systeme sein, man sollte diesen Schritt nicht zu klein wählen!! Und zweitens wird es erhebliche Startschwierigkeiten geben, wenn man die neue EÖ gegen leicht schwächere Gegner spielt, die ihre Seite schon seit Jahren routiniert handhaben.
Trotz dieser Bedenken ist dies m.E. eine der besseren und vielleicht auch angenehmeren Möglichkeiten, sein Schach auf einen neuen Level zu heben!
[Ich selbst habe mir z.B. vorgenommen, mein Anti-d4-Repertoire gründlich zu erweitern: bisher habe ich das DG exzessiv und gründlich erforscht (QGD, QGA, Slaw/SemiSlaw/a6Slaw), früher Grünfeld und Leningrader. Nun soll's mal was ganz anderes sein, ich schwanke noch zwischen der großen Lösung (KID) und der "kleinen"(Wolga)]
Ansonsten verweise ich auf die Dworetzki-Literatur sowie z.B. auf das ausgezeichnete "How Chess Games are won and lost" von L.B.Hansen, die sich wohl genau diesem Level (von 2000-2200 auf 2250-2450) widmen.
Bezüglich Privattrainer muß man ja auch nicht regelmäßig und andauernd Stunden nehmen - etliche GM bieten wohl auch an, daß sie einmal (für 50-200€ ?!) 10-30 Partien von Dir analysieren und Dir dann Empfehlungen zum eigenständigen Training geben!
tracke

PS: Und letztendlich muß Dir bewußt sein, daß Du mit Deiner Spielstärke schon zu den besten 3% aller organisierten Schachspieler gehörst! Natürlich wäre es noch besser, zu den besten 2 oder 1,5 oder 0,8 % zu gehören ...