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Schachtraining privat

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  effektives Schachtraining Beitrag #1 (permalink)  
Alt 17.05.2010, 09:57
BlackKing1971
Neuling
 
Registriert seit: 04.2009
Beiträge: 8
effektives Schachtraining

Hallo an alle Spieler ab einer Spielstärke 2200 und besser.


Welche Trainigsmethode habt ihr angewandt, um die Spielstärke zu verbessern?

Eröffnungstheorie

Mittelspielstrategie

Endspieltechnik

eigene Partienanalyse mit PC (Fritz) oder Trainer

Partienanalyse von Profispielern (GM und WM)

Taktikaufgaben

Sonstiges


Und wieviel Stunden pro Tag trainert ihr und was genau wird trainiert ?

Wieviel Turniere/Partien spielt ihr im Jahr?


Ich selber habe eine Spielstärke von Elo 2190 (DWZ 2100) und komme aber seit Jahren nicht weiter .....(immer wieder eine schlechte und gute Schachsaison)...... Erfahrungsberichte von Schachspielern, die auch "klein" angefangen haben und jetzt eine Elozahl weit über 2200 und besser haben interessieren mich sehr!

Wie habt Ihr euer Ziel erreicht?
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  effektives Schachtraining Beitrag #2 (permalink)  
Alt 17.05.2010, 18:24
TAFKABP
Schachjournalist
 
Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
Hi,

meine bescheidene Meinung dazu:

Möglichkeit Nr.1-Du hast Deine Leistungsgrenze bereits erreicht.

(Hast nicht geschrieben wie alt Du bist und wie lange Du schon spielst)

Möglichkeit Nr.2-Du trainierst falsch und hast vielleicht keinen Trainer der zielgerichtet auf die Schwächen Deines Spiels hinweist. Ein guter Schachtrainer kann denke ich ne´Menge reißen. Nur will der natürlich Kohle sehen. Da muss man dann abwegen, ob einem das die Kohle und die Ackerei wert ist. Aber im Alleingang wird´s vermutlich nicht´s mit dem Elosprung. Da verplempert man sicherlich zu viel Zeit mit den falschen Dingen. Das Training muss effizient sein.
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  effektives Schachtraining Beitrag #3 (permalink)  
Alt 19.05.2010, 02:50
BlackKing1971
Neuling
 
Registriert seit: 04.2009
Beiträge: 8
Hi,

danke für die ehrlichen Worte.

Bin 40 J. alt und spiele seit dem 12. Lebensjahr Schach.
Ein Privattrainer wäre natürlich am besten...aber leider zu teuer..

Gruß,
BlackKing
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  effektives Schachtraining Beitrag #4 (permalink)  
Alt 21.05.2010, 16:39
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Hallo BlackKing1971!

Ziemlich schwer, darauf allgemein zu antworten. Bzw. eventuell nicht sehr hilfreich. Außerdem gibt es hier im Forum wohl nicht viele Schachfreunde 2200+ und noch weniger, die regelmäßig lesen und posten.

Es kommt vielleicht auch erstmal darauf an, ob Du selbst irgendwelchen speziellen Probleme/Schwächen bei Dir siehst.

Ist das nicht der Fall, so gebe ich die üblichen Tips:
- viel spielen: mindestens 25 Turnierpartien pro Jahr
- eigene Partien gründlich analysieren, mindestens 4h pro Partie
- ernsthaft spielen: selber kaum remis anbieten, Partien ausspielen (Kurzremisen sind nur erlaubt, wenn es direkt/unmittelbar mit Turniersieg/Klassenerhalt o.ä. belohnt wird); Blitz-, Bier-, Laber- und Internetschach (muß alles sein!) sollte höchstens 20% der Zeit ausmachen, die Du für Schach hast

Taktiktraining ist natürlich immer sinnvoll, mache ich aber eher unregelmäßig, wenn mir 'ne Schachzeitung über'n Weg läuft. Eher schon in dem Sinne, daß ich, wenn bei der Analyse einer scheinbar harmlosen Stellung plötzlich "die Engine ausschlägt", die entsprechende mehrzügige Enginevariante auf keinen Fall ablese, sondern das Engine-Fenster sofort schließe und selber gucke, welche kleine Finesse tief in der Stellung verborgen liegt.
Für wichtiger halte ich da schon Endspieltraining, vor allem Turmendspiele! Die gängigen Themen dürften auf 2100-2200-Niveau ja schon ausreichend bekannt sein, eine vertiefende Auffrischung ist aber sehr empfehlenswert, etwa "100 Endgames you must know" von de la Villa, genau für dieses Niveau und diese Zwecke geschrieben.
Mittelspiel-/Strategie-Training unabhängig von Eröffnungen mache ich eigentlich nicht. Ich versuche aber, alle Partien der Top20 bißchen zu verfolgen. Insbesondere filtere ich aus jedem TWIC alle Partien 2500+ und gehe JEDE dieser Partien ganz kurz (20-90sec) durch: dabei finde ich wöchentlich etwa ein Dutzend Partien, die aus irgendeinem Grund interessant sind, die gehe ich jeweils ca. 3-15min durch. Das muß für mich als Ideenbörse und Kreativitäts-Input genügen.

Kommen wir zu den Eröffnungen. Wenn man intelligent damit umgeht, kann man sich meiner Meinung nach in diesem Bereich (samt zugehöriger Mittelspiel-Strukturen) ganz gehörig verbessern und daraus auch sein Schach ganz allgemein verbessern!
Natürlich will ich hier keine speziellen EÖ empfehlen, wäre wohl auch nutzlos ...
Erstens sollte aber vom 2000-Niveau an das Repertoire zu 99% aus "korrekten" EÖ bestehen. Zu jeder EÖ, die man spielt, sollte man mindestens 3 GM aus den Top200 finden, die das Zeug regelmäßig und auch gegen Vorbereitung spielen.
Zweitens sollte man dementsprechend größtenteils Hauptvarianten spielen, sich aber nicht nur in superscharfe und theorieintensive Modevarianten verzetteln. Am besten "alte Hauptvarianten", die ein bißchen aus dem Theorieduell-Fokus der Super-GM geraten sind, zu denen man aber immer wieder paar (aber nicht zuviele) aktuelle Super-GM-Partien findet.
Drittens sollte man aber definitiv einen kleinen Bereich seines Repertoires haben, wo man immer auf dem neusten Super-GM-Stand ist und der aktuellen Entwicklung folgt; dies ist meines Erachtens ungemein lehrreich, weil man über einen längeren Zeitraum sieht, wie Meister mit EÖProblemen umgehen. Tendenziell sind dies vor allem paar kritische Schwarz-Varianten, BlackKing1971, denn auf unserem Niveau trifft man doch schon regelmäßig auf Theorie-Monster, die ihren Khalifman/Avrukh/Marin o.ä. komplett absorbiert haben und 1.e4 oder 1.d4 oder 1.c4 entsprechend vortragen. (Ich z.B. spiele mit Weiß gern halbwegs Ruhiges wie Spanisch-Abtausch oder Lb5-Sizi, aber mit Schwarz muß ich bei Caro-Kann-Vorstoß oder Slawisch mit 6.Se5 ziemlich auf dem neuesten Stand sein, um nicht unterzugehen. Und gerade bei Zentral-Slawisch habe ich m.E. viel über Zentrumsdynamik gelernt, weil sich dort in den letzten 15 Jahren furchtbar viel getan hat, die beste schwarze Antwort hat mehrfach gewechselt, ich habe mitgelitten und verstanden, warum die Meister Abspiele aufgaben, wo und wie sie neue fanden und bei welchen Rettungsankern sie zwischendurch parkten). Wenn man etwa mit Schwarz Spanisch-Bird und Altindisch spielt, dann ist dort in den letzten Jahren (Jahrzehnten?) nichts wesentliches passiert - ganz abgesehen von möglichen objektiven Mängel bekommt man für diese Varianten kaum kreativen Input von draußen. Als Amateur kann man diese Entwicklungen der Top-Theorie sicher nicht in ganzer Breite und in ganzer Tiefe mitmachen, in einem kleinen Ausschnitt sollte man es schon versuchen!
Viertens (und das ist jetzt genau umgekehrt!) sollte man auf jeden Fall auch einen kleinen Bereich haben, wo man abseits aller kurzlebigen Hauptvarianten einfach nur Schach spielt und bißchen kreativ ist. Auch, aber nicht nur, um ggf. Theorieduellen aus dem Wege gehen zu können. Also mit Weiß mal 1.Sc3, 1.f4 oder 1.b3 einschalten, mit Schwarz mal Dd8-Skandi oder Franz mit 3...a6/h6 o.ä.

Okay, soweit war das vielleicht auch nichts so furchtbar Neues ...

"Wer sich im Schach verbessern will, sollte eine neue Eröffnung lernen!" (Kortschnoi)
Da ist viel Wahres dran. Das systematische Lernen einer völlig neuen EÖ mit möglichst neuen Mittelspielstrukturen kann wahre Wunder bewirken. Die meisten "älteren" Schachfreunden (alles über 30) spielen mit 30, 35, 40, 45, 50 ... Jahren zum größten Teil immer noch die gleichen Eröffnungen/Strukturen, die sie sich mit 16-20 (max.25) Jahren angeeignet haben. Vielleicht wurde mal ´ne Variante aufpoliert, das Subsystem geändert oder "sogar" auf was Ähnliches gewechselt (von Pirc auf Modern, von Königsgambit auf Wiener Partie, von 1.c4 auf 1.Sf3), aber an sich sind die meisten Spieler ziemlich träge. Ist auch ziemlich verständlich, schließlich ist nach Abschluß von Schule/Ausbildung/Studium oft weniger Zeit! Und da "man in seinen Systemen drin ist" und die Erfahrung noch wächst, ist man auch nicht allzu erfolglos damit.
Eine neue Eröffnung kann einen neuen Schub bewirken und den Horizont wesentlich erweitern. Am besten lernt man eine "große Eröffnung" mit ungewohnten Strukturen, die man noch nie zuvor ernsthaft angewandt hat. Also Nimzo-Indisch/Slawisch für alle KID/Benoni-Fans, Spanisch für eingefleischte Franzosen und Drachen für alle Russen (und umgekehrt)?! Oder auch 1.d4 ( nebst HV, also z.B. Nimzo-Rubinstein) für lebenslängliche e4-er . Ist natürlich ziemlich arbeitsaufwendig. Denn erstens sollte die neue Eröffnung wirklich eines der großen, strategisch reichhaltigen Systeme sein, man sollte diesen Schritt nicht zu klein wählen!! Und zweitens wird es erhebliche Startschwierigkeiten geben, wenn man die neue EÖ gegen leicht schwächere Gegner spielt, die ihre Seite schon seit Jahren routiniert handhaben.
Trotz dieser Bedenken ist dies m.E. eine der besseren und vielleicht auch angenehmeren Möglichkeiten, sein Schach auf einen neuen Level zu heben!
[Ich selbst habe mir z.B. vorgenommen, mein Anti-d4-Repertoire gründlich zu erweitern: bisher habe ich das DG exzessiv und gründlich erforscht (QGD, QGA, Slaw/SemiSlaw/a6Slaw), früher Grünfeld und Leningrader. Nun soll's mal was ganz anderes sein, ich schwanke noch zwischen der großen Lösung (KID) und der "kleinen"(Wolga)]

Ansonsten verweise ich auf die Dworetzki-Literatur sowie z.B. auf das ausgezeichnete "How Chess Games are won and lost" von L.B.Hansen, die sich wohl genau diesem Level (von 2000-2200 auf 2250-2450) widmen.

Bezüglich Privattrainer muß man ja auch nicht regelmäßig und andauernd Stunden nehmen - etliche GM bieten wohl auch an, daß sie einmal (für 50-200€ ?!) 10-30 Partien von Dir analysieren und Dir dann Empfehlungen zum eigenständigen Training geben!

tracke

PS: Und letztendlich muß Dir bewußt sein, daß Du mit Deiner Spielstärke schon zu den besten 3% aller organisierten Schachspieler gehörst! Natürlich wäre es noch besser, zu den besten 2 oder 1,5 oder 0,8 % zu gehören ...
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  effektives Schachtraining Beitrag #5 (permalink)  
Alt 21.05.2010, 20:55
TAFKABP
Schachjournalist
 
Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
[QUOTE] Oder auch 1.d4 ( nebst HV, also z.B. Nimzo-Rubinstein) für lebenslängliche e4-er . Ist natürlich ziemlich arbeitsaufwendig. /QUOTE]

Wäre nicht´s für mich. 1.d4, 1.Sf3 haben mir bisher nur Scherereien eingebracht. Ich spiele konsequent 1.e4 und fahre gut damit. Alleine die Vorbereitung dafür ist schon ein Wahnsinn. Vielleicht ist man dadurch leichter auszurechnen?! Egal. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Die von Dir angesprochene "Spielerexpertise" kann m.M. nach schon ein richtiger Zugewinn sein. Sagen wir einmalig 75-100 EURO abdrücken und man bekommt von einem Fachmann- der auch wirklich was von der Sache versteht, also einem guten Trainer mit Meisterklasse- eine Analyse seiner Partien. Evtl. darauf aufbauend Vorschläge für ein E-Repertoire und ein grober Trainingsplan. Vielleicht noch Literaturempfehlungen?! Vielmehr kann man dann auch nicht mehr erwarten für das Geld.
Der Vorteil ist, man bekommt etwas auf seine " Bedürfnisse " zugeschneidertes und man zahlt einmalig. Hat die Kosten im Überblick. So weit ich weiß kostet ein Trainer zwischen 15-25 Steine die Stunde. Das kann sich ja kaum jemand leisten. Also dann trainiere ich lieber autodidaktisch.
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  effektives Schachtraining Beitrag #6 (permalink)  
Alt 22.05.2010, 00:23
RemieM
Ass des Forums
 
Registriert seit: 02.2007
Beiträge: 318
Kleine Schritte

Zitat:
Zitat von TAFKABP Beitrag anzeigen
Wäre nicht´s für mich. 1.d4, 1.Sf3 haben mir bisher nur Scherereien eingebracht.[...]
Klingt für mich als solltest du genau in den Partien gute Hinweise auf deine gravierendsten Schwächen finden.

Zitat:
Zitat von TAFKABP Beitrag anzeigen
[...]Alleine die Vorbereitung dafür ist schon ein Wahnsinn. [...]
Du könntest dich ja langsam an 1.d4 rantasten. Mit Schwarz könntest du dem Gegner die Möglichkeit geben in ein d4-System zu wechseln (z.B. Moderne Verteidigung statt Pirc) und gegen 1.d4 bzw. 1.Nf3 selber öfter wechseln. Wenn du dich dabei immer fragst, was du mit Weiß spielen würdest, hast du schon ein Fundament für ein 1.d4 Weiß-Repertoire. Mit Weiß wäre vielleicht Richter-Veresov eine Möglichkeit, um sich gefühlsmäßig an 1.d4 ranzupirschen. Nach lauter kleinen Schritten ist der Schritt auf 1.d4, 2.c4 nicht mehr so groß.


RIP

Geändert von RemieM (22.05.2010 um 00:31 Uhr)
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  effektives Schachtraining Beitrag #7 (permalink)  
Alt 26.05.2010, 21:34
BlackKing1971
Neuling
 
Registriert seit: 04.2009
Beiträge: 8
Hallo,

vielen Dank für die ausführliche Antwort und den Tipps!

Beste Grüße,

Black King
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