Warum spielen wir denn Schach? Ich zumindest aus Freude am Spiel. Die habe ich beim Blitzen im Netz auf jeden Fall.
Die Auswirkungen auf die Spielstärke bei Turnierbedenkzeit sind nicht einfach zu beurteilen. Ich denke über Trainingseffekte des Netzblitzens dabei folgendes:

"Kleine" Taktiken werden stark trainiert. Damit meine ich kleine 2-3 zügige Kombinationen, einfache Ablenkungsopfer, Mattmotive z.B. Diese Muster kommen in Blitzpartien häufig vor und werden entsprechend memoriert.

Eröffnungvarianten prägen sich ein. Durch das Blitzen im Netz mit vielen unterschiedlichen Gegnern wird mein Eröffnungsrepertoire in seiner gesamten Breite abgefragt. Schwächen bzw. Lücken stellen sich somit innerhalb kurzer Zeit heraus, der Rest prägt sich gut ein.

Strategie "verbiegt" sich. Die Bewertung einer Stellung beim Blitz und beim Turnierschach ist einfach unterschiedlich. So ist ein offener König beim Blitz z.B. viel häufiger ein Problem als in einer Turnierpartie. Im Blitz kann man fast immer eine Figur gegen 2 Bauern und einen schlechten gegnerischen König geben. Ein Springer ist im Blitz wertvoller als in einer Turnierpartie. Winzige langfristige Vorteile sind im Blitz dagegen kaum etwas wert, da es in einer Blitzpartie meist viel gröber hin und her geht und sie selten ausschlaggebend werden. Auch kann man beim Blitzen mit Erfolg fragwürdige (für Turnierpartien) Eröffnungssysteme spielen, die dort eben schwer zu widerlegen sind. So erzieht uns viel Blitzen ganz unbewusst eine veränderte Stellungsbewertungsfunktion an. Durch vieles Blitzen kann sich z.B. die Wichtung von taktischen und strategischen Faktoren stark zu den taktischen verschieben.

Beim Blitz wird viel intuitiver gespielt, kaum gerechnet. Wenn ich viel geblitzt habe, merke ich in der nächsten Turnierpartie, dass meine Gedanken sprunghafter sind, ich impulsiver ziehe und vor allem nicht mehr akribisch Variante für Variante abarbeite, wie es die russ. Schachschule lehrt. Hier sehe ich das Hauptproblem.