Hallo Marsias!
Mit Arena kenne ich mich nicht so sehr aus (bei Chessbase-Engines gibt es ja den FritzMark-Test), aber etwas allgemeiner solltest Du Dich vielleicht erstmal fragen, wofür Du die Engines überhaupt benutzen willst?
Willst Du
... selber Partien gegen die Engine spielen?
... selber Trainingsstellungen gegen die Engine ausspielen ?
... Taktikaufgaben lösen lassen bzw. Lösungen damit überprüfen?
... eigene Partien komplett analysieren?
... kritische Eröffnungsstellungen analysieren?
... bei Online-Live-Übertragungen stets eine Stellungseinschätzung mitlaufen lassen?
... als Zentaur Advanced Chess bzw. Fernschach spielen?
... für die Engine Eröffnungsbücher oder andere Spielparameter optimieren?
... Engines gegeneinander spielen lassen?
Engines gegeneinander spielen zu lassen, halte ich für das Blödeste überhaupt; das ist so spannend wie dem Computer beim Defragmentieren zuzuschauen. Für manche Wissenschaftler (Informatik-Theoretiker und Schachprogrammentwickler) mag das ja notwendig und lehrreich sein, aber schachlich bringt das gar nichts.
Umgekehrt ist das Spielen gegen den Computer etwas desillusionierend, man verliert halt fast nur. Ich selbst schaffe in Schnellpartien (gegen Fritz11 auf 2,6GHz) gerade mal einen Score von ~5% und glaube damit noch ganz gut zu liegen. Andererseits heißt das m.E. überhaupt nicht, daß Computer "besser" sind als Menschen oder gar Schach tiefer "verstehen". Ganz im Gegenteil! Aber der Mensch macht halt 20 geniale Züge, 10 gute und 1 schlechten; der Computer macht monoton 31 taktisch wasserdichte, ordentliche Züge. Und der Computer gewinnt! Obwohl er über große Teile der Partie nach und nach strategisch überspielt wurde... (Meine Lehre aus den PC-Wettkämpfen von Kasparow, Kramnik & Co ist, daß die Super-GMs immer noch deutlich allen Fritzens, Rybkas und Hydras überlegen sind im Sinne von SchachSPIELEN; aber selbst die Topleute begehen halt hin und wieder eine Ungenauigkeit und fliegen gegen einen PC dann eben sofort weg)
Folglich kann die Einschätzung der Engines bei einer Stellungsanalyse nur ein ernster Hinweis, ein (sehr) starkes Argument sein. Aber kein Beweis und keine endgültige Wahrheit. Ein guter Spieler zusammen mit einer etwas schwächeren Engine wird immer deutlich stärker sein als eine etwas stärkere Engine allein. (Im entsprechenden Licht ist auch das heutige Fernschach zu sehen: die Spitzenspieler haben oder hatten als Nahschachspieler fast alle FM/IM-Niveau! Ein 1600er mit Spitzensoftware könnte dort nie in die Top100 einbrechen!!))
Aber man muß eben erstmal stark genug sein und genug vom Schach verstehen, um sich ein Urteil über die Engine-Einschätzung erlauben zu können. Weiter bedarf es einiger Erfahrung sowie eines grundsätzlichesn Verständnisses davon, wie Computer Schach denken (Wie Nunn sehr schön ausführt: Der Computer benutzt den Variantenbaum um eine Stellungsbewertung zu erhalten, der praktische Schachspieler hingegen benutzt eine intuitive Stellungsbewertung um den Variantenbaum zu straffen!)
Die meisten Spieler analysieren wohl mit dem Drei-Hirn- (bzw. dem Vier-Hirn-) System: Man läßt parallel 2 oder 3 Engines rechnen und sich etwa jeweils die 2-5 besten Fortsetzungen anzeigen. Der Mensch (als drittes oder viertes, auf jeden Fall als wichtigstes Hirn) beaufsichtigt das Ganze: erstens gibt er die Varianten vor, zweitens guckt er sich die Stellung auch unabhängig vom PC mal an, und drittens beurteilt er die Ergebnisse der Engines. Wenn die Engines auf großen Tiefen übereinstimmen, ist gut, ansonsten spielt man die angezeigten Varianten bißchen vor und zurück und guckt ob die Enginebewertungen sich annähern. Falls nicht, geht man entweder noch tiefer oder bricht ab und entscheidet aufgrund des eigenen Schachverstandes daß eine Engine falschliegt. Oder daß alle Engines falschliegen! (Erfolge im Spitzenfernschach resultieren daraus, daß man aufgrund des eigenes Schachverstandes dynamische Stellungen anstrebt bzw. die Engines auf solche "lenkt", die von den eigenen Engines zunächst nur unzureichend verstanden werden, denn nur dann hat man eine Chance, daß auch die Engines des Gegners was übersehen werden. Wer nur mit Computer spielt, macht zuviele Remis und erreicht in den FS-Qualifikationsturnieren immer das goldene Mittelfeld aber niemals die nötigen vorderen Plätze).
Für diese Mehr-Hirne benutzt man natürlich möglichst starke Einzelengines, die sich möglichst noch im Stil unterscheiden.
Zurück zur Ausgangsfrage:
Es ist sicher sinnvoll, erstmal die Engines gegeneinander spielen zu lassen, abgesehen von bißchen Strom kostet das ja nichts. Das Ergebnis sollte man aber nicht überinterpretieren, kann höchstens dazu dienen, erstmal paar Engines auszusortieren.
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