Ich habe mir gerade
The Benko Gambit von Jan Pinski zugelegt und dabei die folgenden Gedanken niedergeschrieben:
Zunächst ein paar Worte zum Wolga-Benkö-Gambit:
Das Wolga-Benkö-Gambit (WBG) gehört neben beispielsweise dem Budapester Gambit und dem Marshall-Gambit zu den wenigen Gambits, die auch von Großmeistern geschätzt und mäßig - aber regelmäßig - gespielt werden. Dabei unterscheidet es sich allerdings von meisten anderen Gambits. Während bei diesen der Gambitspieler häufig auf kurzfristige taktische Möglichkeiten hoffen darf, muß der WBG-Spieler einen längeren Atem haben. Denn seine Kompensation beruht eher auf einer langfristigen Initiative am Damenflügel. Neben taktischen Fähigkeiten muß man bei diesem Gambit also auch ein gutes Verständnis für die entstehenden Positionen besitzen.
Zum Buch selbst:
The Benko Gambit von Jan Pinski ist das aktuellste Buch, das sich mit dieser Eröffnung befaßt. Es hat nur zwar etwas über 120 Seiten, ist dabei aber größer als die meisten anderen Schachbücher. Der Preis könnte durchaus einige Euro niedriger sein.
Im Buch findet man 49 Haupt- und einige weitere, darin eingebettete Nebenpartien. Es gibt reichlich Varianten und Kommentare.
Weitere Plus- und Minuspunkte:
1) Der Druck ist sauber und gut lesbar.
2) Einführendes Kapitel zu den klassischen WBG-Strukturen
Hier werden wichtige Elemente des WBG vorgestellt: Der Läufer auf a6, Die Felder d3 und c6, lange schwarze Springermanöver und überraschende Läuferzüge. Manche taktischen Varianten könnten aber durchaus noch etwas ausführlicher dargestellt sein, da sie ohne Computerhilfe von schwächeren Spielern oft nur schwer erschlossen werden können.
3) Partienverzeichnis
4) Spielerverzeichnis
5) Variantenverzeichnis (sogar mit Diagrammen!)
6) Kurze Zusammenfassungen am Ende jeder! Hauptpartie
7) Kurze Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels
8) Schlabberiger Pappdeckel statt Hardcover-Einband
Bei dem Buchpreis ist dies nicht zu tolerieren. Außerdem läßt sich das Buch nicht geöffnet auf den Tisch oder neben ein Schachbrett legen.
Wünschenswert wären weiterhin ein Literaturverzeichnis sowie statistische Angaben über die Erfolgsaussichten der einzelnen Varianten.
Wer das WBG spielt, muß auch immer etwas gegen 1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.e3 oder 3.Sf3 parat haben. Beide Züge führen meistens zu anderen Eröffnungen. Da das Büchlein ohnehin nicht allzu dick ist, würde ein weiteres ergänzendes Kapitel hier doch sehr zur Abrundung des eigenen schwarzen Eröffnungsrepertoires beitragen - auch wenn diese Spielweisen nicht mehr zum WBG gehören.
The Benko Gambit dürfte in erster Linie von Spielern gelesen werden, die dieses Gambit selbst mit Schwarz spielen oder vielleicht spielen wollen. Warum werden dann die Diagramme im Buch ausnahmslos aus weißer Sicht gedruckt? Technisch sollte es heutzutage doch wohl kein Problem mehr sein die Diagramme andersherum zu drucken. Allerdings machen es leider 99,99% der anderen Schachbücher genauso.
Fazit:
The Benko Gambit ist für einen weiten Spielstärkebereich geeignet - die Einleitung richtet sich eher an die Kleinmeister, während der Variantenteil wohl mehr für die stärkeren Spieler gedacht ist, aber auch von schwächeren verstanden werden kann.
Zum Lesen reicht normales Schulenglisch meistens aus.
Ich hoffe, das reicht als kleine Info.