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Aagaard vs. Rowson
Hallo KaJin,
ich kenne sogar beide Bücher. Um genau zu sein, habe ich sie beide mal angelesen, richtig durchgearbeitet habe ich sie (noch) nicht. Aagaard habe ich mal aus der HH Stadtbibliothek ausgeliehen und Rowson jetzt gerade gekauft.
Eins vorweg:
Beide scheinen mir ihr Geld wert zu sein und sind recht ordentlich.
Aagaard beschäftigt sich mehr mit den Grundlagen von Grünfeld, wie ja bei der Starting-Out Reihe üblich. Das Buch ist nach den unterschiedlichen Systemen aufgeteilt, d.h.
- Klassische Abtausch-Variante
- Moderne Abtausch-Variante
- Varianten mit Lf4/Lg5
Die Systeme werden dem Grundsatz nach erklärt, es geht aber nicht sonderlich in die Tiefe. In meinem alten Schinken "Grünfeld-Verteidigung", Botwinnik/Estrin, 1986, 2.Auflage fand ich einige Varianten, die es hier nicht gibt. So fehlen zum Teil einige Nebenvarianten wie z.B. die Flohr-Variante (1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Sf3 Lg7 5.Da4+). Diese Variante ist nicht ganz ungefährlich, wenn der Schwarze sich nicht auskennt, obwohl Weiß objektiv wahrscheinlich nichts rausholen kann. Aagaard verfolgt dabei weitestgehend den Ansatz von Musterpartien, wie Rowson übrigens auch.
Rowson hat sein Buch nicht nach den unterschiedlichen Systemen gegliedert, sondern mehr nach den auftretenden Stellungsproblemen. So lauten seine Überschriften z.B.:
- Dealing with Delroy (Delroy ist der [potenzielle] d-Freibauer)
- The Anchor (in der Abtauschvariante kontrolliert Schwarz das "Ankerfeld" c4)
- A Pint of Carlsberg (In einigen Varianten hat Weiß die gleiche Bauernstruktur wie in der Karlsbader Variante des Abgelehnten Damengambits)
Man sollte sich hiervon nicht blenden lassen, denn letzten Endes behandelt Rowson die Theorie sogar genauer und tiefer als Aagaard. Die Partie Kramnik-Shirov mit der Klassischen Abtauschvariante behandelt er auf 8 Seiten und gwht dabei 3,5 Seiten auf den Sokolski-Angriff ( Quallenopfer mit 14. d5) ein, obwohl der in der Partie gar nicht gespielt wurde. Man wird also gut versorgt. Auf die Problematik eines Repertoires geht Rowson allerdings scheinheiligerweise nur auf einer einzigen Seite ein (!), in der er mal so am Rande schreibt:
Gegen die Abtauschvariante spielen sie das und das, wie in Partie X, Kapitel Y. Man merkt schon deutlich, daß Rowsons Hauptintention nicht darin steckt, den Leser ganz genau an die Hand zu nehmen. Fairerweise muß ich auch sagen, daß ich nicht ganz genau weiß, ob Rowson wirklich alles vollständig abdeckt (so genau habe ich das Buch nicht gelesen).
Allerdings muß man im Vergleich schon sagen, daß Rowson doch klar das Rennen macht. Er dringt wesentlich tiefer in die Problematiken ein, analysiert genauer und tiefer und gibt dem Leser auch gute Leitsätze an die Hand ("Please remember the guideline that Black should only play ...d5 when White is threatening to play e4."). Als Grünfeld-Neuling, (der du aber nicht bist) dürftest Du mit Rowson einige Probleme haben. Rowson benutzt im Gegensatz zu Aagaard auch gehobenes Englisch, das man aber auch gut verstehen kann. Bei Aagaard dürften auch die klar kommen, die in der Penne in Englisch eher Probleme hatten. Aagaard dürfte etwa von 1600-2000 angemessen sein, Rowson ab 1800 aufwärts. Solltest Du die Gelegenheit haben, günstig das o.g.Buch von Botwinnik z.B. bei eBay zu schießen, dann kann ich es Dir nur sehr empfehlen.
Es gibt auch eine Chessbase-CD von Knut Neven, die irgendwo im Mittelfeld rangieren dürfte. An Rowson langt sie jedenfalls nicht heran.
Gruß cream
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