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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 1 ( permalink)

20.07.2010, 00:56
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Forumsvollprofi
DWZ/Elo: DWZ ca. 1750
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Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 219
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Erwachsenen Schach beibringen
Folgende Situation:
"Zu dir kommt ein Studienkollege und will, dass du ihm Schach beibringst. Er kennt bis jetzt nur die Regeln, d.h. wie die Figuren ziehen und mit Freunden vielleicht ein paar mal gespielt."
Wie geht man am besten an die Sache ran, wenn man sich nur einmal die Woche für zwei Stunden trifft? Wo soll man anfangen?
Ich hatte folgende Ideen:
1) Idee:
Einfach nur mit ihm spielen und ihm im Laufe der Partie erklären, warum man diesen Zug gemacht hat und nicht jenen. Dabei takische Schläge zulassen und dabei das gute alte Denkschema eintrichtern: "Warum hat der Gegner diesen Zug gemacht? Droht etwas? Haben sich taktische Möglichkeiten ergeben? Habe ich alle forcierten Variaten und Schachs durchgerechnet?..." Problem:
Mir kommt es so vor als wäre ein ganze Partie für einen Anfänger zu anstrengend. Zu viele Informationen prasseln auf einen ein, die man sich nicht auf einmal merken kann. Außerdem schwindet schnell die Konzentration.
2) Idee:
Man arbeitet mit Endspielen. Schließlich wird dies von größen wie Capablanka oder dem bekannten Trainer Bruce Pendolfini propagiert. Irgendwo macht das auch Sinn, denn es sind wenige Steine auf dem Brett, der Anfänger kann sich mit den speziellen Eigenschaften der Figuren vertraut machen und ein wenig die Kalkulation mit Bauernendspielen trainieren.
Außerdem sind gute Endspielkenntnisse immer von Vorteil. Problem:
Der Anfänger langweilt sich schnell und sieht keinen Bezug zu seinen eigenen Partien, da er so gut wie nie in ein Endspiel kommt.
Außerdem glaub ich, dass die meisten Leute anfangen Schach zu spielen, weil weil sie von den überraschenden Wendungen dieses Spiels fasziniert sind und nicht weil sie gewonnene Bauernendspiel durchrechnen wollen.
3) Idee:
Man trainiert mit taktischen aufgeben, so wie z.B. Matt in 2. Der anfänger kann die Aufgeben durch reine Logik lösen, was zu Erfolgserlebnissen führt und folglich die Motivation steigert.
Darüber hinaus wird die Kombinationsfähigkeit trainiert und es wird gezeit wie wichtig es ist alle forcierten Züge durchzurechnen. Problem:
Taktikaufgeben kann jeder auch alleine zu Hause lösen. Dafür braucht man keinen Trainer.
Und nur dadurch, dass man ein Matt in 2 lösen kann fidet man sich noch lange nicht in einer richtigen Patie zu Recht.
4) Idee:
Ich gehe mit ihm einfach Kurzpartien durch und frage ihn an den interessanten Stellen was er jetzt spielen würde oder erkläre ihm warum dieser oder jener Zug zweifelhaft ist. Er lernt was "gesunde" Eröffnungszüge sind, kann Taktik trainieren und es geht dem König an den Kragen, was für andauerndes Iteresse sorgt. Problem:
Das ist von den oben genannten Ideen die einzige, die ich noch nicht probiert habe. Das hat auch einen Grund, denn ich denke, dass bei dieser Methode der Fokus zu sehr auf die Eröffnung gelegt wird. Es besteht die Gefahr, dass sich der Anfänger später zu sehr auf das Eröffnungssrudium konzentriert und seine schachliche Entwicklung vernachlässigt. Ich habe bei unseren "Trainingssessions" stets versucht die Eröffnung etwas außen vor zu lassen und den Fokus auf das Mittelsppiel zu lenken.
Ok, hat jemand von euch Erfahrungen mit so etwas? Was haltet ihr von den Ideen und kennt ihr vielleicht eine gute Methode, wie man einem 22 Jährigen Schach beibringt?
Gruß, Max.
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 2 ( permalink)

20.07.2010, 09:34
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Aktiver
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Registriert seit: 04.2010
Beiträge: 31
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Ich persönlich denke, dass sich Kinder- und Erwachsenentrainingin jeder Sportart nur in einem Punkt unterscheidet.
Im Fußball zum Beispiel lässt man die kleinen schneller an den Ball, weil sie für reine Laufübungen praktisch keine Motivation zeigen.
Im Schach sollte man Kinder öfter spielen lassen, um die Motivation hochzuhalten.
Bei deinem Studienkollegen ist das nicht in dem Ausmaß nötig.
Die Trainingsreihenfolge waren bei mir:
1. Die 3 goldenen Eröffnungsregeln (Zentrum besetzen, Figuren entwickeln und König in Sicherheit bringen) [Diese "Lektion" bringt bei den meisten schon einen großen Spielstärkenschub] (eventuell gefolgt von einer grundlegenden Eröffnung, ist aber hier noch unwichtig)
2. Rudimentäre Endspiele ( Mit Dame o. Turm o. 2. Läufern mattsetzen, einfache Bauernendspiele ["Wert der Oppositon"]
3. Erlernen und Üben von grundsätzlichen Taktik- und Positionsmotiven (Gabel, Spiess, Fesselung, Doppelschach etc. )
4. Positionsspiel (Bauernstrukturen, Drohungen [Was droht mein Gegner] )
Damit bringst du ihm ne Menge bei und er fühlt praktisch die Verbesserung.
Zwischendurch würd ich allerdings Trainingspartien spielen, und sie mit ihm analysieren [eventuell während der Partie].
Noch als Tipp: Für Punkt 3 bietet sich an, ein Aufgabenbuch zu beschaffen und dann immer nach dem Training "Hausaufgaben" zu geben.
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 3 ( permalink)

20.07.2010, 10:40
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Forumsvollprofi
DWZ/Elo: DWZ ca. 1750
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Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 219
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Also, die Eröffnungregeln und die elementaren Endspiele haben wir schon gemacht. Auch die taktischen Übungen haben wir mit Matt in 2 gemacht.
Was soll als nächstes kommen?
Mit Positionsspiel möchte ich noh nicht mit ihm anfangen, da so ein Thema wie Bauernstrukturen schon alleine mindestens einen Monat in Anspruch nehemen und das ganze auch nur in Form von Frontalunterricht funktionieren würde, was für den Amateur wohl eher langweilig wäre.
Und wenn man schon mit Postionsspiel anfängt, dann musste man es auch zu Ende bringen. D.h. alle Elemente der Stellungbeurteilung müssten erörtert werden. Das nimmt viel Zeit in anspruch und es ist schwierig nachzuprüfen, wieviel bei ihm hägen geblieben ist.
Außerdem wird es ihm in diesem schachlichen Stadium schwer fallen die Konzepte in seinen Partien zu verbinden und sinvoll von ihnen Gebrauch zu machen.
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 4 ( permalink)

20.07.2010, 18:42
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Schachjournalist
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Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
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Ich würde einfach nur spielen. Einen Anfänger interessiert sich doch nicht für irgendwelches Theoriezeugs. Interessant sind in dieser Hinsicht Vorgabepartien, da Du Deinem Kumpel sicher im Spielverständnis ein Stück voraus bist. Völlig chancenlos immer wieder vor die Mütze zu bekommen, frustet auf Dauer und man verliert das Interesse am Schach. Nimm Deine beiden Türme vom Brett und es können sich recht spannende Partien ergeben! Mit der Zeit wirst Du sehen, wieviel Vorgabe Du gewähren kannst, um die Spielstärke auszugleichen. Und Dein Kumpel hat auch mal die Chance zu gewinnen oder wenigstens Remis zu machen.
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 5 ( permalink)

20.07.2010, 19:17
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Forumsvollprofi
DWZ/Elo: DWZ ca. 1750
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Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 219
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Sowas in der Richtung haben wir auch schon gemacht. Wir haben gespielt und ich habe ihn während der Partie auf seine Fehler hingewiesen. Außerdem stelle ich immer mit Absicht Figuren ein und sage ihm dann, dass er in dieser Situation einen guten Zug hat. Wenn er dann eine oder zwei Figuren mehr hat, spiele ich normal, damit er merkt, dass man sich bis zum Ende konzentrieren muss.
So gesehen habe ich noch nie eine Partie gegen ihn gewonnen  .
Aber irgendwie hatte ich dabei das Gefühl, dass er nichts dabei lernt, weil er sich schon irgendwie auf meine Kommentare verlässt und sich meine Erklärungen zu positionellen Aspekten ehe nicht merken kann... Deshalb sind wir auch zuletzt auf Matt in 2 übergegangen.
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 6 ( permalink)

20.07.2010, 19:49
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Schachjournalist
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Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
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Zitat:
Zitat von maxquick
Aber irgendwie hatte ich dabei das Gefühl, dass er nichts dabei lernt, weil er sich schon irgendwie auf meine Kommentare verlässt und sich meine Erklärungen zu positionellen Aspekten ehe nicht merken kann...
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Zum Einstieg war das mit Sicherheit auch gut, aber irgendwann muss Schluss damit sein.  Dein Kollege soll ja selbstständig spielen. Und so eine Vorgabepartie ist auch für Dich gutes Training. Man muß schon sehr genau spielen mit dem bisschen Material. Obendrein musst Du jedem Abtausch aus dem Weg gehen und daher mitunter etwas schlechtere Varianten spielen bzw. durch die Rückzüge verlierst Du Zeit. Sind die Damen vom Brett wird es schon sehr eng. Da gilt es genau abzuwägen. Teste es beim nächsten mal einfach an! Du spielst ohne Türme und gibst keine Tips mehr.
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 7 ( permalink)

21.07.2010, 11:16
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Neuling
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Registriert seit: 07.2010
Ort: Italien
Beiträge: 3
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Hallo maxquick,
ich kann dir nur etwas zu deinen Ideen sagen.
Vorweg denke ich, dass die Ideen 1 und 4 die Besten sind.
Durch dieses Training lernt man, wie die "Profis" spielen, wie man vorraus denken soll, worauf man achten muss, usw.
Zu Punkt 2) Die Endspiele erlernt man am Besten durch Übung. Klar, sie sind wichtig zu lernen, aber was habe ich davon, wenn ich die Endspiele kann, aber dafür im Mittelspiel keine Ahnung hat. Dann hat man nichts von dem Erlerntem, weil man nie ins Endspiel kommt.
Zu Punkt 3) Solche taktischen Aufgaben kann man wie du bereits gesagt hast auch alleine lösen. Zusätzliche muss man in einem echtem Schachspiel erst Mal in solche Situationen kommen. In solchen taktischen Aufgaben kommen (soweit ich weiß) immer nur offensiv-Züge vor, also wie man den Gegner Schach setzt. Aber man muss m.M. nach ehr das Aufbauen am Anfang lernen, sonst kommt es oft vor, dass man Verteidigen muss, und dann wäre man unvorbereitet!!
Ich würde als Trainer ein paar bekannte Partien nachspielen, erklären warum jemand so gezogen hat, was man sich dabei denkt, usw.
Danach kann man ja noch eine Partie spielen und während des Spieles die Partie kommentieren.
Außerdem finde ich die Vorschläge von @linkinkev sehr gut!!!
Liebe Grüße
Felix
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 8 ( permalink)

21.07.2010, 16:10
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Registriert seit: 04.2010
Ort: Nürnberg
Beiträge: 28
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ich wünschte nur, dass mein trainer sich auch mal so viele gedanken im vorfeld gemacht hätt, außer zu sagen "das machen wir schon noch".
wenn du noch nen schüler brauchst, hier würd sich einer melden! :-)
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Erwachsenen Schach beibringen Beitrag # 9 ( permalink)

21.07.2010, 19:19
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Forumsvollprofi
DWZ/Elo: DWZ ca. 1750
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Registriert seit: 08.2006
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Wenn du an der Un-Bayreuth studierst, dann komm nächstes Semester einfach zum Uni-Schach!
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21.07.2010, 23:13
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Benutzer
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Registriert seit: 04.2010
Ort: Nürnberg
Beiträge: 28
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das is leider nicht der nächste weg :-D
aber meine wege werden mich davon abgesehen bestimmt noch nach bayreuth führen...in anderer mission, allerdings.
aber lass dich doch nach nürnberg/erlangen einladen! :-)
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24.08.2010, 19:54
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Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: 2122/----
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Registriert seit: 08.2010
Ort: Hamburg
Beiträge: 89
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Die Mischung macht's
Hi Leute, lieber maxquick,
also ich verstehe zwei Dinge noch nicht ganz... Erstens sprichst du in all deinen (übrigens ziemlich guten) Überlegungen stets nur von dir bzw. von deinen Gedanken zum Für und Wider bestimmter Trainingsmethoden. Was meint denn dein "Schüler" zu all dem? Was will er von dir? Ist er zufrieden oder unzufrieden? Was will er erreichen? In welcher Zeit? Und was ist er bereit, dafür zu tun? Spielt er nur mit dir oder hat er auch andere Gegner? Wenn letzteres zutrifft, wen? Computer, Menschen? Wie stark sind die? Gibt es da Partien? Alle diese Fragen sind in diesem Zusammenhang nicht ganz unwichtig, finde ich.
Aber was nun deine Gedanken selbst angeht, so frage ich mich, warum bist du so unzufrieden damit? Ich finde dein Vorgehen wirklich gut durchdacht. Ich glaube, beim systematischen Schachlernen mit einem Personal Trainer kommt es auf die Mischung an (wie immer bei Lehrtätigkeiten). Ein bisschen Spielen, ein bisschen Endspiel, ein bisschen Taktik, ein bisschen Analyse, ein bisschen Positionsspiel, ein bisschen Nachspielen... Diese Angaben sollen nicht unbedingt in der Reihenfolge und auch weder als Zirkel noch als Alles-in-zwei-Stunden-Paket aufgefasst werden. Natürlich kann man mixen, z.B. zwei leichte Taktikaufgaben zum Aufwärmen, dann eine Partie (mit oder ohne Vorgabe), aber ohne Erläuterungen spielen und anschließend eine einfache Analyse dieser Partie durchführen (Motto: Wo sieht er welche Wendepunkte in der Partie).
Beim nächsten Treffen erst drei Mattbilder mit je zwei, drei Aufgaben dazu, um die typischen Konstellationen herauszukristallisieren, anschließend wird eine Meisterpartie nachgespielt und unter einem (und nur diesem!) Gesichtspunkt untersucht (z.B. offene Linie oder Königsangriff nach einer Schwächung). Beim Analysieren musst du nicht jeden Zug kommentieren oder mit Varianten irgendwelche Behauptungen beweisen.
Bei der nächsten Sitzung wird wieder gespielt (diesmal mit Warnhinweisen, aber ohne große Erklärungen) und anschließend ein paar Endspiele geübt. Dabei kann eine brauchbare Idee sein, dass er ein Endspiel, das nicht trivial gewonnen ist, erst mit der einen Seite, dann mit der anderen Seite gegen dich spielen muss. Solltest du beide gewinnen, geht's von vorne los. Dabei wird er nach und nach deine Angriffs- und Verteidigungsideen in jedem Versuch aufnehmen und sei es durch bloßes kopieren. Irgendwann kommt der Moment, wo er für beide Seiten optimale Spielweisen durchschaut.
Die Sache mit den Hausaufgaben ist auch keine schlechte Idee. Botwinnik hat seine Schüler öfter dazu aufgefordert, dass sie eine eigene Gewinn- und eine eigene Verlustpartie kommentieren und das Ergebnis vortragen sollten. Das kann sehr lehrreich sein (eventuell noch nicht bei den ersten Versuchen...) Und damit komme ich noch zu einem anderen Gesichtspunkt. Ich glaube, du hast zu viel "Angst" vor Wiederholungen. Du gehst davon aus, dass er sich vieles eh nicht merken kann, aber ihn die Wiederholungen nerven könnten. Das mag manchmal sogar stimmen, aber das ist doch auch nicht schlimm. Er wird so lange auf Grundreihenmatts hereinfallen, bis ihn das so stört, dass er durch Erfahrung lernt, wann oder in welchen Situationen er ein Luftloch benötigt... Und wir selbst? Wiederholen wir nicht auch heute noch bei jeder freien Partie gebetsmühlenartig "Türme gehören auf die freien Linien!", "Die Drohung ist stärker als ihre Ausführung!", "Der König ist im Endspiel eine starke Figur!", "Der entfernte Freibauer gewinnt!" usw. usf.?! Und? Kriegen wir zuviel davon? Ich zumindest nicht. Übung macht den Meister, aber üben ist nichts anderes als wiederholen. Sowas kann man eigentlich gar nicht genug hören...
Alle hier gegebenen Ratschläge sind geeignete Methoden, um Anfänger voran zu bringen. Frage ihn, was er will, hol ihn stets dort ab, wo er sich gerade in seiner Schachentwicklung befindet und wechsle regelmäßig die Lehrmethoden und Unterrichtsgegenstände. Glaube mir, er wird mit der Zeit viel mehr aufnehmen und verinnerlichen, als du jetzt vielleicht denkst...
Meine Meinung...
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25.08.2010, 13:29
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Forumsvollprofi
DWZ/Elo: DWZ ca. 1750
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Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 219
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Hi Dede,
danke erstmal für deine vielen guten Ideen. Ich find vor allem die Idee mit dem Durchspielen derseleben Stellung mit vertauschten Farben sehr interessant und werde sie auf jeden Fall ausprobieren.
Was die Fragen angeht:
Du hast schon Recht ich habe ihn wirklich nicht gefragt, was er sich erwartet oder wo er sich schachlich in zwei Jahren sieht. Aber das liegt daran, dass er mir diese Frage nicht beantworten könnte. So wie er es mir beschrieben hat, mag er einfach Logikaufgeben und wollte es dann auch mal mit schach probieren.
Sein ziel ist einfach nur das besser Spiel kennen zu lernen und sich im schach zu verbessern ohne dabei Ambitionen auf Turniergewinne ect. zu haben. Ich stelle oft fest, dass Anfänger (oder sollte ich vielleicht eher sagen Interessierte) vorbeikommen und Schach einfach mal "ausprobieren" wollen.
Ich glaube es gibt verschiedene Stufen des Commitments zum Schach. Ich würde sie folgendermaßn beschreiben:
1) Allgemeines Interesse am Schach (es ausprobieren wollen)
2) Interesse am Schach als Logikspiel (z.B. Lösen von Schachaufgaben in Rätselheftchen)
3) Spielen von Online-Partien oder gegen einen Computer
4) Lesen von Schachbüchern
5) Vereinsmitgliedschaft
6) Spielen von richtigen Turnier- und Ligapartien
7) Spielen von richtigen Turnier- und Ligapartien mit ernsthaften Ambitionen zu gewinnen.
8) Einschlagen einer Profkarriere
9) Weltmeisterambitionen... 
Meine Überlegungen in diesem Beitrag beziehen sich allesamt auf die Frage, wie man am besten Leute von Stufe eins oder zwei auf Stufe drei (oder höher) befördert.
Ich finde dabei sollten folgende Ziele verfolgt werden:
a)
Verbesserung der schachspielerischen Fähigkeiten. Am besten solche, die zu einer schnellen (aber auch nachhaltigen) Verbesserung führen, um zu Punkt (b) beizutragen.
b)
Motivation fördern, dass er slebst Partien spielt und das Schachpielen weiterzuverfolgt.
Ich habe versucht ihn zu ermuntern mal selbst eine Partie bei Schacharena zu spielen, aber ich glaube, er ist noch nicht so weit.
Um diesem Problem zu begenen (bzw. das Commitment zu steigern) und die Ideee mit den Hausaufgaben weiter zu verfolgen, habe ich mir überlegt, dass wir eine Fernschachpartie spielen. Das ist so eine Art hausaufgebe über einen längerne Zeitraum und ich könnte das Training entsprechend dem Fortschritt der Partie gestalten (natütrlich ohne ihn direkt darauf hinzuweisen). Er würde dann sehen, dass er das gelernte in Partien irektumsetzen kann und dass er Fortschritte macht.
Deine Vorschläge zu einem "gemischten" Training sind alle sehr gut und hätte ich es mit einer Zielgruppe zu tun, die sich auch Stufe fünf oder höher befindet, so wüerde ich es genauso machen. Aber im vorliegenden Fall glaube ich, dass es zu viel auf einmal wäre.
Gruß, Max.
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