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Schachtraining für alle

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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #1 (permalink)  
Alt 15.01.2009, 20:51
King of Comments
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Registriert seit: 11.2008
Ort: Duisburg
Beiträge: 153
Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet

Hallo ihr lieben Leute!

Aufgrund einer Anregung in einem anderen Thread habe ich mich dazu entschlossen, diesen hier zu eröffnen.

Zu meiner Person: Ich bin ein 30-jähriger Fide-Meister und habe vor kurzem meinen C-Trainer-Schein gemacht. Längerfristig habe ich vor, mir ein Standbein als beruflicher Schachtrainer zu schaffen. Dafür benutze ich dieses Forum hier als Übungsplattform, um zu sehen wie meine Lektionen ankommen.

Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn die Resonanz groß werden würde und viele Fragen auf mich einprasseln.

Mit freundlichen Grüßen
M.B.
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #2 (permalink)  
Alt 15.01.2009, 22:54
Benutzerbild von dirad
dirad
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Beiträge: 167
Danke erst mal fuer das Angebot!

Was die Fragen angeht:
Meinst Du allgemeine Fragen zum Thema Schach, oder Fragen die nach einer Lektion auftauchen?

MfG

Geändert von dirad (15.01.2009 um 23:06 Uhr)
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #3 (permalink)  
Alt 16.01.2009, 01:37
King of Comments
Totaler Kenner
DWZ/Elo: 2369
 
Registriert seit: 11.2008
Ort: Duisburg
Beiträge: 153
Hallo dirad!

Erst einmal Danke! für das Interesse und zweitens: Gern geschehen!

Zu deiner Frage: Also mir geht es in allererster Linie um das Beantworten allgemeiner Fragen zum Schach (oder je nachdem auch konkreter Fragen; hängt ganz davon ab welche mir gestellt werden). Eigene Lektionen werde ich (zumindest vorerst) nicht anbringen, da warte ich erst einmal die Resonanz ab.
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #4 (permalink)  
Alt 16.01.2009, 07:44
Benutzerbild von Jumbo
Jumbo
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Ort: Freudenstadt
Beiträge: 633
Große Klasse von dir!--------------------
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #5 (permalink)  
Alt 16.01.2009, 17:41
RemieM
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Registriert seit: 02.2007
Beiträge: 318
Zitat:
Zitat von King of Comments Beitrag anzeigen
[...]Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn die Resonanz groß werden würde und viele Fragen auf mich einprasseln.[...]
Dann breche ich mal den Damm.

Wieso spielt denn Schwarz nach 1.e4 c5 2.Sf3 ... 3.d4 immer 3...cxd4?

Ein Vergleich mit Pirc und/oder Benoni wäre nett.
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #6 (permalink)  
Alt 16.01.2009, 20:48
Benutzerbild von dirad
dirad
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Registriert seit: 09.2005
Beiträge: 167
Leute wie ich mit Beruf, Kleinkindern, wenig Zeit spielen mit Weiss die Rentner-Eröffnung Colle-System. ;-)

Gibts eine ähnliche "Universal-Eröffnung" fuer Schwarz?

MfG
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #7 (permalink)  
Alt 17.01.2009, 18:21
King of Comments
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Registriert seit: 11.2008
Ort: Duisburg
Beiträge: 153
Zitat:
Zitat von RemieM Beitrag anzeigen
Dann breche ich mal den Damm.

Wieso spielt denn Schwarz nach 1.e4 c5 2.Sf3 ... 3.d4 immer 3...cxd4?

Ein Vergleich mit Pirc und/oder Benoni wäre nett.

Nun, diese Frage lässt sich recht eindeutig beantworten: weil dies zum strategischen Plan des Schwarzen gehört, wenn er Sizilianisch spielt.

Ein grundsätzliches Teilziel im Schach ist die Beherrschung des Zentrums (e4, d4, d5, e5), um sich über den dadurch entstehenden Raumvorteil optimale Manövrierfähigkeit zu sichern. Der klassische Weg der Zentrumskontrolle besteht in Aufbau und Unterstützung eines Vollzentrums, bestehend aus den Bauern e4 und d4 bei Weiß und den Bauern e5 und d5 bei Schwarz (wobei dieses Ideal ohne "Kooperation" der anderen Seite nicht erreichbar ist). Und genau hier setzt das strategische Konzept von Schwarz im Sizilianer an: Er tauscht seinen Nichtzentrumsbauern auf der c-Linie gegen einen weißen Zentrumsbauern auf der d-Linie und erhält auf diese Weise eine 2-1-Bauernmehrheit. Dieses strategische Konzept hat natürlich auch einen Preis: Die eigene Entwicklung wird vernachlässigt und Weiß erhält (vorerst) etwas mehr Raumkontrolle im Zentrum.


Nun wolltest du noch einen Vergleich mit Pirc und Benoni haben. Nun, ein Vergleich würde hinken. Bei Pirc wird (im Gegensatz zu Sizilianisch) von vornherein die Bildung eines weißen Vollzentrums zugelassen, um es dann später anzugreifen. Bei Benoni ist es u.a. so, daß im Gegensatz zum (offenen) Sizilianer der Weiße eine 2-1-Mehrheit im Bauernzentrum besitzt.
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #8 (permalink)  
Alt 17.01.2009, 19:21
King of Comments
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Zitat:
Zitat von dirad Beitrag anzeigen
Leute wie ich mit Beruf, Kleinkindern, wenig Zeit spielen mit Weiss die Rentner-Eröffnung Colle-System. ;-)

Gibts eine ähnliche "Universal-Eröffnung" fuer Schwarz?

MfG

Es kommt darauf an, welche Ansprüche man an die entstehenden Stellungen hat. So gesund und solide wie bei Colle für Weiß wird es definitiv nicht werden.

Das, was einer Definition von Universaleröffnung entspricht, entsteht aus dem Königsfianchetto und nennt sich Hippotamus. Der Originalaufbau geht so: Läufer beide fianchettiert (g7 und b7), Bauern auf d6 und e6, Springer auf e7 und d7. Allerdings erfordert dieses System ein sehr aufmerksames Spiel von Schwarz, sonst gerät man leicht ins Hintertreffen. Für einen soliden Spieltyp eher nicht empfehlenswert.

Generell bietet das Königsfianchetto die trägfähigsten Ansätze zur Errichtung eines Universalaufbaus, welcher sowohl gegen 1.e4- als auch 1.d4-Stellungen vernünftig anwendbar ist (auch wenn man mit leichtem Stellungsnachteil rechnen muß). Als Beispiel dafür sollte man sich mit Schwarzpartien von Gurgenidze auseinandersetzen, welcher mit Königsfianchetto anfängt, sich danach aber mit den Bauernzügen c7-c6 und d7-d5 weißfeldrig positioniert. Zumindest gegen 1.e4, 2.d4 ist dies ganz gut anwendbar, inwieweit es gegen 1.d4, 2.c4 funktioniert ist mir nicht ganz klar.
Alternativ kann man es (gegen 1.e4-Stellungen) mit Tiger's Modern versuchen und gegen 1.d4-Stellungen mit einem Aufbau wie bei Königsindisch, ohne daß man den Sg8 nach f6 stellt (was manchmal vorteilhafte Transpositionen in königsindische Gefilde zulässt wenn Weiß ungenau spielt). Allerdings verlangt dies hohen Aufwand. Dafür hat man etwas in der Hand, was man auch gegen 1.g3 spielen kann.

Etwas anderes, was mir gerade in den Sinn kommt, wäre Owen's Defence (1...e6, 2...b6, 3...Lb7). Diese Eröffnung ist generell in gleichem Maße gegen 1.d4-, 1.e4- und 1.c4-Stellungen anwendbar, allerdings muß man sich mit passiven Stellungen anfreunden können wenn man nicht zuviel riskieren will.

Allerdings haben die von mir angeführten Ansätze einen Nachteil - sie funktionieren nicht gegen jeden weißen Anfangszug (gut). Owen's Defence scheitert vom Ansatz her gegen 1.g3, Königsfiancetto wird gegen 1.b3 zu einem zweifelhaften Vergnügen.

Es lässt sich folgendes feststellen: den schwarzen Universalaufbau schlechthin gibt es nicht! Das liegt in der Natur der Sache, denn aufgrund des weißen Anfangszugrechts kann er als erster Tatsachen schaffen (sprich als erster einen elementaren Grundstein für den weiteren Spielverlauf schaffen). Schwarz muß sich diesen Tatsachen wohl oder übel anpassen.


Deshalb mein Vorschlag: Versuche es als Schwarzer mit einem übersichtlichen, semiuniversellen Eröffnungsrepertoire, welches vom strategischen Ansatz her in sich stimmig ist.

Als Beispiel: Je nach Gusto kannst du dich mit e7-e6 und d7-d5 aufbauen (also gegen 1.e4 mit Französisch antworten und gegen 1.d4 mit abgelehntem Damengambit; beide Eröffnungen mit dem strategischen Ziel, durch c7-c5 einen schnellen Gegenangriff aufs weiße Zentrum um den Preis eines vorerst passiven Lc8) oder mit c7-c6 und d7-d5 (also gegen 1.e4 mit Carokann und gegen 1.d4 mit Slawischer Verteidigung; mit dem Ziel bei stabiler Zentrumskontrolle den Lc8 ins Spiel bringen zu können um den Preis eines vorläufigen Mangel aktiven Gegenspiels).
Beide Ansätze haben den Vorteil, daß man sie auch gegen die etwas exotischeren weißen Fianchettoeröffnungen anwenden kann, man also gegen alle weißen Spielanfänge mit einem universellen Spielkonzept ausgestattet ist.


So, das war jetzt viel Stoff für den Anfang Ich hoffe, es ist nicht zu unübersichtlich geworden.
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #9 (permalink)  
Alt 17.01.2009, 21:22
Benutzerbild von dirad
dirad
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Registriert seit: 09.2005
Beiträge: 167
Danke fuer die wirklich sehr ausfuehrliche Antwort!
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #10 (permalink)  
Alt 17.01.2009, 21:54
Benutzerbild von Angie
Angie
IM des Forums mit 2 GM-Normen
DWZ/Elo: 2053
 
Registriert seit: 12.2006
Beiträge: 426
Jetzt interessiert mich das mit dem 3. ... cxd4 (im Sizillianer) auch....

- davon abgesehen, dass es sonst kein offener Sizillianer wird, ist das Nicht nehmen irgendwie nachteilig? (sagen wir nach 1. e4 c5 2. Sf3 e6 3.d4)

- kann man:
3. .... Sf6 oder
3. .... b6 oder 3. ... a6
3. .... d5 spielen?

und gibt das mehr her, als den Switch in eine andere Eröffnung?

an 4. dxc5 wirds wohl nicht scheitern (dann haben wir dieselbe Struktur, nur steht der S noch auf f3 - und der s L schon auf c5)

4. e5 (i.d. Sf6 Variante) sieht nach Aljechin aus

und d5 exd 5. exd ist wie ein harmloser Benoni (kein e4-e5 mehr)
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #11 (permalink)  
Alt 17.01.2009, 23:36
Benutzerbild von deep_stefan
deep_stefan
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Registriert seit: 03.2008
Ort: Erfurt
Beiträge: 63
1.e4 e6 2.d4 c5 ist ja auch nicht gut, weil weiß dann 3.d5 spielt. dann entsteht ja auch dieser "harmlose" benoni. bestimmt ist es hier für weiß gut, wenn die e-linie offen ist. sieht eigentlich ganz bequem aus
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #12 (permalink)  
Alt 18.01.2009, 01:52
King of Comments
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Registriert seit: 11.2008
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Beiträge: 153
Zitat:
Zitat von Angie Beitrag anzeigen
Jetzt interessiert mich das mit dem 3. ... cxd4 (im Sizillianer) auch....

- davon abgesehen, dass es sonst kein offener Sizillianer wird, ist das Nicht nehmen irgendwie nachteilig? (sagen wir nach 1. e4 c5 2. Sf3 e6 3.d4)

- kann man:
3. .... Sf6 oder
3. .... b6 oder 3. ... a6
3. .... d5 spielen?

und gibt das mehr her, als den Switch in eine andere Eröffnung?

an 4. dxc5 wirds wohl nicht scheitern (dann haben wir dieselbe Struktur, nur steht der S noch auf f3 - und der s L schon auf c5)

4. e5 (i.d. Sf6 Variante) sieht nach Aljechin aus

und d5 exd 5. exd ist wie ein harmloser Benoni (kein e4-e5 mehr)

deep-stefan hat mir ja schon einen kleinen Teil meiner Antwort vorweg genommen: Der harmlose Benoni ist gar nicht harmlos. Auf diesen Punkt werde ich noch weiter eingehen. Später mehr dazu.

Zuerst einmal kurz und bündig: Wenn nach 1.e4 c5 2.Sf3 --- 3.d4 die Antwort 3...cxd4 schlecht sein sollte, dann kann man Sizilianisch getrost an den Nagel hängen - denn in diesem Falle wäre die Eröffnung von Grund auf inkorrekt!

Natürlich hat der offene Sizilianer seine Macken - Schwarz zahlt für die 2-1-Zentralbauernmehrheit in Form von leichtem Raumnachteil (verbunden mit teilweise passiver Figurenstellung) und einem Rückstand in der Entwicklung - bei halboffenem Zentrum. Genau dieser Umstand macht Sizilianisch zu einer anspruchsvollen und spannenden Eröffnung. Welche Seite besser fährt, ist aber nach wie vor unklar. Ich gebe mal zu bedenken, daß Kasparov bis zum Schluß seiner aktiven Turnierkarriere bei Sizilianisch (Najdorf) geblieben ist - im Gegensatz zu Königsindisch. Daraus lässt sich schliessen, daß Sizilianisch weit von einer Widerlegung entfernt ist.


Nun möchte ich mal auf deine drei Alternativvorschläge zu 3...cxd4 nach 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 eingehen:

1) 3...Sf6

Also den Switch in die Aljechinverteidigung sehe ich hier nicht. Warum? Nach dem plausiblen Verlauf 4.e5 Sd5 5.c4 Sb6 6.d5 steht Schwarz sehr schwierig (also klar schlechter), wenn auch nicht völlig hoffnungslos. Er erleidet großen Raumnachteil bei schlechterer Entwicklung. Definitiv nicht empfehlenswert.

Nützlich ist hier ein Vergleich mit dem originalen Aljechin nach 1.e4 Sf6 2.e5 Sd5. Hier möchte ich einmal kurz innehalten und dazu einladen, die Situation hier mit der nach 3...Sf6 4.e5 Sd5 zu vergleichen. Die Unterschiede sind doch ziemlich augenfällig. In der Aljechin-Verteidigung ist es Schwarz, der (um den Preis der Zentrumskontrolle) einen leichten Entwicklungsvorsprung aufzuweisen hat (im Gegensatz zu 3...Sf6). Außerdem hat Weiß hier (also im "Aljechin") noch nicht beide Bauern im Zentrum stehen und Schwarz hat sich noch nicht mit ...e7-e6 den eigenen Lc8 eingemauert, wovon das schwarze Gegenspiel z.B. nach 3.d4 d6 4.c4 Sb6 erheblich profitiert, da auf frühes Sg1-f3 mit ...Lc8-g4 reagiert werden kann.

2) 3...b6/a6

Ich werde beide Züge in einem Aufwasch behandeln, da sie beide nach dem logischen 4.d5 in den von dir bezeichneten "harmlosen" Benoni führen. Nun gut, der nach dem weiteren 4...exd5 5.cxd5 ist tatsächlich insofern harmlos, als daß Weiß im Vergleich zum normalen Benoni keine Bauernmehrheit im Zentrum besitzt, also außerstande ist mit Hilfe des Vorstosses e4-e5 einen Freibauern zu bilden. Allerdings ist dieser Vorteil nicht kostenlos, denn auch Schwarz hat keine Bauernmehrheit aufzuweisen - im normalen Benoni hat er eine am Damenflügel, woraus sich ein nicht ungefährliches Gegenspielpotential entwickelt.

Damit sind wir beim Knackpunkt: Weiß hat einen soliden Raumvorteil im Zentrum und Schwarz fehlt es an aggressiven Gegenspielmöglichkeiten. Dies äußert sich u.a. darin, daß Weiß seinen Damenflügelspringer aktiver entwickeln kann, ebenso wie seinen Lc1. Denn Schwarz kann es sich nur schlecht leisten, selber seinen Lf8 zu fianchettieren - denn dann kann Weiß mittels Lc1-f4 und Sf3-d2-c4 (ggf. vorher noch a2-a4 einstreuen) starken Druck auf den Bauern d6 ausüben.

3) 3...d5

Die beste der drei Alternativen, da hier unter aktivem Einsatz der eigenen Zentrumsbauern um Raum im Zentrum gekämpft wird. So ganz unproblematisch ist die Sache aber auch hier nicht. Zur Erklärung möchte ich einmal mehr mit einer Analogie arbeiten:

Und zwar mit der Tarraschvariante des Franzosen, speziell mit 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 c5. Auch hier stechen einmal mehr wesentliche Unterschiede hervor. So hat Weiß in dieser Französischvariante seinen Lc1 (vorübergehend) eingesperrt, seinen Damenspringer auf eine weniger aktive Position auf d2 gestellt (aktiver wäre c3) und nicht zuletzt die Deckung des weißen d-Bauern durch Dd1 unterbrochen, so daß d4 momentan ungedeckt ist. Die Situation ist hier eine ungleich komfortablere für Schwarz.

Ganz anders in der jetzt besprochenen Variante. Hier kann Weiß z.B. mit 4.exd5 exd5 (4...Dxd5 5.Sc3 würde Weiß in einer halboffenen Stellung großen Entwicklungsvorsprung verschaffen) 5.Lb5+ Ld7 (5...Sc6 6.Sc3 ist ebenfalls wenig prickelnd, da Schwarz nur schwer und unter Zugeständnissen gleichzeitig mit dem Druck gegen Sc6 und d5 fertig werden kann) 6.De2+ Le7 7.dxc5 spürbaren Vorteil erlangen. Zugegeben, ich bin jetzt nicht auf alle schwarzen Möglichkeiten eingegangen, aber festzuhalten ist dennoch: daß Weiß erstens seinen Damenspringer nach c3 setzen kann, womit er Druck auf den (potentiellen Isolani) d5 ausüben kann, zweitens der Lc1 frei beweglich ist, was eine bequeme Deckung durch Sg8-f6 unbequem werden lässt, drittens der eigene Bauer d4 zweimal gedeckt ist (durch Dd1 und Sf3). Dies sind eine Menge Vorteile im Vergleich zur Tarraschvariante im Franzosen, welche immerhin auch nicht völlig unproblematisch für Schwarz ist.
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #13 (permalink)  
Alt 20.01.2009, 05:13
RemieM
Ass des Forums
 
Registriert seit: 02.2007
Beiträge: 318
Ersteinmal ein Danke an Angie für das Weiterverfolgen von meiner Frage und ein Danke an King of Comments für die ausführlichen Antworten.

Da grad keine Frage in der Pipeline ist, hier gleich meine nächste:

Die angehängte Partie zeigt sehr schön meine gravierendsten Schwächen:
  • Öffnung von langen Diagonalen
  • Tunnelblick, weil ein Spielstein schon eine Verteidigungsaufgabe erfüllt

Wie kann ich die denn gezielt durch Training ausmerzen?
Angehängte Dateien
Dateityp: pgn Schwachpunkte.pgn (1,9 KB, 246x aufgerufen)

Geändert von RemieM (20.01.2009 um 05:46 Uhr)
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #14 (permalink)  
Alt 21.01.2009, 02:09
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Zitat:
Zitat von RemieM Beitrag anzeigen
Ersteinmal ein Danke an Angie für das Weiterverfolgen von meiner Frage und ein Danke an King of Comments für die ausführlichen Antworten.

Da grad keine Frage in der Pipeline ist, hier gleich meine nächste:

Die angehängte Partie zeigt sehr schön meine gravierendsten Schwächen:
  • Öffnung von langen Diagonalen
  • Tunnelblick, weil ein Spielstein schon eine Verteidigungsaufgabe erfüllt

Wie kann ich die denn gezielt durch Training ausmerzen?

Das mit dem "Öffnen von langen Diagonalen" verstehe ich im Bezug auf Schwäche nicht so ganz. Meinst du damit, daß du generell dazu neigst in für dich unvorteilhaften Situationen Stellungsöffnungen anzustreben?

Was den zweiten Teil ("Tunnelblick") betrifft, da kann ich von der Formulierung her schon eher was mit anfangen. Allerdings scheint mir Tunnelblick der falsche Begriff zu sein. Eher passt da schon das Attribut "schablonenhaft", obwohl auch dies ein klein wenig hinkt als Beschreibung. Es dürfte wohl irgendwo zwischen Trägheit und Schablonenhaftigkeit liegen.

Ein Patentrezept gegen schablonenhaftes Denken bzw. Trägheit im Denken kenne ich in der Form nicht. Mein Vorschlag wäre es, sich mit Schachaufgaben zu befassen, welche ungewöhnliche Stellungsbilder aufweisen, gleichzeitig aber zur Lösung ein präzises und vor allem das gesamte Brett und Figuren umfassendes Herangehen erfordern. Hier scheinen mir Aufgaben aus dem Bereich der Studien und des Problemsschachs geeignet zu sein. Vielleicht hilft das.
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  Amateure und Vereinsspieler fragen - der (Fide-)Meister antwortet Beitrag #15 (permalink)  
Alt 21.01.2009, 05:25
RemieM
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Registriert seit: 02.2007
Beiträge: 318
Zitat:
Zitat von King of Comments Beitrag anzeigen
Das mit dem "Öffnen von langen Diagonalen" verstehe ich im Bezug auf Schwäche nicht so ganz. Meinst du damit, daß du generell dazu neigst in für dich unvorteilhaften Situationen Stellungsöffnungen anzustreben?[...]
Nein. Noch einmal eine Erläuterung anhand der vorher angehängten Partie:

Die Züge 44-45 in der angehängten Partie von vorher zeigen es besonders deutlich:
Im 44.Zug blockiert der Bauer auf d3 die Diagonale von c7 nach h7. Da hatte ich auch bereits entschieden was ich ziehe, falls Schwarz 44...d2 zieht. Das hat dann zu dem Patzer im 45.Zug geführt, weil da die Diagonale von c7 nach g6 gar nicht mehr blockiert ist. Auf d3 spukte praktisch bei der Vorausberechnung in meinem Kopf noch der d2-Bauer. Ok, der Kommentar dazu steht vielleicht an der falschen Stelle. Liegt wohl daran, dass bei
44. Qd8 d2 45. Qe8+ Kd5 46. Qf7+ Kc6 47. Rb4
nicht nur der "Tunnelblick" problematisch war, sondern auch noch etwas der auf d4 spukende d3-Bauer.

32. Rc1 Qxa4 33. Rc6+ Bd6 34. f4 wär wohl nicht so gut, wenn nicht nach 34...gxf4 35.Lxf4 exf4 36.Rxf4 die b1-f5 Diagonale frei wird. Hier gibt es einen Turmgeist.
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