Ich weiß nicht ob ich das richtig mache, ich würde gerne wissen wie ihr vorgeht und denkt im Mittelspiel. Vielleicht könnt ihr mir ein paar tipps dazu geben. Ich habe nämlich das Problem dass ich immer weniger zeit habe als mein Gegner. Obwohl ich meine Eröffnung relativ schnell spiele und auf gegnerzeit rechne (bis auf die 2-4 zigaretten die ich während eines spieles rauche). Allerdings liege ich meistens trotzdem gut in der zeit. Das problem ist nur dass die Gegner das remis oft nicht annehmen weil sie soviel mehr zeit haben.
Ich schaue bei einer partie nach der Eröffnung immer zuerst: was will der gegner mit seinem letzen zug, bzw. was droht. dann schaue ich ob der gegner irgendeinen groben fehler gemacht hat vielleicht einen den ich erwartet habe (selbst dann spiele ich nicht sofort sondern überlege noch ca 1 minute).
Währenddessen schau ich mir auch alle meine möglichen züge kurz an, bis auf die die ich so oder so schon vorher ausschließen konnte weil sich an der stellung nichts geändert hat (Dame ist auf c5 immer noch eingestelllt,..) und bis auf die ich aus erfahrung heraus nicht spiele (stellungsmerkmale).
dann schau ich welche züge wirklich in frage kommen. reduziert sich dann meistens auf 2-4 züge die in frage kommen, sind es mehr such ich mir höchstens 4 aus, je nach dem wie kritisch die stellung ist und wieviel zeit ich investieren möchte. dann rechne ich mir diese 2-4 aus taktischer sicht durch und zwar zug für zug und so genau wie möglich (was ist dann sein bester zug, was ist dann mein bester zug, was ist dann sein bester zug). Das geht in manchen stellungen sehr schnell und in manchen dauerts länger, aber ich investiere meine zeit lieber in der genauigkeit als in der tiefe, um keinen zug zu übersehen, es ärgert mich nämlich nicht nur im nachhinein, sondern auch dann wenn ich den zug gerade ausführen will und dann merke ich habe im X-ten folgezug was übersehn, dann kann ich wieder von vorne anfangen. (Hier helfen zwar taktisches training wie zB Problemschach aufgaben, aber viel praxis halte ich für wichtiger, ausserdem braucht man geduld)
Schließlich, wenn ich rein taktisch mich noch für keinen zug entscheiden konnte, bewerte ich die unterschiedlichen stellungen, welche aus den unterschiedlichen 2-4 Kandidatenzügen entstanden sind aus hauptsächlich positioneller sicht. Hier zählt ein starkes vorstellungsvermögen, erfahrung, konzentration und natürlich eine gute stellungsbewertung, die man sich auch hauptsächlich aus erfahrung aneignet (wer macht mehr druck und wo ist es sinnvoll druck auszuüben, wo sind die schwächen, wie sicher stehe ich/mein gegner, bauernstrukturen anschauen, wie gut kann ich meine Figuren auf ihren feldern vertreten und wieviel tragen sie zum aktiven spiel bei, welche Felder/linien/diagonalen sind wichtig für meine Figuren und die des Gegners, wer hat das bessere endspiel falls es dazu kommt bzw die wichtigeren figuren dafür (freibauern, starker,schwacher läufer, einzugsfelder, wie zentral steht der könig), brauche ich mehr figuren in der verteidigung oder zum angriff...)
Ich finde es macht sinn das alles jeden Zug durchzugehen auch wenn sich wenig ändert, bzw alles so läuft wie erwartet. Es geht dann halt nur schneller. Dann kann ich zum Beispiel wenn ich merke mein endspiel ist gewonnen versuchen mittels abtausch ins Endspiel zu kommen. (Gute Endspielkenntnis ist nicht nur fürs Endspiel extrem wichtig.)
Ich finde durch gute Stellungsbewertung kann man immer auf die schwächen des gegners drücken und druck des gegners frühzeitig verhindern. Positionsspiel ist meistens wichtiger als Taktik.
Wichtig finde ich noch, da ich schlechte erfahrungen damit gemacht habe: auf keinen Fall hoffen, sondern mit dem schlimmsten rechnen! im extremfall: man sieht etwas starkes und will unbedingt gewinnen, sieht aber der gegner kanns verhindern.

Wenn das so ist, rechne ich damit dass er es auch sieht und schaue selbst ob ich nachher wirklich besser stehe, und die stellung die aus einen anderen zug entsteht nicht besser wäre. Der gegner kann ja auch trotzdem einen Fehler machen und die drohung später eventuell nichtmehr verhindern können.
Das wichtigste ist meiner meinung nach eine gute stellungsbewertung zu entwickeln. Das meiste kommt aus Erfahrung. Ich helfe mir da auch mit Rybka. Ich mach das mittlerweile irgendwie so wie er. Seine Stellungsbewertung ist 10 mal genauer als die von Fritz. Rybka ist positionell die beste Engine, man muss allerdings auch verstehen was er da gut/schlecht bewertet. Ich bewerte also auch irgendwie in Bauerneinheiten was nicht heisst dass ich die Stellungen rein materiell bewerte(eher im gegenteil). Und in Eröffnungen und Endspielen gilt fast immer theorie >> engine sonst bräuchten die ja keine tablebases und eröffnungsbücher. Dadurch das ich viel mit ihm analysiere kommt es immer öfter vor dass ich in der Partie den selben Zug mache den er auch vorgeschlagen hätte.
naja das wars fürs erste ich muss jetzt leider weg, hoffe ihr könnt mir ein paar tipps geben und mich würde eure vorgehensweise sehr interessieren.
mfg,
think