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06.08.2006, 10:32
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Kenner
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Registriert seit: 06.2005
Beiträge: 127
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Wie schärft man den Blick?
Hallo, liebe Schachler!
Zuerst mal will ich darauf hinweisen, dass in diesem Forum eine Rubrik fehlt, in die ich mein aktuelles Problem schreiben kann, oder ich bin noch zu müde, um sie zu sehen. Eine Rubrik über den Teil des Schachs, der nicht auf dem Brett sondern im Kopf des Spielers stattfindet.
Nun zu meinem Problem.
Ich bin ein regelmäßiger Spieler, allerdings im Moment nur im Fernschach. Meine Stärke würde ich so zwischen ELO 1800 und 2000 einschätzen. Bei Freechess liegt sie zwischen 2100 und 2200. Ich bin also kein Anfänger und würde sagen, dass ich ein solides Wissen über positionelles und taktisches Spiel habe. So weit, so gut.
Was mich beunruhigt ist etwas, was mir in letzter Zeit gehäuft passiert ist: Ich habe eine Stellung auf dem Brett, schaue sie mir stunden- manchmal tagelang an, analysiere und probiere sehr ausführlich, bis ich den (nach meiner Einschätzung) besten Zug gefunden hab. Und als Antwort bekomme ich dann von meinem Gegner einen Zug, den ich komplett übersehen hab! Naheliegende Züge, keine Winkelzüge um 1000 Ecken. Ganz einfache, offensichtliche Züge, die ich aber bei meinen Analysen einfach nicht sehe.
Nun frage ich mich, wie das passieren kann und vor allem, wie man das abstellen kann. Denn auf diese Weise verliere ich Partien, die ich eigentlich (nach der Spielstärke oder auch nach der Stellung auf dem Brett) gewinnen sollte.
Ich kann damit leben, dass ich Züge falsch einschätze, oder einem falschen Plan nachgehe. Bin ja kein Großmeister. Aber Züge trotz ewigem Analysieren einfach nicht zu wahrzunehmen, ist total frustrierend und verunsichernd.
Ich kann doch nicht jedesmal alle möglichen Züge in Betracht ziehen.Dann würd ich mit dem Nachdenken überhaupt nicht mehr fertig.
Ich kenne die Methode der Variantenberechnung von Kotow (zum Beispiel). Das Problem ist nicht die Variantenberechnung, sondern schon der Schritt davor. Bei den Kandidatenzügen fehlt einfach regelmäßig der stärkste Zug des Gegners.
Kennt jemand dieses Problem? Gibt es einen Weg, diesen Mangel abzustellen?
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07.08.2006, 13:08
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alter Hase
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Registriert seit: 02.2004
Ort: Halle
Beiträge: 182
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vielleicht ist das problem psychologisch bedingt. Wenn es nur beim gegner passiert. brett drehen und denken, du wärst die andere seite und nach gewinnvarianten suchen, oder so. hab allerdings nie fernschach gespielt. trotzdem kann es helfen, wenn man aus beiden Perspektiven guckt.
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08.08.2006, 10:54
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Sehr erfahrener Benutzer
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Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 94
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Hallo Milian,
wie Honk bemerkte, ist es gut möglich, dass Deine Überseher psychologisch bedingt sind. Ich kenne mich mit Psychologie nicht aus und möchte vorher nach einfacheren Lösungen suchen.
Die Frage klingt vielleicht naiv, aber wie gehst Du bei der Stellungsbeurteilung vor? Hast Du ein festes Schema oder hast Du immer sofort eine Idee, die verfolgt werden kann. Als Spieler mit solider Stärke kennst Du natürlich die Elemente der Stellungsbeurteilung. Aber wie wendest Du Dein Wissen an? Kann es sein, das Du hier Defizite hast?
Die Frage, wie bei einer Stellungsbeurteilung vorzugehen ist, könnte für viele interessant sein.
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08.08.2006, 12:47
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IM des Forums mit 2 GM-Normen
DWZ/Elo: DWZ: 1640
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Registriert seit: 05.2005
Beiträge: 423
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wenn interesse besteht könnte ich hier das von Anatoli Karpow und Anatoli Mazukewitsch angewendete und empfohlene system versuchen darzustellen !?
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08.08.2006, 13:11
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Kenner
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Registriert seit: 06.2005
Beiträge: 127
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Danke für Eure Antworten. Ich bin mir sehr sicher, dass es ein psychologisches Problem ist, und ich glaube, ich bin ihm jetzt auf der Spur.
Also, dieses Problem ist in den letzten zwei Wochen dreimal aufgetaucht. Zweimal war der Gegner vom Rating her viel schwächer als ich. Und beim dritten Mal war der Gegner ebenbürtig; allerdings hatte ich in der Stellung einen Bauern mehr, mein Gegner hatte einen Angriff, den ich aber nicht für durchschlagend gehalten hab.
Es kommt mir so vor, als wäre das Problem, dass ich mich in allen drei Partien schon klar im Vorteil gefühlt hab, und dass ich dann in den Situationen die Möglichkeiten des Gegners einfach unterschätzt hab und deshalb nicht nach den allerbesten Zügen des Gegners gesucht hab.
Gegen Gegner, die stärker sind als ich, passieren mir solche Überseher nämlich komischerweise nicht.
Die Partie aus Sicht des Gegners zu analysieren und weiterzuspielen, könnte deshalb ein guter Ansatz sein. Ich werd das mal ausprobieren. Diesen Luxus hat man ja beim Fernschach.
Das Thema Stellungsbeurteilung ist auch sehr interessant und wohl einer der Knackpunkte beim Schachspielen. Die objektiven Merkmale der Stellung festzustellen, ist ja recht einfach (sofern man sie denn kennt). Aber das Abschätzen, welche dieser Merkmale für die Partie entscheidend sind, ist wohl die große Kunst.
Wenn man kommentierte Partien von starken Spielern nachspielt (insbesondere bei Fischer-Partien), hat man immer den Eindruck, dass alles ganz eindeutig und klar ist, und wenn sie gewinnen, war es das dann wohl auch.
Mal beschert Fischer dem Gegner einen Doppelbauern und gewinnt über diesen Doppelbauern ganz selbstverständlich die Partie. Ein Spiel später macht er sich selbst einen Doppelbauern und gewinnt durch ihn die Partie. Und dann gibt es eine dritte Partie mit dem Kommentar: „Dies beschert dem Gegner einen Doppelbauern, der aber in dieser Partie nicht ins Gewicht fällt.“
Ich bin mir gar nicht sicher, ob man Stellungsbeurteilungen und Planfindung wirklich lernen kann, oder ob das nicht automatisch mit der praktischen Erfahrung kommt.
Wenn man es aber gar nicht lernen kann, ist die Frage, inwieweit man überhaupt durch das Studium von Partien und vor allem aus den eigenen Fehlern irgendwas mitnehmen kann.
@matthias:
Sehr gerne!
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08.08.2006, 16:03
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Benutzer
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Registriert seit: 04.2006
Beiträge: 26
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Fischer hatte eine leicht egozentrische Sichtweise. Er unterschätzte die technischen Schwierigkeiten seiner Stellungen. Erst ein Karpow hätte ihm das am Brett nachgewiesen.
@matthias:
Sehr gerne!
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14.08.2006, 00:26
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Aktiver
DWZ/Elo: ~1550
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Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 40
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Zitat:
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Zitat von matthias.herrle
wenn interesse besteht könnte ich hier das von Anatoli Karpow und Anatoli Mazukewitsch angewendete und empfohlene system versuchen darzustellen !?
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Hallo.
Ich würde auch sehr sehr gerne dieses System kennenlernen.
grüße
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07.01.2007, 17:18
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Neuling
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Registriert seit: 01.2007
Beiträge: 4
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Zitat:
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Zitat von Matthias
wenn interesse besteht könnte ich hier das von Anatoli Karpow und Anatoli Mazukewitsch angewendete und empfohlene system versuchen darzustellen !?
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Also ich weiß jetzt nicht ob ich das Thema einfach übersehen habe, aber ich hätte reges Interesse daran! Die Stellungsbeurteilung fählt mir immer sehr schwer, besonders in sehr verzwickten Partien, mal ist das eine ein Vorteil, was in einer andern Partie ein klarer Nachteil sein wird.
Also wie stehts damit?
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09.01.2007, 00:20
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IM des Forums mit 2 GM-Normen
DWZ/Elo: 2053
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Registriert seit: 12.2006
Beiträge: 426
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das ist ein sehr komplexes Thema, das man nicht mehr als "ankratzen" kann.
Meine Empfehlung: (die ich schon an anderer Stelle gegeben habe)
Hans Kmoch: Die Kunst der Bauernführung link
Meiner Meinung nach wird in dem Buch (gut verständlich ab etwa 1500 ELO, würd' ich sagen) sehr klar die Fassung eines stellungsgemäßen Plans abgehandelt, z.B.
- welche Figuren sich mit welchen Strukturen besonders gut/schlecht vertragen
- ob ein Spiel an den Flügeln (und an welchem), oder im Zentrum angezeigt ist
- typische "Kniffe" zur Durchsetzung oder Vermeidung einer vorteiligen/nachteiligen Veränderung der Struktur/Stellung
Erst wenn man das erarbeitet hat, macht eine weitere Diskussion über Planfassung Sinn (meiner bescheidenen Meinung nach)
************
Bsp. Doppelbauer - ein Doppelbauer ist prinzipiell immer schwach - der hintere wird durch den vorderen blockiert
besonders schwach ist er
- auf einer halboffenen Linie (kann gegen Frontalangriffe nicht von hinten gedeckt werden)
- wenn er isoliert oder rückständig ist
- wenn sich auf dem Stoppfeld (das Feld unmittelbar vor dem vorderen der beiden Bauern) gegnerische Figuren einnisten (besonders unangenehm bei Zentralbauern)
aber: 
- er kann (meistens aber nur wenn die oberen Punkte nicht zutreffen) stark sein; wenn
- er die Königsstellung verstärkt (z.B. ist die Konstellation reines Damenendspiel 4:3 (beidseitige Bauern f-h + weißer c2 -Bauer) viel besser für Weiß wenn der f-Bauer nach g3 gestellt wird - idealerweise g2,g3,h3 - Kh2), weil man sich keine Sorgen um Schachs machen muß...
- sie mobil sind (der vordere als Stoßbauer verwendbar, ohne die Stellung dahinter zu schwächen)
- sie auf einer geschlossenen Linie stehen, und wichtige Felder beherschen, und dabei noch einige halboffene Linien kreieren (typisch für z.B. einige Italienisch Varianten - wo man Le3 (e6) spielt - um mit dem f-Bauern zurückzunehmen -> Druck auf der halboffenen f-Linie, Beherschung des Zentralfeldes d4 (d5)
-------------
daneben kann jede Art von dynamischer (Über)Kompensation den DB bedeutungslos machen (Mattangriff - Zentraldominanz.....)
Geändert von Angie (09.01.2007 um 00:26 Uhr)
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29.05.2007, 09:40
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Forumsprofi
DWZ/Elo: DWZ 1782
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Registriert seit: 08.2006
Ort: Brett 5
Beiträge: 197
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Zitat:
Zitat von Milian
Kennt jemand dieses Problem? Gibt es einen Weg, diesen Mangel abzustellen?
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Es gibt sicherlich kein Patentrezept hierfür; versuch' einfach so gut zu spielen wie möglich. Alle anderen Tipps würden wahrscheinlich nur noch mehr verunsichern.
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07.06.2007, 16:06
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Sehr Aktiver
DWZ/Elo: 1543
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Registriert seit: 05.2007
Beiträge: 64
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also ich habe kein plan wie man blick schärfen sollte aber ich lasse mir zeit bis ich viele möglichkeiten "durch gerechnet " habe und vorallem gucke ich mir das brett gut an in dem ich aufstehe und mir die andere seite angucke usw.
das geht aber leider nur bei langzeit partien 
also immer schön zeit lassen^^
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