Vielleicht schaffen wirs im Chat doch mal?Vorerst danke für die nette Aufnahme und nachdem ich ermutigt wurde was zu schreiben versuch ichs mal.Ich weiss aus eigener Erfahrung dass es nicht unbedingt zweckmässig ist,nach einigen Misserfolgen die Eröffnung zu wechseln (die Gründe für meine Niederlagen lagen ganz woanders).Jede Niederlage ist auch eine grosse Chance,Neues zu lernen und sein Spiel zu verbessern.Das wichtigste ist meiner Meinung nach die stategischen Ziele einer Eröffnung zu verstehen,dann geben auch alle Züge einen logischen Sinn und sind somit leichter zu merken.
Nachdem es hier viele Königsindischinteressenten gibt,versuch ich das ganze mal an einer Partie zu verdeutlichen.
Weiss:GM Epishin Schwarz:GM Cvitan
1.d2-d4 Sg8-f6
2.c2-c4 g7-g6
3.Sb1-c3 Lf8-g7
4.e2-e4 d7-d6
5.Sg1-f3 0-0
6.Lf1-e2 e7-e5
7.0-0 Sb8-c6
8.d4-d5 Sc6-e7
Damit ist die Grundstellung der klassischen Variante erreicht.Das Zentrum ist abgeriegelt und Fortschritte lassen sich nur über die Flügel erzielen.Bei Weiss wäre das konkret ein Vorgehen am Damenflügel:Bauernsturm mittels b4,c5 um eine günstige Linienöffnung zu erreichen und mit den Figuren einzudringen.Schwarz muss schnell mittels f5 dasselbe am Königsflügel erreichen.
9.b2-b4 Sf6-e8
Schwarz zieht den Springer weg um f5 zu ermöglichen.Populärer ist 9...Sh5
aber Se8 ist eine interessante Alternative.
10.c4-c5 f7-f5
11.Sf3-d2 Se8-f6
12.f2-f3 f5-f4
13.Sd2-c4 g6-g5
14.a2-a4 Se7-g6
15.Lc1-a3 Tf8-f7
Beide Seiten haben konsequent ihren Plan durchgeführt,Weiss ist schneller vorangekommen aber Schwarz hat den König als Angriffsziel,was die Sache ausgesprochen spannend macht.
16.b4-b5 d6xc5!?
Eine Neuerung,bisher spielte Schwarz immer Se8 aber nach 17.b6! kommt Weiss rasch zu Linienöffnung,weshalb die Variante einen schlechten Ruf für Schwarz hatte.
17.La3xc5 h7-h5
Schwarz spielt konsequent weiter,auf den ersten Blick sieht die Schwarze Stelung nicht sehr vertrauenswürdig aus aber die weissen Leichtfiguren stehen ewtas wacklig auf der c-Linie.So wäre zb 18.d6 verfrüht wegen Lf8!
nebst Le6 eventuell Td7
18.a4-a5 g5-g4
19.b5-b6 g4-g3
Weiter konseqent,Weiss muss sich allerdings langsam um seinen König kümmern.
20.Kg1-h1 (20.bc?Tc7 21.La3 Sh7 22.d6 Dh4 23.h3 Lh3 -+)
Sf6-h7
21.Sc3-b5?(besser sofort d6)
Dd8-h4
22.Lc5-g1 Lc8-h3
23.Tf1-e1?? Der entscheidende Fehler,nötig war 23.gh Dh3 24.Tf2 und Weiss kann noch spielen.Jetzt folgt eine herrliche Kombination.
Lh3xg2!
24.Kg1xg2 Dh4-h3!!
25.Kg2xh3 Sh7-g5
26.Kh3-g2 Sg6-h4
27.Kg2-f1 g3-g2
28.Kf1-f2 Sg5-h3 matt
Ich denke dass das Studium solcher Partien mehr zum Fortschritt beiträgt als das Pauken von etlichen Theorievarianten.Natürlich gibt es noch viel Freiraum zum Analysieren,hier ist jeder herzlich eingeladen.