Na wenns son Spaß macht

Richard Wagner
Wilhelm Steinitz war ein absoluter Verehrer des Komponisten
Richard Wagner.
Eines Tages spielte Steinitz im Wiener Schachclub einige Partien
mit einem Unbekannten.
Als sich dieser zu später Stunde mit der Bemerkung, er reise am
nächsten Morgen nach Bayreuth, um dort als Cellist im
Festspielorchester mitzuwirken, verabschiedete, rief Steinitz: ”Dann
sehen Sie ja Richard Wagner. Richten Sie den Meister bitte aus,
daß ich, der Weltschachchampion, ihn höher schätze als Mozart und
Beethoven - ja, daß ich seine Musik als den Gipfel der Kunst
ansehe!”
Wie es der Zufall wollte, trafen sich die beiden Herren einige
Wochen später erneut im Schachclub.
“Haben Sie Wagner meine Worte übermittelt?” erkundigte sich
Steinitz umgehend.
Der Cellist gab nickend zurück: ”Ja, und Wagner meinte zu mir: ”Ihr
Steinitz versteht von Musik wahrscheinlich soviel wie vom Schach!”
ein unerwarteter Erfolg
Um seine finanzielle Lage zu verbessern, spielte der Weltmeister
Steinitz regelmäßig in einem Londoner Caféhaus Schach-
Schnellpartien um Geld.
Die Beträge waren nicht so klein wie früher in Wien, meist handelte
es sich um ein englisches Pfund.
Einer seiner besten Dauerkunden war ein englischer
Geschäftsmann, der jedoch sehr schwach spielte, daher immer
verlor.
Nachdem sich dieser Spielverlauf wochenlang wiederholt hatte,
überlegte ein Freund Steinitzs, ob es nicht ratsamer sei, seinen
wohlhabenden Partner auch einmal gewinnen zu lassen, bevor jener
das Interesse am Schachspielen mit dem Weltmeister verliere und
Steinitz somit seinen besten Kunden.
Diese Überlegung erschien auch Steinitz sinnvoll und er beschloß
daraufhin, die nächste Partie zu verlieren.
So stellte er im anschließendem Spiel seine Dame ungedeckt
seinem Gegner entgegen.
Als jener dies schließlich nach sechs weiteren Zügen bemerkte und
die Dame schlug, gab Steinitz sofort auf.
Er schob die Schachfiguren zusammen und begann, sie für die
nächste Partie aufzustellen.
Davon wollte sein Gegner allerdings nichts mehr wissen.
Er schrie: ”Ich habe den Weltmeister besiegt! Ich habe den
Weltmeister besiegt!”, stürmte aus dem Caféhaus und wurde dort
nie mehr gesehen.
Schachspieler als Beruf
Während einer Zugfahrt nach London kam der Weltmeister Steinitz
mit einem - wohlhabend aussehenden - Geschäftsmann ins
Gespräch.
Im Laufe der Unterhaltung wurde Steinitz gefragt, welchen Beruf er
denn ausübe.
“Ich bin Schachspieler, mein Herr!”, lautete seine Antwort.
“Gut, aber ich wollte gern wissen, was Ihr Beruf ist”, entgegnete der
Geschäftsmann.
Daraufhin Steinitz: ”Ich spaße nicht - Schachspieler ist wirklich mein
Beruf.”
Der Gentleman, der von seiner achtjährigen Tochter begleitet wurde,
schaute äußerst ungläubig.
Doch plötzlich mischte sich die Tochter, in das Gespräch ein:
”Spielen Sie immer noch Schach?”
Steinitz lächelte und meinte: ”Freilich - und warum auch nicht?”
“Ich habe mit den Figuren gespielt”, entgegnete daraufhin die
Achtjährige, “als ich noch ganz klein war - aber jetzt spiele ich schon
lange nicht mehr damit.”
Selbstbewußtsein
Während eines Wettkampfes wurde Steinitz einmal gefragt, wie er
denn seine Chance sehe, dieses Turnier zu gewinnen.
Gesagt haben soll er: ”Ich habe die besten Aussichten, den ersten
Preis zu gewinnen - denn jeder muß gegen Steinitz spielen, nur ich
nicht!”
der Verzweiflungszug
Bei einem anstehenden Vereinswettkampf fehlte einer der beiden
Mannschaften ein Spieler.
Folglich hatte der Kapitän dieser Mannschaft für einen Ersatzspieler
zu sorgen.
Zur Verfügung stand ausgerechnet einer der schlechtesten - als
Angeber bekannter - Schachspieler.
Allerdings erschien es in jener Notsituation besser, diesen als gar
keinen Spieler einzusetzen.
Nach ungefähr einer halben Stunden des Wettkampfes betrachtete
der Kapitän die Schachstellungen seiner Vereinsmitglieder und
bemerkte - keinesfalls überrascht - daß sein ausgewählter Spieler
schon vollständig auf Verlust stand.
Im Geiste sah er diese Partie schon als verloren an.
Jedoch nach kurzer Zeit wurde ihm von seinem ausgewählten
Spieler mitgeteilt, daß er die Partie gewonnen habe.
“Aber wie war denn das nur möglich? - Sie standen doch total auf
Verlust!”, rief der Mannschaftsführer.
“Ja, natürlich”, antwortete der Spieler.
“Das habe ich auch gemerkt und so entschloß ich mich zu einem
alten Trick. Ich zog meine Dame auf den Königsflügel, setzte sie mit
Getöse auf und schrie Schach, starrte dabei auf seinen König und
griff aber gleichzeitig seine ungedeckte Dame an. Mein Gegner zog,
ohne zu überlegen, seinen König aus dem Schach und ich nahm die
Dame.”
“Und was hätten Sie gemacht, wenn Ihr Gegner die Dame getauscht
hätte?”, erkundigte sich der Kapitän.
“Aber das war ja gerade der Trick, meine Dame war nämlich auch
ungedeckt!”
Der Schlaf des Gerechten
In Bukarest fand 1949 in einem kleinen Theatersaal ein
internationales Schachturnier statt. Auf der Bühne saßen die
Schachmeister an ihren Tischen, im Hintergrund der Szene wurden
die Partien auf großen Demonstrationsbrettern nachgezogen. Die
besten Aussichten auf den ersten Preis hatten Ludek Pachmann und
Pal Benkö. Der junge damals noch für Ungarn spielende Meister war
den heiteren Seiten des Lebens nicht minder zugeneigt. Zusammen
mit Freunden hatte er die ganze Nacht in Tanzlokalen verbracht.
Wenn man bloß am nächsten Tag nicht Schach spielen müßte.
Bleich und übernächtigt saß der schwarzgelockte Ungar dem
polnischen Meister Tarnowski gegenüber. Viereinhalb Stunden
schien alles gut zu laufen. Benkö führte seine Partie durch alle
Fährnisse. Nur noch wenige Züge hatte er zu machen; seine
Bedenkzeit betrug noch genau zehn Minuten. Er stand auf Gewinn.
Doch es sollte nicht sein. Benkö rührte keine Figur mehr an. Neben
dem Schachbrett hatte er sein müdes Haupt gebettet und schlief.
Um so wacher war sein Gegner. Schweigend, mit blitzenden Augen
hielt er jeden fern, der sich dem Tisch nähern wollte. Die Vorschrift
gab ihm recht; niemand, auch der Schiedsrichter nicht, darf einen
Spieler zum Ziehen oder betätigen der Schachuhr auffordern.
Meister Löwenton leitete das Turnier als Schiedsrichter. Er tat seine
Pflicht mit Eifer und Leidenschaft. Mit beschwörenden Gesten
umkreiste er auf leisen Sohlen den Schachtisch, wo Benkö noch
immer schlief, während die Uhr tickte und der Zeiger sich hurtig und
bedrohlich dem Fähnchen näherte, dessen Fall das Ende der
Bedenkzeit anzeigt. Als Löwenton behutsam, den Blick auf den
schlafenden Benkö gerichtet, einige Schritte zurücktrat, geschah ein
Wunder, das lähmendes Entsetzten auslöste. Löwenton verschwand
wie durch Zauberei von der Bühne.
Die Zuschauer, die Spieler hielten den Atem an. Da wurde plötzlich
eine Brille sichtbar, eine Hand hob sie in die Höhe, dann tauchte das
erstaunte Gesicht des Schiedsrichters auf, der mit einiger Mühe aus
dem Souffleurkasten kroch, in den er hineingefallen war. Auch jetzt
erwachte Benkö nicht. Er verlor die Partie durch Zeitüberschreitung.
Er bedrohte ihn mit Rauchen
Großmeister A. Nimzowitsch hatte eine empfindsame und explosive
Natur. Er war in Meisterkreisen bekannt, daß er als Nichtraucher
besonders anfällig dafür war, wenn ihn ein Gegner mit
Zigarrenqualm einzunebeln versuchte. Beim Kandidatenturnier 1927
in New York hatte Nimzowitsch seinem Gegner Dr. Vidmar vor ihrer
Partie gebeten, nicht zu rauchen. Der jugoslawische Großmeister
war einverstanden, allerdings nur mit der Einschränkung, daß er nur
dann eine Zigarre nehmen würde, wenn er in eine sehr schlechte
Stellung kommen würde. Das Treffen verlief nikotinfrei- Dr. Vidmar
gewann! Der verärgerte Nimzowitsch beschwerte sich daraufhin
beim ungarischen Turnierleiter G. Maroczy, über das verdammte
Rauchen. Erstaunt erwiderte der Turnierleiter: "Aber ihr Gegner hat
doch gar nicht geraucht!" "So nicht geraucht sagen sie? Schlimmer
als das er hat mich mit Rauchen bedroht! Ständig lag die Zigarre
neben dem Schachbrett, so daß ich mir sagte machst du jetzt einen
starken Zug greift er zur Zigarre. Wie kann ich dabei die Partie
gewinnen? Und sie als Turnierleiter wissen selbst, daß die Drohung
stärker als die Ausführung ist.
Nimzowitsch
Eines Tages besuchte Nimzowitsch Israel und ging anonnym in den
ortsansässigen Lasker-Schach-Club. Natürlich fegte er jeden vom
Brett als ihm einer der älteren Kibitze sagte: "Sie sind ein sehr guter
Spieler, Ihr Stil erinnert mich ein wenig an Nimzowitsch ... ".