Die Deutschen sind ein zutiefst obrigkeitshöriges Volk. Diese spezifisch deutsche Obrigkeitshörigkeit entstand natürlich nicht im luftleeren Raum; sie hat sich historisch und kulturell manifestiert.
Wenn man auf die Ursachen dieses Wesenszuges zu sprechen kommt, so fällt den Allermeisten wohl in erster Linie Preußen ein, jenem Staat, der nach Aufassung zeitgenössischer Beobachter weniger einem Staat mit Kasernen als vielmehr einer Kaserne mit Staat glich. Doch die wenigsten erahnen, daß man diese Linie sogar noch viel weiter zurückverfolgen kann, ja, daß es geradezu "der große Reformator" Martin Luther war, der dem deutschen Übel letztendlich den Weg bahnte in das Übel, in das sich unser Land stürzte und dabei viele anderen Staaten dieser Erde in den Todesstrudel mitriß. Er war gewissermaßen die Keimzelle jenes obrigkeitlichen Denkens, das einen Hitler an die Macht spülte und welches die Katastrophe evozierte.
Bekannt sind Luthers Aufforderung an die Obrigkeit, die aufständischen Bauern niederzuschlagen wie "die tollen Hunde", was auch tatsächlich geschah. Bekannt ist auch, daß sich der Protestantismus nicht mehr mit der "hohlen Frömmigkeit" der Katholiken zufriedengeben wollte, sondern eine Frömmigkeit einforderte, die den ganzen Menschen beanspruchte. Keine Gnade, etwa durch Ablaß oder Beichte, sollte ihn mehr vor der Verdammnis schützen, da diese ja ohnehin nur geheuchelt seien. Die Liebe zu Gott müsse stattdessen von innen her kommen und mit ihr jene Werte wie eine unbarmherzige Arbeitsethik, eine absolut freudlose Lebensweise, die den Genuß zu einer Sünde erhob, sowie die bedingungslose Treue zu der Obrigkeit. Und jeder, der sich dem widersetzte, der war der Verdammnis anheimgefallen und auch im Diesseits zum Abschuß freigegeben.
Es ist evident, daß dies Wertvorstellungen im ganzen Volk hervorrief, die unzählige Generationen deutscher Kinder quasi mit der Muttermilch aufgesogen bekamen, die das unheilvolle Treiben solch verruchter und roher Staatsmaschinerien wie die von Preußen, wie die die vom Deutschen Reich und zuletzt wie die von Nazideutschland erst ermöglichten. Wenn ein Wladimir Lenin einmal spottete, der deutsche Revolutionär kaufe sich erst eine Bahnkarte, bevor er einen Bahnhof besetzt, dann ist dies eine gute Illustration dafür, warum die Deutschen niemals eine Revolution zustandebekamen, dafür aber ihren Führern stets willenlos ausgeliefert waren, die sie dann wie die Lemminge ins Verderben stürzten.
Gerade die Quelle
http://www.tentmaker.org/books/Mart...alAncestor.html wird dieses Problem, ja diese geistige Finsternis, die sich seit der Reformation über deutsche Lande erhob, in seiner ganzen Komplexität gerecht und veranschaulicht dies in überaus erleuchtender Manier. Es lohnt sich, sie zu lesen.