Der sowjetische (russische? georgische?) Problemkomponist
Nikita Plaksin hat in den 1960/70/80er ein paar solcher abgründigen Aufgaben fabriziert.
Die Aufgabe ist - wie Bardioc schon sagte - natürlich korrekt und lösbar! Obwohl eine ausführliche Lösung wohl etliche Seiten in Anspruch nehmen würde. Ich kenne eine ganz ähnliche Aufgabe von Plaksin (die mit dem Läuferschlagen auf d4), die in John Nunns ausgezeichneten Problemschachbuch
"Solving in Style" ganz am Ende abgedruckt ist; selbst der akribische Nunn erwähnt nur die Lösungsidee.
Ich kenne diese Aufgabe hier also auch nicht, versuche die
Lösungsidee aber mal so gut wie möglich anzudeuten:
Man beachte, daß es "Weiß am Zug hält Remis" lautet und nicht "Weiß zieht und hält Remis"! Die Stellung ist halt Remis bevor Schwarz zu seinem nächsten Zug kommt!
Weiß am Zug erklärt, mit der langen Rochade 0-0-0 einen Zug machen zu können, der weder ein Schlagen noch ein Bauernzug ist und nach dem 50 Züge (100 Halbzüge) ohne Bauernzug bzw. Schlagen geschehen wären und reklamiert entsprechend der 50-Züge-Regel Remis!
Das ist natürlich, da wir die Entstehungsgeschichte der Stellung gar nicht kennen, eine ziemlich starke Behauptung, daß (mindestens) in den letzten 99 Halbzügen kein Bauer gezogen und kein Stein geschlagen wurde, aber das kann man mit
Retroanalyse offenbar nachweisen.
Aus der Stellung kann man einiges herauslesen:
- alle 16 schwarzen Steine sind noch auf dem Brett
- es fehlen drei weiße Steine: Dame, Springer und a-Bauer
- damit die schwarze Bauernstellung entstehen kann, müssen schwarze Bauern dreimal geschlagen haben, einmal axb, einmal hxg und einmal gxf. Auf welchen Feldern, weiß man noch nicht, auch nicht, ob sBf5 von g7 oder h7 stammt.
- Da Weiß nie geschlagen hat, der weiße a-Bauer aber auf b,f oder g geschlagen wurde, folgt zwingend, daß der weiße a-Bauern (auf a8!) umgewandelt wurde. Daraus folgt natürlich auch, daß schwarzes axb vorher! passierte. Zu diesem Zeitpunkt muß der wBb5 auch schon dort gestanden haben.
- der wLb8 kann nicht umgewandelt sein, muß also von c1 kommen. Dann kann der sBb6 nicht von a7 kommen, da er dem Lc1-a7 auf a7/b6 immer im Weg gestanden hätte! Folglich stammt der Bb6 von b7 und der Bb4 von a7!
- Am schwarzen Königsflügel muß es ein Schlagen/Bauernzug gegeben haben, nachdem der Lg8 "von vorne" dorthinkommen konnte. Der konnte aber erst nach b7-b6 dorthinkommen!
- Zwischenergebnis:
der letzte schwarze Bauern/Schlag-Zug vor langer Zeit war f6-f5 oder g7-g6 (falls irgendwann g6xf5 dann g7-g6 noch danach; h7xg6 letzter Zug geht nicht, da sonst Lc8-g8 unmöglich!)
- Und jetzt gucken wir uns den sSh4 an: der kann nie auf g2 oder f3 gestanden haben, hat also nach dem letzten schwarzen Bauernzug auch nicht mehr gezogen
- aus der Tatsache/Behauptung, daß Weiß noch lang rochieren kann, folgt zwingend, daß Ta1 und Ke1 noch nie gezogen haben. Das schränkt die Art und Weise, wie die schwarzen Türme und der Lg3 auf ihren Standort gekommen sind, drastisch ein!
* * *
Ja, jetzt komme ich erstmal nicht weiter, weil ich im Moment noch nicht ausschließen kann, daß der letzte Bauernzug ein weißer war (etwa f3-f4). Es kann sein, daß man eine Fallunterscheidung machen muß, aber ich denke, daß man wie bei anderen Aufgaben von Plaksin exakt herausbekommen kann, welches der letzte Schlag- oder Bauernzug war.
Falls es ein schwarzer war (d.h. wenn die weißen Bauern e3+f4 schon dort standen) muß es f6-f5 gewesen sein, da sonst der Lf8 nicht mehr am Sh4 vorbei nach g3 kommt.
Vielleicht besteht des Rätsels Lösung aber auch darin, daß f2/f3-f4 der letzte Bauernzug war, immerhin kann erst danach der wTh1 sich nach f8 auf gemacht haben und die schwarzen Türme in die weiße Königsstellung?!
Nun gut, erst mal ...
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