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11.09.2010, 23:58
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Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: 2122/----
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Retro-Rätsel
Hallo,
ich habe ein paar Retro-Schachprobleme verfasst, und damit sie nicht so trocken rüberkommen, habe ich sie (analog zu Smullyan) in Sherlock-Holmes-Kurzgeschichten verpackt. Ich erlaube mir, jetzt eine der Geschichten vorzustellen und hoffe, ihr habt Spaß daran. In der ersten Geschichte geht's um ein einfaches Problem. Zunächst gibt's nur die Aufgabe, später dann die Lösung (samt Lösung des Kriminalfalls)... Viel Vergnügen: »Die Kunst der Verknüpfung«von DedeAm 23. September des Jahres 1889 gelang meinem Freund, dem genialen Sherlock Holmes, die Aufklärung eines ganz außergewöhnlichen Falles, in dem es um den rätselhaften Diebstahl der Wertgegenstände aus dem Safe im Hotel The Savoy, Strand, ging. Zu diesem Zeitpunkt waren die Pforten von Englands erstem wirklichen Luxushotels gerade einmal einen Monat geöffnet gewesen, und die negative Publicity, die ein unaufgeklärter Diebstahl mit sich gebracht hätte, wären sicherlich ruinös gewesen. Ich kannte Holmes bereits neun Jahre und war trotzdem noch immer nicht so vertraut mit ihm, wie ich es heute bin. Dennoch war es mir vergönnt, ihn damals schon regelmäßig bei der Arbeit begleiten und beobachten zu dürfen.Ich erinnere mich gut an diese Zeit, in der wir noch relativ unbekannt waren und daher ungestört arbeiten konnten. Auch war Holmes damals noch nicht das, was die Leute von heute als „Meisterdetktiv„ bezeichnen, ja, er wehrte sich förmlich gegen diesen Begriff, weil er meinte, ein Privatdetektiv sei ein kleiner, schmieriger Mann in einem kleinen, schmuddeligen Büro, der in Scheidungsangelegenheiten und ähnlichen unerfreulichen Angelegenheiten, seine stupide Arbeit zu verrichten hatte. Er zog es vor, sich als „Detektivberater„ zu bezeichnen, und das war er anfänglich auch, denn seine Klienten waren nicht selten Polizisten wie Inspektor Lestrade oder Gregson, und sie kamen in der Regel in unsere damals gemeinsam behauste Wohnung in der Baker Street 221 B.So war es zunächst auch an jenem Septembertag. Holmes und ich saßen in unserem Wohnzimmer; er sortierte Zeitungsausschnitte und andere Gegenstände, die mit vergangenen Fällen in Verbindung standen und ich las die Times, als um 16.00 Uhr nachmittags die Haustürglocke heftig schellte. Wir hörten, wie unsere Haushälterin Mrs. Hudson die Tür öffnete und gleich darauf ein heftiges Getrappel von Füßen auf der Treppe, die zu unseren Räumen im ersten Stock führte.
„ Kommen Sie nur herein, Lestrade! Tun Sie sich keinen Zwang an, die Tür ist offen!„ rief Holmes recht laut, damit die anstürmende Person es auch bestimmt hörte. Doch es geschah zunächst nichts... Die Wohnzimmertür blieb geschlossen. Deshalb wiederholte Holmes seine Aufforderung energisch und nun ging die Tür auf und Lestrade erschien im Türrahmen - offensichtlich verunsichert.
„ Wo... woher wussten Sie, dass ich es bin?“ fragte der Inspektor verdattert. Auch ich war etwas überrascht. Holmes aber lächelte überlegen:
„ Oh, das war nun wirklich nicht besonders schwer. Zunächst einmal klingelten Sie ausgesprochen stürmisch. Daraus konnte ich schließen, dass es der zu erwartende Besucher eilig haben musste. Heute ist Donnerstag, das heißt der Tag, den sich Mrs. Hudson immer für ihren Neffen freihält, was wiederum bedeutet, dass der Besucher höchstwahrscheinlich nicht sie besuchen wollte, sondern Dr. Watson und mich. Da jedoch zwischen dem Öffnen der Eingangstür durch unsere Hausperle und den ersten Geräuschen Ihrer Füße auf der Treppe wenig Zeit verging, muss der Besucher der guten Mrs. Hudson nicht nur bekannt gewesen sein (sonst wäre er nicht so ohne weiteres an ihr vorbeigekommen), sondern er muss auch etwas..., na, sagen wir etwas Respekt abringendes, etwas Offizielles an sich gehabt haben, was verhinderte, dass er von ihr bei uns avisiert wurde. Das bedeutet hingegen wieder, dass der Besucher wohl Polizist sein musste, denn wer sonst ist gleichzeitig Respektsperson und unserer Mrs. Hudson bekannt?“Holmes machte eine Kunstpause und genoss augenscheinlich unsere überraschten Gesichter. Dann fuhr er fort: „Nachdem ich also wusste, dass ein Polizist zu uns heraufkommen würde, blieb mir nur noch zu ermitteln, ob es wohl Ihr Kollege Gregson oder Sie selbst sein würden, und das war wieder nicht allzu schwer, denn ich konnte früher, bei anderen Gelegenheiten konstatieren, dass Ihr verehrter Kollege Inspektor Gregson die Angewohnheit hat, drei Treppenstufen auf einmal zu nehmen, wenn er es eilig hat, was Sie noch nie taten. Ich zählte daher einfach die Sprünge auf der Treppe mit und konnte so nachrechnen, wer da käme!“Der Inspektor stand mit offenem Mund da und ich war genauso erstaunt wie er. Heutzutage würden mich derartige Verknüpfungen einfacher Fakten und Beobachtungen bei Holmes nicht mehr so sehr überraschen - ich habe mich daran gewöhnt - aber damals... Doch ich hatte noch gar nicht recht meine Fassung wiedererlangt, da fragte Holmes auch schon: „Lassen wir das jetzt. Erzählen Sie mir lieber, warum Sie hier sind! - Was hat sich denn im Savoy ereignet?“
„ Ja, also...“ begann Lestrade, doch plötzlich hielt er inne und rief mit sich überschlagender Stimme: „Moment mal, Holmes, woher wissen Sie denn jetzt schon wieder, dass ich aus dem Hotel komme??“Holmes lachte vergnügt (es machte ihm immer Spaß, wenn er andere verblüffen konnte): „Das sehe ich!“
„ Woran?“
„ An Ihrem Jackenärmel!“
„ Wie bitte? - An... an meinem Jackenärmel...? Wieso?“
„ Ich habe Ihnen doch schon früher einmal erklärt, dass bei Ankleidungsstücken Schuhe (vor allem die Schnürsenkel), Manschetten und Jackenärmel am meisten über Personen, mit denen man zu tun hat, verraten. So auch hier. Schauen Sie... Sie haben hier ein Stück von einer Pflanze hängen.“ Mit diesen Worten nahm Holmes den Pflanzenrest von der Jacke und erklärte dann: „Ich kenne mich in der Botanik nicht besonders gut aus, aber wenn es sich um Giftpflanzen handelt, ist das etwas Anderes, es gehört dann quasi zu meinem Metier. Das Stück hier ist ein Blütenblatt der Tollkirsche - botanisch: Atropa belladonna. Dieses Nachtschattengewächs enthält das hochgiftige Alkaloid Atropin. Wer es anpflanzen möchte, muss deshalb eine Genehmigung haben und bestimmte Auflagen erfüllen. Unter anderem muss dafür gesorgt werden, dass der Standort entweder abgezäunt oder mehr oder weniger ständig bewacht wird. Das ist mühsam und wird darum nicht oft gemacht. In London kenne ich lediglich vier Orte, an denen die hübsche Tollkirsche mit Genehmigung wächst. Drei davon liegen weiter außerhalb, der vierte sind die Blumenkästen vor dem Hotel Savoy, bei denen ja der Portier die Aufsicht gewährleistet.“Nun schaltete ich mich ein: „Das ist aber kein Beweis. Lestrade hätte trotzdem von einem der drei anderen Standorte kommen können. Dass diese weiter außerhalb liegen, ist kein Gegenargument!“
„ In diesem Fall schon, bester Watson.“ antwortete Holmes ruhig. „Wie gesagt handelt es sich um ein Blütenblatt. Die Blütezeit von Atropa belladonna ist die Zeit zwischen Juni und August. Jetzt haben wir aber bereits September. Das bedeutet, dass der Standort, von dem dieses Blatt stammt, relativ widrige, unnatürliche Bedingungen bieten muss, was die Verschiebung der Blütezeit hervorrief. Das tun die außerhalb gelegenen, exponierten Standorte aber nicht (dort fruchtet die Pflanze sicherlich schon längst und zeigt ihre typischen, schwarzen Beeren). Also tippte ich auf das Savoy. Doch lassen wir nun endlich diese Gedankenspiele und erzählen Sie, Inspektor.“Lestrade schluckte, räusperte sich und erstattete schließlich den Bericht: "Tja, das ist so: Vergangene Nacht wurden aus dem Hoteltresor Schmuck, Diamanten und auch Geld gestohlen und ich verstehe die ganze Sache nicht. Es gibt dabei zu viele Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten.“
„ Welcher Art?“ wollte Holmes wissen.
„ Nun, zunächst einmal: Der Safe hat drei Fächer. Es wurden allerdings nur das mittlere und der vordere Teil des oberen leer geräumt. Das untere blieb völlig unberührt, obwohl sich darin noch wertvolle Saphirringe und der viertgrößte Diamant der Welt - der 'Blaue Lotos' - eines indischen Maharadschas befanden, der gerade als Staatsgast in London weilt“
„ Vielleicht hatte der Dieb keine Zeit, auch noch das untere Fach auszuräumen“, bemerkte ich, „das würde auch erklären, warum das obere Fach nur halb leer war!“
„ Durchaus möglich“, erwiderte Lestrade, „aber das merkwürdigste daran ist, dass der Dieb eigentlich überhaupt keine Zeit gehabt haben kann, irgendeins der Fächer anzurühren, geschweige denn, den Tresor zu öffnen, denn das hätte der Nachtportier unbedingt bemerken müssen, der ja unmittelbar daneben seinen Dienst verrichtete.“
„ Hm“, brummte Holmes nachdenklich, „ist dieser Nachtportier ein zuverlässiger und vertrauenswürdiger Mann?“
„ Aber ja, absolut.“ versicherte Lestrade: „Wir haben ihn natürlich genauestens unter die Lupe genommen. Er spielt nicht, trinkt nicht, er hat eine Frau mit fünf Kindern und die Ehe ist dem Vernehmen nach überaus glücklich. Er lebt bescheiden und sparsam und hat ein Bankguthaben von 230 Pfund Sterling, also eine sichere finanzielle Basis. Außerdem arbeitet er seit nunmehr 12 Jahren als Portier - nur in den besten Häusern. Nie ist etwas Negatives vorgefallen.“
„ Und wie steht es mit dem Tagportier?“ wollte Holmes wissen.
„ Fast ein identisches Bild. Er ist zwar unverheiratet, hat aber ebenfalls keinen überschwänglichen Lebensstil in dieser Beziehung. Er lebt mit seiner Mutter zusammen und ist auch schon sehr lange in guten Häusern angestellt gewesen, bevor er jetzt im Savoy anfing. Ich glaube kaum, dass einer der beiden etwas mit dem Raub zu tun hat.“Holmes schaute nachdenklich zu Boden. Dann erhob er sich, packte seine Pfeife und die anderen Utensilien, die man zum Rauchen braucht, in seine Tasche und sagte: „Es hilft nichts, wir müssen wohl selbst zum Tatort und mit den beteiligten Personen sprechen, damit ich mir ein genaueres Bild machen kann. Kommen Sie mit, verehrter Watson?“Natürlich kam ich mit! Das hätte ich um nichts in der Welt versäumen wollen. Als wir das Hotel gerade betreten wollten, kam uns eilig ein Mann entgegen, der Holmes am Eingang anrempelte, aber ohne Entschuldigung weiterhetzte. Holmes murmelte nachdenklich vor sich hin: „Seltsam, ich kenne diesen Mann... Woher kenne ich nur sein Gesicht? Merkwürdig, ich bin mir sicher, dass ich heute zum ersten Mal mit ihm zusammentraf, aber trotzdem habe ich ihn vorher schon einmal gesehen.“Doch da drängelte Lestrade: „Das ist doch jetzt nicht so wichtig. Kommen Sie, bitte!“Im Hotel stellte uns Lestrade dem Direktor, Mr. Elliot Thumberland, vor. Dieser war wenig erbaut darüber, dass Scotland Yard noch einen außenstehenden „Amateur-Detektiv“ - wie er sich ausdrückte - hinzugezogen hatte. Er wollte die für sein Haus peinliche Affäre lieber diskret behandelt wissen. Holmes entgegnete sanft, dass er das verstehe und absolute Diskretion wahren wolle. Als erstes untersuchten wir den Tresor. Ein alter Wilcox & Söhne. Wie Lestrade es berichtet hatte, befanden sich im Inneren drei geräumige Fächer. Diese waren nun alle leer, denn der Direktor hatte es aus Sicherheitsgründen vorgezogen, die noch vorhandenen Wertsachen der Bank von England anzuvertrauen.
„ Keinerlei Einbruchsspuren, kein Kratzer, keine Löcher, einfach nichts.“ stellte Holmes fest. „Sagen Sie, wer kennt alles die Kombination zu diesem Geldschrank, Mr. Thumberland?“
„ Vier Personen. Da ist zunächst einmal mein Stellvertreter, Mr. Treelane, dann die beiden Portiers, Sharper und Miller und natürlich ich selbst.“
„ Ah ja. Wo ist Mr. Treelane, wenn ich fragen darf?“
„ Der ist auf Geschäftsreise... Auf dem Kontinent, in Frankreich.“
„ Sind Sie sicher, dass niemand der genannten Personen die Kombination an jemand anderes weitergegeben hat?“
„ Wollen Sie unser Haus beleidigen? - Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Außerdem fällt mir dabei ein, dass wir jede Woche die Kombination ändern und gestern Abend war es wieder soweit. Gleich nach dem Schichtwechsel haben Mr. Sharper und ich die Kombination geändert, also kannten nur wir beide die neue, als der Diebstahl erfolgte.“
„ Tja, das wäre also geklärt. Ich würde nun gerne mit dem Nachtportier, Mr. Sharper, sprechen.“Mr. Sharper war ein mittelgroßer Mann, der immer wieder beteuerte, dass er nichts mit dieser schrecklichen Geschichte zu tun habe und wie grauenvoll diese Tragödie sei. Holmes wurde etwas ungeduldig und fragte irgendwann mit schärferer Tonart: „Haben Sie zu keinem Zeitpunkt Ihren Arbeitsplatz verlassen, Mr. Sharper?“Der Angeredete wurde blass und stammelte: „Ich..., ich..., nunja, ich war so gegen Mitternacht mal kurz weg.“
„ Waaas?“ schrie Thumberland: „Wie können Sie es wagen...?“Doch Holmes unterbrach ihn: „Was haben Sie denn gemacht, und - was noch wichtiger ist - wie lange waren Sie fort?“
„ Oh, nicht sehr lange, vielleicht drei Minuten. Ich war in der Küche und habe mir einen Tee aufgebrüht, weil die Elfie, die meine Frau ist, vergessen hatte, mir meinen mitzugeben.“
„ So, so, hm.... Und später?“
„ Naja, ich habe mir dann wiederum zehn Minuten später den Tee geholt. Das hat ungefähr noch mal eine Minute gedauert, aber danach habe ich mich wirklich nicht mehr vom Platz gerührt. Das schwöre ich!“
„ Den Tee ziehe ich von Ihrem Gehalt ab, Sharper, das verspreche ich Ihnen.“ zischte der Hoteldirektor.
„ Lassen Sie doch die Sache mit dem Tee.“ gebot Holmes streng. „Der Fall ist ja damit noch keineswegs erledigt, denn es erscheint mir unmöglich, eineinhalb Tresorfächer in knapp drei Minuten auszuräumen, zumal ja die Tresortür geöffnet und wieder verschlossen werden musste. Außerdem wäre es doch ein kaum zu glaubender Zufall, dass der Dieb gerade in dem Moment vorbeikommt, in dem Mr. Sharper seinen Tee aufbrühen ging. Und dass der Dieb irgendwo gewartet hätte, bis sich eine solche Gelegenheit ergeben würde, ist genau so unwahrscheinlich, weil Mr. Sharper ja normalerweise seinen eigenen Tee mitbringt, also sonst keine Veranlassung hat, seinen Arbeitsplatz zu verlassen. Nein, nein, der Raub wurde anders durchgeführt, und er war mit Sicherheit geplant.“Danach versank Holmes ins Grübeln. Dabei schlenderte er durch die Empfangshalle des Hotels und ließ sich schließlich auf einem Canapé nieder. Vor diesem Sofa stand ein kleiner Beistelltisch, auf dem sich unter anderem ein Schachbrett mit Spielsteinen befand. Offenbar hatte jemand eine Partie zu spielen begonnen, diese jedoch abgebrochen und die Spielutensilien liegen lassen. Gedankenverloren starrte Holmes auf dieses Brett und plötzlich sprang er ruckartig auf, stieß einen unterdrückten Ruf der freudigen Überraschung aus und kam zu uns zurückgeeilt.
„ Ach, bitte Mr. Thumberland, wären Sie wohl so freundlich, den Tresor noch einmal zu öffnen?“
„ Wenn Sie meinen, dass Ihnen das nützt.“ knurrte der Direktor, der sich über die Zurechtweisung wegen der Tee-Affäre zu ärgern schien. Kurz darauf schauten wir uns erneut den Tresor an, aber während wir anderen nichts Neues zu entdecken vermochten, klatschte Holmes begeistert in die Hände. „Ah, sehr gut! - Ich hatte es also richtig in Erinnerung!“
„ Haben Sie etwas entdeckt, Mr. Holmes?“ fragte Lestrade stellvertretend für uns mit, und Holmes schmunzelte: „O ja, das will ich meinen. Schauen Sie, meine Herren. Betrachten Sie die beiden Böden, die den Tresorraum in drei Fächer einteilen.“
„ Was ist damit?“ staunte Lestrade.
„ Sehen Sie denn nicht, dass der Boden des Mittelfaches, der dieses zum unteren hin abgrenzt weiter nach vorne ragt, als der Boden des oberen Faches?“
„ Na und? Was für eine Bedeutung soll das haben?“
„ Nur die, dass ich jetzt den Modus operandi kenne!“
„ Sie meinen, Sie wissen, wie die Tat begangen wurde?“ schrie Lestrade.
„ Genau, Inspektor, und ich werde über den Tathergang auch den Täter ermitteln können!“ Und zu Sharper gewandt fuhr Holmes fort: „Es wurde doch gestern Abend bei Ihnen eine Sache zur Aufbewahrung gegeben, die von den normalen Gegenständen, die man sonst in einen Tresor gibt, abweicht, sagen wir ein kleiner Koffer oder eine Tasche, nicht wahr, Mr. Sharper?“
„ In der Tat, Mr. Holmes. Mr. John Smith, der Gast aus Zimmer 307 brachte mir eine kleine schwarze Bügeltasche, wissen Sie, so eine wie sie Ärzte oft haben. Sie kennen den Gast übrigens, denn ich sah, wie Sie mit ihm vorhin am Eingang zusammengestoßen sind.“
„ Ah, ja! Ja, ich verstehe. Er gab Ihnen also eine Tasche, die man an zwei Griffen aufklappt und die auch dann verschlossen aussieht, wenn Sie es gar nicht ist!“
„ Wie meinen Sie?“
„ Ach, nichts. Schon gut. Jedenfalls legten Sie die Tasche ins Mittelfach, nicht wahr?“
„ Ja, genau. Aber woher wissen Sie das?“
„ Das soll jetzt noch keine Rolle spielen. Der Gast hat dann heute morgen seine Tasche wieder abgeholt, ohne sie mit den übrigen Wertsachen zur Bank von England geben zu wollen, habe ich recht?“ fragte Holmes diesmal den Direktor, und Thumberland nickte etwas verwundert mit dem Kopf.Dann sagte Holmes ruhig: „Lestrade, ich fordere Sie auf, verhaften Sie den Gast aus Zimmer 307, der sich Mr. Smith nennt, wegen des Raubes der Wertgegenstände, wenn er wiederkommt. Durchsuchen Sie sein Zimmer. Ich bin davon überzeugt, dass er die Sachen dort versteckt hat.“
„ Ja, wie, was? Ich verstehe gar nichts. Wie kommen Sie darauf, dass dieser Gast der Täter sein soll?“
„ Tun Sie, was ich Ihnen rate.“ sagte Holmes wohlwollend, aber doch energisch. Lestrade leitete die Zimmerdurchsuchung in die Wege und Holmes versprach: „Begleiten Sie mich, meine Herren, begleiten Sie mich zu diesem Schachbrett dort hinten. Ich werde Ihnen alles erklären...“Wir gingen zu dem Brett und sahen folgende Position:Weiß: Kc3, Ta2, Ld1, Lg3, Sh4, b5, c4, e4, f2, g4, g2, h2Schwarz: Ka8, Db1, Lc8, Lf8, Sb6, a7, b7, d3, d7, e7, h7, h6
[IMG]file:///C:/DOKUME%7E1/Dede_2/LOKALE%7E1/Temp/moz-screenshot.png[/IMG] Holmes sagte: „Als ich vorhin über die Angelegenheit nachdachte, stieß ich beim Grübeln zufällig auf diese Position. Obwohl ich hochkonzentriert war, fragte ich mich unwillkürlich, wer wohl am Zug sei und plötzlich durchzuckte es mich, und ich begriff, wie unser Dieb vorgegangen sein muss.“
„ Sie reden wirr, Mr. Holmes.“ versetzte Elliot Thumberland, doch Holmes sagte belustigt: „Das mag so wirken, in der Tat. Es ist nicht jedem gegeben, meinen Gedankensprüngen zu folgen. Deshalb frage ich Sie direkt: Ist es überhaupt möglich, dass in der Stellung Weiß am Zug ist?“
So, und nun seid ihr dran, wenn ihr wollt...
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14.09.2010, 16:38
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Lösung
Der letzte schwarze Zug konnte nicht gxh6 sein, da Schwarz den Th8 brauchte, um den d-bauern auf e zu bringen.
Jedoch wüsste ich nichts was dagegen spricht, dass der letzte schwarze Zug KxSa8 sein könnte. Ich glaub das es möglich ist, dass Weiß am Zug ist.
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14.09.2010, 21:45
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Kxa8 kann deshalb nicht der letzte zug gewesen sein, da der könig auf b8 im schach gestanden hätte es aber nicht möglich ist dass dieses im zug vorher gegeben wurde da der läufer nicht erst auf die b8-h2 diagonale gezogen haben kann und es auch keinen abzug gegeben haben kann.
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14.09.2010, 22:37
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@X aus Y: Nein, ich sag doch König x SPINGER a8, weil ich davon ausgehe, dass der letzte weiße Zug Sc7-a8+ war.
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15.09.2010, 00:05
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leuchtet ein.
hab ich wohl nur halbherizg gelesen
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15.09.2010, 18:04
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Schachrätsel-(und Krimi-)Lösung
Okay, okay, das war offenbar zu leicht für euch, Jungs!? Dann gibt's jetzt auch - wie versprochen - die Lösung (samt Ende des Krimis) und zwar in ihrer logisch ganz sauberen Gesamtdarstellung: Das Schachrätsel»Die Kunst der Verknüpfung«Lösung
„ Was sollen denn diese Spielchen?“ schimpfte Lestrade, „Wir haben hier einen ernsten Kriminalfall aufzuklären!“
„ Ja, verstehen Sie denn nicht?“ erwiderte Holmes trocken: „Diese ’Spielchen‘ sind der Schlüssel zu unserem Fall.“Lestrade guckte irritiert, wir anderen interessiert aufs Brett. Ich fragte: „Warum sollte Weiß nicht am Zug sein können? Worin besteht denn die Schwierigkeit?“Holmes beantwortete mir die Frage nicht sofort, sondern er stopfte sich zunächst seine Pfeife. Dann stellte er eine Gegenfrage: „Wenn Weiß jetzt am Zug wäre, was zog Schwarz davor?“Ich schaute erstaunt. Es war das erste Mal, dass ich mit Retroanalysen zu tun bekam, und ich war dementsprechend völlig ungeübt im Umgang mit ihnen. Noch nie hatte ich versucht, in einer Schachpartie-Stellung rückwärts zu denken. Aber bizarre Herausforderungen haben mich schon immer gereizt. Also begann ich, die Stellung zu studieren, aber nach einer Weile jammerte ich: „Also ich sehe gleich eine ganze Reihe von möglichen letzten schwarzen Zügen. Die Dame, zum Beispiel könnte...“
„ Ja?“ unterbrach mich Holmes mit sanfter Stimme, und ich konnte deutlich eine gehörige Portion Ironie heraushöhren. Doch plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich versuchte, mich durch eine Satzverdrehung zu retten: „... Die Dame, zum Beispiel könnte zuletzt zwar nicht gezogen haben, denn von welchem Feld sie auch immer gekommen wäre, stets hätte sie von diesem Feld aus dem weißen König schachgeboten, so dass sie nicht nach b1 hätte ziehen dürfen.“Schnell überprüfte ich in Gedanken die anderen Steine und konstatierte unsicher: „Gleiches gilt auch für den Läufer auf f8, der ja nur von g7 hätte kommen können, von wo aus aber auch er den weißen König bedroht hätte. Der Springer auf b6 könnte im letzten Zug nur von a4 oder d5 gekommen sein. Nun, von beiden Feldern hätte er indes den weißen Monarchen ins Schach gesetzt, er hätte also nicht nach b6 ziehen können!“
„ Nicht schlecht, Watson..“ lobte mich Holmes. „Nur weiter...“Glücklich darüber, dass ich mich offenbar nicht geirrt zu haben schien, frohlockte ich: „Auch der Bauer auf d3 kann nicht gerade gezogen haben, weil auch er ein eigenes Schachgebot hätte aufheben müssen. Sie sehen also, es konnte Schwarz nicht zuletzt gezogen haben!“Die Reaktion auf diese Worte war ganz anderer Natur, als ich es mir vorgestellt hatte. Holmes begann nämlich herzhaft zu lachen und das wirkte augenscheinlich derart ansteckend, dass zuerst Sharper und dann sogar Lestrade einstimmten. Nur Thumberland und ich lachten nicht; er nicht, weil er immer noch schmollte, ich nicht, weil ich die Ursache des Gelächters war.Holmes prustete: „Sie sind köstlich, Dr. Watson. Zuerst stellen Sie fest, dass Schwarz wohl eine Menge letzte Zugmöglichkeiten hatte, dann weisen Sie für vier Steine nach, dass sie nicht zuletzt gezogen haben konnten, und schon wechseln Sie die Seiten und behaupten, Schwarz »könne zuletzt gar nicht gezogen haben.« Wo bleiben aber Ihre Nachweise für den Bauern auf h6 und den schwarzen König?“Ich dachte betroffen eine Weile nach und sagte endlich: „Also dass der schwarze König nicht den letzten Zug gemacht haben kann, ist klar, denn er hätte von b8 kommen müssen und dort in einem Schachgebot des Läufers auf g3 gestanden, das nicht zu erklären wäre. Aber es fällt mir schwer zu beweisen, dass der Bauer auf h6 nicht gerade von g7 - also durch einen Schlagfall - gekommen sein konnte.“Holmes schmauchte genüsslich an seiner Pfeife. „Dann überprüfen Sie doch einmal die Anzahl der Schlagfälle, die von Weiß in dieser Partie nachweisbar geleistet wurden!“ forderte er mich schließlich auf.Ich dachte angestrengt nach, musste aber am Ende zugeben: „Ich bin nicht in der Lage dazu!“Holmes sog den Rauch des glimmenden Tabaks durch den Pfeifenschaft, blies ihn seitlich aus dem Mundwinkel wieder aus und erklärte: „So schwer ist das nicht. Es fehlen vier schwarze Steine, nämlich zwei Türme, ein Springer und ein Bauer. Die weiße Bauernkonstellation verrät, dass drei dieser Steine von weißen Bauern geschlagen wurden.“
„ Wieso?“ fragte Thumberland.
„ Naja, der weiße Bauer, der jetzt auf g4 steht, kam ursprünglich eindeutig von e2. Das heißt, er gelangte über die Schlagfälle e2xf3xg4 nach g4.“Wir murmelten zustimmend, denn wir erkannten diese Feststellung als zutreffend. Holmes fuhr fort: „Wenn indes der Bauer auf g4 ursprünglich von e2 kam, kann der Bauer, der nun auf e4 steht, nicht der Original-e-Bauer sein, nicht wahr? Er muss vielmehr wenigstens von der d-Linie, abermals durch einen Schlagfall gekommen sein, was bedeutet, dass ich drei weiße Schlagfälle bewiesen habe.“Wieder konnten wir nur bewundernd zustimmen. Lestrade grübelte jedoch halblaut: „Und was ist daraus weiter zu folgern?“Holmes räusperte sich: „Wenn Sie nun noch ein weiteres Stellungsmerkmal ins Kalkül ziehen, nämlich die bezeichnende Position Ba7, Bb7, Bd7 und Lc8 auf schwarzer Seite und diese Fakten miteinander verknüpfen, können Sie erklären, warum der schwarze Bauer g7 nicht gerade auf h6 geschlagen haben kann!“Alle waren wir gebannt und versuchten, diese Verknüpfung zu bewerkstelligen. Doch keinem von uns gelang dies und schließlich seufzte Mr. Thumberland: „Also ich verstehe den Zusammenhang nicht. Kann man ihn mir bitte erläutern?!“Weil wir anderen darauf nicht reagierten, dozierte Holmes: „Nundenn: Besagte Position am schwarzen Damenflügel zeigt eindeutig, dass der Damenflügelturm entweder auf „a8 oder auf b8 geschlagen worden sein muss, denn er konnte unmöglich ins Freie gelangen. Das wiederum bedeutet, dass die weißen Bauern den schwarzen Springer, den Königsflügelturm sowie den schwarzen Bauern geschlagen haben müssen. Wenn aber nun der letzte schwarze Halbzug 1. ... - g7xh6 gewesen sein soll, ergäbe sich vor diesem Schlagfall eine Stellung, in der auch der schwarze Königsflügelturm nicht hinausgekonnt hätte. Die Konsequenzen daraus sind wohl hoffentlich allen klar, oder?“
„ Und ob!“ rief ich vorlaut: „Schwarz konnte nicht zuletzt gezogen haben. Das habe ich ja vorhin schon gesagt!“
„ Nicht so schnell, mein lieber Watson. Zumindest eine Sache müssen Sie noch untersuchen, nämlich die Möglichkeit einer Umwandlung! Aber weil Sie vorhin schon Schwierigkeiten hatten, wollen wir Zeit sparen, und ich werde selbst die nötigen Überlegungen darstellen. Theoretisch ist es vorstellbar, dass die schwarze Dame gerade durch eine Bauernumwandlung entstanden sein könnte. Dazu hätte der sich umwandelnde Bauer entweder von b2 oder c2 kommen müssen. Nehmen wir der Einfacheit halber zunächst an, er wäre von b2 gekommen. Dann hätten Sie vor dieser hypothetischen Umwandlung diese Position auf dem Brett gehabt:“
Holmes fuhr fort: „Betrachten Sie nun die schwarze Bauernkonstellation genauer. Der Bh6 kam natürlich von g7, der Bd3 von f7 und der Bb2 von c7, denn nur so müssten die schwarzen Bauern viermal geschlagen haben, um an ihre jeweiligen Plätze zu gelangen. Andere Hypothesen scheiden sofort aus, denn sie erforderten mehr Schlagfälle und bei Weiß fehlen nur vier Steine. Nun ist es wichtig, nicht aus den Augen zu verlieren, dass die fehlenden schwarzen Steine bereits verplant sind, will sagen, Weiß steht kein Schlagfall mehr zur Verfügung, es sei denn der des Damenflügelturmes auf a- bzw. b8. Daraus wird ersichtlich, dass sich unter den fehlenden weißen Steinen auch der a-Bauer des Anziehenden befindet. Er konnte allerdings ohne eigenen Schlagfall weder selbst umgewandelt werden, noch als Bauer den nötigen Schlagfällen c7xb, f7xexd und g7xh6 von schwarzer Seite dienlich sein. Das hingegen bedeutet ganz klar, dass die Stellung mit dem schwarzen Bauern auf b2 partieunmöglich ist, weil ein Stein mehr hätte geschlagen werden müssen. Noch deutlicher ist das, wenn wir den Bauern nach c2 stellten, denn abgesehen davon, dass er dann ja jetzt auf die b-Linie schlagen müsste (beachten Sie: In der Ausgangsstellung steht die schwarze Dame auf b1!), also wieder ein Schlagfall zuviel nötig wäre, könnte man hier nicht einmal erklären, wie die c-Bauern beider Parteien aneinander vorbeigekommen sein sollten, ohne weitere Schlagfälle zu beanspruchen. Aus all dem geht hervor, Schwarz kann auch nicht seine Dame gerade umgewandelt haben!“Wir waren sprachlos vor Staunen und erst nach einiger Zeit bemerkte Lestrade: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles genau verstanden habe, Ihre Ausführungen waren dennoch brillant. Aber wenn ich mich nicht irre, ist das Ende vom Lied doch, dass Schwarz keinen regulären Zug als letztes auszuführen vermochte, also Weiß jetzt nicht am Zug sein kann!“Das eben ist der Trugschluß, meine Herren. Weiß kann trotz allem am Zug sein!“ Boing! Diese Worte schlugen in unsere Runde ein wie eine Bombe. Alle riefen durcheinander, und Holmes schien sich köstlich zu amüsieren.Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, wunderte ich mich: „Das verstehe ich nicht. Wir haben doch für alle schwarzen Steine nachgewiesen, dass sie nicht zuletzt gezogen haben konnten. Der Springer auf b6, der Läufer auf f8, der Bauer auf d3 und die Dame auf b1 als Originalfigur hätten jeweils nur von Feldern kommen können, auf denen sie allesamt schachgeboten hätten, die Dame kann auch nicht gerade umgewandelt worden sein, weil es dann mit den gegenseitigen Schlagfällen nicht hinkäme und der Bauer auf h6 hätte den Königsflügelturm eingesperrt, wenn er gerade eben erst nach h6 geschlagen hätte. Ergo: Schwarz konnte nicht zuletzt gezogen haben!“Holmes lächelte unergründlich: „Vielen Dank, bester Watson, für diese kurze Zusammenfassung. Tatsächlich haben ‘wir’ durch dieses Ausschlussverfahren für alle schwarzen Steine einwandfrei nachgewiesen, dass sie nicht ziehen konnten... Für alle bis auf einen: Den König!“Wieder erhob sich eine gewisse Unruhe und ich schrie: „Waaas? - Aber ich habe doch vorhin schon erklärt, dass der König offensichtlich nicht gezogen haben kann, weil er auf b8, von wo er ja hätte kommen müssen, einem Angriff des Läufers auf g3 ausgesetzt gewesen wäre, der nicht erklärbar ist.“
„ Ich gebe Ihnen einen guten Rat, mein lieber Watson: Lassen Sie sich nicht vom „Offensichtlichen“ blenden. Es gaukelt Ihnen mitunter knallharte Fakten vor, die bei genauerer Prüfung zu zerplatzenden Seifenblasen werden. Hätte nicht das Schachgebot des Läufers durch einen Abzug entstehen können?“Ich stutzte, entschied aber nach kurzer Überlegung: „Nein, ich glaube nicht, denn ein seitliches Ziehen des Bauern von f4 nach g4 ist genauso wenig erlaubt, wie die Rückzüge der anderen Bauern von e5 nach e4 oder gar von f4 nach f2! Andere Steine, die vorher im Weg hätten stehen können sind aber nicht da!“
„ Sie sollten besser sagen: Andere Steine, die vorher im Weg hätten stehen können, sind nicht mehr da!“ antwortete Sherlock Holmes ungerührt, aber noch bevor ich mich fassen konnte, ergänzte er noch: „Denken Sie einmal darüber nach, dass der schwarze König nicht einfach so von b8 nach a8 gegangen sein könnte, sondern...“
„ ... Sondern dass er eine Figur dabei schlug,“ fiel ich ihm in seine Rede, „eine Figur, die vorher das Schachgebot des Läufers verstellte! - Aber ja! Das ist genial, Sie meinen, ein weißer Springer stand auf c7 und neutralisierte die potentielle Bedrohung durch den Läufer auf g3. Dann sprang eben dieser Springer nach a8 und deckte dabei das Schach auf. Dem Angriff entzog sich der König, indem er nach a8 auswich und dabei den Springer schlug. Das meinen Sie doch, oder?“
„ Ganz genau.“ bestätigte Holmes, doch schon schaltete sich Lestrade ein: „Alles gut und schön, aber was hat das mit unserem Fall zu tun?“
„ Das sehen Sie nicht?“ wunderte sich Holmes. „Beachten Sie doch einmal die Situation direkt nach dem Abzugsschach:“
„ Übertragen Sie die Position auf unseren Kriminalfall: Betrachten Sie die Stellung der Steine a7, b7 und c8 als abstrakten Tresor. In diesem sind Wertsachen (der Springer a8) und eine schwarze Arzttasche (der König b8). Wenn nun der König den Springer schlägt, haben Sie im übertragenen Sinne unsere Situation in unserem Fall: Die Wertsachen sind verschwunden, die Tasche ist noch da und es erscheint unmöglich, dass der Diebstahl stattgefunden haben kann, also dass Weiß am Zug ist!“ „ Wollen Sie damit allen Ernstes andeuten, die Tasche habe den Diebstahl begangen?!?“ kreischten der Inspektor und Thumberland fast gleichzeitig.
„ Natürlich nicht die Tasche als solche.“ versetzte Holmes etwas verärgert: „Bitte entwickeln Sie etwas Phantasie, meine Herren. Könnte nicht ein kleines Lebewesen in der Tasche gesteckt haben, dass aus ihr herauskletterte, als die Tresortür geschlossen wurde und es damit dunkel im Safe war? - Ich meine ein Lebewesen, das einerseits klein genug ist, um in die Tasche zu passen, andererseits aber auch intelligent genug sein muss, um dressiert zu werden und Hände mit Fingern besitzen muss, damit es die Wertgegenstände greifen und in die Tasche packen kann.“
„ Ein Äffchen!“ schrie Lestrade aufgeregt.
„ Jawohl, ein Äffchen!“ bestätigte Holmes. „Es fiel mir übrigens auch wieder ein, woher ich den angeblichen Mr. Smith kannte, der mich vorhin an der Hoteltür anrempelte. Wir kennen ihn alle von den vielen Reklame-Plakaten für den Zirkus Bendini. Er tritt dort mit einer Tierdressur-Nummer auf und zwar genauer gesagt, mit kleinen Rhesusäffchen!!“
„ Stimmt, ich erinnere mich jetzt auch...“ nickten wir anderen beinahe zur gleichen Zeit und Lestrade ergänzte noch: „Jetzt begreife ich, worauf Sie die ganze Zeit hinauswollten. Mr. Smith dressiert einen seiner Äffchen dazu, in einem dunklen Raum aus der Tasche zu klettern und alle erreichbaren Gegenstände aufzusammeln und in die Tasche zu stecken. Ist das getan, so verschwindet auch das Äffchen wieder in der Tasche und klappt sie zu. Mr. Smith braucht die prall gefüllte Tasche dann lediglich morgens wieder abzuholen. In der Tat, bei Zeus. So muss es wohl passiert sein.“Nun überschlugen sich die Ereignisse, denn in einem Augenblick erschienen zwei Wachtmeister, die eine schwarze Arzttasche bei sich hatten und riefen, sie hätten die Wertsachen gefunden, und zwar genau in dieser Tasche, die unter einem Schrank in Zimmer 307 gesteckt habe, und gleich darauf kam auch der ominöse Mr. Smith in die Eingangshalle und wurde auf Lestrades Veranlassung hin verhaftet. Nachdem letzterer sich betont männlich geräuspert hatte, sagte er beinahe abweisend: „Also gut, meine Herren. Ich glaube, es gibt hier nichts weiter für Sie zu tun. Der Rest ist dann Sache der Polizei!“ womit er weniger die Verhaftung und Überführung des Schurken meinte, als vielmehr die Entgegennahme des Beifalls der Presse und des Ruhms in der Öffentlichkeit.Später am Abend saßen Holmes und ich gemütlich bei einem guten Brandy zusammen und dachten laut über den vergangenen Fall nach. Ich sagte: „Eines interessiert mich aber noch. Wie sind Sie nur auf diese unglaublichen Zusammenhänge gekommen?“
„ Indem ich mir alle Fakten der Reihe nach vor Augen führte und schließlich den entscheidenden Impuls durch die Schachstellung erhielt. Da brauchte ich nur noch alles miteinander zu verknüpfen und das haben Sie ja nachvollziehen können.“
„ Ja und nein.“ antwortete ich nachdenklich. „Ich glaube nicht, dass es mir oder Inspektor Lestrade gelungen wäre, das Geheimnis aufzuklären, obwohl wir doch auch die Fakten kannten.“
„ Das glaube ich nicht.“ erwiderte Holmes bescheiden. „Sie wären auch noch dahinter gekommen, denn schließlich: Wenn ein Diebstahl aus einem Tresor unmöglich von außen her erfolgen konnte, er aber dennoch geschah, so muss der Täter bereits im Inneren gewesen sein. Und dann war es doch sehr merkwürdig, dass der Dieb sich nicht am unteren Fach vergriff, während das mittlere völlig, das obere aber nur bis zur Hälfte ausgeräumt wurden. Die einzig logische Konsequenz daraus ist, dass der Dieb im mittleren Fach gewesen sein muss, dieses gänzlich leerte, an das untere nicht herankam, weil ja die Tresortür geschlossen war und der bis zur Tür reichende Boden des Mittelfaches ein Nach-unten-greifen nicht gestattete, während der Boden des oberen Faches immerhin erlaubte, wenigstens dessen vordere Hälfte abzuräumen. Nun blieb nur noch das kleine Bisschen Phantasieaufwendung, sich zu fragen, wie ein Dieb, der so etwas vollbringen kann, aussehen müsste. Wer die vorhin genannten nötigen Eigenschaften der geringen Größe, der Intelligenz und einer gezielten Sammelaktion mit der dafür unentbehrlichen Hand in sich vereinigte!? Das konnte nur ein Affe sein.“
„ Wenn Sie das so aufzählen, scheint es wirklich nichts Einfacheres zu geben, und trotzdem...! Ich bin davon überzeugt, dass es niemanden auf der Welt gibt, der diese Kunst genauso gut beherrscht wie Sie, die Kunst der Verknüpfung!“
Okay, das war die erste kleine Geschichte. Zugegeben, das Problem war nicht besonders schwer und die Krimi-Idee gabs auch schon. Aber ich hoffe trotzdem, dass es euch gefallen hat. Mehr davon?
LG von der Waterkant.
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23.05.2011, 19:59
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Neuling
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Registriert seit: 05.2011
Beiträge: 3
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Hi!
Also ich finde die Geschichte und das Rätsel recht amüsant, es gibt da allerdings eine Ungereimtheit in meinen Augen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Ich hoffe jemand hilft mir auf die Sprüche. Schließlich habe ich mich extra dafür angemeldet.
Und Zwar...
Alles leuchte mir ein, bis auf die tatsache mit dem König schlägt Springer auf a8.
folglich musste der vorige zug von weiß Sc7-a8. Das ist klar und in der geschichte erklärt jetzt tut sich bei mir folgende frage auf..
Welchen Zug hatte Schwarz im vorigen Zug tätigen können?
Es gelten die selben Probleme für Springer, Dame, d5-Bauer, Läufer und gxh7-Bauer wie bei der ursprünglichen Aufgabe. Zudem kann der König nicht bewegt worden sei, da er eingekesselt steht.
=> Es gibt keine Zugmöglichkeit für Schwarz, die weiss veranlasst für den Zug Sc7xa8
=> schwarzer Kb8xSa8 ist unmöglich
=> Es ist unmöglich, dass weiss am Zug ist.
Habe ich da etwas übersehen?
Ich hoffe ihr erkennt mein Problem und könnt mir weiterhelfen...
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28.05.2011, 14:50
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Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: 2122/----
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Registriert seit: 08.2010
Ort: Hamburg
Beiträge: 89
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Wieder war's der König!
Hi Shabba Lambada,
schön, dass dich die kleine Geschichte amüsiert hat, das höre ich gerne. Aber nun will ich dir auch deine Frage auch beantworten:
Wenn du vom 2. Diagramm des Lösungsteils ausgehst (also mit dem weißen Springer auf a8 und dem schwarzen König auf b8, dann war der letzte weiße Halbzug Sc7-a8. Davor zog Schwarz Ka8-b8. Das heißt, der schwarze König stand auf a8, der weiße Springer zog nach c7 und bot Schach, so dass der schwarze König nach b8 ging und der weiße Springer dann nach a8 hüpfte, das Schachgebot des Läufers g3 aufdeckte und im nächsten Halbzug von Schwarz auf a8 geschlagen wurde. Übrigens kam der weiße Springer von d5 nach c7, davor stand der schwarze König auf b8 und davor war der letzte weiße Halbzug Sf4-d5. Nimmst du alle diese Halbzüge nacheinander zurück, erhältst du folgende Stellung:

Zur Aufgabenstellung führt jetzt die Zugfolge: 1. Sf4-d5(+) Kb8-a8 2. Sd5-c7+ Ka8-b8 3. Sc7-a8(+) Kb8xa8 et voilà!
Wenn du nun aber von dieser Diagrammstellung ausgehst, ist der Läufer g3 gebändigt, so dass Schwarz als letztes Ka8-b8 gezogen hat, während Weiß davor einen Zug gemacht haben mag, der andere schwarze Züge als die seines Königs ermöglichten (zum Beispiel Kd2-c3, wodurch letzte Halbzüge des Läufers f8 oder des Springers b6 möglich werden). Ich hoffe du erkennst jetzt, dass es letzte Züge für beide Seiten gab, so dass die Aufgabenstellung partiemöglich und somit korrekt ist.
LG von der Waterkant.
P.S. Ach ja, eine Frage hätte ich da nun auch: Diese Geschichte ist eine von etwa 50, die ich mal vor Jahren verfasst habe. Alle sind im Grunde wie diese gestrickt: Sherlock Holmes erweist sich als unübertrefflicher Retroanalytiker und klärt mit Hilfe von derartigen Analysen Kriminalfälle auf oder vertreibt sich mit einem befreundeten Widersacher die Zeit, den er über eine zufällig entstandene Retroanalyse kennengelernt hat und der danach immer wieder versuchte, dem Meisterdetektiv eine Retroanalyse zu präsentieren, welche dieser nicht lösen kann. Glaubst du, dass solch ein spezielles Thema eine Chance auf dem Buchmarkt hätte? - Ich meine, du bist der einzige, der sich positiv geäußert hat, darum interessiert mich, ob du so ein Buch kaufen würdest? - Keine Angst, ich will dir nichts andrehen. Ich möchte wirklich nur wissen, ob du potentiell so etwas kaufen würdest? - Natürlich dürfen auch gerne andere Leser oder Leserinnen mir hierzu ihre Meinung sagen. Und noch eins: Ich bin nicht empfindlich. Haut eure ehrliche Meinung raus. Die Geschichten liegen nun schon sooo viele Jahre in meiner "digitalen" Schublade, dass ich kein Problem damit habe, weiterhin der einzige Mensch auf Erden zu sein, der sie besitzt... Vielen Dank für eure Mühe, wenn ihr mir antworten solltet.
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28.05.2011, 20:15
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Meister des Matts
DWZ/Elo: 1888
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Registriert seit: 06.2009
Ort: Deutschland
Beiträge: 287
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Solche Schachbücher gibt es bereits. Schach mit Sherlock Holmes
Ein Buch zu diesem Sujet wäre auf jeden Fall eher eine Bereicherung des Schachliteratur als das, was da von Sitges aus als "Schachbuch" auf den Markt gelangt ist.
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31.05.2011, 00:33
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Neuling
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Registriert seit: 05.2011
Beiträge: 3
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hmm, dann muss der schwarze turm a8 im vornherein von einem weißen springer genommen worden sein... das hatte ich übersehen! nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich bei der stellung. danke für die hilfe!
was deine frage angeht:
ich habe seit kurzem wieder mehr interesse fürs schach gefunden und gehe hier ein par rätsel für mich durch. ich mag geschichten. insofern fand ich dieses rätsel recht interessant. ein buch darüber würde ich mir momentan aber nicht kaufen. ich habe noch viele andere interessen, die mich noch mehr reizen. vielleicht kommt das verlangen nach schachrätseln und kriminalgeschichten ja später in meinem leben. 
auf jedenfall danke für diese eine geschichte. hab mir gut die zeit damit vertrieben.
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31.05.2011, 00:41
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Neuling
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Registriert seit: 05.2011
Beiträge: 3
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hmm, dann muss der schwarze turm a8 im vornherein von einem weißen springer genommen worden sein... das hatte ich übersehen! nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich bei der stellung. danke für die hilfe!
was deine frage angeht:
ich habe seit kurzem wieder mehr interesse fürs schach gefunden und gehe hier ein par rätsel für mich durch. ich mag geschichten. insofern fand ich dieses rätsel recht interessant. ein buch darüber würde ich mir momentan aber nicht kaufen. ich habe noch viele andere interessen, die mich noch mehr reizen. vielleicht kommt das verlangen nach schachrätseln und kriminalgeschichten ja später in meinem leben. 
auf jedenfall danke für diese eine geschichte. hab mir gut die zeit damit vertrieben.
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