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Schachrätsel

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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #1 (permalink)  
Alt 07.07.2008, 17:20
schachidiotin
Neuling
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 4
Frage Letzte Züges eines Spiels nachstellen

Hallo Ihr Schachprofis!
Ich habe leider kaum Ahnung vom Schach, brauche aber für eine Theateraufführung dringend Hilfe von echten Auskennern.
Es wird virtuell Schach gespielt von zwei Personen, die lediglich die Koordinaten nennen. Und dies sollte einigermaßen stimmen, damit die Schachkenner dann nicht die Krise bekommen, wenn sie unsere inszenierung sehen.
Folgender Ablauf:
6 Züge hintereinander
beim 7. Zug wird der 6. Zug zurückgenommen
8. Zug führt zum Schach
9. Zug: dieser Spieler könnte den Springer nehmen, macht aber anderen Zug
10. Zug überraschend, aber nun steht die Königin frei
11. lässt Königin netterweise stehen
12. folgt, dass er denkt dass, er matt ist
In Wirklichkeit hat er noch gar nicht verloren. Später folgt ein rettender Zug aus dem "Matt"

Tja, für mich sieht das ziemlich kompliziert aus.
Kann irgendjemand der Schachidition helfen?
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #2 (permalink)  
Alt 07.07.2008, 18:12
Benutzerbild von Jumbo
Jumbo
Rausschmeißer
 
Registriert seit: 10.2006
Ort: Freudenstadt
Beiträge: 633
Es wird für uns schwierig sein, eine Stellung zu analysieren, die wir gar nicht kennen. Kannst du uns bitte die Koordinaten der Figuren nennen?

Oder sollen wir eine Partie konstruieren, auf die die aufgeführten Kommentare stimmen?

Wenn sie tatsächlich blind Schach spielen, dann sieht der Zuschauer doch auch nicht, wo welche Figur steht??
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #3 (permalink)  
Alt 07.07.2008, 22:29
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Ich verstehe schachidiotin so, daß wir eine Partie konstruieren sollen. Oder zumindest einen Ausschnitt daraus, einen Mattangriff im Mittelspiel.

Finde ich im Prinzip toll, denn bei den meisten (Fernseh-/Kino-)Filmen mit einer Schachpartie während oder in der Handlung ("Liebesgrüße aus Moskau", "Thomas Crown ist nicht zu fassen", "Lushins Verteidigung", "Grünberg-Variante" etc) wird entweder ziemlich viel (schachlicher) Mist erzählt oder aber einfach eine (zumindest unter Kennern) weitbekannte Meisterpartie als Vorlage verwendet.
Ich weiß jetzt nicht, inwieweit die Vorgaben aus außerschachlichen Gründen exakt so sein müssen, aber es sollte möglich sein, sowas ziemlich vernünftig hinzukriegen.

Versprechen tu ich nichts, aber ich schau mir das mal paar Tage an. Wie sehr eilt es denn, schachidiotin ?

************************************************** *******

Ein paar technische Dinge:
Der Einfachheit halber ist Weiß der erste Spieler und macht (aus irgendeiner schon weit fortgeschrittenen Stellung) den 1.,3. usw (Halb-)Zug, Schwarz entsprechend die geraden HZ. Wenn man unbedingt will, kann man das am Ende ja wieder tauschen ...
Das mit Zug 6-7 ist nicht eindeutig: beim 7.HZ kann der 6.HZ gar nicht zurückgenommen werden, denn ein Spieler kann ja schlecht den Zug seines Gegners zurücknehmen (das wäre nun wirklich regelwidrig, würde ja irgendwie bedeuten, daß ein Spieler zwei Züge hintereinander macht?!).
Entweder werden nach dem 7.HZ sowohl der 7. als auch der 6. HZ zurückgenommen und ein neuer 6.HZ gespielt (und danach natürlich auch ein neuer 7.). Oder aber nach dem 6.HZ merken die beiden, daß 6.HZ aufgrund eines möglichen 7.HZ sofort verlieren, und dann wird 6.HZ zurückgenommen und ein neuer 6.HZ gespielt !?
(Alles klaro? - Ich weiß nicht, wieso die Vorgaben sein müssen, aber wenn wir´s machen, dann machen wir´s auch richtig according the FIDE Rules of Chess! Natürlich abgesehen davon, daß wir als Gentlemen die Rücknahme eines Zuges erlauben)

Ich verstehe die Regie-Vogabe also wie folgt:

- Irgendeine Stellung im Mittelspiel, noch halbwegs viel Material auf dem Brett.
(1) Weiß macht seinen 1.(Halb-)Zug
(2) Schwarz macht seinen 1.
(3) Weiß macht seinen 2.
(4) Schwarz macht seinen 2.
(5) Weiß macht seinen 3.
(6) Schwarz macht seinen 3.
(7) Weiß macht seinen 4.
(8) Schwarz bemerkt, daß er nun sofort verliert, und bittet Weiß darum, einen anderen letzten Zug versuchen zu dürfen. Weiß4 und Schwarz3 werden zurückgenommen.
[Alternativ: (7) entfällt! Weiß ruft nach (6) aus: "Dann kann ich ja sofort mit xyz gewinnen! Meinetwegen nehmen Sie ihren letzten Zug nochmal zurück, Sie können sich bestimmt stärker verteidigen". Schwarz3 wird zurückgenommen.]
(9) Schwarz macht neuen 3.
[Wer gibt jetzt Schach? Schwarz3neu oder Weiß4(neu)?? - Handelt es sich um einen durchgehenden weißen Angriff, oder schlägt Schwarz nun mit Konter zurück? Ich plädiere für ersteres...]
(10) Weiß macht seinen (ggf.neuen) 4, mit einem Springer gibt er ein Schach [Ich setze, damit (11) klappen kann, jetzt einfach mal fest, daß dies ein Springerzug ist; ansonsten müßten wir mit einem durch einen Springer aufgedeckten Schach anfangen, und das wird dann richtig kompliziert ...]
(11) Schwarz macht seinen 4., indem er mit seinem König aus dem Springerschach herauszieht, obwohl er den schachgebenden weißen Springer auch (mit einer anderen seiner Figuren, natürlich nicht mit dem König!) hätte schlagen können.
(12) Weiß macht seinen 5., indem er mit seiner Dame einen überraschenden Zug macht (vermutlich in Richtung des schwarzen Königs, offenbar ein Schach, nicht nur einen "stillen" Angriffszug mit furchtbaren Drohungen, denn sonst macht schachidiotin12 wenig Sinn, zumal ein Damenzug ja kaum ein aufgedecktes Schach bewirken kann!) [ Wer ist überrascht? Schwarz von Weiß5 oder Weiß, daß er Weiß5 gefunden hat?]
[So, bis hierher war alles klar wie Nebel, aber jetzt wird´s unübersichtlich. Sind 11 und 12 (von schachidiotin) ein oder zwei Züge und wer ist der Denker? Sinnvoll erscheint mir nur folgendes:]
(13) Schwarz denkt, daß er durch die weiße Dame mattgesetzt wurde (oder im nächsten Zug mattgesetzt wird, falls er die weiße Dame schlägt?!), und zögert mit seinem Zug, erst nach einiger sieht er, daß er noch nicht verloren ist: Schwarz macht seinen (rettenden) 5.
"Sinnvoll" wäre, wenn der Weiß5 die weiße Dame einfach ungedeckt neben den schwarzen König gestellt hat, was auch die schwarze Überraschung erklären würde, denn bei den letzten Zügen hatte Schwarz so einen blöden weißen Zug in seinen Vorausberechnungen natürlich gar nicht in Betracht gezogen. Nach Weiß5 sieht Schwarz sofort, daß er mit seinem König kein Fluchtfeld mehr hat, und wähnt sich verloren, bevor er sieht, daß er die Dame einfach schlagen kann? Dann wäre Weiß der Dumme...
Vielleicht kann schachidiotin ja sagen, ob es sich um Freizeitspieler oder um Meister handeln soll.

Ich hoffe, daß ich schachidiotins Schachverständnis nicht überanstrenge, aber ein bißchen Klärung und Präzisierung muß m.E. sein, wenn man die Vorgaben eindeutig erfüllen will.

Wenn ich bißchen Zeit habe, fange ich (vielleicht) mal mit dem Ausprobieren gemäß meiner Version an, ggf. kann schachidiotin ja korrigieren.

tracke
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #4 (permalink)  
Alt 08.07.2008, 10:04
schachidiotin
Neuling
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 4
Hallo!
Erstmal freue ich mich über die schnellen Antworten. Es ist tatsächlich so, dass man noch nicht mal weiß, wer weiß und wer schwrz spielt. Man kann von einer beliebigen Stellung des Spiels ausgehen. Es muss lediglich die Züge stimmen. Es handelt sich übrigens um Lessings "Nathan der Weise", aber in etwas geänderter Form als das Original (II,1 bei gutenberg spiegel im Netz zu finden). Dass der Zug zurückgenommen wird, ist natürlich regelwidrig, aber das Zurücknehmen ist in dem Sinne kein Extrazug.
Na ja und wie es so ist, bräuchte ich dies diese Woche noch, weil wir schon fleißig am Proben sind.
VIELEN herzlichen Dank!
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #5 (permalink)  
Alt 08.07.2008, 20:10
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Okay, so langsam nähern wir uns einer exakten Modellierung der Aufgabe, die wir dann lösen sollen ...

Nathan also. Oje, ich dachte, damit wäre ich seit über 20 Jahren durch. Und die Schachszene hatte ich total vergessen... Später im Studium habe ich mich nochmal mit dem Theologen/ Philosophen/ Humanisten Moses Mendelssohn (http://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Mendelssohn) beschäftigt, der ja wohl das reale Vorbild für Lessings literarische Gestalt des Weisen war. Und die Ringparabel wurde auch mal ethisch seziert, letztlich ist der moralische Gehalt doch ziemlich nichtssagend: halt formal-pragmatischer Deismus, damit kommt man nicht weit. (Aber das wäre jetzt ein anderes Thema)

Nathan also. Und zwar, wenn ich das richtig verstanden habe, in dieser Fassung: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xi...84d32#gb_found Wäre nett gewesen, schachidiotin, wenn Du gleich einen Link gegeben hättest - dann hätte ich nicht erst 10min suchen müssen... Und das ganze soll eine superdupertolle Aufführung im Rahmen des Deutsch-Kurses (oder Theater-AG) ergeben?

************************************************** ********

Wieder einmal ein paar Punkte:
Das Zurücknehmen eines (regelgemäßen) Zuges mit Erlaubnis des Gegners ist zwar in den Turnierregeln nicht ausdrücklich erwähnt, es widerspricht aber meines Wissens nicht unbedingt den fundamentaleren Spielregeln. Ist in Freundschaftspartien unter Ladies & Gentlemen (und in unteren Spielklassen?!) gar nicht so unüblich. (Da mach ich gleich noch ´ne Regelfrage d´raus! Übrigens: regelwidrige Züge müssen natürlich zurückgenommen werden, in Blitzpartien führen sie aber zum sofortigen Verlust!)
Vor dem 19.Jahrhundert gab es auch keine fixierten Schachregel, nur übliche Spielsitten, die aber regional (und insbesondere historisch!) kleine Unterschiede aufweisen konnten. Insbesondere die Dame gab es im arabischen Schach (und da sind wir ja) noch gar nicht, Frauen und Macht paßte da halt nicht richtig zusammen.
Es sind ganze Bücher und Romane darüber geschrieben worden, wie nach der Reconquista (http://de.wikipedia.org/wiki/Reconquista) und schließlich besonders durch die Figur Isabella von Kastiliens (Kolumbus´Sponsorin!) im Schach die relativ schwache arabische Figur des Fez durch die starke christliche Figur der Königin ersetzt wurde. Ich bin jetzt kein Experte für Schachgeschichte, aber ich halte es für historisch gewagt (falsch!?), einen Sultan und seine Schwester mit Königinnen als Schachfiguren spielen zu lassen. (Dann müßte der Sultan politisch korrekt ja Angst davor haben, daß seine Schwester ihn absetzt und sich selbst zur "Sultanine" ernennt, haha) - Okay, soll ggf. nicht unser Fehler gewesen sein, spielt für Lessing und seine Handlung auch keine große Rolle. Wir bleiben einfach bei den modernen Zugregeln, ansonsten müßten wir uns auch erstmal paar Monate in mitteralterliches und arabisches Schach vertiefen ...

Es wirft sich die Frage auf, inwieweit eine historisch sowieso falsche Konstruktion einer fiktiven Schachpartie (bzw. die Anstrengung dazu) überhaupt noch Sinn macht - reicht es nicht, wenn die Figuren irgendwelche Koordinaten sagen?

Nun, falls man die Partie dann überhaupt noch nachspielen können soll, darf man die Figuren des Sultans und seiner Schwester nicht allzu dumm aussehen lassen. Sittah ist offenbar eine relativ gute Schachspielerin, der Sultan ein wenig schlechter (oder vielleicht auch nur zerstreut weil mit seinen Gedanken ständig bei irgendwelchen Regierungsgeschäften).

schachidiotin, Du hast mir auf meinen langen Post noch gar nicht geantwortet, ob ich mit meiner Interpretation Deiner Regieanweisung richtig liege (bzw. mit welcher, ich hatte ja Alternativen genannt!)

Jetzt, wo ich den oben verlinkten Gutenberg-Text gelesen, habe ich noch mehr Probleme. (Und immer weniger Hoffnung, das rechtzeitig hinzukriegen ) Da ist auch von Gabeln, vom Vorsetzen und vom Ab(zugs?)schach die Rede, es ist der Springer des Verteidigers und nicht des Angreifers, der "unbedeckt" wird. Sittahs "Schach! und Schach! und Schach!" sind vermutlich fünf! unmittelbar hintereinander ausgeführte (Halb-)Züge, usw.
Woran sollen wir uns jetzt denn halten?
An Deine erste Version (Post1), die aber m.E. sowohl unklar als auch etwas sinnlos ist?
Oder meine Version (Post3), aber welche der Alternativen?
Oder den oben verlinkten Text, der aber schachlich deutlich! schwieriger umzusetzen wäre (weil je nach Interpretation etwa 15-25 Halbzüge zu konstruieren wären!!! Falls das überhaupt geht und man sich täglich ´ne Stunde damit beschäftigt, dauert das paar Wochen)
Oder habt Ihr schon ein Drehbuch, das Deiner ersten Version irgendwie ähnelt, und in dem Ihr das alles schon stark gekürzt habt?

************************************************** *********

Sorry, schachidiotin, im Moment sehe ich etliche Unklarheiten und Schwierigkeiten. Wie Du der Länge meiner Posts entnehmen kannst, liegt es nicht an mangelndem Willen. Obwohl ich auch nicht unendlich viel Zeit habe.
Bis zu Deiner Antwort werde ich mal versuchen, den verlinkten Gutenberg-Text als Ausgangspunkt zu nehmen, dann bin ich wenigstens direkt an der Vorlage dran.

Es dürfen sich natürlich auch andere Forumsmitglieder hier beteiligen! Ein paar grobe Pflöcke sind ja nun eingeschlagen. Vielleicht sehe oder interpretiere ich ja auch irgendwas falsch?!

tracke


PS: Die gewünschte Schachnotation müßte offenbar im modernen algebraischen System erfolgen (etwa " weißer Springer e4 nach f6 und Schach!"), aber auch das wäre natürlich ziemlich unhistorisch. Nicht nur, daß der Sultan vermutlich kein Deutsch sprach (bei Lessing natürlich doch); die Araber hatten auch kein Cartesisches Koordinatensystem und werden ihre Schachzüge ganz andersartig gekennzeichnet haben. Vielleicht ähnlich der alten englischen beschreibenden Notation (~"King´s (or Queen´s) Knight king four to bishop six check!") wo jeder der beiden Spieler aus seiner Perspektive heraus denkt und keine Koordinaten für einen neutralen Beobachter der Partie kennt!
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #6 (permalink)  
Alt 09.07.2008, 10:03
schachidiotin
Neuling
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 4
Schach bei Nathan

Hallo!
Ich habe es geahnt: unser Nathan ist eine moderne Inszenierung und weicht vom Original ab. Ich habe viel text in der Szene gestrichen. Ich würde nach deiner Anleitung (Post3) vorgehen. Es ist ein heutiges Schachspiel. Sie stehen vor einem gedachten Bildschirm und nennen die Koordinaten. Und diese kooardinaten sollten stimmen, weil es sonst gleich jeder Schachspieler merkt.
Hier kommt unser text:
Es folgen 6 Züge bevor sie diesen text haben.

Sittah.
Wie spielst du heut?
Nimm diesen Zug zurück.
Saladin. Ist wahr. Nun so! - Schach dann!
Sittah.
Was hilft dir das? Ich setze vor: und du
Bist, wie du warst.
Saladin. Aus dieser Klemme seh
Ich wohl, ist ohne Buße nicht zu kommen.
Mag's! nimm den Springer nur.
Sittah. Ich will ihn nicht.
Ich geh vorbei.
Saladin. Du schenkst mir nichts. Dir liegt
An diesem Plane mehr, als an dem Springer.
Sittah.
Kann sein.
Saladin. Mach deine Rechnung nur nicht ohne
Den Wirt. Denn sieh! Was gilt's, das warst du nicht
Vermuten?
Sittah. Freilich nicht. Wie konnt' ich auch
Vermuten, daß du deiner Königin
So müde wärst?
Saladin. Nimm nur die Königin.
Ich war mit diesem Steine nie recht glücklich.
Sittah.
Bloß mit dem Steine?
Saladin. Fort damit!
Sittah. Wozu sie nehmen?
Schach! - Schach!
Saladin. Nur weiter.
Sittah. Schach!
Saladin.
Und matt!
Sittah. Nicht ganz; du ziehst den Springer noch
Dazwischen; oder was du machen willst.
Gleichviel!
Saladin. Ganz recht! - Du hast gewonnen

Leider drängt es. Die Schauspieler proben gerade an dieser Szene. Übrigens ist dies für eine Theaterinszenierung.
Ich würde mich wirklich freuen, wenn mir jemanden helfen könnte.
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #7 (permalink)  
Alt 09.07.2008, 12:18
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Okay, ich nehme jetzt also Deinen letzten, gekürzten Text (Post6) als Vorlage. Ist schachlich zumindest nicht ganz so schwer wie das lange Original. Ich verspreche nichts, werde mich dem aber heute abend oder morgen mal ´ne Stunde widmen. Ich verspreche aber nichts, und es wäre bestimmt keine schlechte Idee, eine Theaterversion ohne konkrete Schachzüge vorzubereiten...

tracke
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #8 (permalink)  
Alt 11.07.2008, 10:27
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Ich weiß nicht, ob das jetzt Zufall oder Fügung war,
aber jetzt kann das schachmatt.de-Forum der
schachidiotin doch noch helfen!
War aber kaum mein Verdienst, daß ich
einen Word-Download bereitstellen kann!

tracke
Angehängte Dateien
Dateityp: doc SchachNathan.doc (26,0 KB, 108x aufgerufen)
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #9 (permalink)  
Alt 11.07.2008, 11:11
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
So, jetzt ist die Lösung schon mal hochgeladen,
jetzt kann ich noch paar Bemerkungen loswerden...

Ich war schon wirklich am Verzweifeln, denn die
Aufgabe war furchtbar schwer; ich möchte nicht
wissen, wie lange der eigentliche Löser daran
herumgeknobelt hat! Tage, Wochen, Monate, Jahre?
Zumal das herausgekommene Schachfragment nicht
gerade perfekt ist...

Nun, wie es der Zufall so will, ist genau in dieser Woche
des Jahres 2008 eine Schachzeitung erschienen, die
sich genau der dem Nathan-Schach-Problem widmet.
Und seit gestern abend habe ich mein Exemplar vorliegen.
Damit war wirklich nicht zu rechnen.

www.karlonline.org
KARL - das kulturelle Schachmagazin erscheint viermal jährlich
und ist meist nur im Abo, in Schachbuchhandlungen oder in
ausgesuchten Bahnhofsbuchhandlungen erhältlich, kostet €5,50
Die haben jedesmal ein Thema (Internet, S&Kunst, Weltmeister,...),
diese Ausgabe (ISSN 1438-9673) das Thema "Endspiel".
Neben thematischen Artikeln (Systematik, Geschichte, Biograhien)
haben die jedesmal auch noch paar kurzweilige Rubriken mit so allerlei
und diesmal eben genau die Nathan-Schachszene!!

Ich habe (gestern spätabends) beim Abtippen das ganze nochmal
ein ganz klein bißchen bearbeitet, damit die Kompatibilität mit
schachidiotins Vorlage von 90 auf 95 Prozent anwuchs:
- einen Zug der KARL-Version, der dann aber auch zurückgenommen
wird, habe ich weggelassen, da schachidiotin dort Text gekürzt hatte
- ganz am Ende habe ich eine kurze Sittah-Passage gestrichen, da es in
der KARL-Version der Lösung kein schachliches Äquivalent dazu gibt
- meine eigene Leistung besteht vor allem darin, am Beginn des Auftritts
fünf relativ sinnvolle Halbzüge davorgesetzt zu haben
- außerdem habe ich angegeben, wie man möglichweise noch jeweils
drei Bauern am Damenflügel einfügen kann, damit das Brett ggf.
optisch nicht so leer wirkt. Die Zusatzbauern haben kaum Einfluß
auf das eigentliche Spiel, das am Königsflügel hinundherwogt; schachlich
machen sie aber durchaus bißchen Sinn, denn es ist doch unwahrscheinlich,
daß sich zwei Schachspieler erst fein säuberlich, positionell und ruhig
den Damenflügel leertauschen, um danach ein chaotisches Gefecht am
Königsflügel zu beginnen, oder?

Daß ich das ganze Dokument jetzt in Word getippt habe, habe ich vor allem
für mich selber gemacht, da ich nur vom Internet-Cafe aus ins Netz gehe
und die Datei sowieso mit USB-Stick transportieren mußte, um nicht doppelt
zu tippen. Es ist hoffentlich recht so ...

Viel Spaß beim theatralisieren ...

tracke

PS: Das kommt doch jetzt noch rechtzeitig, oder?

Geändert von tracke (11.07.2008 um 12:30 Uhr)
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #10 (permalink)  
Alt 11.07.2008, 12:45
Benutzerbild von Jumbo
Jumbo
Rausschmeißer
 
Registriert seit: 10.2006
Ort: Freudenstadt
Beiträge: 633
Danke, Tracke. Das war eine Glanzleistung. Hier der Text für die, die es nicht hochladen können:


Schachfragment in Lessing: Nathan der Weise (Zweiter Aufzug, Erster Auftritt)


Ausgangsstellung (8+8)
Weiß : Kh2, De4, Te3, Tg2, Ld2, Sf2, Bf3, Bg5
Schwarz: Kg7, De7, Te8, Tg8, Sd7, Se5, Bf7, Bh6
[fakultativ dazu (3+3): wB: a3, b2, c3 ; sB: a7, b7, c6]

*******************************************

(Sittah: 1.g5xh6+)

(Saladin: 1. ... Kg7xh6)

(Sittah 2. Tg2xg8)

(Saladin 2. ... Te8xg8)

(Sittah 3. f3-f4) [Startposition gemäß KARL]

(Saladin 3. ... De7-d8)

Sittah:
Wie spielst du heut? Nimm diesen Zug zurück.

Saladin:
Ist wahr. (zurück: Dd8-e7) Nun so! (3...De7-h4+)

Sittah:
Was hilft dir das? Ich setze vor: und du bist, wie du warst (4.Te3-h3)

(zurück: Th3-e3 und Dh4-e7)

Saladin:
Aus dieser Klemme seh ich wohl, ist ohne Buße nicht zu kommen. Mag´s! nimm den Springer nur. (3....De7-e6)

Sittah:
Ich will ihn nicht. Ich geh vorbei. (4.f4-f5)

Saladin:
Du schenkst mir nichts. Dir liegt an diesem Plane mehr, als an dem Springer.

Sittah:
Kann sein.

Saladin:
Mach deine Rechnung nicht ohne den Wirt. Denn sieh! (4. ... Sd7-c5) Was gilt´s, das warst du nicht vermuten?

Sittah:
Freilich nicht. Wie konnt´ ich auch vermuten, daß du deiner Königin so müde wärst? (5.Te3-h3++)

Saladin:
(5. ... Kh6-g7) Nimm nur die Königin. Ich war mit diesem Steine nie recht glücklich.
Sittah:
Bloß mit dem Steine?

Saladin:
Fort damit!

Sittah:
Wozu sie nehmen ? (6.Ld2-h6+) Schach!
(Saladin 6. ... Kg7-h7)
(Sittah 7.f5-f6+) Schach!

Saladin:
(7. ... Kh7-h8) Nur weiter!

Sittah:
(8. Lh6-f8+) Schach!

Saladin:
Und matt! Du hast gewonnen.


*******************************************

Als Quelle und Vorlage diente:
Ehn/Strouhal: Lessing am Wort – Sie sind am Zug!
In: KARL – das kulturelle Schachmagazin
(Ausgabe 2/2008, Juli 2008, Seite 54+55)
Textgrundlage dort war die Strichfassung einer Wiener-Burgtheater-Inszenierung 2004

Aus dem Artikel ist nicht einwandfrei ersichtlich, ob die dort verwandte Startposition und Zugfolge ab 3...De7-d8 von Ehn/Strouhal (vermutlich) oder auch schon aus deren Wiener Vorlage stammt.
Die fünf Halbzüge davor sind eigene Erfindung.

Im KARL versucht Saladin gleich am Anfang zwischen den zurück genommenen 3...De7-d8 und 3...De7-h4+ auch 3...De7-f6, bevor er mit 3...De7-e6 fortfährt. Dieser Versuch mit dem dazu gehörenden Text wurde hier weggelassen, um der von schachidiotin gewünschten Vorgabe zu entsprechen.
Dafür wurde zum Schluß eine Textpassage Sittahs entfernt („du ziehst den Springer noch dazwischen“), da dies hier schachlich keine Entsprechung hat.

Nach 8.Lh6-f8+ ist Schwarz aber noch nicht matt, tatsächlich steht er nach 8...De6xh3+ 9.Kh2xh3 Sc5xe4 10.Lf8-g7+ Kh8-h7 11.Sf2xe4 Kh7-g6 sogar besser, vermutlich auf Gewinn!
Übrigens: Statt 8.Lh6-f8+ wäre aber 8.Lh6-g7# wirklich Matt gewesen!
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #11 (permalink)  
Alt 11.07.2008, 20:42
Benutzerbild von WilhelmH
WilhelmH
Kenner
 
Registriert seit: 10.2007
Ort: Hamburg
Beiträge: 114
Zitat:
Zitat von Jumbo Beitrag anzeigen
Danke, Tracke. Das war eine Glanzleistung.
Die bringt er öfter. Er ist hier einsame Spitze.
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  Letzte Züges eines Spiels nachstellen Beitrag #12 (permalink)  
Alt 12.07.2008, 08:38
schachidiotin
Neuling
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 4
Lessings Schach

Hallo TRACKE!
WAHNSINN, ich bedanken mich ganz herzlich für die Schachrettung. Jetzt kann es richtig losgehen mit den Proben. Das war wirklich kniffelig, aber da ich nicht viel vom Schach verstehen, konnte ich das gar nicht einschätzen. Ich werde gleich mal wieder zum Schachbrett greifen und spielen.
DAAAAAAAAAAAAAAAANKE!
Schachidiotin
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