ich kann da bloß von einer ähnlichen laufbahn berichten, was die interessen angeht.
hab selbst viel poker gespielt und überlege auch, mir damit neben dem studium ein bisschen was dazu zu verdienen. ein kumpel - studiert seit 2 jahren - meint, dass er damit durchschnittlich so 20$ pro stunde rausholt.
ein stundenlohn von 20€ wäre doch eigentlich nicht schlecht^^
aber back2to topic
poker scheint wohl tatsächlich einige parallelen zum schach zu haben
was mir persönlich aufgefallen ist:
pro) in beidem geht es prinzipiell darum, den gegner anhand seiner züge auf eine gewisse spielerstärke zu schätzen. erst danach setzt man mit seiner strategie genau an diesem punkt an. dh wenn ich im poker sehe, wie jemand nen open end straight draw nach dem flop schon foldet, nur weil seine odds halt nicht die 18% für den turn sondern er an die 24% zahlen müsste, dann kann ich anhand dieser und vieler ähnlicher informationen die spielerstärke meines gegner einschätzen. und wenn ich die ungefähr einschätzen kann, dann ist das wie ein nachtsichtgerät für weitere entscheidung: weiß ich, dass mein gegner fähig zu bestimmten tricks ist, kann ich darauf vorbereitet sein und das "ich weiß, dass er weiß, dass ich weiß, dass er weiß, dass ich weiß"-spiel nimmt seinen lauf. andersherum: weiß ich, dass mein gegner schlecht ist und ich ihn bereits oft genug provoziert habe, provozier ich mir den fisch und stell von mir aus all-in bei einer 80%igen gewinnwahrscheinlichkeit, was er höchstwahrscheinlich annehmen wird, weil er es mir nun zeigen will und ich ihn bereits als undisziplinierten spieler identifiziert habe.
ich bin zwar kein großer schachspieler, doch habe ich irgendwie gemerkt, dass die gegnerstärke auch im schach ein großer anhaltspunkt dafür ist, was man sich trauen kann und was nicht. und wenn ich deutlich besser bin als mein gegner, und einschätzen kann, bis wohin mein gegner genau das selbe sieht wie ich, und ab welchem punkt sein durchblick aufhört, dann kann ich auch mal potenziell gefährliche situationen einfach links liegen lassen, weil ich davon ausgehen kann, dass mein gegner nicht fähig ist diese zu nutzen und kann ihn unter druck setzen und dabei meine flanke offen lassen. selbst wenn er dann einen richtigen zug drauf antworten würde, fehlen dazu immernoch 3,4,5 oder 6 züge, von denen ich aber überzeugt bin, dass er diese gar nicht sieht und sie deshalb auch nicht nutzen kann
contra) aber auf der anderen seite ist da auch ein riesen großer unterschied zwischen poker und schach: der glücksfaktor
beim schach startet jede partie von den gleichen positionen aus. es wird sogar versucht, dass jeder gleich oft mit schwarz und gleich oft mit weiß gespielt hat. einfach ALLES der eigenen figuren steht in der eigenen vollmacht. es ist wie eine besondere art von erhabenheit, die schach vom poker unterscheidet. dadurch dass man im schach das gewaltenmonopol aller seiner figuren hat und der gegner selbiges über seine, ist die distanz von angesicht zu angesicht = 0. da ist nichts anderes, was eine rolle spielt. nur man selbst und der gegenüber.
im poker liegt die erhabenheit komischerweise darin, sich mit der untergebenheit zu arrangieren. zu einem stattlichen anteil ist man schlicht und einfach dem glück und zufall untergeben und nur wer mit genau dieser machtLOSIGKEIT umgehen kann, der hat die größe macht am tisch. vor allem ist es im poker auch nur selten ein wirkliches angesicht zu angesicht. schach ist armdücken. poker ist langlauf. im poker hat man viele gegner und wenn mans genau nimmt, ist man sich selbst meistens sein größter gegner. der erfolg, das erfolgserlebnis, der rush, das adrenalin kommt beim poker nicht mehr daher, dass über den gegner gesiegt hat, sondern daher, dass man gegen sich selbst gewonnen hat. am ende eines jahres zu wissen, dass man mehr richtige entscheidungen gemacht hat als falsche und der machtlosigkeit herr geworden zu sein; daher kommt im poker das erfolgserlebnis. schach ist ein direktes kräftemessen auf kognitiver ebene. poker ist ein arrangieren mit vielen vielen ganz indirekten kräften.
und desweiteren finde ich es so interessant, dass es genau dieser unterschied ist, der auch in so viel literatur behandelt wird. literatur, die ganz und gar nichts mit schach und poker zu tun hat.
nehmen wir die antigone von sophokles. antigone legt es darauf an, ist nicht dazu bereit, sich zu verändern und von ihren moralischen ansichten abzulassen ihren bruder nicht zu beerdigen und riskiert ihr leben - verliert es auch. sie hat sich mit kreon gemessen. kreon arrangiert sich aber mit den äußeren umständen und überlebt am ende. zwei verschiedene lebensansichten. wodrin liegt der sinn des lebens? hat das leben sinn, sich nicht der probleme gestellt und sie gesprengt zu haben, sondern sich bloß ums ie herumgewunden zu haben? "herumwinden" ist aber auch nur ein negativer begriff für "arrangieren" und "flexibel. andersherum sind "sturr" und "unflexibel" negativ behaftete begriffe für "zielstrebig", "konstant" und "überzeugt"
so jetzt habe ich mich ganz in meinen gedanken verwoben

so viel dazu. korrigiert mich bitte, wenn ich ein völlig falsches bild von schach habe. ich bin wirklich kein guter schachspieler und bin noch jung, doch schätze ich das milieu in solch einem forum hier und die masse an qualifizierten und strukturierten beiträgen zum thema schach.
im poker lass ich mich auch berichtigen, doch allerdings nur ungern <:
aber wenn ich hir höre, dass jemand semi-professionell poker spielt, dann ist das doch schon n ordentliches stück und sicherlich auch komfortabel, wenn man hobby und geldverdienen verbinden kann.