Hallo,
ein Spiel, diesmal nicht gegen einen Computer.
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 Spanisch
3. - Sf6 Hauptzug hier ist ... a6. Spanisch ist ein weites Feld, gibt etwa 10 Hauptvarianten, die man als Weißer beherrschen muss, sei es die Berliner Mauer, auf die ich soeben zusteuere, sei es der offene Spanier (a6 nebst frühem Sxe4), sei es der Abtauschspanier bzw. der verzögerte Abtauschspanier (den anzusteuern jedoch Weiß in der Hand hat), seien es die geschlossenen Varianten wie Chigorin oder Breyer, sei es Schliemann (heißt das im Deutschen so? ich meine ... f5). Spanisch gilt als beste e4-e5-Eröffnung, das propagierte seinerzeit schon Euwe in seinen Lehrbüchern, wobei Kasparov, weniger Carlsen, Erfolg hatte auch mit Schottisch.
4. 0-0 Sxe4 5. Lxc6 Sicherlich spielbar, aber eher ungewöhnlich. Normal wäre hier 5. d4, was stärker sein soll als 5. Te1 und zu der Berliner Mauer führt. Die Mauer entsteht dann nach: 5. d4 Sd6 6. Lxc6 dc 7. de Sf5 8. Dxd8+ Kxd8 (und, kann man fast noch dazunehmen, 9. Sc3). Wurde von Kramnik gegen Kasparov eingesetzt in deren WM-Kampf, den Kramnik gewann. Offen gesagt hat mich Kasparov gegen die Mauer nicht sehr beeindruckt (dafür in andren Stellungen...).
5. - dc Fast immer nimmt Schwarz im Spanier mit dem d-Bauern wieder. Öffnet das Haus für den weißfeldrigen Läufer. Das Läuferpaar soll den Schaden in der Bauernstruktur kompensieren und scheint das meist auch zu tun (Schaden insoweit, als die klassische Abtauschstruktur Weiß begünstigt, der am Königsflügel einen Freibauern bilden kann, wogegen das Schwarz am Damenflügel aus eigner Kraft nicht schafft (allerdings bedeutet das längst nicht, dass die schwarze Majorität dort gar nichts taugt, es gibt durchaus Figurenopfer, zumal im Endspiel, die man beachten muss, bzw. Bauernopfer, die einen Freibauern erzwingen können. Voraussetzung für Bauernopfer freilich, dass die eignen Bauern weit vorgerückt sind). Hier ohnehin egal, da die Bauernstruktur keinen (freibauerelevanten) Schaden nimmt. Weiß gibt Lpaar mE ohne (hinreichenden) Grund auf. Schwarz könnte deshalb schon jetzt besser stehen. Das Läuferpaar hat auf Meisterebene einen hohen Stellenwert.
6. Sxe5 Le7 In meiner Datenbank, die zu 75 % aus Computerspielen, zu 25 % aus GM- Spielen besteht, sind zwei Spiele, einer setzte fort wie ich (Le7), der andere spielte Sf6.
7. De2 d4 scheint mir besser zu sein. Weiß spielt auf Handtaschentricks, nur leider bin ich dumm genug, darauf reinzufallen, im Blitz, wenn ich nebenbei anderweit beschäftigt und auch sonst nicht sehr konzentriert bin. Ich sage gleich, was ich meine.
7. - Sf6 An solchen Zügen scheiden sich Amateur, Meister, Großmeister und Supergroßmeister. Müsste es analysieren, objektiv liegt nicht viel zwischen den Zügen, aber es sind die kleinen Züge, die man genau nehmen muss. Wahrscheins ist ... Sd6 etwas besser, sicher bin ich nicht. Vllt mal Rybka oder Houdini fragen.
8. Te1 Und hier der Taschenspielertrick. ... 0-0 verliert natürlich einen Bauern, Sxc6 und der Läufer auf e7 hängt.
8. - Le6 Blockt die e-Linie und bereitet Rochade vor.
9. d3 0-0 10. Sc3 Te8 11. Lg5 c5!? Der Zug kam mir faul vor und ist es wahrscheins auch. Etwas zu planlos. Hab nicht viel nachgedacht, weder tiefgreifende Stellungsbewertung noch Planung. Nimmt Feld d4 unter Kontrolle, der zweite c-Bauer soll ggf nach c6, um d5 zu kontrollieren. Diese kleine OP schwächt d6, das scheint aber kein Problem. Problematisch könnte langfristig die Schwächung der Damenbauern insgesamt sein, c5 selbst kann angegriffen werden, Bauerndeckung mit b6 schafft Löcher. Wie auch immer, nicht der beste, aber auch nicht grottenschlecht, der Zug c5.
12. Tad1 h6 13. Le3 c6 14. Sf3 Sf3 hab ich nicht sehr verstanden.
14. - Sd5 Schwarz steht etwas beengter und hätte nichts gegen Abtausch einzuwenden, solange das Läuferpaar erhalten bleibt.
15. Sxd5 cd Alle Züge spielbar, mE Lxd5 der schlechteste, weil er in 16. c4 rennt. Die Dame zwar auch, die könnte dann aber nach h5, hätte damit Visavis des Turms beendet und selbst d8 für Turm freigemacht.
16. d4! Der beste Zug. Die Computer bestätigen. Hier mE wenig Alternativmöglichkeit. Auf die meisten Alternativen spielt Schwarz selbst ... d4 mit Tempo am Läufer und Raum.
16. - c4! A tempo gespielt. Ist der beste Zug. Die Computer bestätigen. Auch hier mE wenig Alternativmöglichkeiten.
17. c3 b5 Da5 und Lg4 waren meine andren Kandidaten.
18. Lf4 Gut.
18. - b4 Sollte auch gut sein.
19. Se5 Gut. Droht Sc6.
19. - Db6 Gut. Diese "Guts" sollen nicht heißen, dass die Züge schwer wären, sie spielten sich fast von selbst. Soll nur heißen, dass die Züge gut waren und ich keine Einwände habe.
20. Df3 Da5 21. Dg3 Droht Unheil auf h6.
21. - Kh7 KA, welcher hier der beste Zug ist. Möchte ich später analysieren.
22. Sc6 Dxa2 Friss, Dame, friss! Schwarz steckt einen Mehrbauern ein.
23. Sxe7 Txe7 24. Td2?! Dubios. Ld6 oder Le5 mussten gespielt werden.
24. - bc Um den b-Bauern loszuwerden und einen eignen Freibauern zu schaffen. Ld7 oder Lf5 hatte ich nicht gesehen, sonst hätte ich vermutlich davon einen gespielt.
25. bc Da5 Ich denke, Weiß hat für den Bauern, wie es in 90 % der Fälle ist (von unbeabsichtigten Einstellungen abgesehen), gute Kompensation. Die generelle Logik ist folgende: ein eigner Bauer weniger bedeutet offene Linie und offene Diagonale und ein offenes Feld mehr. ggf eine Schwäche weniger (ein zu verteidigender Bauer), der Gegner hat eine potenzielle Schwäche mehr (hier ein a-Bauer), den er verteidigen muss, den seine Figuren binden und er hat die offene Linie und Diagonale und das Feld nicht. Im Mittelspiel lässt es sich blendend mit Minusbauer spielen, meist zählen Bauern entscheidend erst im Endspiel. Man vergesse nie Kasparovs Dogmatik: Stellung ist Material, Qualität und Zeit.
26. Le5 Droht Lichtaus (Matt in 1)
26. - f6 27. Ld6 Tee8 Entfesselt sich selbst.
28. Tde2 Fesselt wieder. Eine Quasifesselung, Weiß hat Grundlinienproblem.
28. - Lf7 29. h4 Da4 30. Te7 Dc2 31. Kh2 Dg6 Bietet Damentausch.
32. De3 Txe7 Jetzt, wo Schwerfigur nicht wiedernehmen kann, ein guter Zeitpunkt für den Abtausch.
33. Lxe7 a5 34. La3 Te8 35. Dd2 Dh5 36. g3 Df3 37. Txe8 Lxe8 38. De3 Die Idee hinter Txe8. Weiß erzwingt Damentausch. Wird ihm aber nicht helfen, kA wie er darauf kam, dass das ihn begünstigen würde. Das Gegenteil könnte der Fall sein, zumal ein schwacher e-Bauer entsteht, quasiisoliert und rückständig.
38. - Dxe3 39. fe g5 40. hg fg Die Idee, es entsteht ein neuer Kandidat. Schwarz hat Mehrbauern, davon ist einer ein Freibauer, zudem hat er Mglk, einen zweiten Freibauern zu bilden, wovon Weiß nur Liedchen singen kann.
41. Kg2 Lf5 Kontrolliert ein paar hübsche Felder, hindert den weißen K an allzu freier Promenade.
42. Kh3 Kg6 Ups?
43. g4 Übereifriger Amateur, ein Blick tiefer hätte verraten, dass dieser Figurengewinn scheitert. Liegt an der Bauernkonfiguration insgesamt, a frei, weißer c auf c3, blockiert, Schwarz Mehrheit am Kflügel.
43. - Lxg4+ 44. Kxg4 h5+ Und die Bauern - verbundene Freibauern - rennen.
45. Kg3 Kf5 46. Le7 a4 47. Kf3 h4 48. Kf2 g4 Weiß kann leider nicht futtern auf h4, da der L dann den a-Bauern nicht mehr stoppen könnte.
49. Kg2 Ke4 50. Kf2 g3+ 51. Kg2 Kxe3 52. Lxh4 a3 53. Lg5+ Kd3 54. Lc1 a2 55. Lb2 Kc2 Eine Pointe, der L hat ken Platz. Mein König wird sich seiner annehmen.
56. La1 Kb1 57. Kxg3 Kxa1 58. Kf4 Kb1 59. Ke5 a1D 60. Kxd5 Dxc3 61. Kc5 Dd3 62. d5 c3 63. d6 c2 64. Kc6 c1D+
0-1 Weiß gibt auf.