Hallo,
möchte mal ein Spiel von heute vorstellen, das mich stolz macht, nicht so sehr, weil es inhaltlich/strategisch oder taktisch besonders anspruchsvoll war, sondern weil es Rybka 3 war, die ich vernichtet habe (vernichtet hehe, schreibe ich, denn mehr als Remis ist heutzutage ja nicht mehr drin gegen diese Computer. Da ist Remis=Sieg.).
Beeindruckend, diese arrogante Rybka hat ein Remis abgelehnt und sich plötzlich statt 0,00 nach Zugwiederholung ein 0,03 vorgelogen. Jetzt, wo ich es mir nochmal fünf Sekunden überlegt habe, stehe ich doch um 0,03 besser? LOL!
Nun, zur Sache:
Ich bin Weiß, Rykba ist Schwarz.
Es war ein Blitz (5min mit 10 sek. Increments pro Zug). In Blitz ist die Überlegenheit der Computer noch größer.
1. d4 Eröffne immer d4, c4 oder Sf3. Jedenfalls kein 1. e4.
1. - Sf6 2. c4 g6 Merkwürdig, auf Hochlevel gelten die Königsinder als "unsound", andrerseits haben Kasparov und, heutzutage die TOP-Autorität des Königsinders, Radjabov und mW seinerzeit auch Fischer den Königsinder mit Erfolg benutzt. Auch Carlsen spielt das selten mal, oder? Meine Erfahrung ist die, dass Königsinder nicht "unsound", sondern im Gegenteil eine sehr spielbare Eröffnung ist, die den weißen c4/d4/e4-Aufbau (sehr ehrgeizig, viel Raum, aber auch viele Schwächen) am besten widerlegt. Schwache Felder auf c5, e5, selbstredend das Feld d4, Tricks auf der lange Diagonale (Sg4, auch ins Leere/ungedeckt, also als Taktik, immer wieder), Spiel am Königsflügel, ed und Druck gegen e4 - alles drin und Weiß, so meine eigene Erfahrung, hat zu kämpfen. Das gilt wohl nicht für die Marta del Plata-Variante (die mE eher günstig für Weiß), wobei trotz PC dort viele unklar ist. Kommt Weiß dazu, den schwarzen Damenflügel zu sprengen (c5 und b6!), dann ist Sense, kommt hingegen Schwarz zu einem Opfer (das auch PCs nicht im Voraus sehen) und zu einem Mattangriff, ist Feierabend. Schwer einzuschätzen.
3. Sc3 Lg7 Diese Rybka sieht sich ja schon hier bestens gewappnet, in mancher g6-Eröffnung (zb auch Grünfeld) behauptet Rybka schon nach wenigen (Theorie-)Zügen besser zu stehen.
4. Sf3 0-0 5. g3 Lasse es gegen Rybka lieber ruhiger angehen, werde vieles mit Auge, also mit Intuition spielen müssen.
5. - d5 Grünfeld!
6. cd Sxd5 7. Lg2 c5! Alles Theorie soweit.
8. 0-0 Wohl nicht der einzige, aber ich weiß, dass das Theorie ist. Mancher würde sagen, das ist der einzige Zug. Ist jedenfalls der häufigst gespielte.
8. - Sc6 (cd oder Sxc3 wird hier auch gespielt)
9. Sxd5 Dxd5 10. Le3 Lf5 Das sah mir nicht nach Hauptzug aus.
11. Da4 Typisch in dieser Art Stellung. Weiß macht d1 für Turm frei und weicht seinerseits einem baldigen Td8 aus.
11. - Dd7 12. Tfd1 Sxd4 Bisschen Taktik. Schwarz hat Inbetween auf f3, aber dann hängt d7.
13. Dxd7 Lxd7 14. Sxd4 cd 15. Lxd4 Le6 Eröffnung rum, Weiß steht besser.
16. Lxb7 Tab8 17. Lf3 Um e2 zu decken. Man sieht gleich, warum das nicht nur abstrakt, sondern konkret wichtig war.
17. - Lxd4 18. Txd4 Txb2 19. Ta4 Die Pointe, Rybka verliert einen Bauern.
19. - Lh3 Ich brauch meinen König im Moment ohnehin nicht!
20. Txa7 Tfb8 Sieht bedrohlich aus, hatte zwar deutlich mehr Zeit, aber was sind schon 5min.?
21. Ta8 Forced? Tc1 Tb1 Tac7 dürfte auch gehen, mir gefällt meine Lsg trotzdem besser.
21. - Txa8 22. Lxa8 Txe2 23. a4 Was sonst? Passed pawns must be pushed, sagt man.
23. - Lc8 Forced? Sie muss den Bauern blockieren und zwar bald. Der L kommt nach a6.
24. a5 La6 25. Lg2 Was sonst? In beengter Zeit findet man nicht viel anderes. Der L auf a6 muss weg.
25. - Kf8 26. Lf1 Te6 27. Lxa6 Txa6 28. Kf1 Ta7 29. Ke2 Ke8 30. Kd3 Kd7 Ich weiß nicht, so richtig wohl fühlte ich mich nicht. Endspiele sind ein eigener Fachbereich sozusagen. Finde meine Endspieltechnik ziemlich in Ordnung, aber sobald es auf Theoretisches hinausläuft, bin ich mir nicht sicher (Wie war das gleich mit Dame und Bauern auf letzter Reihe? Matt mit Läufer und Springer in 50 Zügen, welches waren die drei Schritte? Wie geht das W-Manöver? ... Turmendspiele: Philidor-Stellung? Karstedt? Welcher B ist besser und hat das (angeblich) zu wissen irgend praktische Bedeutung? Die Verteidigung auf der letzten Reihe?) Zudem kamen mir meine Bauern irgendwie etwas entfremdet vor, als wärens net meine; wusste nichts mit anzufangen, war aber auch das Klügste, sie nicht anzurühren. Dass ich mir net ganz sicher war, sieht man an der Einfachheit der Züge und die dahinterstehende Idee (Bringe K heran, decke Material).
31. Kc4 Kc6 32. Kb4 Tb7+ 33. Kc4 Zurück.
33. - Ta7 34. Kb4 Tb7+ 35. Kc4 Td7 Krass, oder? Rybka weicht trotz 0,00 der Stellungswiederholung aus. Vorher 0,00 und nun plötzlich, selbe Stellung paar Sekunden später, sieht sich Rybka mit 0,03 im Vorteil? LOL. Arrogant ist die, sie spielt immer auf Gewinn. Natürlich hat sie Recht bzw. die Programmierer haben Recht. Stellungswiederholung immer vermeiden, wenn mgl. Denn Rybka spielt nie auf Verlust, sondern immer auf Gewinn od Remis. Der Gegner, insbesondere wenn Mensch, kann immer einen Fehler machen; sie wird so oder so NICHT verlieren. Es ist ein Spiel mit zwei Resultaten (Sieg od Remis).
36. Ta2 Kb7 37. Kb5 Td5+ 38. Kc4 e6 39. h4 Ka6 40. f4?! Hier wurde es nochmal spannend. Die K-Flügel-Bauern, vorher noch vollkommen unberührt, werden gepusht. Jeder Zug kann zur Niederlage führen, man muss hier vorsichtig sein.
40. - h6 41. Kb4 Td4+ 42. Kc5 Td3 43. Kb4! g5! 43. - Txg3 wird mit 44. Td2 beantwortet und Weiß hält oder steht sogar besser.
44. hg hg 45. fg Txg3 Rykba geht einen Bauern vor, aber besonders viel Angst machte mir das nicht. Das aber nicht deswegen, weil ich das Gelaber glaube, dass die meisten Turmendspiele ohnehin Remis sind. In Wirklichkeit haben weder wir noch die Computer Ahnung, welche Endspiele warum Remis sind. Die Computer-Ära hat schon jetzt Dutzende und Aberdutzende Remis-Sagen wiederlegt. Was früher klar Remis eingeschätzt wurde (unter GMs selbstverständlich), gilt heute als Gewinn/Verlust. Carlsen hat schon mehrere sogenannte "Tod-Remis"-Endspiele gewonnen.
46. Tf2 Die Idee.
46. - Txg5 47. Txf7 Txa5 48. Ta7+ Hahaha! Erzwingt das Remis mit einer Taktik! Die arme Rybka, was hat sie blöd gekuckt! Wir Menschen wissen, dass das Remis ist, der Computer weiß es nur mit Tablebases. Kam mir mit +2,95 daher, hat sich aber relativ schnell besonnen.
48. - Kxa7 49. Kxa5 Kb7 50. Kb5 Hier hat sie es gerafft. Und interessant, welchen Zug sie spielt: ... e5. Hat was Schnippisches und Erhabenes. Sie spielt keinen Zug länger mit mir, sowie sie nun gemerkt hat, dass es Remis ist. Mancher Amateur rafft es bis jetzt nicht und würde weiterspielen, K an den Bauern, Bauern pushen, ich zurück usw. Rybka spielt den Zug, der am offensichtlichsten und sofort zum Remis führt, sie pitscht mir den Bauern, wie einen Kippenstummel, vor die Füße. Ich muss ihn einsammeln gehen. Aus Amateursicht der schlechteste, aus Meistersicht der beste Zug. Finde GM-Spiele haben was Erhabenes, gilt aber für die PCs, heutzutage Lehrmeister der GMs, noch umsehr mehr.
50. - e5 51. Kc5 Kc8 52. Kd5 Kb7 53. Kxe5= Zu wenig Material.
Zeit übrig: Weiß: 10.09 Min, Schwarz: 2.22 Min.
Werde demnächst vllt mal PGN hochladen.