Beim Aufräumen hab' ich gerade noch eines meiner "Werke" entdeckt. Ich hatte die Partie schon vor einiger Zeit in der Hand, mit der Absicht sie hier zu posten - hab's aber scheinbar nicht getan.
Umfeld: Wiener A-Liga, November 2006
Die Kontrahenten: W/ etwa 2000, S/ ich - gleichviel (eher gleich wenig

)
zur Eröffnung: Das war sicher unsere 5. oder 6. Partie - und wir spielen beide gern Französisch. Die Vorgängerpartien waren alle entschieden (also kein 1/2), aber sehr wechselhaft - mit oft wechselndem Kampfglück - nach dem Muster: in jeder der Partien standen beide jeweils mindestens einmal glatt auf Gewinn (mehr als +2 BE) - und irgendeinem (!) Resultat am Ende.
also los:
1.Sf3 d6
2. d4 Lg4
3. Sbd2 e6
4. c3 Sf6
soweit drehen sich die Eröffnungszüge um das Thema "Französisch" - ja oder nein?

, allerdings mit dem Lc8 außerhalb der Bauernkette, was allgemein als Erfolg für Schwarz betrachtet wird - also nach z.B. 5. e4 d5 6. e5 Sfd7 (wonach eine "normale franz. Struktur entstünde, mit einem Tempo für W mehr, allerdings stehen seine S "falsch" (der d2 sollte nach f3 gehen, und der f3 sollte auf e2 (nach Ld3) stehen, um das Zentrum zu stützen), und der besagte sL ist schon draussen (man kann es sicher auch als gute Caro-Kann interpretieren - tempogleich - nach .... c5 ist die Tempobilanz wieder normal (c5 in einem Zug, statt c6-c5, dafür d5 in zweien, statt in einem....))
5. g3
also kein Franzose!

5. ... Le7
6. Lg2 Sbd7
7. 0-0 c6
8. Te1 Dc7
9. e4 e5
10. h3 Lh5
11. g4 Lg6
12. Sh4 (!)
an den Zug hatte ich gar nicht geglaubt - die Gegenüberstellung Le7 und ungedeckter Sh4 erschien mir sehr suspekt, aber er geht - und zwar sehr gut - wie wir bald sehen werden....

Diese Position kostete mich einige Zeit: Wohin will ich eigentlich rochieren? - und wie nehme ich auf g6 wieder - vor allem nach 0-0 (wenn er denn mal Sxg6 zieht)?
- sofortiges Sxe4 (der h4 hängt!) würde in Sxg6 laufen.....
- und Lxe4 scheitert an 13. Sxe4 Sxe4 14. Sf5!, wonach bei S alles hängt....
- also:
12. ... 0-0-0
13. a4 The8
hier ist natürlich auch 13. ... d5 eine ernsthafte Option, aber mit dem Kreuzhebel im Zentrum droht das Spiel zu verflachen, wenn man nicht schnell was zusammenbringt.......
Deshalb wollte ich mich erst fertig entwickeln (ausserdem hängt jetzt in diversen Varianten mit L(S)xe4 der Le7 nicht mehr!
14. a5 a6
Das widerspricht zwar der allgemeinen Regel, auf dem gegnerischen Stoßflügel mit Bauernzügen zu geizen, aber irgendwie konnte ich mich mit einem wB auf a6 auch nicht recht anfreunden.
15. d5

Nachdem mein Gegner ein meinerseitiges d5 manuell blockiert hat, hielt ich den Zeitpunkt für:
15. .... Lxe4??
für gekommen, was aus zwei Gründen ziemlich doof ist, wie wir gleich sehen werden.
.) selbst wenn der Zug einen Bauern gewänne, würde durch die Öffnung der langen Diagonale, und die entstehende Mobilität der (jetzt noch passiven w Figuren (Lc1!) plötzlich eine w Initiative gg. meinen König entstehen....
und
..) der Zug gewinnt gar keinen Bauern - sondern --->

16. Sxe4 Sxe4 (< ----edited)
17. Txe4
der sL auf h4 wird nach weissem g4-g5 nicht mehr heimfinden!
Na - toll! 17 Züge am Brett, und ich steh' zum Aufgeben - das hatte ich ja 'mal wieder fein hingekriegt!
Da ja durch aufgeben bekanntermaßen noch nie jemand eine Partie gewonnen hat, und wer gibt schon gern nach 17 Zügen auf? - entschloß ich mich noch ein paar Züge zu spielen....
'mal sehen, was noch so passiert....

17. ... cxd5
18. Tb4
Na - super! Jetzt wird auch noch b7 schwach!
18. ... Lxh4
19. g5
Damit könnte man sich noch Zeit lassen - nach Lxd5 (der b7!) ist dafür immer noch Zeit - jedenfalls wird der sBd5 noch eine gewichtige Rolle spielen
19. ... Lxf2+
ein Sterbender darf bekanntlich alles essen....

20. Kxf2 Dc5+
Obwohl der nächste w Zug natürlich aussieht, stellt er wahrscheinlich den ersten Schritt vom richtigen Weg dar - denn nach:
21. Le3 (?!) d4

wird's unübersichtlich - der Le3 kann nicht gut ziehen (w/ dxc3 (+) und der Tb4 hängt - und die Stellung wird so scharf, dass Material an Bedeutung verliert....
Beide Könige stehen schlecht!
22. Lxb7+ Kc7
23. Lxa6 dxe3+
24. Ke2?
Das ist keine weise Entscheidung - vor den s Bauern, und dahinter die Türme?
In mir keimte folgende Idee: Wenn es mir gelingt meinen König auf den Königsflügel zu evakuieren, dann stünde nur mehr der wK schlecht! Also los -
24. ... d5
25. Tb7+ (?)
Ist objektiv vertretbar, spielt aber dem s Plan in die Hände - der K will sowieso nach f8!
25. ... Kd6
26. c4 d4
27. b4 Dc6
28. c5+ (?)
s.o.
28. ... Ke7
29. b5 Dg2+
30. Kd3 Kf8
Fertig!

Man bestaune den Unterschied zum vorigen Diagramm!

Jetzt steht plötzlich der Schwarze auf Gewinn! Der wK steht elend, und die s Figuren (allen voran die s Zentralbauern) werden die w Stellung völlig einreißen.
31. Tc7 e4+
32. Kc4 Se5+
33. Kb3 e2
34. Dh1 Dg3+
35. Ka4 Sd3
Hier gibts sicher genaueres - aber mit 10 Minuten auf der Uhr wollte ich die Partie "unter Kontrolle halten"!
36. b6 Sb2+
37. Kb4 Dc3+
38. Kb5 Dc4+
39. Kc6 Dxa6
und 0:1
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O.K. - ich geh' mal eine Verlustpartie suchen, damit nicht der Eindruck entsteht, dass ich immer gewinne!