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Eigene Partien Schach

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  Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ... Beitrag #1 (permalink)  
Alt 16.05.2005, 04:21
dancingknights
Aktiver
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 32
Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ...

... und dann so 'nen Mist bauen, grummel.
Aber von vorn.

Gestern 15.05.2005, gab der ehemalige Weltmeister Anatoly Karpov eine Simultanveranstaltung gegen 20 Schachspieler, anlässlich der geplanten Eröffnung einer Schachschule, im Theaterschloss in Briesen (Brandenburg).

19.30 Uhr: Karpov betritt den Spielraum, Applaus von allen, er darf ein paar Worte sagen, und schon stürmt er ans erste Brett, und die "Show" beginnt.

1. d4 Sf6 (Soweit ich dies von meinem Platz beobachten konnte, eröffnete er wohl alle Spiele mit d4, schade eigentlich, hätte mich gern mal im Caro-Kann zusammenschieben lassen, aber gut, dann halt irgendein indisches Gemurkse meinerseits.)

2. c4 e6 (Das ist Theorie, ich weiß das ... glaub ich ...)

3. Sc3 Lb4

4. Dc2 0-0

5. a3 Lxc3+

6. Dxc3 b6 (Damen-Nimzo-Tralalala-Indisch, dachte ich in diesem Moment)

7. Lg5 Lb7

8. e3 d6

9. f3 Sbd7 (f3 ? Moment .... f3 ???????? Das macht der nur, um mich zu ärgern ... Natürlich vollkommen normaler Zug, um den Läufer f1 entwickeln zu können und e4 zu unterstützen ... glaub ich ...)

10. Sh3 ... (Jawollja, Sh3, wenn ich solche Züge mache, ernte ich von meinem Analysepartner immer ein süffisantes Lächeln, ich jedoch erstarrte erstmal kurz. Umso größer war meine Überraschung, als Fritz mir daheim anzeigte, ich hätte bis zum 9. Zug Theorie runtergerattert ... Ich überlege ernsthaft, eine Entschuldigungsmail an Großmeister Karpov zu senden, das war ehrlich nicht meine Absicht.)

10 ... e5 (Normalerweise bevorzugt man hier wohl c5 oder h6, was ich beides auch in Betracht zog. Von h6 sah ich zunächst einmal ab, da ich mir keine unnötigen Bauernzüge am Königsflügel leisten wollte. Ich zog schliesslich e5, um die Vorwärtsbewegung seines e-Bauern bis dorthin sofort zu verhindern, und jede taktische Spielereien rauszunehmen. FRITZ sagt mir grad, dass hätte ich fein gemacht. Toll .... glaub ich ....)

11. Le2 exd4 (Da 12. exd4 nicht allzu gut ist wegen 12. ... Te8, ist das Wiedernehmen mit der Dame fast erzwungen. Der Abtausch auf d4 ist vielleicht nicht die Krone der Schöpfung, aber die damit verbundene Idee offenbart sich im nächsten Zug)

12. Dxd4 De7 (Wie bereits oben erwähnt, hatte ich sogar 'nen Plan. Entweder mit Te8 Druck auf e3 ausüben, ihn zu e4 zwingen, und dann selbst an d5 zu arbeiten, oder, falls er sofort e4 zieht, mit De5 Damentausch anzubieten und aus der unangenehmen Fesselung durch den Lg5 zu entschlüpfen.)

13. e4 ... (Ich war grade im Begriff, die Dame nach e5 stellen zu wollen, da fiel mir endlich der Sinn des Zuges 10. Sh3 auf. Man stelle sich vor, 3 Züge später fällt mir der Sinn eines ganz normalen Eröffnungszuges auf, ja ja, ... Tomaten und Eier gibts an der Rezeption, nicht benutzte Wurfgeschosse bitte wieder zurückbringen. Also nach f4 will der olle Gaul, rechne, rechne ... )

13. ... h6 (Nun also doch dieser Zug. Folgende Überlegung: Falls der normale Zug 14. Lh4 kommt, muss dieser Läufer zunächst noch einmal ziehen, da 15. Sf4 an 15. ... g5 scheitert. Somit würde ich Zeit für Gegenmassnahmen gegen Sf4 gewinnen. Bei anderen Abzügen des Läufers und damit Aufgabe der Fesselung des Sf6 wollte ich zu Plan A zurückkehren, und versuchen, d5 durchzusetzen.)

14. Lh4 ... (Gemeinheit, also Kommando zurück und doch wieder den Damentausch anschauen ...)

14. ... De5 (FRITZ lacht mich grad schallend aus, obwohl ich den Zug immer noch nicht als vollkommen schlecht erachte. Aus Amateursicht auch ein vielleicht nachzuvollziehender Zug, dem Gegner die kampfstärkste Angriffswaffe abzunehmen, hmm, an solchen Feinheiten muss ich wohl noch arbeiten. Ich sah in diesem Moment nur, dass nach 15. Dxe5 dxe5 dem Springer das Feld f4 genommen wird, nur am Rande bemerkte ich, dass dieser Bauer auf e5 wohl auf äußerst wackligen Beinen steht, nach der Übeführung des Springers h3 nach g4.)

15. Td1 ... (Als ich schon die Nachteile von De5 erkannt hatte, machte GM Karpov diesen Zug, und ließ mich ein wenig aufatmen.)

15. ... Dxd4 (Nu aber schnell wech damit, bevor er sichs noch anders überlegt.)

16. Txd4 ... (HAHA, ERZWUNGEN !!1!1!11! Ja ja, schon gut, man muss sich auch über die kleinen Dinge im Leben freuen können )

Nun saß ich da, umringt von Zuschauern, und hatte keinen Plan ... Na super ... Oh, Herr Karpov, Sie hier, würden Sie bitte, ich brauch noch ein bißchen, spacibo ...)

16. ... Tfe8 (Naja, vielleicht kann ich ja trotzdem noch d5 durchsetzen, wenn er rochiert, hängt immerhin der Läufer auf e2 ... )

17. 0-0 ... (Hmm ... Laut dem blechernen Monster hier verschenkt die Rochade Vorteil, hmm ... Ich muss ehrlich sagen, dass ich das einen kleinen Moment lang auch so sah während der Partie, aber als ich dann nach Wegen suchte, aktiv zu werden, z.B. mit d5, wurde mir schwindlig und ich spielte wieder meine 1600er-DWZ-Routine aus beim Finden eines ... Zuges ...)

17. ... a5 (Ist ein Zug, kann man nicht von der Hand weisen ... Sogar den Regeln entsprechend. Ernsthaft, kann mir vielleicht irgendjemand helfen, mit Ideen für schwarz nach 16. 0-0 ??? Wäre sehr sehr dankbar. Aber sogar hinter a5 befand sich ein Gedanke, wenn auch nur ein kleiner. Ich wollte später a4 spielen, da, wenn sich der weiße Springer auf d5 niederlässt, ich ihn wohl schlagen muss, und ich dann dadurch einen äußerst miesen Bauern auf c7 erhalte. Um den Druck durch eine eventuelle weiße Turmverdopplung auf der c-Linie mindern zu können, muss mein Springer sich auf c5 dauerhaft niederlassen können, dies ermöglicht a4. Unfug, einigermassen verständlich, logischer Plan? Bitte um äußerst kritische Kommentare.)

18. Le1 ... (Aua, nun hatte ich eigentlich nur mit Lxf6 gerechnet, welches meinen Randbauernzug und das angesprochene Springer"manöver" zunichte machen würde. Aber Le1 ist natürlich ein absolut logischer Zug, plant die Überführung auf die lange Diagonale via c3. Absolut erstaunlich, wie natürlich doch solche Figurenrückzüge wirken können.)

18. ... a4 (VORWÄRTS!!!! Ähm, Moment, wohin will der eigentlich ? Naja, wer a(5) sagt, muss auch a(4) sagen können, oder so ähnlich. Irgendwer hat mal gesagt (sinngemäss): Lieber nach einem Plan spielen, kämpfen und verlieren, als vollkommen ohne Plan zugrunde gehen. Immerhin hat mein Springer jetzt das Feld c5 ... Wenn er auch vollkommen ohne Wirkung stehen würde dort, im Moment.)

19. Sf4 ... (Dieser kleine miese Gaul geht mir gewaltig auf die Nerven, auf d5 wäre der natürlich ne Macht.)

19. ... Sc5 (Hops ... Vielleicht geht der mal nach b3, jaaaaaa, und dann ... Und dann .... Und dann nach c1 .... Und dann .... ganz nebens Brett .... )

20. Tc1 ... (Oh, wie war ich in diesem Moment den anderen Gegnern dankbar, dass sie Karpov so sehr bearbeiteten. Sofort Sd5 hatte mir wesentlich mehr Angst gemacht, nun sah es für meine trüben Augen so aus, als gewänne ich ein Tempo zur "Verteidigung" des Feldes d5.)

20. ... La6 (Natürlich, was sonst? Der Gaul kommt mir nur mit Abtausch nach d5, oder überhaupt nicht mehr.)

21. Lc3 (Ja, da sollte der ja eh hin, und im Endeffekt entscheidet der auch die Partie, die Wirkung dieses Läufers ist enorm auf der langen Diagonale. Ich würde wirklich gern ein Ausrufezeichen hinter 18. Le1 setzen, aber das fände ich dann doch anmassend, der Herr Karpov wird das sicher auch ohne meine Kritzeleien wissen.)

21. ... Scd7 ? (Nun gut, ich gestehe, hier hatte mich dann doch trotz aller Kaltblütigkeit die Nervosität gepackt. 21. ... Se6 hatte ich zwar gesehen, aber dann aufgrund von 22. Sd5 innerlich abgewunken ... 22. Sd5 ?? Ja ja, verliert ne Qualität nach 22. ...Sxd5 23. exd5 Sf4 24. Ld3 Sxd3 25. Txd3 Lxc4 , und somit wäre der Abtausch auf e6 nahezu erzwungen, mit absolut annehmbarer Stellung für Schwarz. Aber wer sieht denn sowas, wenn da grad der Ex-Weltmeister kalblütig lächelnd vor einem steht ?)

22. Kf2 ... (Nun gut, vielleicht kann man das ja doch noch weiterspielen ? ... Schau mer moi ... Ist natürlich auch ein absolut logischer zug, deckt den Le2)

22. ... Se5 ? (Was will der da eigentlich ? Bescheuerter Gaul, wieder hüpft der ständig auf so komische Felder den ganzen Tag lang? Achso, c4 anschauen, aber ...)

23. Sd5 ... (... auf c4 ist ja gleich kein Bauer mehr ...)

23. ... Sxd5

24. cxd5 Lxe2

24. Kxe2 Sd7 ? (... also wieder zurück ... Vielleicht kann ich ja f5 spielen ... Und warum hab ich das nicht sofort gespielt, häh? )

25. g4 ... (Das ist gemein, grummel. Ok, soweit zu f5, was nun ?)

26. ... Sc5 (Och, da war er heute ja noch nicht ... Vielleicht kann man das ganze ja noch mit Sxe4 und Verzweiflungschreien hinauszögern ?)

27. Kf2 ... (Ja, nee, iiiiiiiiis klar. Soweit zum Thema alles reinopfern auf e4, schade.)

27. ... f6 (Der armselige Versuch, die Wirkung des Läufers auf c3 einzudämmen.)

28. h4 Kf7

29. Th1 ... (Ach, muss da schön sein, wenn man man so 'ne Bombenstellung hat, da spielt sich's dann auch gleich viel einfacher, was, Herr Karpov ? grummel. Und überhaupt, was will der dauernd an meinem Brett, sowas aufdringliches ... Aua, ich bin ja der letzte .... Und die starren mich alle so komisch an, die wollen wohl nach Hause, naja, will ich eigentlich auch, ist ja schon spät ...)

29. ... Th8 (Ab in die Ecke, du hast heute eh noch nix geleistet, da brauchst'e jetzt auch nicht mehr anzufangen)

30. Th2 h5 (Ist ja nicht so, als ob ich viele andere Züge hätte)

31. g5 fxg5

32. hxg5 Kg6 (JAAAAAA, der aktive König im Endspiel, so ein Schmarrn ...)

33. Tg1 Taf8 (Dat sieht der nich, nee, dat sieht der nicht, nee nee ...)

34. Ke3 ... (Ja gut, er siehts doch. Warum tragen die denn schon die Tische raus, ich hab doch grad erst angefangen ...

34. ... Te8 (Wahrscheinlich wäre Tf7 noch ein letzter Versuch gewesen, aber wenn man sich unwohl fühlt, macht man wohl nie die besten Züge.)

35. Th4 Kf7 ?? (Kf7 ? Hab ich grad Kf7 gezogen ????? Vielleicht sollte ich mal Remis bieten, wenn er sich zur Bewusstlosigkeit lacht, vielleicht erkennen die mir das an ... Der Rest ist Schweigen.)

36. g6+ Kg8

37. Tg5 Sd7

38. Tgxh5 Txh5

39. Txh5 Tf8

40. f4 Te8

41. Th7 Te7

42. f5 Sc5 ??

43. e5 Aufgabe schwarz

Händedruck, der Weltmeister deutet lächelnd auf den Königsflügel, ich nicke, und verfalle in tiefe Depres... Nein, tosender Applaus, glanzvolle Leistung von Anatoly Karpov, der 19 Spiele gewinnen kann, und nur ein Remis zulassen musste.

Für Kritik, Anregungen etc. wäre ich wirklich sehr dankbar.

So long

Geändert von dancingknights (19.10.2005 um 01:44 Uhr)
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  Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ... Beitrag #2 (permalink)  
Alt 20.05.2005, 17:24
Trouble
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 01.2005
Beiträge: 75
Zitat:
Zitat von dancingknights
Soweit ich dies von meinem Platz beobachten konnte, eröffnete er wohl alle Spiele mit d4, schade eigentlich, hätte mich gern mal im Caro-Kann zusammenschieben lassen, aber gut, dann halt irgendein indisches Gemurkse meinerseits.
An deiner Stelle hätte ich es mit 2...c6 versucht. Wenn er drauf mit 2.e4 einsteigt, hast du dein Caro-Kann. Wenn 2.c4 kannst du mit 2...d5 immer noch ins slawische wechseln.

Mfg
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  Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ... Beitrag #3 (permalink)  
Alt 21.05.2005, 07:59
dancingknights
Aktiver
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 32
Ja, Trouble, so hab ich das auch früher gehandhabt, auf d4 hab ich Slawisch versucht, und auf e4 Caro-Kann.
In letzter Zeit hatte ich allerdings einige weniger erfolgreiche Partien mit 1.d4 d5 2.c4 c6, so dass ich etwas neues ausprobieren wollte.

Nun versuch ich grad, indische Systeme zu verstehen, und niemand ist wohl besser geeignet als ein ehemaliger Weltmeister, um einem die Irrtümer aufzuzeigen.
Insofern war das vielleicht schon ganz gut, dass ich mal Nimzotralallala-Indisch versucht habe.

So long

(Hab mich übrigens eh geirrt, offenbar hat er abwechselnd d4 und c4 gezogen, nur da meine Nachbarn beide auch mit Sf6 antworteten, und er dann wohl 2.d4 zog, hab ich das natürlich nicht bemerkt.)

Geändert von dancingknights (21.05.2005 um 08:02 Uhr)
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  Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ... Beitrag #4 (permalink)  
Alt 28.05.2005, 11:26
Gast5523
Gast
 
Beiträge: n/a
Hallo dancingknights,

vorab vielen Dank für die Partie und die köstlichen Kommentare!
Die Lektüre hat Spaß gemacht.

Zur Partie:
11. ... exd4 gefällt mir nicht. Du hast gerade mit 10. ... e5 einen schönen zentralen Hebel angesetzt. Die Spannung sollte man nicht ohne Not auflösen. 11. ... Te8 hätte dem Grundsatz entsprochen, dass man erst eine Linie mit den Schwerfiguren besetzen sollte, bevor man sie öffnet. Ein Grundsatz, den Karpow übrigen im 29. und 30. Zug demonstriert.

Der Plan mit dem Damentausch kostet zu viel Zeit. Außerdem ist Karpov für seine Endspieltechnik bekannt. Die Partie gerät danach in strategische Bahnen, in denen sich Karpow wie ein Fisch im Wasser fühlt. (BTW: Karpow heißt auf russisch "Karpfen". )Besser war wohl ein Aufbau mit Te8 etc., um auf der e-Linie Druck auszuüben.

Nach 17. 0-0 ist es schon schwer, einen guten Plan für Schwarz zu finden. Mir springt nur 17. ... g5 nebst 18. ... Se5 ins Auge. Der weiße Springer gelangt danach nur mit Zeitverzögerung und unter Schwächung von e4 nach f4.
29. ... Th8 ist verständlich, um die Türme auf der h-Linie zu tauschen. Dann passt aber 30. ... h5 nicht ins Konzept, weil Du Weiß gestattest, die h-Linie halb zu öffnen. Du bist danach an die Verteidigung des schwachen Bauern h5 gekettet. Den Bauern kannst Du ja letztlich auch nicht mehr halten.

Ansonsten: Keine schlechte Leistung gegen einen Ex-Weltmeister!

Gruß
Ralf
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  Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ... Beitrag #5 (permalink)  
Alt 30.05.2005, 21:37
dancingknights
Aktiver
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 32
Hallo Ralvieh,

vielen Dank für deine Bewertung
Ich habe die Partie mal in meinem Club rumgezeigt, ohne meinen Gegner genauer zu benennen.
Man stelle sich vor, wie verwundert die Minen bei 9. f3 und 10. Sh3 waren, und wieviele "forcierte Varianten" zum Gewinn gefunden wurden.
Umso größer dann die Bewunderung für diese beiden Züge, als ich den Namen des Gegners verriet, und natürlich nun plötzlich "Millionen von Varianten", die gegen meine Stellung sprachen.

11. ... exd4 gefiel mir gleich nachdem ich den Zug machte auch nicht mehr, da die Spannung im Zentrum doch ein wenig früh aufgelöst wurde.
Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits De7 im Kopf gehabt, um ein vernünftiges Feld für die Dame zu suchen/finden.
Dies wäre auch günstig für den Fall, das der Sf6 irgendwann eingreifen sollte.
Das Feld e5 schien mir geeignet, dafür musste der Bauer dann wieder weg da, man bemerke mein Dilemma

Zum Thema Endspieltechnik: Das war mir auch bewusst vorher, und ich hatte auch große Zweifel, dass ein Übergang ins Endspiel gute Chancen ergeben würde.
Aber zu Spielen gegen übermächtige Gegner hab ich nun schon zwei Varianten gehört: Man solle nicht ins Endspiel abwickeln, da sie einem dort überlegen seien, und man solle keine unnötigen Verwicklungen suchen, da deren "Rechengeschwindigkeit" auch überlegen sei.
Also müsste ich ein irgendwie "unverwickeltes Mittelspiel" suchen, oder nach 1. ... Sf6 gleich bettelnd auf die Knie sinken und um Remis flehen, lol.

Es macht mir ein wenig Mut, dass nicht nur ich nach der weissen Rochade ein wenig verloren dastand.
Ich hatte nach einer defensiven Taktik gesucht, z.B. abwechselnd zwei verschiedene Punkte zu bedrohen, Abtausch von Figuren etc. etc.
Der Abtausch hätte sich ja auch ergeben, wenn ich 21. ... Se6 gezogen hätte, da der Rückzug seines Springers oder 22. Sd5 ergeben für ihn nichts bis Qualiverlust.

30. ... h5, hmm, ja, es ist aber auch ziemlich schwer, hier was Brauchbares zu finden für Schwarz.

Nach 31. g5 fxg5 32. hxg5 Kg6 ist aber an dem Flügel alles dicht, und ich dachte, dass ich mit der halboffenen h-Linie besser leben könnte, als z.B. wenn sich die f- oder g-Linie öffnen würde.
Aber in dem Moment war's wohl schon eh schon ein wenig zu spät, insbesondere durch die Wirkung des Lc3.

Danke dir sehr, hilft wesentlich mehr als:

"f3, was ein Klops"
"Sh3, da steht der schlecht"
"Ach, Karpov war das?"
-kurze Pause-
"f3 ist natürlich ein klasse Zug, und der Springer auf h3 erst, superb..."

So long

P.S.: Mir ist natürlich bewusst, dass reale Analysen mit Varianten untermauert werden müssen, aber ich wollte das hier eh eher humoristisch halten, da man das auf keinen Fall als ernsthaftes Spiel bezeichnen kann.
Bei normaler Belastung und Zeitkontrolle würde ich sicher um die 30 Züge weniger durchhalten
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  Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ... Beitrag #6 (permalink)  
Alt 31.05.2005, 10:26
Gast5523
Gast
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Zitat von dancingknights
Ich habe die Partie mal in meinem Club rumgezeigt, ohne meinen Gegner genauer zu benennen.
Man stelle sich vor, wie verwundert die Minen bei 9. f3 und 10. Sh3 waren, und wieviele "forcierte Varianten" zum Gewinn gefunden wurden.
Umso größer dann die Bewunderung für diese beiden Züge, als ich den Namen des Gegners verriet, und natürlich nun plötzlich "Millionen von Varianten", die gegen meine Stellung sprachen.

[...]

Danke dir sehr, hilft wesentlich mehr als:

"f3, was ein Klops"
"Sh3, da steht der schlecht"
"Ach, Karpov war das?"
-kurze Pause-
"f3 ist natürlich ein klasse Zug, und der Springer auf h3 erst, superb..."


Erinnert an eine Geschichte, die mir eine Nachbarin (sie ist Verkäuferin in einem Laden für Luxusbäder) gern erzählt:
Oftmals kommen Kunden in den Laden, zeigen auf einen Bademantel/ein Handtuch/ein irgendwas und sagen unmittelbar aus dem Bauch heraus: "Das ist aber hässlich/Das gefällt mir überhaupt nicht!"
Dann sie: "Das ist aber von Armani/Gucci/ein anderer teuer klingender Markenname."
-kurze Pause-
Dann, mit hochgezogenen Augenbrauen und bewunderndem Ton: "Ach so! Armani ist das. Das ist ja wirklich klasse."

Menschen wollen betrogen sein.

Gruß
Ralf,
der in ähnlichen Stellungen auch gern f3 spielt
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  Einmal gegen Anatoly Karpov spielen dürfen, ... Beitrag #7 (permalink)  
Alt 02.09.2005, 17:52
Ultrafunz
Neuling
DWZ/Elo: DWZ 1409
 
Registriert seit: 10.2004
Beiträge: 9
Hallo,
ich habe mir bis jetzt die Partie nur bis 17. ....a5 angesehen.Ich halte die idee den Springer nach c5 zu stellen und die dazugehörigen Bauernzüge net ganz so doll. Ich bin nämlich der meinung dass der Springer auf c5 sich recht schnell abtauschen ließe durch Lf2 zum Beispiel, und sobald dieser springer vom spiel wäre, hast du ein großes Problem mit dem schwachen a4 Bauern.


also nach deinen Plan habe ich aufm Brett folgende Stellung erreicht:



1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Dc2 0-0 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 b6 7.Lg5 Lb7 8.e3 d6 9.f3 Sbd7 10.Sh3 e5 11.Le2 exd4 12.Dxd4 De7 13.e4 h6 14.Lh4 De5 15.Td1 Dxd4 16.Txd4 Tfe8 17.0-0 a5 18.Sf4 a4 19.Sd5 Lxd5 20.cxd5 Sc5 21.Lf2 Sfd7 22.Lb5

Das sieht doch eher kritisch für schwarz aus.

Ich bin der Meinung dass der Springer genausogut auf e6 steht und da viel leichter hinkommt ohne gravierende Folgen:





1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Dc2 0-0 5.a3 Lxc3+ 6.Dxc3 b6 7.Lg5 Lb7 8.e3 d6 9.f3 Sbd7 10.Sh3 e5 11.Le2 exd4 12.Dxd4 De7 13.e4 h6 14.Lh4 De5 15.Td1 Dxd4 16.Txd4 Tfe8 17.0-0 g5 18.Lg3 Sf8 19.Tfd1 Se6 20.T4d2

Ich denke auf Dauer könnte man es sich überlegen ob man nicht sein könig auf das Feld e7 bringt und dann mit Hilfe der 2 türme am Königsflügel angreift.


Mit freundlichen Grüßen Ultrafunz
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