So, hier mal eine Partie von gestern von mir (ich bin schwarz):
Lehmann,M (1371) - Nogatz,F (1315) [C54]
Kreisliga 2004/05 - Finale, Frankfurt (Oder), 23.04.2005
Wir schreiben den 23.04.2005. Die beiden Mannschaften, die sich zum Finale der Kreisliga qualifiziert hatten, waren aus dem gleichen Verein. In dem Sinne war es uns egal wer gewinnt, die Aufstiegsspiele machen wir dann eh in Achtermannschaften.
Ich spielte im 6. Spiel der Saison das sechste Mal schwarz. Irgendwie hatte ich als Mannschaftsleiter die Aufstellungen immer so komisch konzipiert, dass ich zu jedem Spiel immer die schwarzen Steine führen "durfte".
Ich spielte nun also gegen einen Vereinskameraden...
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.c3
Ponziani? Mein Gegner war ein Mannschaftskamerad, von dem ich wusste, dass er sich nicht extra für mich eine neue Eröffnugn ansehen würde - und sowas spielt er normalerweise nie! Vielleicht ein Vorteil für mich, wenn er sich in der Theorie nicht sonderlich auskennt...
3...Sf6 4.Lc4
... und schon sind wir in einer mir unbekannten Abart des Zweispringerspiels im Nachzug. Aber seit wann wird dort c3 gespielt?!?
Ich entschied mich in die Italienische zu wechseln, wo ich die Hauptvariante eigentlich beherrsche. Es folgt also
4...Lc5 5.d4 exd4 6.cxd4 Lb4+ 7.Ld2 Lxd2+ 8.Sbxd2 d5 9.exd5 Sxd5
Letzter Buchzug.
Zumindest habe ich den nächsten Zug in keinem meiner Eröffnungsbücher gefunden, in keiner Enzyklopädie...
10.Se5
Warum steht dieser Zug in keinem Theoriebuch? Der Zug ist eigentlich richtig gut...
Was sollte ich nun spielen? 10...Sxe5 11. dxe5 hätte Weiß einen schönen Vorposten gebracht und ausserdem den Einzelbauern wieder mit dne anderen verbunden. Nach 11...0-0 stände ich aber recht solide.
Ich entschied mich aber das Bauernopfer anzunehmen...
10...Sxd4 11.Se4
War klar. Nach 11. Sf3 Sxf3+ hat Schwarz einfach mal so einen Bauern gewonnen, nach 11. Sb3 Sxb3 ebenso. Also wenn dann 11. Se4 oder 11. Sb1. Letzterer war aber wirklich etwas zweifelhaft, mir war also beim Nehmen des Bauern klar, dass 11. Se4 kommen würde, dachte mit 11...c5 aber alles etwas hemmen zu können und den Bauern zu behalten.
11...c5 12.Sxf7
... ich wurde des besserem belehrt.
12. Sxf7!
gewinnt den Bauern zurück und lässt schwarz... nunja, schwarz werden

Weiß erhält demnach einen schönen Angriff und damit Vorteil.
12...Kxf7
War schon fast erzwungen. Das Zwischenschach auf a4 bringt auch nichts, da d5 sonst hängt...
13.Dh5+ g6
Der beste Weg schien mir über das Fluchtfeld g7 zu verlaufen. Sonst drohte im nächsten Zug nach Lxd5 sofort auf f7 matt. Also nichts wie weg...
14.Lxd5+ 14. Dxd5+?! Dxd5 15. Lxd5+ Kg7 16.0-0
Der Damentausch kommt Schwarz nur zu Gute, dann wäre eine weiße Angriffsfigur weg. Also völlig richtig mit dem Läufer geschlagen.
14...Kg7 15.De5+ Kh6 16.0-0
[16.0-0-0!? Bringt mehr Spannung. Dieser Zug hat gegenüber der kurzen Rochade mehrere Vorteile: Es geht keine Springergabel zwischen König und Dame mehr, dadurch ist der weitere Angriff durch f2-f3 und g2-g4 oder direkt mit h2-h4-h5 möglich.
Als weiterer Vorteil kann die Tatsache gelten, dass der Turm über d1-d3 h3 schneller angreifen kann als mit der kurzen Rochade.]
16...Te8 17.Df4+ g5
Zwingt zum erlösenden Damentausch...
18.Df6+ Dxf6 19.Sxf6 Tf8
Und schon scheint schwarz etwas besser zu stehen. Hier hab ich angefangen wieder aufzuatmen. Mittlerweile haben die anderen Spieler meiner Mannschaft einen Punkt Vorsprung herausgearbeitet, wir sind die einzigen die noch spielen. Mir reicht ein Remis für den Mannschafts- und Ligasieg. Mein Gegner ist aber gezwungen zu gewinnen, ein Mannschaftsremis reicht seiner Mannschaft aus um diese Saison zu gewinnen. Ich spiel also kaum noch auf Gewinn, sondern auf sicheren Mannschaftssieg.
20.Se4 Tf5 21.Sc3 Tb8 22.Le4 Tf7
Und ich biete ihm remis an. Was mir schon klar war spricht er in Worte aus: "Nein, ich brauch dne Sieg für die Mannschaft."
Also geht es weiter.
23.Sb5 Sxb5
Und ich hatte nicht nur ein remis, sondern gewonnen. Nach diesem Patzer gab mein Gegner sofort auf. Eigentlich schade, es war eine sehr gute Partie von ihm.
Aber es gehört halt auch Glück beim Schach dazu. Einen Zug vorher biete ich remis an und im nächsten Zug habe ich gewonnen. Irgendwie hab ich mich dabei nicht ganz so gut gefühlt

0-1
Nunja, nicht gut gelaufen die Partie für mich. Am Ende hatte ich nur Glück gehabt. Wie ist mit dieser Variante im Italienischen am besten umzugehen?
Danke schonmal für Antworten,
MfG Falco