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Ok, hier ist die Analyse des kompletten Spiels, kommentiert von Christopher Lutz:
Der Englaender Michael Adams ist ein Spieler, der mich fasziniert. Irgendwie schafft er es immer wieder, aus scheinbar harmlosen Stellungen seine Gegner zu ueberspielen. Adams hat ein hervorragendes Gespuer, auf welche Felder die Figuren gehoeren und welche strategischen Entscheidungen zu treffen sind. Zu den Top 3 (Kasparov, Kramnik, Anand) fehlt jedoch noch ein kleines Stueck, m.E. sind dies einerseits das weniger ausgefeilte Eroeffnungsrepertoire (im Vergleich zu den genannten Spielern) und andererseits vielleicht eine relative Schwaeche in Positionen, in denen konkretes Rechnen den Vorrang gegenueber der Intuition hat. 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le3 e6 7.Le2 Besser zu 6.Le3 passen eigentlich 7.f3 oder 7.g4, aber Adams hat keine Lust, die hervorragenden Kenntnisse Topalovs in dieser Variante zu testen. Mit 7.Le2 bietet Adams den Uebergang zum klassischen Scheveninger an ... Dc7 ... aber Topalov macht einen Bogen um den Normalaufbau mit 7...Le7, 8...0-0 und 9....Sc6. Mit 7...Dc7 nutzt Schwarz aus, dass Weiss seinen Laeufer bereits nach e3 entwickelt hat. Wenn Schwarz im klassischen Scheveninger die Dame nach c7 spielt und die Entwicklung des Sb8 zurueckstellt, sollte Weiss mit 0-0, f2-f4, Lf3, De1 und e4-e5 vorgehen. Der Lc1 wuerde dann in einem Zug nach f4 gehen, um den Be5 zu unterstuetzen. Hier ist aber der Laeufer schon auf e3, Weiss muesste also mit Le3-f4 ein wichtiges Tempo verlieren. 8.a3 Einige Beispiele, in denen Weiss zuerst 8.Dd2 spielt: [8.Dd2 b5 9.f3 Sbd7 10.a3 Le7 (10...h5!? 11.O-O Lb7 12.Tad1 Le7 13.Lg5 O-O 14.Kh1 Tfe8 15.Ld3 d5 16.exd5 Sxd5 17.Lxe7 Txe7 18.Dg5 De5 19.Dh4 Df6 20.Dxf6 S7xf6 21.Sxd5 Sxd5 mit Ausgleich in A.Shirov-L.van Wely (Amsterdam 1995)) 11.g4 Sb6 12.g5 Sfd7 13.O-O!? O-O 14.f4 Te8 15.Ld3 Lf8 16.Df2 Sc4 17.Lc1 Lb7 18.b3 Sxa3 19.Lxa3 Dxc3 20.Se2 Dc6 21.Lb2 Sc5 22.Sg3 Tac8 23.Tad1 d5 mit klarem schwarzen Vorteil in Z.Lanka-I.Novikov (Koszalin 1999)] [8.g4 wurde eine Weile von Shirov angewandt,kam jedoch ausser Mode, als d5! endeckt wurde. Schwarz hat dann keine Probleme mehr: 9.exd5 Lb4 10.dxe6 Lxc3+ 11.bxc3 Dxc3+ 12.Kf1 fxe6 13.Lf3 (13.Sb3?! Sd5 war bereits besser fuer Schwarz in A.Shirov-V.Ivanchuk (Buenos Aires 1994), da die weissen Schwaechen am Koenigsfluegel offenbar werden.) 13...O-O 14.Kg2 Sd5 15.Te1 Sc6 16.Sxc6 Dxc6 17.Tb1 b5 18.Lxd5 exd5 19.Ld4 Dg6 20.f3 Lf5 mit Ausgleich in V.Ivanchuk-B.Gelfand (Monte Carlo Schnellschach 1999)] [8.a4 b6 9.f4 Lb7 10.Lf3 Sbd7 11.O-O Le7 fuehrt zu einer ungefaehr ausgeglichenen Stellung.] 8...b5 9.Dd2!? Adams neuert gegenueber seiner eigenen Schnellschachpartie gegen Svidler vom Vortag. Er stellt zunaechst g2-g4 zurueck und strebt erst die lange Rochade an. [9.g4 Lb7 10.f3 Sfd7 11.Dd2 Se5 12.O-O-O Sbd7 13.f4 Sc4 14.Lxc4 Dxc4 15.The1 Sf6 16.Dg2 d5 17.e5 Se4 18.Sxe4 dxe4 19.Kb1 Ld5 20.b3 Dc7 21.Lc1 Lc5 22.Lb2 O-O-O 23.f5 Db6 24.b4 Le7 25.g5 Td7 26.f6 Ld8 27.Sb3 gxf6 28.gxf6 Dc6 29.Sc5 Ta7 30.Sxe4 Lc7 31.Dg7 Td8 32.Sc3 Lf3 33.Txd8+ Lxd8 34.Dxh7 Td7 35.Se4 Td1+ 36.Txd1 Lxe4 37.Txd8+ Kxd8 38.Dg8+ De8 39.Dg1 Dc6 40.Df2 Ke8 41.Dd2 Dc4 42.Dd1 Ld5 43.Dg1 Kd7 44.Da7+ und 1-0 in M.Adams-P.Svidler (3.Runde New Delhi 2000)] 9...Lb7 10.f3 Sbd7 11.O-O-O Wir haben eine Art englischen Angriff vor uns, in dem Weiss das wenig beeindruckende Lf1-e2 gepielt hat. Auch a2-a3 ist ein zweischneidiger Zug, da vorerst zwar ...b5-b4 verhindert ist, aber dieser Zug spaeter einmal mit groesserer Kraft geschehen kann. Andererseits ist die fruehe Entwicklung der schwarzen Dame nach c7 auch nicht ganz ideal fuer Schwarz. Unterm Strich denke ich, dass Schwarz "eigentlich" keine Probleme haben sollte... d5?! Der Zug ...d6-d5 ist ein wichtiges Thema im Englischen Angriff. Ich glaube jedoch, dass hier dieser Zug die schwarzen Probleme nicht loesen kann. Nach der Oeffnung des Zentrums erweist sich Lf1-e2 als wichtiger Entwicklungszug. Schwarz wird in der Folge Probleme mit seinem Koenig haben. [11...Le7!? kommt in Betracht, obwohl dann 12.Lxb5 axb5 13.Sdxb5 nebst 14.Sxd6+ zu beachten ist.] 12.exd5 Sxd5 13.Sxd5 Lxd5 14.Kb1 Staende der schwarze Koenig schon auf g8, saehe es duester fuer Weiss aus, da dann ...Sb6-c4 mit direkten Angriff gegen weissen Koenig geschehen koennte. Aber Schwarz fehlt mindestens ein Tempo, um eine derartige Stellung zu erhalten. Das wesentliche Problem ist die Drohung Sd4-f5, die ueber dem schwarzen Koenig haengt. Sf6 Schwarz stabilisiert den Laeufer, um Sd4-f5 aus der Stellung zu nehmen, aber so faellt er weiter in der Entwicklung zurueck. [14...Sb6 15.Da5! , und der schwarze Damenfluegel zerfaellt.] [14...Lc5 15.Sf5! O-O (15...Lxe3 16.Dxe3 O-O 17.Se7+ Kh8 18.Sxd5 exd5 19.Txd5) (15...exf5 16.Dxd5 O-O 17.Dxf5) 16.Dc3! exf5 17.Lxc5 Sxc5 18.Txd5 Tac8 19.Txf5 mit einem weissen Mehrbauern, fuer den Schwarz nicht genuegend Kompensation hat.] [14...Lc4 (oder 14...Lb7, 14....Db7) 15.The1 , und wieder haengt die Drohung Sd4-f5 ueber dem Kopf des Schwarzen.] [14...g6!? ueberdeckt f5, aber dem Schwarzen fehlt dafuer wahrscheinlich die Zeit: 15.Lf4 Db6 16.The1 Lg7 17.Lxb5!? axb5 18.Sxe6 fxe6 (18...Lxe6 19.Dxd7+ Kf8 20.Ld6+ Kg8 21.Txe6) 19.Dxd5 O-O 20.Txe6 Dc5 21.Db3 mit Angriff (obwohl die Stellung noch nicht klar ist).] 15.g4! Der Sf6 soll vertrieben werden, um dann wieder Sd4-f5 folgen zu lassen. Lc4 Nach [15...h6 16.h4 aendert nicht viel.] [15...Lb7!? fehlt Schwarz die Kontrolle ueber c4, z.B. 16.Lf4 Db6 17.Le5 Sd5 18.The1 O-O-O 19.c4 bxc4 20.Lxc4 , und der schwarze Koenig fuehlt sich auf der c-Linie unwohl.] 16.Lf4 Db6 [16...Dc5 17.Sb3 hilft auch nicht.] 17.Le5 Nun hat der Laeufer eine dominierende Position eingenommen. Sd5 18.The1 O-O-O Offensichtlich wuerde Schwarz lieber seinen Koenig am Koengsfluegel parken, aber wie soll das geschehen ? 19.Ld3! Lc5 Schwarz hat Probleme, den Koenigsfluegel zu entwickeln: [19...h5 20.g5] [19...Ld6 20.Lxg7] [19...Tg8 20.Lxh7] 20.Sb3 Lf2 Der Laeufer geraet auf Abwege. 21.Tf1 Lxd3 [21...Le3!? 22.De2 Lxd3 (22...Lxb3 23.cxb3 ueberlaesst Weiss das Laeuferpaar.) 23.cxd3] 22.cxd3! Brillant gespielt. Zwar hat Schwarz nun einen ewigen Springer auf d5, aber nach d3-d4 werden die offene c-Linie und besonders das Springerfeld auf c5 dem Schwarzen das Leben schwer machen. Weiss hat klaren Vorteil. Le3 23.Dc2+ Kb7 24.d4! f6 25.Lg3 Ka7 26.Tfe1 g6 Schwarz bereitet den Transfer des Laeufers nach f8 vor. 27.Dd3 Lh6 28.Te2 The8 29.Tc2 Tc8 30.Te1 Txc2 31.Dxc2 Lf8 Schwarz will den Lg3 neutralisiern, laesst aber die Verdoppelung auf der c-Linie zu. [31...Se3 32.Dd2 Sxg4 (32...Sf5 33.Lf4 Lxf4 34.Dxf4 Dd6 35.De4 Sg7 36.Sc5 Te7 37.De3 mit klarem weissen Vorteil. Die unterschiedliche Springerstellung ist offensichtlich.) 33.Lf4 Lxf4 34.Dxf4 Sf2 35.Dh4 Sd3 36.Td1 verliert den Springer.] [31...Le3 32.Dd3 Lh6 33.Sc5] 32.Tc1 Ld6 33.Dc6 Weiss dringt nun auf die 6.Reihe ein, wo schon die Bauern a6 und e6 als Beute locken. Td8 34.Lxd6 Txd6 35.De8 Dd8 36.Dxd8 Txd8 37.Tc6 Weiss gewinnt nun zwingend einen Bauern. Sf4 38.Sc5 Txd4 39.Txa6+ Kb8 40.Sxe6 Sxe6 41.Txe6 Tf4 42.Tb6+ Ka7 43.Txb5 Txf3 44.Tc5! Kb6 [44...Tf4 45.h3 Kb6 46.Tc3 macht keinen Unterschied.] 45.Tc3 Tf4 46.h3 Ich denke nicht, dass es hier noch eine Rettung gibt. Zwei verbundene Freibauern sind nun einmal mehr wert als ein einzelner Freibauer. f5 47.gxf5 Txf5 48.Ka2 Kb5 49.Tb3+ Ka5 50.Tb4 Tf3 51.h4 h5 52.Te4 Tg3 53.Te5+ Kb6 54.a4 Th3 55.Te4 Ka5 56.b3 Th1 57.Kb2 Tg1 58.Te5+ Kb6 59.Ka3 Tg4 60.Te6+ Kc5 61.Tf6 Txh4 62.Txg6 Th1 63.Tg5+ Kb6 64.a5+ Die weissen Bauern m*****ieren vor, der b-Bauer fungiert als Schutzschild gegen Schachgebote des schwarzen Turmes. Kc6 65.Ka4 h4 66.Tg6+ Kc7 [66...Kc5 67.b4+ Kc4 68.Tg4+ Kc3 69.Kb5] 67.Th6 h3 68.Kb5 h2 69.b4 Kd7 70.Th7+ Nach z.B. 70...Kc8 71.a6 Kb8 72.Kb6 wird der schwarze Koenig mattgesetzt bzw. laeuft der a-Bauer durch. Topalov gab daher auf. Eine starke Leistung von Mickey Adams, charakteristisch fuer sein Spiel.
1-0
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