Spiel zwischen Uwebrasil und mir.
Er war weiß, ich schwarz.
1. e4 e5 Ich spiele nie Sizilianisch.
2. Sf3 Sc6 Ich spiele aber auch Russisch, hier war mir eher nach Spanisch/ Italienisch/ Schottisch oÄ.
3. Lb5 Also Spanisch, bekanntermaßen die beste Erwiderung auf 2. - Sc6. Wurde schon in Euwes Zeiten so gesehen, und die Moderne bestätigt ihn. Spanisch scheint sogar Sizilianisch wieder den Rang abzulaufen, wohl nicht zuletzt wegen dem Marshall-Gamit, eines der wenigen Gambits, die auf Meisterniveau gespielt werden.
a6 Bei weitem der beste, aber nicht der einzige Zug.
4. La4 Sf6 5. 0-0 Sxe4 Hier ist eine Wegkreuzung, offener oder geschlossener Spanier (5. - Le7). 5. - Sxe4 führt in den offenen Spanier, ist seltener anzutreffen als der geschlossene.
6. d4 Bekanntermaßen das Stärkste. Öffnung der e-Linie ist intendiert, muss für Weiß vorteilhaft sein, wenn der schwarze König in der Brettmitte steht.
b5 7. Lb3 d5 Laut Theorie die besten Züge.
8. dxe5 Le6 9. De2

Wieder eine Wegkreuzung, es gab etliche Alternativen: c3, Sbd2, Le3 usw. Wie die Theorie hier steht, weiß ich nicht, vllt weiß das jmd anders? Gilt De2 als gut oder sind andre Züge besser? Hat jmd aktuelle GM-Partieen mit der Stellung nach 8. - Le6? Würde mich über Rückmeldungen/ Partieausschnitte freuen.
Lc5 Auch hier gab es Alternativen, zB Sc5 oder Le7.
10. Le3 0-0 11. Td1 Meines Erinnerns Hauptvariante in der De2-Variante. Druck auf der d-Linie, sowohl gegen den d-Bauern als auch gegen die Dd8, hat Sinn.
Sa5 Befreit den c-Bauern, um mit - c6 den d-Bauern zu stützen und erlaubt es, bei Gelegenheit den Lb3 zu fressen.
12. Sbd2 Sxd2?! Wohl nicht das Beste, klar war mir, dass nun Abtausche folgen müssen, dachte Sxd2 nebst Lxe3 ist Zugumstellung zu Lxe3 und dann Sxd2. Indes ist Lxc5 ein Zwischenzug, der für Weiß vorteilhaft ist, somit war - Lxe3 angezeigt, dann ggf. gefolgt von Sxd2.
13. Txd2?! Nutzt den Fehler nicht aus.
Lxe3 14. Dxe3 c6

Früher oder später ein Muss, sichert den d-Bauern und erlaubt es der Dame oder dem Läufer, zu ziehen. Ggf soll Lg4 nebst Abtausch meines schlechten Läufers folgen.
15. Dc5!? Zwar interessant, kann sich allerdings als Zeitverlust darstellen.
Tc8 Irgendwas muss passieren, entweder die Dame muss vertrieben oder abgetauscht werden. Habe an Tb8 nebst Db6 überlegt, schien mir ok, wusste allerdings nicht sicher, ob ich meinen T auf b6 haben möchte. Habe auch Te8 nebst De7 überlegt, selbe Intention wie zuvor. KA, welcher Zug besser war. Tc8 bereitet späteres Sb7 vor.
16. Te1 Dc7 Übt Druck gegen e5 aus, verteidigt c6 und räumt die d-Linie, wo ihr der Todfeind, der Turm, gegenüberstand.
17. c3 Sicherlich gut.
Tfd8 Freilich gibt c3 dem Weißen ein Schlupfloch für den Läufer, dh ich hätte, wenn ich meinen S unbedingt loswerden wollte, auf b3 schlagen sollen/ müssen. Hielt die a-Linie, die Weiß bekäme, für Überkompensation. Der weißfeldrige L, im Spanier grundsätzlich Stolz der Flotte, ist hier nicht die Welt. Die Stellung ist geschlossen, mein S hat Spaß am Leben und hat gute Felder in Aussicht. Es ist eine Gratwanderung, die man im Laufe des Besserwerdens zu bewältigen lernt, wann welcher Abtausch vorteilhaft ist, wann nicht. Nach Sxb3 axb3 sollte Weiß etwas besser stehen.
18. h3! Wohl gut, - Lg4 ist nun out.
Sb7 Der Plan, die weiße Dame zu vertreiben.
19. De3 c5

Wollte ich ganz korrekt spielen, wäre wohl Sa5 das Beste gewesen. Weiß steht etwas besser, also will er Zugwiederholung vermeiden. Mein S steht auf a5 besser als auf b7.
20. Ted1 c4 Mehr oder weniger erzwungen, um Druck von d5 zu nehmen. Gibt mir ein schönes Feld auf c5.
21. Lc2 Sc5 22. Sd4 Da5 23. a3 Dc7 24. f4!

Sicherlich der beste Zug. Unterstützt den e-Bauern und bereitet einen Vorm***** am Kflügel vor. Mein L hat keine Felder, ich bin relativ ratlos, die Stellung ist ungemütlich, irgendwas habe ich offenbar falsch gespielt.
Te8 25. f5! Ld7[] 26. Sf3! Gutes Spiel von Weiß. +/-
Sa4! Sb7 war auch eine Möglichkeit, schien mir aber zu passiv, viel zu passiv. Weiß kann irgendwas spielen, und er steht besser, zB Df4, ggf sogar Kh1, um die Schachdiagonale zu verlassen.
27. f6! Vielleicht objektiv nicht der beste, aber ein feiner Zug, praktisch sehr gut. Sehr beengend, Mattdrohungen auf g7 in der Luft. Hatte Lxa4 erwartet.
Db6 Schien mir mehr oder weniger erzwungen. War ja eine der Ideen hinter Sa4. Wenn stattdessen Sxb2, dann Dg5 und auf g6 folgt Txd5!! Opfer, das nur dazu dient, das Feld c5 zu kontrollieren, sodass Dc5+ nebst Df8, um das Mattfeld g7 zu decken, scheitert. Auf sofortiges g6 scheint wiederum Txd5 zu gewinnen. Das zeigt etwas Praktisches: Man muss die Stellung zuerst allgemein betrachten, bevor man in Varianten eintaucht. Motive kehren in verschiedensten Varianten wieder, man kann sie dann abbrechen, sobald ein Motiv eintritt, und somit Zeit sparen: hier: sobald weiße Dame auf h6 auftaucht, muss meine irgendwie auf f8 auftauchen können, ansonsten bin ich verloren. Diese simple Erkenntnis führt zu jenen "beeindruckenden" Opfern wie Txd5...
28. Td4 Dxf6 Das hier schien mir auch erzwungen... Mein Gegner sagte, er hätte das übersehen.
29. Txd5
Lc6[] Le6 wäre keine gute Idee gewesen... unterbricht die e-Linie...
30. exf6 Habe stattdessen auch Td6 erwartet, worauf - De7 geschehen musste.
Txe3[] 31. Td8+?! Te8! Nicht schwer, aber wichtig, klar besser als Txd8
32. Txc8 KA! Fand Txe8 gefolgt von Td6 besser.
Txc8[] 33. Sd4?!

Der Springer steht auf d4 sicherlich ausgezeichnet, und es droht Figurengewinn, das ist aber leicht pariert. Vllt war fxg7 der bessere Zug.
gxf6! Gibt dem K ein Feld, der Doppelbauer ist uninteressant, eiglt nicht angreifbar, sichert gute Felder und er macht dem K Platz (nicht nur taktisch im Hinblick auf Grundlinienmatt nach Sxc6 Txc6, sondern auch generell: Endspiel, K will in die Mitte, hat - so die Bücher - fast den Wert eines Turms (4 Bauern).
34. Lxa4 bxa4 Meine Bauernstellung ist ein Desaster, man muss hier vorsichtig sein, denn verliere ich den Mehrbauern, stehe ich klar schlechter. Hier, konkret, störte mich Lxa4 bxa4 wenig, denn ich bleibe mit dem L übrig, in Endspielen die bessere Leichtfigur (hier nicht soo sehr, gebe ich zu, weil Schwarz viele lokale Schwächen hat, das favorisiert den Springer), va aber wegen dem Druck auf der b-Linie. b4 ist nie möglich, nicht mal als vorübergehendes Bopfer, weil es eben kein vorübergehendes wäre, weil gleich 2 Bauern das Feld b3 kontrollieren. Ein gedeckter Freibauer auf b3 muss das Spiel entscheiden. Mein L kann im Verein mit dem Turm die schwachen Bauern decken, zudem sollte ich genügend Gegenspiel haben, um meinem Gegner ein Ausnutzen der schwachen Bauern unmöglich zu machen. Der Spielverlauf gibt mir Recht.
35. Kf2 Schwarz steht besser, aber nicht übermäßig viel, trotz Mehrbauer und Läufer.
Td8

Sperenzchen... unüberlegt gespielt, vllt fatal. Weiß konnte nun Te1! spielen und das Manöver Le4-d3 unterbinden. Kommt der L nicht nach d3, kann es passieren, dass er schlecht wird, kaum Aktivität hat und blockiert wird von den eigenen weißfeldrigen Bauern. Man stelle ihn sicher vor, schwankend zwischen b7 und a8... zB Te1 La8 [er hängt nun] g4! und Weiß ist gut im Spiel. f5 ist Blockadefeld für den S, die Mehrheit am Kflügel vorerst entwertet usw.
36. g3 Le4 37. Te1 Ld3 38. Td1 Tb8 Die b-Linie.
39. Td2[] Kg7 Der fehlende g-Bauer.
40. Kf3 Te8 Weiß kann nicht opponieren, weil Ld3 das Feld e2 sicher deckt. Te8 hindert den K am Nähern, verhindert - Sc6 wegen Le4+ nebst Mahlzeit.
41. Kf2 f5 Verdoppelte Bauern, aber eben doch vollwertig in diesem besonderen Fall. Es wird einen Freibauern geben. Der f-Bauer tauscht sich gegen den g-Bauern (zieht der vorbei, ist der f-Bauer sofort frei), der zweite ist ein freier. Hingegen halten meine Krüppelbauern am Damenflügel die weißen zurück, ich muss sie nur alle behalten (dh, ich darf keinen verlieren).
42. Sc6 Le4
43. Sa5 Ld3 Ich hätte Zugwiederholung freilich vermieden. Schwarz muss hier besser stehen, kA, wie viel, aber besser.
44. Sb7 Te5! Richtet sich gegen den Springer. Mein Gegner formulierte zutreffend: Springer auf Abwegen.
45. Sd6 Wo will er hin?
Kf6 46. Sc8 Unnötige Springermanöver... Das Spiel spielt nun am Königsflügel. Und nach
Te6 ist der Springer vollends außer Spiel, er hat kein Zurückkommen mehr.
47. Sa7 Kg5 48. Td1 Weiß macht auf aktiv, und Schwarz erinnert ihn mittels
Tb6 an seine Idee, auf a4 zu schlagen.
49. Td2[] M***** zurück...
f4! Endlich. Ein gelungener Bauerndurchbruch schüttet Endorphine aus... ^^
50. Kf3!! Ist objektiv keine zwei Rufzeichen wert, aber ist einfach präzis und aufmerksam und der beste Zug. Sieht fast nach Zeitverlust aus, ist aber wichtig, wer hier wen schlägt. gxf4 Kxf4 und mein K steht auf f4 ideal. Es sind solche Züge, die Amateure nicht wertschätzen, sie sehen solche "feinen" Unterschiede nicht, dabei entscheidet dgl über Sieg und Niederlage.
fxg3 KA, ob das ideal war, wollte mir einen Freibauern verschaffen, den habe ich nun. Andrerseits macht es den weißen Turm aktiver, der ist an die zwei Reihe, nicht aber an die d-Linie gebunden. Nun kann er wenigstens auf den g- oder f-Linien etwas Trouble machen. Aber so ist das eben, ein Geben und Nehmen.
51. Kxg3 Th6 Wahrscheins nicht das Beste.
52. Th2 Wahrscheins auch nicht, aber besser als meiner.
f5!? 53. h4+ Kh5 54. Kf4 Tg6
55. Sc8 Da kommt er wieder, mit gesenktem Kopf und einem Stöckchen im Maul, wer einen Hund hat, der kennt das.
Tg1?/! Entweder der Zug ist gut oder er ist schlecht. Ich hab nicht genug analysiert, um das mit Gewissheit zu sagen. Die Idee ist halbwegs klar: Der T soll im gegnerischen Lager rumstressen und nach Tf1+ den f-Bauern zum Thron führen. - Tg4+ nebst Txh4 ist einfacher und wohl, so meine vorläufige Schlussfolgerung,
deutlich besser. Jeder Computer wird das in einer Sekunde ausspucken.
56. Sb6 Tf1+ 57. Ke5 f4
58. Sd5 Kg4 59. h5?? Ka, was das sollte. Ohne eine Variante zu berechnen, sieht man, dass für solche Späßle keine Zeit ist. Andrerseits kann es sein, dass schon alles verliert.
Te1+ 60. Kd4 Kg3 61. Td2 f3! Der Bauer ist nicht zu halten, die Uhren schlagen Zwölfe. -
Weiß gibt auf. 0-1