Hallo,
da wir hier in der Rubrik Strategie>Endspiel sind, wollte ich mal das erste Beispiel aus dem Buch Endgame Strategy von M. Shereshevsky vorstellen. Es handelt sich um die Partie
Capablanca-Ragozin, Moskau 1936
(W: Kg1, Tc1, Sf3, Ba3, b2, f2, g2, h3; S: Kf8, Ta7, Le6, Bc7, f7, g7, h6; die Partie sollte in jeder mitgelieferten Datenbank von Chessbase oder Fritz enthalten sein)
Der von Capablanca skizzierte Plan klingt logisch: der Vorm***** des schwarzen c-Bauern muss verhindert werden, da sonst der b-Bauer schwach werden könnte. Anschließend muss Weiß das ganze Brett bis zur 5. Reihe kontrollieren. Dazu wird der Turm nach c3 gespielt (um b4 zu ermöglichen), der Springer nach d4, der König e3 und der f-Bauer nach f4. Beim Nachspielen war das alles sehr gut nachzuvollziehen, denn Schwarz spielte genau so mit.
Also habee ich die Stellung in Fritz eingegeben, um mit meinen neu erworbenen Kenntnissen den Computer zu besiegen. Das habe ich trotz mehrerer Anläufe noch nicht geschafft. Fritz war stets äußerst erfindungsreich im Finden von Gegenspiel. Oft habe ich sogar verloren (aber das ist eine andere Geschichte!).
Wenn ich z. B. mit 1.Sd4 beginne wie Capablanca, spielt Fritz nicht etwa 1....Tb7 wie in der Partie. Danach kann nämlich sofort 2.b4 kommen und Weiß hat den ersten Teil des Plans schon verwirklicht. Fritz spielt 1....Ld7, lässt den Turm schön auf der a-Linie und zentralisiert dann seinen König.
Falls jemand Lust hat, dieses kleine Experiment nachzumachen, würde mich mal eine echte Beispiel-Gewinnpartie gegen Fritz interessieren. Was ich Euch versprechen kann, ist, dass Ihr unendlich viel über die Verteidigung in schlechter stehenden Endspielen sowie über das Aufstellen und Abwehren von kleinen Drohungen in scheinbar einfachen Stellungen lernt.
Viel Spaß beim
Siegen à la Capablanca!
P.S.: Gibt es vielleicht in irgendeinem Buch eine tiefergehende Analyse dieses Endspiels?