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Schach - Mittelspiel

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Umfrageergebnis anzeigen: Was für ein Repertoire sollte man wählen?
Mit ähnlichem/gleichem Mittelspiel 10 71,43%
Mit unterschiedlichem Mittelspiel 4 28,57%
Teilnehmer: 14. Sie dürfen bei dieser Umfrage nicht abstimmen

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  Repertoire- ähnliche oder unterschiedliche Mittelspiele? Beitrag #1 (permalink)  
Alt 26.04.2010, 18:17
Fälix
Super GM des Forums
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 478
Repertoire- ähnliche oder unterschiedliche Mittelspiele?

Hallo,
ich frage mich in letzter Zeit, was eigentlich sinnvoller ist:
Ein so gewähltes Repertoire, sodass immer ähnliche Mittelspielstrukturen auftreten zB.
-Weiß: Königsangriff mittels f4 also Wiener Partie, Grand Prix Angriff, Französisch Vorstoß, usw.
oder Sachen wie Colle
-Schwarz: Schwarzfeldrig, also Drache+Königsindisch
oder Weißfeldrig: Damenindisch und Französisch
oder Bauernstrukturen, die aus CaroKann und Slawisch restultieren

Oder ist es besser (im Sinne des Verbesserns), Eröffnungen so zu wählen, dass man immer unterschiedliche Mittelspielstrukturen erhält?

Was ist eure Meinung? Lieber ein Repertoire wählen, in dem man in jedem Spiel fast das gleiche Mittelspiel erhält oder völlig unterschiedliche Eröffnungen wählen, um so den Großteil der Mittelspieltypen zu erfassen?
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  Repertoire- ähnliche oder unterschiedliche Mittelspiele? Beitrag #2 (permalink)  
Alt 26.04.2010, 20:21
minu13
Einsteiger
DWZ/Elo: 1314dwz
 
Registriert seit: 03.2010
Beiträge: 11
mittelspiel

ich bin zwar selbst nich gut
aber ich denke nicht das man immer ein anderes mittelspiel anstreben sollte
naja ausser man kmmt mit dem ständigen druck klar
ps:es ist eigentlich fast unmöglich ein ähliches mittelspiel nur durch eröffnungen zu erreichen
finde ich
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  Repertoire- ähnliche oder unterschiedliche Mittelspiele? Beitrag #3 (permalink)  
Alt 27.04.2010, 12:19
Ali
GM des Forums
DWZ/Elo: 1888
 
Registriert seit: 03.2005
Ort: Oldenburg
Beiträge: 462
ich denke, dass wenn man Leistung erreichen will, dass dann ähnliche Mittelspiele besser geeignet sind, da man einfach mehr Erfahrungen hat.

Soll es aber darum gehen sich zu verbessern (langfristig), dann sollte man verschiedene Mittelspiele anstreben, damit man mit jedem Typ Erfahrungen sammelt.

Für meine (Lehr-)Praxis bedeutet das:
Bis zu einem gewissen Punkt lasse ich die Kinder und Jugendlichen alles querfeldein spielen, damit sie ihren eigenen Stil finden können und Erfahrungen sammeln. Außerdem machts einfach mehr Spaß und hält die Motivation oben. Außerdem sind bis zu einem gewissen Punkt, die Eröffnungskenntnisse (die nötig sind um ähnliche Mittelspiele zu erreichen) einfach nicht so wertvoll.

Dann versuche ich (meist durch ein ernsthaftes Einzelgespräch) aufzuzeigen, dass man Leistung nur durch (Eigenarbeit vorrausgesetzt) Kenntnisse und Spezialisierung erreicht. Jetzt sind ähnliche Strukturen sehr sinnvoll, auch im in die Tiefe einsteigen zu können.

Beispiele:
Jugendlicher 1: Ich kenne ihn nun schon seit gut 5 Jahren vom Training und hatte den Eindruck, dass er mit dem Eintritt in die 11.Klasse (zum Abitur hingehend) von seinen kognitiven Fähigkeiten her einen Sprung gemacht hat. Daher habe ich ihm letzten August empfohlen, dass er sich selber zu Hause hinsetzt um sein Schach zu verbessern und an seinen Eröffnungen arbeitet. Ich hatte natürlich seinen Spielstil analysiert und bin zu dem Schluss gekommen, dass ihm der Linksspringer (1.Sc3) gut liegen könnte und habe ihm sowohl dieses Buch als auch "Play 1....Sc6" empfohlen (eben von wegen ähnliche Strukturen usw.). Er konnte so seine DWZ von 1400 auf 1600 steigern, wobei seine Leistungen zwischen 1600 und 1800 lagen.

Jugendlicher 2: Mir auch seit 5-6 Jahren durch das Training bekannt und auch sonst ähnliche Vorraussetzungen. Er selbst hatte seine Spielweise auf strategisch, positionell eingeschätzt und wollte sich deswegen mit dem klassischen Damengambit beschäftigen, wusste allerdings nicht so recht, was er mit Schwarz machen sollte. Ich hatte ihn dagegen etwas anders eingeschätzt (aufgrund meiner eigenen Entwicklung) und zwar meinte ich bei ihm einen latenten Hang zur Dynamik entdeckt zu haben und empfahl im daher Philidor (die Variante bei der man (erstmal) den Punkt e5 hält) und Königsindisch (mit Sbd7) (ähnliche Strukturen, wenn auch das eine mit und das andere ohne Fianchetto). Daraufhin hatte er mit Schwarz mehr Erfolg als mit Weiß, weswegen er nun an einer dynamischeren Weißeröffnung arbeitet.

Meine Erfolgsformel: Erst Probieren dann Spezialisieren.

MfG
Ali
Erst probieren, dann
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  Repertoire- ähnliche oder unterschiedliche Mittelspiele? Beitrag #4 (permalink)  
Alt 29.04.2010, 17:16
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Sicherlich ist es richtig, erstmal alles ein ganz klein bißchen kennenzulernen. Man sollte schon Benoni und Stonewall auseinanderhalten können, auch wenn man beides mit keiner Farbe spielt. Dazu reicht es natürlich, mal irgendeine EÖ-Übersicht halbwegs gründlich durchgeblättert zu haben. Wenn man in einer (Vereins-) Mannschaft spielt, sollte man auch den Partien an den anderen Brettern bißchen Aufmerksamkeit gönnen, da kommt man auch auf Ideen!

Schwieriger wird es schon, wenn man sich die Eröffnungen/Strukturen dann etwas genauer ansehen und auch ausprobieren will - als Normalsterblicher hat man keine Zeit, dies sowohl sehr breit als auch sehr tief zu machen.

Ich würde einen Mittelweg empfehlen: sich auf einige wenige Strukturen zu spezialisieren und dabei absolute Einseitigkeit zu vermeiden.
Also bitte nicht KIA mit Weiß und KID/Pirc/Drachen mit Schwarz; oder Reti/Englisch mit Weiß und Beschl.Drachen/Benoni mit Schwarz; oder Stonewall mit Weiß und Schwarz; oder London/Torre mit Weiß und Slawisch/Skandinavisch/C-K mit Schwarz (letzteres habe ich so mal eine Zeit lang gespielt und war auch halbwegs erfolgreich damit - nach einem Jahr merkte ich aber, daß ich keinen "kreativen Input" mehr hatte!).

Wenn man jetzt mal die Anzahl aller gängigen und typischen Strukturen (der Eröffnungen, des frühen Mittelspiels) etwas willkürlich auf 30 festsetzt, dann sollte man vielleicht so 4-8 lernen. Sobald die halbwegs verinnerlicht sind (und das dauert 2-8 Jahre), kann man einen Teil davon ablegen und sich etwas Neuem zuwenden, vorher nicht!
Zu beachten ist dabei:
- Wie ich in vielen Posts schon zum Ausdruck zu bringen versucht habe, sind die verschiedenen Strukturen nicht immer "logisch gleichwertig", sondern stehen teilweise in einem schachhistorischen/genetischen/lerntheoretischen Abhängigkeits-Verhältnis! Manche (Vollzentrum, kleines Zentrum, französische Bauernkette, Damengambit-Isolani) sind relativ elementar, andere komplizierter (Sprungformation, Vollbenoni, Stonewall), andere noch komplizierter (Igel, Halb-Benoni, Botwinnik). Entsprechend sollte man den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen! Für mich selber habe ich entschieden, auf Igel-, Benoni- und Botwinnik-Strukturen vorläufig ganz zu verzichten - falls ich nochmal 300 Elos zulege, gucke ich mir das dann als GM an, vorher nicht.
- die optische Ähnlichkeit vermeintlich ähnlicher Systeme täuscht oft, man sollte sie nicht überschätzen! - Ich hatte schon geschriben, daß Spanisch-Breyer dem Königsinder wohl ähnlicher ist als Pirc. Je länger ich Slawisch und Caro-Kann spiele, desto größer erscheint mir der Unterschied zwischen ihnen. Und Französisch-Winawer und Stonewall scheint mir geradezu fundamental verschieden, obwohl beides weißfeldrig ist und 1.d4 e6 sehr praktisch für holländisch-Spieler.
- Eine etwas kompliziertere These ist, daß ähnliche Schema eher dazu geeignet sind, mit Schwarz solide Verteidigungs-/Auffang-Stellungen zu erreichen. Und daß man mit Weiß flexibler sein muß, wenn man den Anzugsvorteil festhalten will. [Ich will keinesfalls propagieren, mit Schwarz grundsätzlich auf Remis zu klammern, aber es dürfte allgemeiner Konsens sein, daß mit Weiß das Streben nach Vorteil größer ist als mit Schwarz]. Ich will diesen Gedanken, den ich in Comas´ "True Lies" aufgeschnappt habe, nicht allzu tief ausführen, aber der Grundgedanke ist, daß (sobald das Niveau einfacher Fehler und postwendender taktischer Bestrafung überschritten ist) der Verteidiger sich auf das Halten der eigenen starken Punkte sowie auf Gegenangriffe auf die schwachen Punkte des Gegners beschränken kann; daß der Angreifer aber nicht nur die schwachen Punkte des Verteidigers sondern (gegen gute Verteidigung!) auch die starken Punkte des Verteidigers angreifen muß!! Daraus folgt leicht, daß der Verteidiger sich etwas schematischer aufbauen darf.

tracke

PS: Der letzte Punkt ist natürlich auch für die Beurteilung farbvertauschter Eröffnungen interessant: aus einem System, das strukturell nur die schwachen Punkten des Gegners beäugt und die starken in Ruhe lässt, kann mit nur einem Mehrtempo kaum etwas werden, das die schwachen UND die starken Punkte des Gegners angreift!
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  Repertoire- ähnliche oder unterschiedliche Mittelspiele? Beitrag #5 (permalink)  
Alt 04.05.2010, 21:28
Benutzerbild von WilhelmH
WilhelmH
Kenner
 
Registriert seit: 10.2007
Ort: Hamburg
Beiträge: 114
Zitat:
Zitat von tracke Beitrag anzeigen
Ich würde einen Mittelweg empfehlen: sich auf einige wenige Strukturen zu spezialisieren und dabei absolute Einseitigkeit zu vermeiden.
Also bitte nicht KIA mit Weiß und KID/Pirc/Drachen mit Schwarz
In meinem Trainerlehrgang warnte Karsten Müller vor dem Drachen. Das würde Lernenden das Verständnis von anderen sizilianischen Strukturen erschweren.
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