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Schach - Mittelspiel

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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #1 (permalink)  
Alt 11.11.2009, 04:27
Kresh
Einsteiger
DWZ/Elo: 1880 CH-Elo
 
Registriert seit: 07.2009
Beiträge: 12
Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!!

Hallo,
mir ist aufgefallen, dass viele Spieler auch Starke nicht verstanden haben, worum es im klassischen Schach geht, nämlich um die Kontrolle des Zentrums durch dessen Besetzung durch Bauern. Selbst im Hypermodernen Schach scheint mir werden die eigenen Bauern nur zurückgehalten um kein Angriffsziel darzustellen, aber dann im richtigen Moment nachgeschoben. Viele Spieler scheinen Angst vor Spannungen zu haben oder haben so viel Theorie auswendig gelernt, dass sie keine Zeit hatten etwas zu begreifen. Ich hoffe hiermit vielen Anfängern ein besseres Verständnis vom Zentrumskampf zu vermitteln ohne Theoriebalast. Konstruktive Kritik ist immer willkommen.

Das erste Beispiel dient als Ausgangslage und ist daher primitiv.

Schottisch:
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4



Weiss will den Zentrumsvorposten e5 von Schwarz zerstören, und so als einziger einen Bauern im Zentrum behalten. Vergessen wir für einen Augenblick die Theorie, welcher Zug sollte in so einer "unbekannten" Stellung als erstes in betracht gezogen werden? Natürlich d6! Schwarz will seinen Vorposten in Zentrum behalten!

Weiss hat nun zwei Fortsetzungen nach 3.... d6:
i) 4. dxe dxe 5. Dxe8 Kxe8 +/=



Weiss hat seine Strategie geändert! Anstatt das Zentrum zu kontrollieren, überlässt Weiss seinem Gegner den Vorposten e5. Beide Spieler haben nun den gleichen Anteil am Zentrum! Die schwarze Bauernstruktur hat sich stark verbessert, der schwarze Läufer f8 ist nicht mehr eingesperrt und Weiss wird nicht mehr so einfach Druck gegen e5 ausüben können. Die neue, weisse Strategie setzt auf Entwicklungsvorsprung, Schwarz wird Zeit brauchen ein geeignetes Feld für seinen König zu finden. Weiss hat seinen Vorteil der grösseren Kontrolle des Zentrums in einen Entwicklungsvorteil umgewandelt.

ii) 4. Lb5 Ld7

Weiss spielt konsequent und verfolgt seine Strategie weiter. Lb5 verstärkt den Druck gegen e5. Schwarz verteidigt mit Ld7 e5 indem nach 5.Lxc6 Lxc6 der weisse e4 Bauer angegriffen ist.

5. Sc3 Sf6 6. Lxc6 Lxc6 7. Dd3! +/=



Der Druck ist zu gross. Sd7 scheiter an d5 und der Lc6 ist verloren. De7 blockiert den Läufer f8 und damit den ganzen Königsflügel. Schwarz muss seine Kontrolle über das Zentrum aufgeben 7.... exd.


Dieses Beispiel zeigt eine typische Bauernspannung im Zentrum. Jener Spieler welcher die Spannung zuerst auflöst verschlechtert seine Stellung! Weiss würde bei einer Auflösung den schwarzen Lf8 befreien. Ausserdem verfügt Weiss über die "Notlösung" seinen Bauern d4 nach d5 zu stossen, falls die Spannung nicht weiter verstärkt werden kann. Schwarz würde bei einer Spannungsauflösung seinen Zentrumsposten verlieren und damit seine Zentrumskontrolle aufgeben im klassischen Sinn. Zusätzlich wäre der Zug d6 zweifelhaft, wieso d6 spielen und seinen Lf8 einsperren wenn man sowieso das Zentrum aufgeben muss/will?

Zwischen-Fazit: Viele Spieler lösen Spannungen automatisch auf, weil sie diese "Idee" in der Schottischen Eröffnung oder sonst wo aufgeschnappt haben, oder denken es kann ihnen nicht schaden, wenn das Spiel vereinfacht wird. In der Schottischen Partie haben wir jetzt gesehen, dass Schwarz so oder so auf d4 nehmen muss, er entscheidet sich daher für ein frühes exd4. Spannungauflösung ist immer schlecht, aber teilweise, wie hier, das kleinere Übel.

Sehen wir uns noch ein Beispiel an, wo die Zentrumsaufgabe=Spannungsauflösung gespielt wird.


Caro-Kann:

1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3

Schwarz hat sein Ziel erreicht. Mit seinem Bauernvorstoss sorgt er dafür seinen fairen Anteil am Zentrum zu bekommen. Im Vergleich zum Schotten ist der d5 Bauer zusätzlich durch die Dame gedeckt. Es wird bestimmt schwieriger für Weiss werden den schwarzen Vorposten anzugreifen.



Schaut man in der Theorie nach wird ... wtf?... 3....dxe gespielt?! Ist der Schwarze Plan etwa gescheitert? Wieso gibt Schwarz sein Zentrum auf? Sc3 übt doch nicht genug Druck auf d5 aus oder? Was geht hier vor? Sollte man nicht das Zentrum besetzen bzw. besetzt halten???

Ok, vergessen wir die Theorie, und spielen Schach. Was kommt in Frage anstatt 3. ... dxe?

3. ... Sd7 verliert den d5 Bauern
3. ... Sa6 sinnlos und verliert den d5 Bauern (3....Sa6 4.exd cxd 5. Lb5+ Ld7 6. Lxa6 gefolgt von Sxd5)
3....e6 kann man ja direkt den Franzosen spielen ohne c6.
3....Da5 verliert den d5 Bauern
3.....Sf6 wohin zieht der Springer nach e5?
3....g6 ---> funktioniert!

Wie es aussieht, befindet sich Schwarz am Rande eines Zugzwang-ähnlichen Problems. Nur 3....g6 scheint sinnvoll zu sein, die Frage die sich jedoch stellt ist, was passiert nach 4....Lg7? Spielt nun Weiss ohne Verständnis weiter mit dem natürlichem Sf3, kann Schwarz Lg4 spielen und ist erstmal der Läufer ausserhalb der Bauernkette wird auch e6 und somit Sd7 evetuell c5 etc. möglich. Weiss spielt aber h3!

3....g6 4. h3 Lg7 5.Sf3



Schwarz muss die Spannung auflösen. Ihm sind die Züge ausgegangen.

In der Caro-Kann Hauptvariante entschliesst sich Schwarz frühzeitig die Spannung aufzulösen um das Feld f5 "freizuräumen" für seinen Lc8. Schwarz verschlechtert seine Bauernstruktur (hat aber nachwievor keine Schwächen) bekommt dafür eine harmonische Figurenentwicklung.

Fazit:

Spannungen aufzulösen verschlechtert immer die eigene Bauernstruktur!
Die Strategie muss deshalb lauten, wie kann ich die Spannung verstärken um meinen Gegner zum Abtausch zwingen.
Manchmal ist es ratsam die Spannungen aufzulösen, zum Beispiell für aktives Figurenspiel oder natürlich um keinen Bauern zu verlieren.


Dieser Post enthält nur Beispiele wo es gerechtfertigt erscheint die Spannung auzulösen, ich werde noch gegenteilige Beispiele nachliefern.

Kresh
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #2 (permalink)  
Alt 11.11.2009, 10:36
Kresh
Einsteiger
DWZ/Elo: 1880 CH-Elo
 
Registriert seit: 07.2009
Beiträge: 12
(Alt-)Königsindisch:

1.d4 Sf6 2.c4 d6 3.Sc3 e5 4.dxe?! dxe 5.Dxd8 Kxe8 =



Nun ein Beispiel wo die Spannungsauflösung gut für Schwarz ist. Er hat nach dem Abtausch den starken Vorposten e5 erhalten und der weisse c4 Bauer blockiert nur den weissen Lf1. Weiss hofft aus der Lage des gegnerischen Königs Profit zu schlagen. Schwarz hat aber einen Weg seinen König schnell in Sicherheit zu bringen mit c6 + Kc7. Auf c7 steht der schwarze König deshalb sicher, weil durch den Bauern e5 der König von Schachs des weissen, schwarzfeldrigen Läufers geschützt ist. Die Stellung ist ausgeglichen!
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #3 (permalink)  
Alt 11.11.2009, 14:52
Benutzerbild von Alois Schachownik
Alois Schachownik
Totaler Kenner
 
Registriert seit: 04.2009
Beiträge: 155
Daumen hoch

Wunderbare, exzellente Postings! Es weht der Geist von Tarrasch. Ich bin entzückt! Genau so muß Schach vermittelt werden.
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #4 (permalink)  
Alt 11.11.2009, 17:02
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Seeeehr schöner Artikel, Kresh ! Hoffentlich folgt noch viel mehr davon !

Manche Aussage gilt aber vielleicht nicht ganz so absolut/kategorisch wie Du es formuliert hast?!
Ich würde eher davon sprechen, daß das Aufgeben der Zentrumsspannung durch Bauerntausch tendenziell und meistens einen kleinen strategischen Nachteil darstellt - daß aber jede Stellung konkret zu bewerten ist!

Der Tauschende erhofft sich davon ja nämlich meist einen anderen strategischen Vorteil [es sei denn, daß der abtauschende Bauer sonst taktisch nicht mehr zufriedenstellend verteidigt werden kann wie z.B. in Spanisch-Steinitz (schwarzer Be5) oder in Französisch (weißer Be4)]. Jener andere strategische Vorteil, für den das Aufgeben der Zentrumsspannung aber zumindest überlegenswert sein kann, ist für Weiß und Schwarz aber prinzipiell unterschiedlich (wenn man jetzt mal farbvertauschte Systeme außer Acht läßt):
Für Weiß kann ein Zentrumsbauern-Abtausch Linienöffnung (z.B. C-K-Panow: e4xd5) oder Entwicklungsvorsprung (z.B. Deine Damentausch+Rochadeverlust-Variante), ein Vorrücken Raumvorteil nebst Einengung des Gegners (z.B. Französisch: e4-e5; Königsindisch/Benoni: d4-d5) oder Festlegung eines gegnerischen Bauern als rückständig) bedeuten.
Für Schwarz kann ein Abtausch taktische Entlastung (siehe Spanisch-Steinitz) oder überhaupt die Ermöglichung der weiteren Entwicklung (ohne ...Lc8-f5/g4 vor ...e6 macht Caro-Kann meist wenig Sinn) bedeuten.

Dies alles gilt übrigens vor allem (wenn nicht sogar ausschließlich) in den klassischen Eröffnungen, in denen Schwarz tendenziell erstmal auf Ausgleich spielt und dazu oft eine Strongpoint-Strategie anwendet. Eine Strategie also, in der ein starker Zentrumsstützpunkt (e5: Spanisch-Steinitz, Geschl.Spanisch, Philidor, Lc5-Königsgambit, De7-Italienisch, Pirc?!, Altindisch, Königsindisch,...; d5: Französisch, Caro-Kann?!, Abgel. DG, ...a6-Slawisch) errichtet wird, um dann die übrige Entwicklung im Rücken diese Strongpoints bzw. um ihn herum (etwa ...Lc5 zu e5-SP, ...Lf5 zu d5-SP) abzuschließen.

Vielleicht kann man sogar (das habe ich jetzt nicht lange in letzter Konsequenz durchdacht, ich schreibe mal drauflos ...) alle klassischen schwarzen Verteidigungen gegen ambitioniertes weißes Spiel (wie immer man diese abgrenzt, dürfte aber ungefähr klar sein) in zwei Gruppen unterteilen:
1) In die, wo eine Strongpoint-Strategie sehr lange (~8-20 Züge?!) durchgezogen wird (also z.B. Spanisch-Tschigorin/Breyer, Philidor-Hanham, Klassisches Französisch, Orthodoxes DG, usw.), und
2) in jene, wo zwar mit einer Strongpoint-Strategie bezüglich e5 oder d5 begonnen wird, wo aber aufgrund spezifischer Verhältnisse Theorie&Praxis die frühzeitige Zentrumsliquidierung (Zug 3-8 ?!) durch Bauerntausch empfehlen bzw. für spielbar halten (also: Caro-Kann-HV, Französisch-Rubinstein/Burn, DG-Capablanca/ Lasker,usw.) Solch eine Liquidierung führt meist zu einer Sprungstellung (Kmoch; d.h. die verbliebenen Zentrumsbauern stehen sich so gegenüber, wie der Springer zieht: z.B.: wBd4-sBe6). Auch durch indirekten Abtausch durch Springer kann liquidiert werden (Russisch, Zweispringerspiel, Offener Spanier)und modern sogar um eine Reihe verrückt (Aljechin:d6xe5 statt d5xe4).

An den Beispielen merkt man vielleicht schon, daß die "Hardcore-Strongpoint-Systeme" (mein Neologismus?!) typischerweise "statisch", "schwerblütig", äußerst solide, strategisch konsequent und verständlich, (gerade für Anfänger) aber nicht leicht zu spielen sind, weil Schwarz sich in ihnen lange gedulden muß (bis 15.-25. Zug), bis (vielleicht!?) sein Gegenspiel langsam in Fahrt kommt. Entsprechend sind die (durch nicht allzu späten Bauerntausch gekennzeichneten) "Softcore-Strongpoint-Systeme" in ihrem meist halboffenen Stellungstyp einfacher zu durchschauen und leichter verständlich; der leichte Raumnachteil wird oft durch problemlosere Entwicklung zumindest teilweise kompensiert und fällt nach weitere Abtäuschen meist gar nicht ins Gewicht. Irgendwann auf dem Weg nach oben kommt aber der Punkt, wo Weißspieler dann mit diesem leichten Raumvorteil wie z.B. in Franz.-Rubinstein wirklich was anzufangen wissen! Oder zumindest kaum noch verlieren. Für normale Schächer wie uns mag es egal sein, aber in den GM-Höhen mit deren Technik sind diese Systeme wohl tendenziell Ausgleichs-Systeme und wenig zum bedingungslosen Auf-Gewinn-Spielen geeignet.

Und dann gibt es natürlich noch modernere Spielweisen (oder modernere Zugfolgen!), ich wage mal drei weitere Typen zu unterscheiden:
3) In der einen wird das Zentrum nicht sofort in den ersten (drei-fünf?!) Zügen besetzt, dann aber (unterstützt durch Figuren und unter Ausnutzung der Tatsache, daß Weiß sich nicht von Zug 2 an auf den schwarzen Strongpoint hinorientieren konnte) ein Strongpoint gebildet. Beispiele dafür wären Pirc- oder Königsindisch-Systeme mit ...e7-e5 bzw. Nimzo-/Damenindisch-Varianten mit ...d7-d5.
4) In einem anderen Typ (z.B. Sizilianisch mit ...e5: Boleslawski, Najdorf, Sweschnikow, Kalaschnikow) wird der Strongpoint erst gebildet, wenn der weiße d-Bauer als "natürlicher Feind #1" schon beseitigt ist. (Ebenso wird in der Reti-Eröffnung d5 durch c4 angegriffen und günstigenfalls beseitigt).
5) Im letzten(?) Typ wird von vornherein und eventuell auch "mittellangfristig" auf einen Zentrumsbauern verzichtet (etwa Skandinavisch, Grünfeld-Abtausch, Tschigorin ?!). Hier gibt es häufig konkrete (Haupt-)Varianten, wo das Figurenspiel auf 1-2 halboffenen Linien überwiegt (und das Spiel entscheidet), meist ist es aber so- wie Kresh richtig ausführte - daß "langlangfristig" auf jeden Fall eine Besetzung des Zentrums durch Bauern geplant ist.

* * *

Jetzt sind mir mal wieder die Finger mit der Tastatur durchgebrannt, eigentlich wollte ich nur etwa 10-15 Zeilen schreiben ...
Auf jeden Fall sieht man wohl, daß man ein ganzes Eröffnungs-Strategie-Spektrum aufspannen kann, wenn man das Ziel der Zentrumskontrolle durch Zentrumsbauern mal durch die Frage der Aufrechterhaltung/Aufgabe der Zentrumsspannung dividiert.

Noch ein paar kurze konkrete Einlassungen/Anregungen:
- Es gibt auch andere gute Fortsetzungen für Weiß gegen Steinitz, ich liebe allerdings ebenfalls diese Dd3-Aufbauten; dabei bevorzuge ich jedoch die Reihenfolge 4...Ld7 5.Lxc6 Lxc6 6.Sc3 (Sf6 7.Dd3), um den zusätzlichen Springertausch auf d4 zu vermeiden; dürfte aber theoretisch fast gleichwertig sein.
- Ohne mannigfaltige Details ausbreiten zu wollen - Französisch-Rubinstein/Burn wäre vielleicht ein besseres Beispiel als Caro-Kann gewesen?! Bei C-K ist die Entwicklung des Lc8 als schwarze Motivation für ...dxe4 doch ziemlich einleuchtend, im Franzosen fehlt das. (Obwohl ich nicht behaupten will oder zumindest nicht "beweisen" kann, daß F-R/B spürbar schlechter als C-K ist)
- Ein Musterbeispiel (hoffentlich greife ich Dir jetzt nicht vor?!) ist natürlich Spanisch als solches bzw. die Hauptvarianten mit weißem La4+0-0+Te1+c3+d4: Falls Schwarz dann auf d4 tauscht, hat Weiß nicht nur Raumvorteil, sondern statt eines halbwegs aktiven aber auch angreifbaren Sd4 sogar ein Vollzentrum d4+e4 !
- Für Weiß kann man ableiten (und daß stimmt "vermutlich" auch), daß 3.Sc3/3.Sd2 eben die "stärksten" Züge gegen Französisch/Caro-Kann sind und "besser" als 3.e5/3.exd5. Genauso wie bei Dir dxe5 gegen Königsindisch/Altindisch/Englisch/Pirc/Philidor/(Spanisch) harmlos bis nachteilig war!
- Einen praktischen (und dem theoretischen entgegengesetzten) Schluß (der von vielen Amateuren eben übersteigert wird) sollte man aber auch erwähnen: Wer die Zentrumsspannung aufrechterhält, gibt seinem Gegner mehr Möglichkeiten!! Mehr Möglichkeiten fehlzutreten, aber auch mehr Möglichkeiten, den Spielverlauf selbst zu gestalten. Und muß folglich selbst mehr Varianten berechnen (bzw. eröffnungstheoretisch vorbereiten), um für alle Fälle gerüstet zu sein: der Gegner tauscht oder läßt die Spannung bestehen oder zieht vor (was ggf. ja auch möglich ist).
- Ausgezeichnetes Material findet man übrigens in den Büchern von John Watson "Secrets of Modern Chess Strategy" und "Chess Strategy in Action" unter dem Stichwort/Kapitel "Surrender of the Centre". Die Texte sind jedoch nicht unbedingt für Anfänger geeignet - man sollte erstmal klassisch mit möglichst wenig Zentrumsaufgabe zu spielen lernen, bevor man sich mit modernen Ausnahmen(!) befaßt.
- Zum (vorläufigen) Schluß sei mir erlaubt, auf einen alten Thread bzw. darin enthaltene Posts von mir hinzuweisen: in http://www.schachmatt.de/13500-post24.html hatte ich ein bißchen für 1.e4 e5! als gute Eröffnung für jederman geworben und geschildert, wie man dort (4) strategisch ganz unterschiedliche Schwarzrepertoires aufbauen kann: wer dort nachliest, findet vielleicht etliche hier oben aufgeführte Gedanken zu Zentrumsspannung/ Liquidierung/ Strongpoint-Systemen wieder.

* * *

Sorry, Kresh, ich wollte Dir weder inhaltlich vorgreifen noch die Diskussion in eine bestimmte (von Dir vielleicht ungewünschte?!) Richtung lenken.
Aber wir sind halt ein freies und offenes Forum. Falls Du derlei Einlassungen (erstmal) nicht wünscht, schreib es ruhig [Bei KingOfComments Fragen-Thread z.B. halte ich mich auch (vorläufig) bewußt raus, obwohl es mich manchmal in den Fingern juckt ...] So gut wie Du mit den Diagrammen kann ich das auch gar nicht!

tracke

PS: Das Reti-Beispiel erinnerte mich daran, daß es natürlich auch Strongpoint-Verteidigungen gegen nichtklassische weiße Spielanfänge gibt, also z.B. die New-Yorker-/Capablanca-/Londoner-/Lasker-Systeme (c6-d5-e6-Lf5/g4) gegen Reti. Aber wie ich oben schon sagte, sollte man in einer prinzipiellen theoretischen Betrachtung (aber auch in seiner Anfänger-Spielpraxis!!) farbvertauschte Systeme erstmal ausschließen.

Geändert von tracke (12.11.2009 um 10:29 Uhr)
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #5 (permalink)  
Alt 11.11.2009, 18:44
maxquick
Forumsvollprofi
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Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 219
Super Beitrag! Weiter so!
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #6 (permalink)  
Alt 12.11.2009, 01:59
JRE
Aktiver
 
Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 44
Zitat:
Zitat von tracke Beitrag anzeigen
- Einen praktischen sollte man aber auch erwähnen:
Wer die Zentrumsspannung aufrechterhält, gibt seinem Gegner mehr Möglichkeiten!! Mehr Möglichkeiten fehlzutreten, aber auch mehr Möglichkeiten, den Spielverlauf selbst zu gestalten.
Und muß folglich selbst mehr Varianten berechnen (bzw. eröffnungstheoretisch vorbereiten), um für alle Fälle gerüstet zu sein: der Gegner tauscht oder läßt die Spannung bestehen oder zieht vor (was ggf. ja auch möglich ist).
Der stärkere Spieler hat den besseren Durchblick und von daher den besseren Überblick.

Wer die Spannung aufrecht erhält verleitet in diesem Fall den Gegner zu Fehlern.
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #7 (permalink)  
Alt 16.11.2009, 14:54
Kresh
Einsteiger
DWZ/Elo: 1880 CH-Elo
 
Registriert seit: 07.2009
Beiträge: 12
Das letzte Mal wollte ich zeigen, dass Spannungsauflösungen vor allem im Zentrum meistens schlecht sind und nur aufgelöst werden sollen, wenn Materialverlust droht oder aber man seine eigenen Figuren aktivieren kann. Natürlich kann die Figurenaktivität den Nachteil einer Zentrumsaufgabe nicht nur kompensieren sondern sogar übertreffen, was die gesamte Stellung verbessern würde. In diesem Beitrag wird eine weitere Regel wichtig sein nämlich: Flankenangriffe sollen im Zentrum gekontert werden. Möchte also eine der Seiten einen erfolgversprechenden Angriff am Königs/Damenflügel ausführen, muss er dafür sorgen, dass das Zentrum zuerst stabilisiert wird.

Tracke wollte unteranderem die französische Verteidigung erwähnt sehen. Also gut: Betrachten wir zuerst einmal die Abtauschvariante: 1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5 exd5. Weiss hat die Spannung aufgelöst, was laut unserer Regel ja nicht gut sein kann.



Der schwarze Läufer c8 wurde befreit und der weitere weisse Plan gegen den schwarzen Vorposten/Strongpoint d5 zuspielen, ist ineffektiv geworden, weil Schwarz nun über die zusätzliche Möglichkeit verfügt den Vorstoss c4 mit dxc4 zu kontern um Weiss einen Isolani zuverpassen. Hier erweist sich die Spannungsauflösung als eine Verbesserung der schwarzen Stellung. Weiss hat daher keine richtige Möglichkeit Druck gegen das schwarze Zentrum aufzubauen. Beide Seiten kontrollieren das Zentrum im gleichen Umfang. Schwarz kann mehr als zufrieden sein. In der Abtauschvariante hat es Weiss dem Schwarzen zu einfach gemacht einen Fuss ins Zentrum zu setzen. Zwar steht Weiss minimal besser (symmetrische Stellung und Weiss ist am Zug). Der eigentliche Vorteil des weissen Anzugs liegt jedoch in der Zentrumkontrolle. Weiss kann als Erster das Zentrum besetzten und schwarze Bauernvorstösse verhindern oder zumindest erschweren. Hier in der Abtauschvariante gibt es kein effektives Druckspiel gegen d5. Aus schwarzer Sicht ist die Abtauschvariante keine lästige Nebenvarianten sondern positionell das Beste auf das Schwarz hoffen kann!

Sollte es stattdessen Weiss gelingen den Schwarzen zum Abtausch auf e4 zu bewegen zum Beispiel 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 würde der e6-Bauer weiterhin den Lc8 einsperren, die Vorteile des Vorpostens auf d5 aber wären verloren.



Diese Stellung ähnelt stark der C-K Hauptvariante nur, dass hier Schwarz auf seinem schlechten Läufer c8 sitzten bleibt. Beide Seiten wollen daher einen Abtausch wenn möglich verhindern.

Betrachen wir nun die Hauptvariante: 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Der Springerzug Sc3 ist absolut logisch, verteidigt den Bauern e4 und erhöht gleichzeitig den Druck gegen d5! Die Spannung soll soweit gesteigert werden bis der Verlierer sie auflösen muss.



Schwarz verfügt über zwei Möglichkeiten die Spannung zu verstärken:

i) 3....Sf6 erhöht die Kontrolle über e4/d5 4.Lg5 erhöht indirekt den Druck gegen d5 und entlastet gleichzeitig e4. 4....Le7 (interessant ist zu sehen, dass 4....h6 am Druck gegen d5 scheitert! 5.Lxf6 Dxf6 und der d5 Bauer hängt und 5....gxf6 führt nach 6.exd5 exd5 zu einem isolierten Doppelbauern.) 5.e5 Weiss löst die Spannung auf mit einer ganz konkreten Idee: dem Abtausch seines Lg5 gegen den Le7.



5. ... Sfd7 6.Lxe7! Dxe7 Weiss hat seinen schwachen Läufer-g5, welcher durch die eigenen Bauern d4/e5 blockiert wurde gegen den starken, schwarzen Läufer abgetauscht. +/=

Will Schwarz seinen starken Läufer behalten, muss er das Zentrum aufgeben:

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 dxe4 5.Sxe4 +/=




ii) 3....Lb4 hat für mich immer wenig Sinn ergeben. Schwarz ist bereit das Läuferpaar aufzugeben und den starken Lf8 noch dazu. Es heisst man solle seine Springer vor seinen Läufern entwickeln, dass hat zwei Gründe: Erstens stehen die Läufer viel aktiver auf ihren Startfeldern im Vergleich zu den Springern und zweitens entstehen Schwächen bei der Entwicklung eines Läufers, so wie in der Winawer-Variante und Weiss nutzt das aus in den Dg4-Varianten.

Fazit: Schwarz scheint die Zentrumsspannungen nicht zu vertragen. Schwarz muss sich entscheiden, entweder gibt er sein Zentrum auf oder "opfert" seine stärkste Leichtfigur seinen Läufer-f8.

Nun gut bleibt die Frage zu klären, was das Ganze soll, wieso lässt sich den Schwarz auf diesen Spannungskrieg ein? Selbst wenn Schwarz die Spannungen im Zentrum überladen könnte, kann Weiss doch notfalls den Raumvorteil mit e5 einkassieren?!

Schwarz würde am liebsten sein Gegenspiel am Damenflügel einleiten mit c5. Doch solange die Situation im Zentrum nicht geklärt ist, scheint das nicht möglich zu sein. Zum Beispiel:

Schwarz greift sofort an:
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 c5? nun verliert Schwarz einen Bauern nach 4.exd5 exd5 5.dxc4 Sf6 6.Le3 +/-



Aber selbst wenn es gelingen würde, den Bauern c5 zurück zu gewinnen oder man würde den Vorstoss erst einmal vorbereiten. Könnte Weiss jederzeit mit dem Abtausch exd5 und dxc5 Schwarz eine ungünstig Bauernstrukutur verpassen.

Fazit: Schwarz zieht Raumnachteil gegenüber Spannungen vor um sein Gegenspiel am Damenflügel einleiten zu können. Weiss wartet ab und schliesst das Zentrum erst ab wenn Schwarz weitere Zugeständnisse macht. Solange die Spannung im Zentrum vorhanden ist, kann Weiss nach c5 die Spannungen auflösen(exd5 + dxc5) und trotzdem seine Bauernstruktur verbessern, weil Schwarz einen Isolani bekommt.

@Tracke: schreib ruhig soviel du willst . Ich will hier kein Selbstgespräch führen. Mir ist es wichtig meine Gedanken von einem stärkeren Spieler überprüfen zu lassen.

Kresh
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #8 (permalink)  
Alt 16.11.2009, 20:07
Fälix
Super GM des Forums
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 478
Klasse
sehr lehrreich!!!
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #9 (permalink)  
Alt 17.11.2009, 00:37
King of Comments
Totaler Kenner
DWZ/Elo: 2369
 
Registriert seit: 11.2008
Ort: Duisburg
Beiträge: 153
@ Kresh:

Deine ganzen Thesen machen einen recht dogmatischen Eindruck.

Zum Beispiel ist eine Auflösung der Spannung keineswegs automatisch nachteilig für denjenigen, der die Spannung auflöst. So ist die Variante 1.d4 d5 2.c4 dxc4 keineswegs schlecht für Schwarz, denn dieser kann durch die (Halb-)Öffnung der d-Linie Druck auf den weißen Bauern auf d4 ausüben und diesen noch durch ...c7-c5 und ...e7-e5 verstärken.


Auch die Sache nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 dxe4 5.Sxe4 ist gar nicht so klar vorteilhaft für Weiß, denn immerhin hat Weiß bei dem Tausch ebenfalls einen Bauern im Zentrum verloren, zudem kann Schwarz nach 5...Sbd7 6.Sf3 h6 zumindest ein Figurenpaar tauschen (es folgt 7.Sxf6+ Sxf6), was seinen leichten Raumnachteil erträglich macht. Zudem hängt immer noch der Gegenstoss ...c7-c5 in der Luft.


Des weiteren ist es keine unumstössliche Regel, die Springer vor den Läufern zu entwickeln. Nach z.B. 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 übt Schwarz sowohl Druck aufs weiße Zentrum aus (X e4) als auch auf den Sc3, der jetzt gefesselt ist. Zudem droht ein weißer Doppelbauer auf der c-Linie.
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #10 (permalink)  
Alt 19.11.2009, 20:15
Kresh
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Registriert seit: 07.2009
Beiträge: 12
@King of Comments

Zu 1.d4 d5 2.c4 dxc4: Du schreibst von der Kompensation nach 2...dxc4, viele Anfänger aber tauschen ihre Bauern automatisch und in vielen Fällen halt ohne jegliche Kompensation, weil sie es in verschiedenen Eröffnungen abgeschaut haben und die Kompensation dafür nicht gesehen oder verstanden haben. Deshalb habe ich auch, dass Beispiel der Rubinstein-Variante im Franzosen gebracht und wollte zeigen, dass die Zentrumsaufgabe NUR wegen der Rettung des Läufers f8 erfolgt und kein natürlicher Standardzug ist. Ob die Rubinstein-Variante nun Ausgleich für Schwarz bietet oder nicht, weiss ich nicht. (Da aber Bareev den Franzosen aufgegeben hat wohl eher nicht.) Du schreibst auch, dass das Ang.Damengambt nicht schlecht sei, nicht schlecht im Vergleich womit? Mit einer Strongpoint-Eröffnung wie Abgelehntes Damengambit oder Slawisch? Wie schon gesagt, die Bauernstruktur wird schlechter für Schwarz jedoch hat er Kompensation.

Zum Prinzip man solle seine Springer vor seinen Läufern entwickeln:
Ich denke, dass Prinzipien im Endeffekt nur dazu da sind die Bedenkzeit richtig/besser einzusetzen! Jedesmal wenn ich gegen ein Prinzip verstossen will wegen einer konkreten Idee, sollte ich zusätzliche Zeit investieren um abzuschätzen ob die Risiken es wert sind. Konkretes Denken ist sicher einem dogmatischen Denken überlegen, aber häufig wegen begrenzter Zeit nicht realisierbar. Im Franzosen ist 3....Lb4 sicher ein absolut logischer Zug, weil er die Spannungen im Zentrum verschärft. Das der Doppelbauer auf c die Schwächung des g7 Bauerns kompensiert, kann durchaus sein.

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 dxe4 5.Sxe4 Sbd7 6.Sf3 h6 7.Sxf6 Sxf6 8.Le3! und der Vorstoss c5 ist wohl nicht so einfach spielbar.



Hab zwei interessante Partien gefunden aus diesem Jahr sogar:

http://www.365chess.com/search_resul...xe3&order=welo

Gashimov, V - Akobian, V (2009)
Naiditsch, A - Akobian, V (2009)

Kresh
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  Die ultimative Strategie: Stelle deine Bauern ins Zentrum! UND halte sie dort!! Beitrag #11 (permalink)  
Alt 20.11.2009, 11:52
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Zitat:
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@King of Comments

Zu 1.d4 d5 2.c4 dxc4: Du schreibst von der Kompensation nach 2...dxc4, viele Anfänger aber tauschen ihre Bauern automatisch und in vielen Fällen halt ohne jegliche Kompensation, weil sie es in verschiedenen Eröffnungen abgeschaut haben und die Kompensation dafür nicht gesehen oder verstanden haben.
Ja gut, aber muß man deshalb ernsthaft behaupten daß man um jeden Preis einen Stützpunkt im Zentrum halten muß?

Auf z.B. 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 ist 3...exd4 wahrscheinlich der beste Zug. Immerhin verlieren beide Seiten einen Zentrumsbauern und Schwarz kann nach 4.Sxd4 entweder mit 4...Sf6 das Zentrum attackieren oder mit 4...Lc5 Spiel auf den schwarzen Feldern suchen.

Zitat:
Zitat von Kresh Beitrag anzeigen
Deshalb habe ich auch, dass Beispiel der Rubinstein-Variante im Franzosen gebracht und wollte zeigen, dass die Zentrumsaufgabe NUR wegen der Rettung des Läufers f8 erfolgt und kein natürlicher Standardzug ist. Ob die Rubinstein-Variante nun Ausgleich für Schwarz bietet oder nicht, weiss ich nicht. (Da aber Bareev den Franzosen aufgegeben hat wohl eher nicht.)
Velleicht hat Bareev es nur drangegeben, weil die Stellungen seinem Geschmack nicht mehr entsprechen. Mit rein objektiven Aspekten muß seine Entscheidung nicht unbedingt was zu tun haben. Fest steht nämlich auch, daß es einige starke Spieler gibt, welche Rubinstein (zumindest nach 3.Sc3 Sf6 4.Lg5) im Repertoire haben. Georg Meier zum Beispiel, der damit erstaunlich erfolgreich ist.

Zitat:
Zitat von Kresh Beitrag anzeigen
Du schreibst auch, dass das Ang.Damengambt nicht schlecht sei, nicht schlecht im Vergleich womit? Mit einer Strongpoint-Eröffnung wie Abgelehntes Damengambit oder Slawisch? Wie schon gesagt, die Bauernstruktur wird schlechter für Schwarz jedoch hat er Kompensation.
Angenommenes Damengambit ist für Schwarz wahrscheinlich völlig spielbar und wohl genauso stark wie abgelehntes Damengambit oder Slawisch. Immerhin empfiehlt Jussupow diese Eröffnung in einem seiner Tigersprung-Bände und das sagt schon etwas aus.

Zitat:
Zitat von Kresh Beitrag anzeigen
Zum Prinzip man solle seine Springer vor seinen Läufern entwickeln:
Ich denke, dass Prinzipien im Endeffekt nur dazu da sind die Bedenkzeit richtig/besser einzusetzen! Jedesmal wenn ich gegen ein Prinzip verstossen will wegen einer konkreten Idee, sollte ich zusätzliche Zeit investieren um abzuschätzen ob die Risiken es wert sind. Konkretes Denken ist sicher einem dogmatischen Denken überlegen, aber häufig wegen begrenzter Zeit nicht realisierbar.
Diese Prinzipien sind keine in Stein gemeisselten Naturgesetze; selbst Steinitz, der Begründer der Positionslehre, hat seine Thesen/Lehrsätze nur als vorläufigen Entwurf angesehen.

Ums konkrete Rechnen kommt man meist eh nicht herum, ob man nun den Prinzipien folgt oder nicht. Zeiteinteilung ist Übungssache und dogmatisches Denken erleichtert diese Einteilung nicht unbedingt, weil man erstens ständig die Lehrsätze memorieren muß und zweitens ausbaldowern, welche(r) von denen nun genau angewendet werden muß/müssen.

Zitat:
Zitat von Kresh Beitrag anzeigen
Im Franzosen ist 3....Lb4 sicher ein absolut logischer Zug, weil er die Spannungen im Zentrum verschärft. Das der Doppelbauer auf c die Schwächung des g7 Bauerns kompensiert, kann durchaus sein.
Bis jetzt ist zumindest noch kein Gegenbeweis angetreten worden. Jedenfalls hat man mit 3...Lb4 nicht mehr Probleme als mit der "Tarrasch-Variante" 3...Sf6.

Zitat:
Zitat von Kresh Beitrag anzeigen
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 dxe4 5.Sxe4 Sbd7 6.Sf3 h6 7.Sxf6 Sxf6 8.Le3! und der Vorstoss c5 ist wohl nicht so einfach spielbar.



Hab zwei interessante Partien gefunden aus diesem Jahr sogar:

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Gashimov, V - Akobian, V (2009)
Naiditsch, A - Akobian, V (2009)

Kresh
Die von dir angegebene Variante ist wohl mit das giftigste, was Weiß dagegen spielen kann. Allerdings kann Schwarz mit 8...Sd5 wohl ganz gut gegenhalten. Auch hier gilt: man weiß es nicht genau.
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