Ich muß zugeben - nein, kein bestimmtes Schema oder System. M.E. müssen hier Positionsgefühl und Intuition Platz greifen. Natürlich muß man es dann "konkret", insbesondere taktisch-kombinativ überprüfen, und manchmal gibt eh der Gegner durch Drohungen - die man hoffentlich erkannte oder auch nicht - vor, worum man sich zu kümmern hat.
Ich habe mir allerdings vor langer Zeit einmal ein vierstufiges Schema erstellt, das die anderen "Phasen" vor und nach der konkreten Zugauswahl behandelt, und bei ständiger Anwendung die meisten Patzer und typischen Fehler verhindern sollte. Also z.B., alle Auswirkungen des eben erfolgten Gegnerzuges wirklich bewußt aufspüren: Scheinbar harmlose "Normalzüge" verleiten dazu, unterschätzt zu werden oder daß man versteckte, evtl. auch günstige neue Möglichkeiten übersieht. (Nur um ein Beispiel zu nennen; J.Waitzkin beschreibt es im Chessmaster mit
"look what he has left behind").
Tarrschs Empfehlung, sinngemäß
"suche auch immer den zweitbesten Zug, er könnte sich als der noch bessere erweisen" habe ich dort auch eingebaut, aber selten angewandt.

Das alles ist leider dermaßen mühsam bzw. langweilig, daß ich es noch nie so richtig durchgehalten habe. Könnte ich das, so wäre meine Schachleistung sicherlich deutlich höher. Aber ich spiele ja fast nur Internet-Blitzpartien zum Spaß. So mache ich halt manchmal Fehler von denen ich weiß: Mit meinem Denkphasen-Schema wäre das nicht passiert!