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Schach - Mittelspiel

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  Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev Beitrag #1 (permalink)  
Alt 31.08.2006, 17:08
akrde
Neuling
 
Registriert seit: 12.2005
Beiträge: 3
Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev

Hallo Schachfreunde,

die Felderstrategie von Alexander Bangiev wird sehr oft und sehr vehement kritisiert, meiner Meinung nach zu Unrecht.

Gerade für Anfänger, aber auch für Fortgeschrittene Spieler bietet die Methode soviel schachliches Verständnis in kompakter Form, was mir noch in keinem Lehrbuch / keiner Lehr-CD begegnet ist.

Da wäre zum Beispiel:

- Erkennen der starken / schwachen Felder
- Bedeutung der Zentrumsfelder
- Läufer gegen Springer
- Bedeutung des weißfeldrigen / schwarzfeldrigen Läufers
- Entscheidung für Königsangriff oder Endspiel
- Entscheidung für Angriff oder Verteidigung
- Entwickeln von Ideen und Plänen
- Ausschalten des Verteidigers
- Prinzip der zweiten Schwäche
- Ausnutzen der Schwächen auf c2/f2 bzw. c7/f7
- Raumkontrolle

Wahrscheinlich bietet die Methode noch viel mehr, was man wohl erst durch langes und intensives Trainieren erkennen wird.

Alle Themen erschließen sich in sich geschlossen und logisch automatisch über die Felderstrategie von Herrn Bangiev.

Das wichtigste für mich:

Ohne eine strukturierte Denktechnik wie die von Bangiev sind viele in ihren Partien hoffnungslos verloren. Die Augen wandern von einer Figur zur nächsten, man ist immer damit beschäftigt, Varianten durchzurechnen ohne konkrete Anhaltspunkte, ob das etwas bringt oder nicht.

Bangiev geht gerade den anderen Weg: die Stellung wird immer wieder nach demselben Schema beurteilt; hierüber finde ich dann ein paar Kandidatenzüge, die ich dann für die Auswahl des richtigen Zuges berechnen muß.

Der Unterschied: die Kandidaten-Züge, die ich durch die B-Methode gefunden habe und berechnen muß, ergeben in der vorliegenden Stellung alle schon einen Sinn. Meine Gedanken wandern also nicht ziellos von einer Figur zur nächsten, und es werden keine sowieso für die aktuelle Stellung unsinnige Varianten durchgerechnet.

Wieso kann eine solche Methode und insbesondere klar strukturierte Denkweise schlecht sein? Nur weil Herr Bangiev manchmal wie ein "zerstreuter Professor" seine Überlegungen etwas wirr oder manchmal auch mit Flüchtigkeitsfehlern behaftet zu vermitteln versucht?

Ich denke nicht! Was meint ihr unter Berücksichtigung dieser Aspekte?

Viele Grüße

Andreas
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  Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev Beitrag #2 (permalink)  
Alt 31.08.2006, 17:23
Milian
Kenner
 
Registriert seit: 06.2005
Beiträge: 127
Ich kann nur für mich sprechen, und ich kenne die B-Methode nur aus dem Forum und diversen Rezensionen.
Mir scheint es, dass die Methode dazu führt, dass man sich auf ein paar Züge konzentriert, und andere Möglichkeiten nicht mehr in Erwägung zieht.
Durch die B-Methode habe ich noch keinen Zug entdeckt, den ich nicht auch so gefunden hätte. Auf der anderen Seite werden aber scheinbar viele gute Züge durch diese Methode nicht gefunden.
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  Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev Beitrag #3 (permalink)  
Alt 31.08.2006, 17:41
DKopp
Sehr Aktiver
 
Registriert seit: 05.2006
Beiträge: 51
...

ich beglückwünsche dich dazu, dass du mit der b-methode so wunderbar zurecht kommst.

da ich im moment keine lust auf einen weiteren streit über die methode vom zaun zu brechen, verweise ich auf threads, in denen ich mich bereits ausführlich geäußert habe:
a
b

Geändert von DKopp (31.08.2006 um 17:56 Uhr)
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  Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev Beitrag #4 (permalink)  
Alt 31.08.2006, 21:08
akrde
Neuling
 
Registriert seit: 12.2005
Beiträge: 3
Ich habe nicht behauptet, das ich mit der Felderstrategie wunderbar zurecht komme. Das hast du nur so interpretiert! ;-)

Aber ich bin ein Fan von der Methode, da diese zielgerichtete Gedanken produziert!

Was ich einfach nur noch mal zur Diskussion stellen wollte:

Ist Bangievs B-Methode als Denktechnik / Denkprozess wirklich so schlecht wie alle behaupten, oder sehen auch andere die vielen positiven Aspekte und Ansätze seiner strukturierten Denk-Idee?

Schafft die Methode, entgegen aller Kritik, nicht bei vielen schachlichen Themen (siehe meine Auflistung) eine Klarheit und Logik, die andere Schachautoren nie vermittelt bekommen?

Wenn man in klassische Lehrbücher schaut wird man erschlagen mit positionellen Merkmalen, die man bei der Stellungsuntersuchung prüfen soll. Andere wieder schlagen vor, hauptsächlich Taktik zu trainieren, um aus dem Gedächtnis heraus blitzschnell eine Zugentscheidung hervorzukramen. Letzteres hat mit Schach dann meiner Meinung nach nichts mehr zu tun.

Dann kommen die ganzen vielfältigen Eröffnungen, von denen man die ganzen Ideen lernen und verstehen muß. Auch hier ist vielfach echtes Auswendiglernen angesagt, bevor man einigermaßen vernünftig in Partien mit den verschiedensten Eröffnungen hineinkommt.

Das alles wird durch die Felderstrategie meiner Meinung nach deutlich vereinfacht, da in allen Partiephasen zielgerichtet anwendbar.

Und nebenbei lernt man wirklich Schach und seine innere Logik!

P.S.: Gibt es hier nur Gegner der Methode oder auch Leute, die sich als Fans outen? Von diesen wüßte ich dann mal gerne, was euch an Bangievs Ideen am besten gefällt bzw. wie ihr das Ganze bewertet. Natürlich sind auch die Gegner aufgefordert, weiter mitzudiskutieren... ;-)

Viele Grüße

Andreas
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  Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev Beitrag #5 (permalink)  
Alt 31.08.2006, 21:34
Milian
Kenner
 
Registriert seit: 06.2005
Beiträge: 127
Also, ich stehe der Methode recht neutral gegenüber. Ich halte sie nicht für abwegig, aber ich brauche sie auch nicht.

Vielleicht, wenn man noch Schwierigkeiten hat, Stellungen zu analysieren und noch kein Positionsgefühl entwickelt hat, kann die Methode sehr hilfreich sein.
Wenn man ein einigermaßen zuverlässiges Positionsgefühl entwickelt hat, braucht man die Methode wohl eher nicht.

Ich stimme Dir (und Bangiev) aber zu, dass das Training (und damit die Entwicklung) des schachlichen Denkens bisher in der Literatur recht stiefmütterlich behandelt wurde, und der Versuch, das zu ändern legitim ist.

ABER!:

Zitat:
Zitat von akrde
Und nebenbei lernt man wirklich Schach und seine innere Logik!
Das halte ich für einen Trugschluss. Das vereinfacht und reduziert das Schach einfach viel zu sehr. Die "Art zu Denken" ist ein Aspekt der schachlichen Entwicklung; es gibt aber noch eine Menge anderer Aspekte. Wissen, Erfahrung, Kreativität und Intuition seien nur mal genannt.

Gerade das ist es doch, was das Schachspiel so interessant macht. Ist es Kunst oder Wissenschaft? Sport oder Spiel? Logik oder Gefühl? Es ist von allem etwas, alles zugleich. Die B-Methode reduziert das schachliche Denken auf wenige Aspekte; andere Ansätze sind aber genauso wichtig und können auch zu guten Ergebnissen kommen. Ich denke, es hängt vom Typ, von der Spielanlage und den eigenen Vorlieben ab.

Der Mangel an Literatur zum Thema "Denktechnik" mag auch damit zusammenhängen, dass schachliches Denken eben sehr komplex und facettenreich ist, und deshalb schwer in leichtverdauliche Häppchen zu zerlegen ist, wie es Bangiev versucht.

Ich halte seine Absicht für löblich, das Unterfangen insgesamt aber für aussichtslos.
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  Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev Beitrag #6 (permalink)  
Alt 31.08.2006, 22:12
Aaron_N.
Sehr Aktiver
DWZ/Elo: 1774 Elo
 
Registriert seit: 01.2006
Beiträge: 65
Zitat:
Zitat von akrde
Da wäre zum Beispiel:

- Erkennen der starken / schwachen Felder
- Bedeutung der Zentrumsfelder
- Läufer gegen Springer
- Bedeutung des weißfeldrigen / schwarzfeldrigen Läufers
- Entscheidung für Königsangriff oder Endspiel
- Entscheidung für Angriff oder Verteidigung
- Entwickeln von Ideen und Plänen
- Ausschalten des Verteidigers
- Prinzip der zweiten Schwäche
- Ausnutzen der Schwächen auf c2/f2 bzw. c7/f7
- Raumkontrolle

Wahrscheinlich bietet die Methode noch viel mehr, was man wohl erst durch langes und intensives Trainieren erkennen wird.

Alle Themen erschließen sich in sich geschlossen und logisch automatisch über die Felderstrategie von Herrn Bangiev.

Das wichtigste für mich:

Ohne eine strukturierte Denktechnik wie die von Bangiev sind viele in ihren Partien hoffnungslos verloren. Die Augen wandern von einer Figur zur nächsten, man ist immer damit beschäftigt, Varianten durchzurechnen ohne konkrete Anhaltspunkte, ob das etwas bringt oder nicht.
Hallo!
Ich sehe das genau so wie du!
Negative Meinungen über die B-Methode beziehen sich eigentlich nur auf die Taktik-CD - dabei gibt es schon aktuelleres und besseres wie auf der Mittelspiel-CD, von der deine Aufzählungen stammen.
Ich habe auch einige Bücher gelesen oder CDs durchgearbeitet, aber nichts kann alles so einfach erklären wie die B-Methode - besonders die Mittelspiel-CD ist einfach super (Zweiverteidiger-Prinzip usw.)
Es ist natürlich klar, dass man die Methode nicht immer umzusetzen versteht, aber mit jedem training wird es immer besser.
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  Denktechnik "Felderstrategie" von Bangiev Beitrag #7 (permalink)  
Alt 01.09.2006, 10:36
Gast6247
Gast
 
Beiträge: n/a
Die aufgelisteten Punkte gehören doch zur allgemeinen Schachstrategie und werden in guten Strategiebüchern behandelt. Das Wissen über die Strategie kann man sich je nach Bedarf sukzessive von den Grundsätzen bis zu sehr komplizierten Aspekten aneignen.

Als Bücher müssten m. E. (unter 1500 DWZ) erst einmal ausreichen:

1) "Meister gegen Amateur" von M. Euwe für das allgemeine Schachverständnis und die Zusammenhänge der einzelnen Aspekte
2) "Das systematische Schachtraining" von S. Samarian" für die einzelnen Aspekte der Schachstrategie
3) "Angriff und Verteidigung" von Hans Müller für die Zusammenhänge zwischen Strategie und Taktik und den Aspekt 'Königsangriff '

Der Aspekt "Variantenberechnung nach Kotov" wird bei 2) angesprochen. Was fehlt, ist allerdings das finden von Kandidaten-Zügen. Dies scheint aber auch "nur" eine Sache der festen Gewohnheiten zu sein, es stehen wohl einige Methoden wie das Suchen aller Schlag- und Schachfälle im ersten Schritt zur Verfügung.

Zur B-Methode:
Als werdener Ingenieur wende ich gerne einfache Modelle und darauf basierende Methoden an, die aber immer nur unter gewissen Voraussetzungen, die man gut kennen sollte, gelten. Als Beispiel hierfür sei die lineare Regelungstechnik genannt. Da Schach ein Spiel der (praktisch gesehen) unendlich vielen Möglichkeiten ist, können Regeln wie z. B. "Der Turm gehört hinter den Freibauern!" auch nie allgemeingültig sein. Versucht man nun eine Theorie aufgrund allgemeiner Prinzipien zu entwickeln, wird man immer wieder auf Beispiele treffen, bei denen die Theorie versagt, wie auch bei der B-Methode. Der große Unterschied zur Technik ist, dass die Voraussetzungen zur Anwendunge solcher Methoden beim Schach oft nicht oder nur schwer zu formulieren sind. 3 CDs B-Methode + (vielleicht etwas übertrieben) 100 volle DVDs mit Voraussetzungen kann ja auch nicht Sinn der Sache sein.
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