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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 1 ( permalink)

05.06.2006, 23:45
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-(
Hallo!
Hoffe, ich habe das richtige Unterforum gewählt. 
Eines ist mir schon lange und immer wieder bei eigenen Partien aufgefallen: Wenn ich nach der Eröffnung (vornehmlich mit Weiß!) eine bequeme Stellung erreicht habe mit Raumvorteil o. ä., der Gegner aber keine wirklichen Schwächen, verliere ich sehr oft den Faden und meist dann auch die Partie.
Es sind Stellungen, die wohl gemeinhin als += bewertet werden, wegen Raumvorteil größerer Figurenaktivität, Zentrumsbesetzung usw.
Auch wenn ich ganz genau weiß, dass ich in solchen Stellungen einerseits nichts über's Knie brechen darf, andererseits aufpassen muss, dass sich mein Vorteil nicht verflüchtigt oder Schwarz zu Gegenspiel kommt und mich in der Partie gerade in solchen Stellungen auch immer dazu mahne, acht zu geben und konsequent zu spielen, kommt oft nur Müll raus: Züge, die ich bei der Analyse nach der Partie überhaupt nicht mehr verstehe, Züge, die nicht Fisch und nicht Fleisch sind oder gar Züge, die dem Gegner in die Hände spielen. Obwohl ich doch gerade das vermeiden will.  Zudem ist mein Zeitverbrauch in solchen Stellungen oft sehr groß.
Villeicht ist durch mein häufiges totale Versagen in solchen Stellngen auch mein katastophales Score gegen Pirc und Königsfianchetto (3/14 gegen einigermaßen gleichstarke Gegner, eine Gewinnpartie hätte ich dazu noch verlieren müssen) zu erklären?! Denn oft - wenn ich nicht schon in der Eröffnung ungenau spiele - kommt dabei eine bequeme Stellung für Weiß raus.
Vielleicht ist es noch wichtig zu erwähnen, dass ich im Blitzen derartiege Probleme bei mir nicht beobachten konnte. Auch mein Score gegen Pirc/Königsfianchetto dürfte da einigermaßen OK sein. Allerdings tu ich mich im Blitzen in gedrückten und/oder schlechteren Stellungen schwer, während in einer Turnierpartie gerade in schlechter Stellung (zu Beginn des Mittelspiels) mein Kampfgeist erwacht.
Noch eine Hintergrundinformation: Im allgemeinen spiele ich unternehmungslustig, meine Stärken sehe ich mehr im taktischen Bereich. Obgleich ich auch ein paar strategische Kenntnisse habe. Rein positionell lege ich eine Partie aber nur an, wenn es unbedingt sein muss. Denn wenn ich versuche positionell zu spielen, übersehe ich oft taktische Tricks des Gegeners. Ich spiele auch gerne (mit einigem Erfolg) Gambits, aber nicht total unsolide Sachen. Die Stellungen, in denen ich mich so schwer tue, entstehen in der Regel aber nicht aus Gambits und haben eher ruhigen-strategischen Charakter.
Frage: geht es einigen anderen auch so? Was kann man gegen eine solche Schwäche tun? Mittlerweile bin ich fast schon geschockt, wenn ich nach der Eröffnung eine solche "bequeme" Stellung bekomme, über die sich andere freuen würden. 
Ich bin für jeden Ratschlag dankbar!
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 2 ( permalink)

06.06.2006, 19:26
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Aktiver
DWZ/Elo: ~2000
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Ich glaube, du darfst das nicht so überbewerten. Es ist nun mal so, dass auf unserem Niveau (2000 und weniger) ein += nach Fritz oder Eröffnungsbuch so gut wie nichts aussagt. Wir machen so viele "zweitbeste" Züge, die die Bewertung von += nach =+ (sogar von +- nach -+) und wieder zurück verschieben.
Wenn du viele Partien spielst, immer etwa dieselben Eröffnungen auf dem Brett hast (und die Partien auch analysierst), wirst du mit der Zeit die Stellungen immer besser kennen und wissen welche Möglichkeiten/Pläne du hast, auf welche Drohungen des Gegners du achten musst etc. Dann kann vielleicht ein += auch mal langfristiger sein...
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 3 ( permalink)

06.06.2006, 19:36
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Garry des Forums
DWZ/Elo: 2052 / 2053
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Registriert seit: 02.2005
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So ähnlich gehts mir auch gegen die Moderne Verteidigung. Ich informier mich meistens vorher darüber, was mein Gegner spielt und weich dann einfach auf 1.f4 aus 
Vll. wäre da ne Zweiteröffnung gar nicht mal so schlecht? Vielleicht spielst du auch stets Eröffnungen, die dich in Stellungen bringen, die dir nicht liegen. Hatte ich mal mit Katalanisch
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 4 ( permalink)

07.06.2006, 01:52
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Sehr Aktiver
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Registriert seit: 03.2006
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Zitat:
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Zitat von Zee4
So ähnlich gehts mir auch gegen die Moderne Verteidigung. Ich informier mich meistens vorher darüber, was mein Gegner spielt und weich dann einfach auf 1.f4 aus 
Vll. wäre da ne Zweiteröffnung gar nicht mal so schlecht? Vielleicht spielst du auch stets Eröffnungen, die dich in Stellungen bringen, die dir nicht liegen. Hatte ich mal mit Katalanisch
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Naja, es ist ja nicht nur bei Pirc/Königsfianchetto so. Aber gerade diesen Eröffnungen kan man kaum ausweichen. 1. g6 kann auf fast alles gespielt werden.  Ich spiele mal 1. e4 mal 2. d4. Kommt drauf an, was der Gegner gewöhnlich zieht und wie meine Stimung ist. 1. f4 ziehe ich nur, wenn ich ziemlich sicher weiß, dass mein Gegner Fromms Gambit darauf spielt, um ihn mit 1. f4?! e5!? 2. e4! ins Königsgambit zu zwingen. Für anderes als e4 oder d4, wie Englisch oder Reti, spiele ich noch viel zu schwach. Problematisch sind für mich so ziemlich alle Eröffnungen, in denen Schwarz einen sehr passiven Aufbau wählt oder einen minderwertigen Zug einbaut.
@moenu: es ist wohl leider kein statistischer Zufall. Ich bin die Partien, die ich früher gespielt habe, noch mal durchgegangen. Ich hatte es auch in Erinnerung, dass ich eine hohe Verlustquote habe, wenn mein Gegner sich passiv oder unorthodox aufbaut. Hauptsächlich, wenn es sich um gleichstarke oder etwas schwächere Gegner handelt. Ich habe die Partien (viele sind älter als 6 Jahre) damals nicht mit Schachprogrammen analysiert, teilweise aber mit z.T. stärkeren Menschen. Die haben dann Züge kritisiert, die ich nach (oder noch während der Partie) selbst nicht gut fand und bei denen mir unbegreiflich war, dass und weswegen ich sie spielte.
Geändert von Minos (07.06.2006 um 02:03 Uhr)
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 5 ( permalink)

07.06.2006, 02:04
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Forumsprofi
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Ich empfehle folgenden Thread: Wie findet man Ideen?
mfg Jay
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 6 ( permalink)

07.06.2006, 12:25
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Echter Kenner
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mal darüber nachgedacht, dass du zuwenig Strategieverständnis haben könntest? eröffnungswissen ist nur ein kleiner Krümel vom Schachkuchen!
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 7 ( permalink)

07.06.2006, 14:21
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Sehr Aktiver
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Zitat:
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Zitat von Geck0tierchen
mal darüber nachgedacht, dass du zuwenig Strategieverständnis haben könntest? eröffnungswissen ist nur ein kleiner Krümel vom Schachkuchen!
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Ein gewisses Maß an Strategieverständnis billige ich mir schon zu. Auch wenn ich im großen und ganzen keine Anhnung vom Schach habe  . Zumindest weiß ich mittlerweile aber in den meisten Positionen, welche Pläne beide Parteien anstreben sollten. Das funktioniert in Stellungen, in denen ich ausgeglichen oder schlechter stehe auch oft ganz gut. Nur nicht, wenn ich besser oder bequemer stehe. Oft weiß ich ganz genau, was ich verhindern oder erschweren muss, aber irgendwie kann ich es oft nicht verhindern, bzw. spiele meinem Gegner noch in die Hände bei Durchsetzung seiner Ziele.
Im übrigen sehe ich mich nicht als "Theorie-Hai". Manchmal weiß ich schon im 5. oder 6. Zug nicht genau, was Theorie ist. Lediglich einige Varianten des angenommenen Königsgambits und des orthodoxen Damengambits sowie Französisch kenne ich einigermaßen. Zudem vergesse ich immer schnell. Gerade bei Eröffnungen wie Pirc, Königsfianchetto, Philidor-Verteidigung, Abgelehntes KG mit 2....d6 usw. kenne ich kaum Theorie (ich hielt es bisher für nicht so sehr erforderlich). Genau die führen aber oft zu den von mir gefürchteten Stellungen. Vielleicht ist es umgekehrt und ich kenne zu wenig Theorie und sollte mich mit diesen Eröffnungen speziell mal sehr intensiv befassen?
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 8 ( permalink)

07.06.2006, 15:15
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alter Hase
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ich kann verschiedene Erklärungen für das Phänomen anbieten, die sicher nicht alle zutreffen.
1. Der Gegner kennt sich in "seiner" Eröffnung gut aus. Typische Pircspieler stehen ständig gedrückt, sind das gewohnt. Sie haben derartige Positionen schon oft gespielt und verstehen es, kleine Fehler auszunutzen und so ihre Stellung zu stärken. Im Gegensatz dazu kennst Du die Ideen der gegnerischen Eröffnung wenig/oberflächlich bis gar nicht.
2. Deine Vorteile sind dynamischer Natur. Obwohl Du objektiv besser stehst, sind langfristige Stellungsmerkmale (Bauernstellung, Linien) auf der Seite des Gegners. Wenn Du den richtigen Zeitpunkt verpasst, Dein Bauernzentrum oder Deinen Entwicklungsvorsprung auszunutzen, ist der Vorteil dahin. Mitunter muss man dabei auch Opferwendungen einkalkulieren, um den Vorteil nicht einzubüssen.
3. Du glaubst, nach 1. e4 a6 auf Gewinn zu stehen. Tust Du aber nicht. Die Folge ist Überheblichkeit oder übertriebenes Spiel auf Gewinn.
4. Durch die positionelle Art des Vorteils glaubst Du, diesen unbedingt positionell und ohne Risiko durchsetzen zu können. Häufig versäumt man dann gerade die kleinen Knock-Out-Taktiken, die die Vorteilsverwertung erleichtern. Oder rechnet selbst nicht mit kleinen Zweizügern, weil man zu sehr auf seine überlegene Position vertraut.
5. Du denkst (nach einem Spiel wie bei 4.), dass Dein vorteil auf Teufel komm raus gewinnbringend verwertet werden muss. Machst einen flotten Königsangriff (unter Bauernopfer) der gerade so abgewehrt wird, und verlierst das Endspiel. Die nächste Partie wird dann wieder wie bei 4. angelegt.
6. Du willst bei jedem Zug eine eierlegende Wollmilchsau entkorken. Den Druck verstärken, ohne dem Gegner ein Gegenspiel einzuräumen. Alle Figuren am Königsflügel versammeln, ohne dass der Damenflügel angreifbar wird. e5 ziehen, ohne dass d5 schwach wird. Das geht nicht. Das frisst viel Zeit. Am Ende ziehst du vielleicht Sc3-d1 oder Kg1-h1. Züge, die den Schwarzen einladen, aus dem Loch zu kommen. Wenn du dann schon in Zeitnot bist, wird ganz schwer.
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 9 ( permalink)

07.06.2006, 23:00
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Sehr erfahrener Benutzer
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Zitat:
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Zitat von Minos
Problematisch sind für mich so ziemlich alle Eröffnungen, in denen Schwarz einen sehr passiven Aufbau wählt oder einen minderwertigen Zug einbaut.
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Na freu Dich doch! Wenn Schwarz passiv spielt und dabei noch minderwertige Züge macht, wie kann man solche Partien noch verlieren?
Verpass ihm zwei Schwächen und dann drück ihn gnadenlos aus
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 10 ( permalink)

07.06.2006, 23:18
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Sehr erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: ELO 2070
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@Minos
Zur Ergänzung und die Moderene Verteidigung betreffend:
Als Schwarzer kannst du dir passives Spiel besonders in dieser, sowie in jeder anderen Eröffnung nicht erlauben - den Igel vielleicht ausgenommen.
Im Pirc/Modern-Defense-Komplex leidet Schwarz bei passiver Verteidigung an Raummangel und das ist gegen starke Spieler verheerend und du bist als Schwarzer einfach auf der Verliererstraße.
Was Dir anscheinend Probleme bereitet, ist wenn Schwarz abwartet und laviert, mit der Rochade abwartet, wohin Du rochierst etc. Schildere einmal ein paar Varianten, welche Dir Probleme bereiten
Gegen Pirc/ModerneV. gibt es einige gute Varianten, je nach Geschmack und Vorlieben der Weißspieler.
Ich spiele selber als Schwarzer die Moderne V. Wenn ich Weiß habe, spiele ich gegen Pirc/MOdern am liebsten den sogenannten 150-Angriff -
1.d4 ~ 2.e4 (oder umgekehrt) 3.Sf3 ~ 4.Sc3 ~ 5.Le3 ~ 6.Dd2 ~ und dann, jenachdem was Schwarz erwidert, entweder lang rochieren mit Lh6 und h4 - h5 versuchen die H-Linie zu öffnen schwarzen L gegen den Rochadeläufer zu tauschen und dann irgendwie matt setzen, oder auch kurz rochieren mit der Idee, gegen a6 - b5 Lb7 von Schwarz mit a4 dagegenzuhalten und Schwarz positionell zusammenzuschieben.
Letztendlich muss Schwarz höllisch aufpassen, es gibt ein paar ganz gefährliche Zugfolgen, auf die ich als Schwarzer auch noch keine Antwort gefunden habe und es wird der Bessere gewinnen, oder wer das bessere Verständnis der Positionen hat.
MfG frillo
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 11 ( permalink)

08.06.2006, 00:36
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Zitat:
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Zitat von Honk
ich kann verschiedene Erklärungen für das Phänomen anbieten, die sicher nicht alle zutreffen.
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Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Einige der Punkte dürften zutreffen, d. h. dass ich - zumindest unterbewußt - in solchen Stellungen so denke
Zitat:
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1. Der Gegner kennt sich in "seiner" Eröffnung gut aus. Typische Pircspieler stehen ständig gedrückt, sind das gewohnt. Sie haben derartige Positionen schon oft gespielt und verstehen es, kleine Fehler auszunutzen und so ihre Stellung zu stärken. Im Gegensatz dazu kennst Du die Ideen der gegnerischen Eröffnung wenig/oberflächlich bis gar nicht.
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Das mag sicherlich oft zutreffen, weil ich solche Systeme überhaupt nicht mag und daher selbst nicht spiele. Aber was kann man dagegen tun? Selbst in Trainingspartien solche Eröffnungen ausprobieren?
Zitat:
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2. Deine Vorteile sind dynamischer Natur. Obwohl Du objektiv besser stehst, sind langfristige Stellungsmerkmale (Bauernstellung, Linien) auf der Seite des Gegners. Wenn Du den richtigen Zeitpunkt verpasst, Dein Bauernzentrum oder Deinen Entwicklungsvorsprung auszunutzen, ist der Vorteil dahin. Mitunter muss man dabei auch Opferwendungen einkalkulieren, um den Vorteil nicht einzubüssen.
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Genau das empfinde ich als schwierig. Zu früh sollte man seine Mittelbauern ja auch nicht voranziehen. Mir ist desöfteren schon pasiiert, dass danach meine Stellung rasch zusammenfiel. Andererseits mußte ich mir in anderen Partien auch schon den Vorwurf gefallen lassen, ich hätte im Zentrum nicht konsequent gespielt und einen Vorstoß wie e4-e5 bei guter Gelegenheit ausgelassen. Wie man's macht, macht man's verkehrt.  Ich bin immer mehr verunsichert, wenn sich so ein Vorstoß anbietet, rechne sehr weit und verbrauche viel Zeit.
Zitat:
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3. Du glaubst, nach 1. e4 a6 auf Gewinn zu stehen. Tust Du aber nicht. Die Folge ist Überheblichkeit oder übertriebenes Spiel auf Gewinn.
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Das nun grade nicht. Es war gerade eine Partie mit 1. e4 a6 2. d4 b5, die mich völlig deprimierte und mir klar machte, dass ich ein echtes Problem habe. Ich habe ganz damals bewußt solide darauf reagiert, wußte, dass man das nicht mit Gewalt wiederlegen kann, aber bei gutem Spiel einen kleinen Vorteil erzielen kann. Das gelang mir auch. Die Partie ist mir in so guter Erinnerung, weil gerade ich mir bei dieser Partie (so um den 10. Zug) gesagt habe. "Nichts überstürzen, aber auch nichts vergeben! Gegenspiel unterbinden und alle Optionen offenhalten." Folge waren Züge, die ich mir hinterher gar nicht erklären konnte. 10 oder 15 Züge später stand ich glatt auf Verlust.  Erst dann bin ich aufgewacht, habe - als fast alles zu spät war - wie ein Löwe gekämpft, einige gute Züge gefunden und immerhin ein Endspiel erreicht, dass ganz gute Remisaussichten bot. Dass ich das Enspiel kurz vor dem Remis in Zeitnot verdarb, steht auf einem anderen Blatt Papier.
Zitat:
4. Durch die positionelle Art des Vorteils glaubst Du, diesen unbedingt positionell und ohne Risiko durchsetzen zu können. Häufig versäumt man dann gerade die kleinen Knock-Out-Taktiken, die die Vorteilsverwertung erleichtern. Oder rechnet selbst nicht mit kleinen Zweizügern, weil man zu sehr auf seine überlegene Position vertraut.
5. Du denkst (nach einem Spiel wie bei 4.), dass Dein vorteil auf Teufel komm raus gewinnbringend verwertet werden muss. Machst einen flotten Königsangriff (unter Bauernopfer) der gerade so abgewehrt wird, und verlierst das Endspiel. Die nächste Partie wird dann wieder wie bei 4. angelegt.
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Da könnte etwas dran sein. Ich suche aber in solchen Positionen mittlerweile nach einer "gesunden Mischung".
Zitat:
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6. Du willst bei jedem Zug eine eierlegende Wollmilchsau entkorken. Den Druck verstärken, ohne dem Gegner ein Gegenspiel einzuräumen. Alle Figuren am Königsflügel versammeln, ohne dass der Damenflügel angreifbar wird. e5 ziehen, ohne dass d5 schwach wird. Das geht nicht. Das frisst viel Zeit. Am Ende ziehst du vielleicht Sc3-d1 oder Kg1-h1. Züge, die den Schwarzen einladen, aus dem Loch zu kommen. Wenn du dann schon in Zeitnot bist, wird ganz schwer.
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Punkt 6 trifft wohl am besten zu! Vielleicht eine Folge aus der Kombination 4 + 5 ?! Habe ich Vorteil, die Stellung ist aber einigermaßen ruhig, kann es passieren, dass ich 1. konsequent spielen will, ohne zu überstürzt zu agieren, 2. Den Vorteil festhalten/vermehren will, 3. Initiative bekommen/behalten will, 4. Mir möglichst viele Optionen (z.B. Angriff am Königsflügel, Zentrumsvorstoß, Schaffung von Schwächen) offenhalten will, 5. jedwedes Gegnespiel unterbinden will, 6. Auf lange Sicht (falls vorher nichts entschieden wird) einen zumindest kleinen Vorteil im Endspiel behalten will.
Dass das alles zusammen nicht geht und man Kompromisse machen muss, sehe ich jetzt ein und wird mir jetzt beim Nachdenken und schreiben deutlich vor Augen gehalten. Seltsamerweise will ich in anderen Stelungen nicht "alles haben" und bin bereit "Kompromisse" einzugehen, wenn ich z. B. Initiative dadurch bekomme.
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 12 ( permalink)

08.06.2006, 01:05
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Sehr Aktiver
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Zitat:
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Zitat von frillo
@Minos
Zur Ergänzung und die Moderene Verteidigung betreffend:
Als Schwarzer kannst du dir passives Spiel besonders in dieser, sowie in jeder anderen Eröffnung nicht erlauben - den Igel vielleicht ausgenommen.
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Für mich ist dieser Komplex an sich schon passiv. Sorry wenn das hart klingt, aber ich strebe selber immer nach optimalem Figurenspiel und Initiative. Daher wirken Moderne Verteidigung, aber auch Hanham (in Phildor), Ungarisch und ähnliches auf mich an sich schon sehr passiv.
Zitat:
Was Dir anscheinend Probleme bereitet, ist wenn Schwarz abwartet und laviert, mit der Rochade abwartet, wohin Du rochierst etc. Schildere einmal ein paar Varianten, welche Dir Probleme bereiten
Gegen Pirc/ModerneV. gibt es einige gute Varianten, je nach Geschmack und Vorlieben der Weißspieler.
Ich spiele selber als Schwarzer die Moderne V. Wenn ich Weiß habe, spiele ich gegen Pirc/MOdern am liebsten den sogenannten 150-Angriff -
1.d4 ~ 2.e4 (oder umgekehrt) 3.Sf3 ~ 4.Sc3 ~ 5.Le3 ~ 6.Dd2 ~ und dann, jenachdem was Schwarz erwidert, entweder lang rochieren mit Lh6 und h4 - h5 versuchen die H-Linie zu öffnen schwarzen L gegen den Rochadeläufer zu tauschen und dann irgendwie matt setzen, oder auch kurz rochieren mit der Idee, gegen a6 - b5 Lb7 von Schwarz mit a4 dagegenzuhalten und Schwarz positionell zusammenzuschieben.
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Ich habe mir vor Jahren mal die Variante mit f3, Le3, Dd2, Lh6, Lxg7 g4, h4 Sg1-e2-g3 usw. inklusive langer Rochade angeguckt. Also ziemlich ähnlicher Aufbau und Angriff wie im Drachen. In Blitzpartien lief es auch erst gut, aber in Turnierpartien gegen starke Gegner ist das auch nicht so doll. Nicht nur, dass die dann eventuell gar nicht rochieren, sie kommen meist sehr früh (im 4. oder 5. Zug) mit c6 nebst b5 an. Damit komme ich gar nicht zurecht. Zuletzt habe ich mich "klassisch" mit Sf3, Lc4, De2 aufgebaut. Schon Aljechin hat so gespielt und obwohl damals die Theorie noch weniger als in den Kinderschuhen steckte, kann das, was ein Aljechin machte, nicht total verkehrt sein. Als ich in meiner letzten Partie früh vorteilhaft e5 hätte spielen können (nachdem mein Gegner einen etwas ungewöhnlichen Zug machte), habe ich stattdessen den gegen b5 gerichteten Sicherungszug a4 gemacht. Mir fiel nach fast zwanzigminütigem(!) Nachdenken ein, dass man e4-e5 normalerweise nicht zu früh spielen darf und habe ihn daher verworfen, zumal ich die Folgen nicht 100%-ig berechnen konnte. Es sah gut aus, aber war verwickelt. Zu Hause habe ich bei der Analyse gesehen, dass e4-e5 mich inallen Varianten klar in Vorteil gebracht hätte.
Hätte ich nicht schon schlechte Erfahrungen mit zu ungestümen Spiel in ähnlichen Stellungen gehabt und nicht gewußt, dass oft frühes e5 zumindest zweischneidig ist, hätte ich in der Partie sehr wahrscheinlich e5 gespielt und auch weniger Bedenkzeit verbraucht. Aber ich bin einfach total (ver)unsicher(t).
Geändert von Minos (08.06.2006 um 01:08 Uhr)
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 13 ( permalink)

16.06.2006, 10:37
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Ich denke, Du beschreibst ein Problem, dass viele Spieler haben, die sich verbessern möchten. Es ist m.E. - wenn man auf sich allein gestellt ist - z.T. schon sehr schwierig viele Eröffnungssysteme zu verstehen.
Ich habe bei meinen Versuchen besser zu werden, die Erfahrung gemacht, dass es Positionen gibt, die mir liegen und leider viel zu viele, die mir gar nicht liegen. Daher versuche ich meist die Varianten zu suchen, die mir liegen. Dabei versuche ich immer öfter mich von den Bewertungen in den Büchern zu lösen. Bei meiner Spielstärke ist es m.E. ohnehin meistens nicht so relevant ob man laut Buch += oder =+ steht.
Wie findet man nun in den jeweiligen Eröffnungen die Varianten, die einem liegen? Ich habe bei mir selber festgestellt und kürzlich auch in der Literatur als Hinweis entdeckt, dass es häufig sinnvoll sein kann den Stil eines aktiven besseren Spielers zu imitieren. So kann evtl. für Dich ein Weg sein, gute Spieler zu suchen, die die Systeme in Eröffnungen spielen, mit denen Du gut zurecht kommst. Hast Du solche Spieler gefunden kann es u.U. sehr hilfreich sein zu prüfen, was diese Spieler denn für Systeme gegen Deine Problemeröffnungen spielen. Denn auch diese Spieler standen vermutlich irgendwann vor den selben Fragen wie Du und haben sie - da sie erfolgreich sind - möglicherweise gut beantwortet.
Ich spiele z.B. fast ausschließlich 1.d4 und habe vor vielen Jahren festgestellt, dass ich in zwei Eröffnungen diesselben System wie GM Knaak spiele. Da ich mich in diesen Systemen sehr wohl fühle, habe ich in der Folge in allen anderen Eröffnugen mal geprüft, wie Knaak sie behandelt und konnte an verschiedenen Stellen für mich sinnvolle Hinweise auf Systeme finden, die viel besser zu mir paßten als das was ich mir vorher lediglich mit Büchern zusammengestellt hatte.
Vielleicht hilft Dir das auch irgendwie weiter?
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 14 ( permalink)

16.06.2006, 11:55
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Zitat:
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Zitat von ploehn
Es ist m.E. - wenn man auf sich allein gestellt ist - z.T. schon sehr schwierig viele Eröffnungssysteme zu verstehen.
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Wenn das schon jemand mit 2000 sagt....
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Wenn leichter Vorteil oft 0-1 :-( Beitrag # 15 ( permalink)

19.06.2006, 09:26
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Registriert seit: 05.2006
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Nun es ist eben einfach so, dass Du, wenn Du mit Leuten analysierst, die 200 oder mehr Punkte besser sind, erst siehst, wie wenig Du vom Spiel und von den Eröffnungen verstehst.
Den 200-Punkte-Abstand wirst Du erst ab 2600 los und bis dahin ist es ein ziemlich weiter Weg
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