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Schach - Eröffnung / Figurenentwicklung

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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #1 (permalink)  
Alt 15.01.2011, 04:26
Der Patzer
Neuling
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 6
Frage Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das?

Liebe Schachfreunde!

Nach längerer Pause will ich mich nun wieder dem königlichen Spiel zuwenden und mir bei dieser Gelegenheit auch gleich ein neues Eröffnungsrepertoire zulegen. Wie gehe ich da am besten vor?

Da mich das neue Repertoire für den Rest meines Schachlebens begleiten soll, kommen nur beste Züge in Frage. Aber wie findet man die?

Um nicht missverstanden zu werden: ich will keine konkreten Vorschläge, welche Züge ich spielen soll, sondern möchte nur wissen, wie ich sie mir methodisch erarbeiten kann. Dabei interessieren mich besonders folgende Themen:

Literatur: Ist es empfehlenswert, sich eine Gesamtdarstellung der Schacheröffnungen (z.B.: Konikowski, Schnellkurs der Schacheröffnungen -Theorie-) zuzulegen? Oder ist das entbehrlich? Und wie arbeite ich ggf. am besten mit so einem Buch im Zusammenhang mit dem Aufbau (m)eines Repertoires?
Nicht anschaffen werde ich mir Monographien zu einzelnen Eröffnungen, denn das macht bei meiner Spielstärke (Hobbyspieler) keinen Sinn. Von sogenannten Repertoirebüchern halte ich ebenfalls nichts, denn ich mag nichts Vorgekautes!

Schachprogramme: Wie kann ich bei der Arbeit am Repertoire Schachprogramme bzw. Datenbanken sinnvoll einsetzen? Mit wie vielen Partien muss eine Stellung im Eröffnungsbuch des Programms vertreten sein, damit sie noch als relevant gelten kann (der Arbeitsaufwand muss zu bewältigen sein, andererseits darf nichts wichtiges fehlen)?
Und worauf muss ich bei der Wahl meines 'Antwortzuges' achten? Ist der (in GM-Partien) häufigste Zug der beste oder der mit höchsten Erfolgsquote?
Soll ich vielleicht lieber ganz auf die Statistik pfeifen und stattdessen dem 'unbestechlichen' Urteil der Engine folgen (und wenn ja: ab welcher Suchtiefe sind da brauchbare Ergebnisse zu erwarten)? Oder ist das Quatsch?

Gibt es sonst noch etwas Wichtiges, das ich unbedingt beachten muss?

Auf eure hilfreichen Tipps und lustigen Erfahrungsberichte bin ich gespannt!

LG
Der Patzer
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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #2 (permalink)  
Alt 15.01.2011, 20:28
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Hallo, Der Patzer!

Wie stark ist denn ein Hobbyspieler? Ich schätze mal so 1200-1500, aber das ist relativ. Für Kasparow war jeder unter 2600 Elo ein unwissender Amateur.

Beste Züge wollen die meisten spielen. Aber welche sind das?

Den Aufbau eines Eröffnungsrepertoires stellst Du Dir meines Erachtens zu analytisch und zu systematisch vor. Natürlich kann man in dieser Hinsicht was tun. Aber ein Repertoire muß wachsen, will verstanden und ausprobiert werden.

Vor allem braucht man Spielstärke und Erfahrung, um die Brauchbarkeit von Eröffnungen beurteilen zu können. Am Anfang kommt man garnicht drumherum, von anderen zu lernen, konkreten Empfehlungen zu folgen (also z.B. Repertoirebüchern!), oder mit gemischten Resultaten auszuprobieren.

Und es ist notwendig, stellenweise zumindest etwas tiefer zu gehen (vor allem mit Schwarz gegen 1.e4 bietet das sich an, da ist es schon schwer, auf eine Monographie/Repertoirebuch zu verzichten, es gibt doch so viele gute z.B. von Everyman!)

Da Du offenbar früher vor Deiner Schachpause schon mal ein Repertoire hattest, würde ich dringend empfehlen, es zu mindestens 80% erstmal weiterzubenutzen und nur peu a peu abzuändern/auszuweiten.

Spielbar ist alles, was zumindest sporadisch von 2600-GMs und regelmäßig von 2450-IMs angewandt wird.

Überblicksbücher sind sinnvoll, den Konokowski finde ich aber nicht so gut (da gibt es viele Stellen, wo, vorsichtig gesagt, die meisten Meister wohl anderer Meinung wären). Besser sind meines Erachtens:
- Gabor Kallai: Buch der Eröffnungen
- Sam Collins: Schacheröffnungen richtig verstehen
- Paul van der Sterren: Fundamental Chess Openings

Und zur Vertiefung, falls Dir die nicht tief genug sind, dann eben Monographien und Repertoirebücher!

Solange Monographien Dir zu speziell erscheinen, würde ich Datenbanken samt statistischer Analyse völlig ignorieren!!!

Es gibt natürlich auch noch den Giddens oder gar den vierbändigen Watson...

tracke
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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #3 (permalink)  
Alt 16.01.2011, 20:46
Der Patzer
Neuling
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 6
@ tracke:

Danke für deine Antwort.

Ich stimme dir zu, dass ein Patzer nicht genug von Schach versteht, um die Qualität von Eröffnungszügen beurteilen zu können. Er ist angewiesen auf das sachkundige Urteil von Experten, seien es Theoretiker (Schachliteratur), Praktiker (Partiedatenbanken) oder starke Schachengines. Das bedeutet für mich aber nicht, ein komplettes (vorgefertigtes) Eröffnungsrepertoire zu übernehmen.

Mein früheres Repertoire, das ich vor Jahren auch mal in einem anderen Thread dieses Forums grob umrissen habe, weiterzubenutzen ist kaum möglich, da ich es nicht systematisch ausgearbeitet und datenbankmäßig erfasst hatte und die meisten Varianten inzwischen vergessen habe. Abgesehen davon enthielt es zahlreiche 'unorthodoxe' und wohl auch nicht besonders gute Abspiele (z.B. 1.e4 c5 2.Lc4 oder 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Lc4 mit Weiß und 1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Sf3 De7 oder 1.e4 e5 2.Sc3 Sf6 3.f4 exf4 mit Schwarz). Hier ist ein völliger Neuanfang angesagt.

Zum Thema Eröffnungsliteratur: vom "Konikowski" hältst du anscheinend nicht viel (bei amazon sind die Meinungen über dieses Buch geteilt...), der "Kallai" wird zwar überall gelobt, ist aber von 1996 und offenbar nur noch antiquarisch erhältlich. Mal sehen, vielleicht ist der "Collins" eine Alternative. Weißt du näheres über dieses Buch? Ist dort die Mischung aus Varianten und Erklärungen zu den positionellen Grundideen der einzelnen Eröffnungen gelungen? Die Rezensionen bei amazon sind positiv, aber leider ziemlich nichtssagend!

Beim Stöbern im Internet bin ich übrigens auf einen Buchtitel gestoßen, der haargenau zum Thema des Threads zu passen scheint:

Steve Giddins: Der Aufbau eines Eröffnungsrepertoires (Gambit Publications, 2004)

Kennt jemand dieses Buch und kann etwas zum Inhalt und zum Nutzwert (auch) für schwächere Spieler sagen?


LG
Der Patzer

P.S.: Offen geblieben ist noch die Frage, inwieweit die Zugvorschläge von Fritz & Co. bei der Erstellung des Repertoires eine Hilfe sein können.
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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #4 (permalink)  
Alt 18.01.2011, 09:54
maxquick
Forumsvollprofi
DWZ/Elo: DWZ ca. 1750
 
Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 219
Ich hatte das Giddins Buch und kann es nicht empfehlen. Alles wird sehr allgemein angeschnitten und man findet nichts konkretes was einen wirklich helfen könnte. Ein passender Titel für das Buch wäre wohl eher: "Allgemeine Überlegungen über Eröffnungsrepertoirs".
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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #5 (permalink)  
Alt 18.01.2011, 13:27
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Hallo!

Den Giddins finde ich ehrlich gesagt ziemlich gut. Ich hatte ihn bei meinem obigen Post absichtlich weggelassen, weil er mE eher für ein Niveau 1800-2100 gedacht ist. Eine breite Kenntnis der Eröffnungstheorie (wenn auch natürlich stellenweise ziemlich flach) wird da bereits vorausgesetzt. Ebenso die Fähigkeit, sich eine Eröffnung oder eine Variante aus selbstgesuchten Quellen anzueignen bzw. zu vertiefen, sobald man sich aus bestimmten Gründen für sie entschieden hat! So allgemein ist er mE nicht: von den Fragestellungen her schon, allerdings werden sehr viele konkrete Beispiele gebracht. Nachteilig ist, daß man das Buch eigentlich nur einmal lesen muß (und dafür sind 18€ manchem vielleicht zuviel) und dann die angesprochenen Probleme auf sein eigenes Repertoire übertragen sollte. Und für fortgeschrittene Spieler sind einige Beispiele heute vielleicht nicht mehr so aktuell wie 2003! [Z.B. ist Siz-Sweschnikow nicht mehr so aktuell; und die ganze Nimzoindisch-Problematik (wie schnell nach 1.d4 soll Sf3 denn folgen?) hat sich geändert, seitdem auf Meisterniveau Katalanisch wieder als Perspektive gesehen wird]

Der Kallai mag im (Groß)Handel vergriffen sei, bei Ebay, ZVAB oder bei Buchhändlern sehe ich ihn noch regelmäßig. Veraltet? Gibt es denn irgendeine theoretische Entwicklung seit 1996, die für Spieler <1700 relevant wäre ?!? [Vielleicht die von Nunn angestoßene Quasi-Widerlegung von Lettisch. Aber auch da gibt es noch streitbare Geister. Und bei objektiv relativ klarem weißen Mehrbauern ist die Stellung scharf genug, um für 1700er einfach als unklar zu gelten]

Ob der Collins oder der Kallai für Dich passen? Keine Ahnung. Solche Überblickswerke für Hobby-/Vereins-Spieler sind auch nicht leicht zu schreiben: dem einen sind sie zu hoch, dem anderen enthalten sie zu wenig harte Theorie. Viele Interessenten suchen auch gar nicht die langfristige Perspektive, sondern nur "eine einfache taktische Antwort" auf das, was ihnen auf dem Vereinsblitzabend immer wieder vorgesetzt wird.

Eine andere Möglichkeit zum Überblick wäre die FCO von van der Sterren:
http://gambitbooks.com/books/fco.html. Dazu verweise ich auf den Thread: http://www.schachmatt.de/43-literatu.../6195-fco.html

Die 4 Bände von Watson (englisch oder deutsch) sind natürlich auch gut. Aber wohl nicht notwenig und eher viel zu anspruchsvoll (falls Du Gelegenheit hast, in Bände 1(Anfang) und 4 (Ende) hineinzugucken, wäre es sinnvoll.
Bald erscheint was neues von Watson: Chess Openings for Kids, siehe http://gambitbooks.com/books/kidsopenings.html . Keine Ahnung, wie gut das wird; für "Kinder" kann man wohl auch "Anfänger" oder "Neueinsteiger" lesen!

* * *

Ansonsten wäre ich Repertoirebüchern gegenüber wirklich aufgeschlossen. Sobald Du erstmal grob weißt, was Dir gefällt. Wäre auch sinnvoll, nicht allzu viel von Deinem alten Repertoire abzuweichen, zumindest erstmal nicht (Läuferspiel und Italienisch sind doch nicht schlecht!).

Ich weiß, Du wolltest keine konkreten Vorschläge haben. Aber soviel kommt wahrscheinlich gar nicht in Frage?!
Mit Schwarz gegen 1.e4:
- 1...e5 (Offener Spanier oder 3...Lc5)
- Sizilianisch (Beschleunigter Drachen)
- Französisch (Klassisch oder Rubinstein)
- Da5-Skandinavisch (?!)
Mit Schwarz gegen 1.d4/Rest:
- Abgel. Damengambit (Tarrasch oder Klassisch/Lasker)
- Königsindisch
- Holländisch (Leningrader oder Stonewall)
Mit Weiß:
- 1.e4 : nicht allzu harte Theorie (etwa Schottisch, c3-Sizi, Frz-Abt, Panow)
- 1.d4 (nebst c4/Sf3 oder Sf3/c4): ruhige Hauptvarianten
- 1.d4 (nebst Sf3 ohne c4): Colle/London/Torre
Da gibt es überall gute Bücher (oder gar DVDs dazu).

Bezüglich 1.e4 (eventuell auch bei 1.d4, aber da gibt es mehr Zugumstellungen, die man übersehen kann, wenn man Reps kombiniert) wäre es sinnvoll, 2-8 verschiedene Rep-Bücher [Emms!, Kaufman!, Baker, Davies, Collins!, McDonald!, Dzinzdi, Gufeld?!, Kalinischenko?!, Acers?!] anzuschaffen und "geeignet" zu kombinieren!

* * *

tracke
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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #6 (permalink)  
Alt 21.01.2011, 04:36
Der Patzer
Neuling
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 6
@ tracke:

Zitat:
Ob der Collins oder der Kallai für Dich passen? Keine Ahnung. Solche Überblickswerke für Hobby-/Vereins-Spieler sind auch nicht leicht zu schreiben: dem einen sind sie zu hoch, dem anderen enthalten sie zu wenig harte Theorie. Viele Interessenten suchen auch gar nicht die langfristige Perspektive, sondern nur "eine einfache taktische Antwort" auf das, was ihnen auf dem Vereinsblitzabend immer wieder vorgesetzt wird.
Also mich interessiert schon eher die "langfristige Perspektive", für eine einfache taktische Antwort auf einen unbekannten Zug reicht mir auch ein Schachprogramm.

Erste Entscheidungen sind gefallen: Ich werde (wie gehabt) als Weißer mit 1.e4 eröffnen und als Schwarzer 1.e4 mit 1...e5 sowie 1.d4 mit 1...d5 beantworten. Alles Weitere bleibt noch offen, bis ich das Material gesichtet habe^^.

Bestellt sind jetzt:
(1) Sam Collins: Schacheröffnungen richtig verstehen
(2) Steve Giddins: Der Aufbau eines Eröffnungsrepertoires


(2) dürfte zwar für mich etwas zu schwierig/anspruchsvoll sein (wie auch in einem anderen Forum jemand meinte), aber ich habe es jetzt mal dazugenommen, da es nicht allzu teuer ist und ich vielleicht doch ein wenig Nutzen daraus ziehen kann. Für die zum Verständnis notwendige "breite, wenn auch flache" Kenntnis der Eröffnungstheorie sollte (1) sorgen.

Ich mach mich dann mal an die Arbeit!

LG
Der Patzer
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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #7 (permalink)  
Alt 21.01.2011, 08:34
maxquick
Forumsvollprofi
DWZ/Elo: DWZ ca. 1750
 
Registriert seit: 08.2006
Beiträge: 219
Falls du mal konktrete Literatur zu bestimmten Eröffnungen suchen solltest, kannst du dir mal diese Threads anschauen:

http://www.schachmatt.de/43-literatu...eln-weiss.html

http://www.schachmatt.de/43-literatu...n-schwarz.html
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  Aufbau eines Eröffnungsrepertoires - wie geht das? Beitrag #8 (permalink)  
Alt 07.02.2011, 00:19
Benutzerbild von Feltnix
Feltnix
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Registriert seit: 05.2009
Beiträge: 26
Zitat:
Zitat von tracke Beitrag anzeigen
Hallo!

...
Bezüglich 1.e4 (eventuell auch bei 1.d4, aber da gibt es mehr Zugumstellungen, die man übersehen kann, wenn man Reps kombiniert) wäre es sinnvoll, 2-8 verschiedene Rep-Bücher [Emms!, Kaufman!, Baker, Davies, Collins!, McDonald!, Dzinzdi, Gufeld?!, Kalinischenko?!, Acers?!] anzuschaffen und "geeignet" zu kombinieren!

* * *

tracke
Ehms, ist das wirklich Ernst, und wenn ja, welcher Zeitaufwand steckt dahinter.
Falls man wirklich soviel Theorie braucht, wundert es mich nicht, dass ich so schlecht spiele. Für welches Niveau reicht denn so ein gutes Stündchen am Tag?
MfG Felix
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