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Schach - Eröffnung / Figurenentwicklung

Fragen zum Partiebeginn



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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #1 (permalink)  
Alt 18.12.2009, 00:49
KaJin
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 82
1.e4 + 1.d4 im Repertoire?

Hey,

mich würde interessieren, ob manch erfahrener Spieler unter euch tatsächlich sowohl 1.e4 als auch 1.d4 auspackt oder das in der Vergangenheit getan hat. Wobei ich davon ausgehe, dass ein Zug davon generell gespielt (und primär gepflegt) wird und der jeweils andere deutlich seltener (evtl. gegnerspezifisch) zum Einsatz kommt.
Mir scheint das ein wahnsinnig umfassendes Unterfangen, eben was völlig anderes, als die verbreitete "Überaschungswaffe", die jede 8. Partie aus dem Schrank geholt wird (1.b3, 1.f4 bspw. begegnen mir da oft).

Ich persönlich (~1800+) spiele in Langzeitpartien ausschließlich 1.d4, in Standard- und Blitzpartien inzwischen allerdings hauptsächlich 1.e4. Jedem, der kontinuierlich bloß ein bisschen versucht strategisch weiterzubilden und grundsätzlich Wert auf die Analyse von Meisterpartien setzt, werden ja zentrale Stellungsbilder zunehmend vertrauter, und die ein oder andere versucht man dann einmal selbst aufs Brett zu bekommen. Mich haben nach und nach zusätzlich konkrete Eröffnungen/ihre Zugfolgenkomplexe interessiert, anfangs um mal gegen mein eigenes Schwarzrepertoire zu spielen, später dann um die Faszination hinter Königsgambit, Spanisch, Schottisch zu verstehen.
Um das ernsthaft und mit Repertoire zu machen, fehlt mir jedoch schlicht die Zeit, auch wenn sich bei mir über 1.e4 oft scheinbar knackigere Partien ergeben, in denen man für vermeintlich kleine Fehlgriffe ohne großen Firlefanz bestraft wird (bzw. den Gegner bestrafen kann) - mag aber auch an den Zeitmodi liegen.


Wie sieht's aus, ist ein solcher Allrounder dabei oder hat vielleicht jemand vom einen auf den anderen Zug gewechselt, holt seine alte Flamme aber hin und wieder mit Erfolg hervor? Bin gespannt, wie es sich damit spielt!



Ciao,

KaJin
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #2 (permalink)  
Alt 18.12.2009, 11:16
Gast12019
Gast
 
Beiträge: n/a
Ich spiele seit längerem d4 (dazwischen eine Phase mit dem "dynamic" c4).

Vor ein paar Jahren habe ich eine Saison e4 gespielt, da ich an meinem Brett deutlich schwächere Gegner hatte und man dann mit e4 oft schneller gewinnen kann. Bei Open spiele ich auch manchmal e4 gegen schwächere Spieler, aber in letzter Zeit sehr selten. Meine e4 Kenntnisse habe ich hauptsächlich aus meiner Jugendzeit, als ich noch e4 gespielt habe.
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #3 (permalink)  
Alt 18.12.2009, 12:36
tracke
Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
Zunächst sollte man vielleicht anmerken, daß man auch 1.d4 oder 1.e4 als (relativ) theoriearme Zweitwaffe spielen kann, wenn man nur nachfolgend die Hauptsysteme vermeidet! Es gibt z.B. viele typische 1.e4-und-Hauptvarianten-Spieler (etwa Adams oder früher Anand), die von Zeit zu Zeit mal 1.d4 nebst Trompowsky einschal(te)ten. Ähnlich wäre es wohl, wenn ein 1.d4-Hauptvarianten-Spieler hin und wieder mal zu 1.e4 nebst KIA greift.

Ein anderes Thema ist es, daß ein ehemaliger 1.e4- und jetziger 1.d4-Hauptvarianten-Spieler natürlich auf seine alten Varianten zurückgreifen kann (oder sogar sollte!?), wenn er nach 1.d4 nicht mit 1...d5, 1...Sf6, 1...f5 oder 1...c5, sondern mit etwas anderem konfrontiert wird: gerade nach 1...d6 dürfte 2.e4! der objektiv stärkste Zug sein.

Zurück zur ursprünglichen Frage, die wohl darauf abzielte, ob jemand regelmäßig und gleichmäßig 1.e4 und 1.d4 spielt und zwar jeweils zumindest halbwegs mit Hauptvarianten.
Es ist sicher sinnvoll, vieles mal ein bißchen auszuprobieren, aber ein wirklich sehr breites Repertoire halte ich für kaum machbar und bei Amateuren auch nicht für unbedingt empfehlenswert, die Breite ginge zu sehr auf Kosten der zum Verständnis nötigen Tiefe. Gegen deutlich schwächere Gegner ist natürlich (fast) alles möglich, und gegen solche spiele ich gelegentlich schon mal d4-HV (dann oft über 1.Sf3) - ansonsten aber konsequent 1.e4! und bißchen 1.b3 ...
Was Anderes sind natürlich junge Supertalente, bei denen der Zug zum Meister schon absehbar ist: die können natürlich auch schon ab 1700+ anfangen, sich die später nötige Breite zu erarbeiten!

tracke
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #4 (permalink)  
Alt 18.12.2009, 16:31
Benutzerbild von WilhelmH
WilhelmH
Kenner
 
Registriert seit: 10.2007
Ort: Hamburg
Beiträge: 114
Zitat:
Zitat von tracke Beitrag anzeigen
Ein anderes Thema ist es, daß ein ehemaliger 1.e4- und jetziger 1.d4-Hauptvarianten-Spieler natürlich auf seine alten Varianten zurückgreifen kann (oder sogar sollte!?), wenn er nach 1.d4 nicht mit 1...d5, 1...Sf6, 1...f5 oder 1...c5, sondern mit etwas anderem konfrontiert wird: gerade nach 1...d6 dürfte 2.e4!
und nach 1. ... e6 und 1. ... c6 dürfte 2.e4 ebenfalls zu erwarten sein.


Zitat:
Zitat von KaJin Beitrag anzeigen
Ich persönlich (~1800+) spiele in Langzeitpartien ausschließlich 1.d4, in Standard- und Blitzpartien inzwischen allerdings hauptsächlich 1.e4.
Oder umgekehrt, weil man in Langzeitpartien Bedenkzeit für die offeneren Strukturen hat. ;-)

Geändert von WilhelmH (18.12.2009 um 16:35 Uhr)
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #5 (permalink)  
Alt 18.12.2009, 17:19
Fälix
Super GM des Forums
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 478
Zitat:
Zitat von WilhelmH Beitrag anzeigen
und nach 1. ... e6 und 1. ... c6 dürfte 2.e4 ebenfalls zu erwarten sein.
Wieso wird eigentlich so häufig 2.e4 gespielt?! das müsste doch eigentlich heißen, dass es für Weiß i.d.R. angenehmer ist, gegen Französisch/ Caro Kann zu spielen als gegen abgelehntes DG/ Indisch/ Slawisch(o.ä). Oder warum wird e4 meißt dann gespielt?
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #6 (permalink)  
Alt 20.12.2009, 22:31
Benutzerbild von WilhelmH
WilhelmH
Kenner
 
Registriert seit: 10.2007
Ort: Hamburg
Beiträge: 114
Das so so häufig 2.e4 gespielt wird glaube ich nicht. Denn die Ausgangssituation ist nur
Zitat:
Zitat von KaJin Beitrag anzeigen
ob manch erfahrener Spieler unter euch tatsächlich sowohl 1.e4 als auch 1.d4 auspackt oder das in der Vergangenheit getan hat.
Normalerweise wird ein nur d4-Spieler in seinem Repertoire bleiben und mit 2.c4 fortsetzen.

Nach 1. ... c6 ist 2.e4 asymetrischer
und nach 1. ... e6 2.c4 gibt es noch 2. ... b6 und 2. ... Lb4+

Ein e4-Erfahrener wird sich in e4-Eröffnungen wohler fühlen als ein d4-Spieler. Die meisten d4-Eröffnungen spielen aber d4-Spieler. Deshalb wird 2.c4 häufiger sein.
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #7 (permalink)  
Alt 22.12.2009, 08:56
KaJin
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 82
Vielen Dank für die Antworten. Als eigentlicher 1.d4-only-Spieler könnte es gegen bekannte oder sich vorbereitende Gegner ganz spaßig sein, sie auf dem falschen Fuß zu erwischen (vorausgesetzt ich kenne ihr Schwarzrepertoire).

@Holgerk: Danke, dein Argument war überhaupt der Anstoß, das mehr oder weniger ernsthaft zu erwägen. Schön, dass es in der Realität auch so aussehen kann.
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #8 (permalink)  
Alt 06.08.2011, 20:05
TAFKABP
Schachjournalist
 
Registriert seit: 02.2010
Beiträge: 280
Hab das Ding hier mal wieder ausgebuddelt, weil ich im Augenblick mal auf 1.d4, 1.c4 und 1.Sf3 umgestiegen bin. (Spiele sonst ausschließlich 1.e4) Das Ergebnis war ernüchtern. Ich spiele mit 1.d4 um Klassen schlechter. Kann mit diesen Strukturen kaum etwas anfangen. Deswegen bin ich damals schon von den geschlossenen Systemen ganz schnell weggekommen. Spezielles Eröffnungwissen ist auch nicht vorhanden. Die meisten Züge spiele ich bei 1.e4 völlig selbstverständlich. Die Pläne im Mittelspiel sind meistens klar. Bei den geschlossenen Systemen tritt recht schnell Ratlosigkeit ein. Aber ich denke, wenn man sich schachlich weiterentwickeln will, muss man halt auch das Zeug spielen was einem nicht so liegt. Zumal dann das Denken auch nicht so einseitig verkommt. Da viel mir spontan ein Rat von Schachfreund tracke ein, der mir auf die Frage hin, ob es gut wäre mit dem Reti-System im Franzmann dem Hauptsystem aus dem Wege zu gehen einige Tipps gab. Sinngemäß meinte er hierzu, dass wenn man Französisch verstehen will, um die Hauptsysteme nicht herum kommt. Vielleicht ist es dann auch so, dass wenn man Schach verstehen will, nicht um alle Eröffnungssysteme herum kommt? Also mir ist kein Fall im modernen Schach bekannt, wo jemand zum Meister wurde der immer nur 1.e4 oder 1.d4 anzieht. Zumal man dann viel zu schnell kalkulierbar wird. Aber vielleicht gibt es ja doch solche Fälle? Ja nun, auf jeden Fall mache ich mich jetzt daran meine Schwächen in den geschlossenen Systemen auszumerzen.
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #9 (permalink)  
Alt 12.10.2011, 21:28
Bredplayer
Einsteiger
DWZ/Elo: ca. 1500
 
Registriert seit: 09.2010
Beiträge: 11
ich bin gerade dabei auf c4 umzusteigen, da ich sizilianisch nicht mag und e4 zu durchanalyiert wurde genau wie d4. außerdem bereiten sich die gegner unter 2100 nicht auf c4 vor also denke ich. und wenn man will bleibt man auch im engländer das ist das gute
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #10 (permalink)  
Alt 23.04.2012, 16:14
Senghok
Neuling
DWZ/Elo: 1541
 
Registriert seit: 04.2012
Beiträge: 4
auf unserem Niveau bereitet sich doch keine Sau vor?!?
Also ich muss immer gegen ältere Herren spielen, die im Groben und Ganzen wissen, wie man mit ner Figur fährt.
Ich würde mir eig auch kein Repertoire errichten, wenn sich meine Gegnerschaft nur zw. 1100 und 1600 bewegt. Leider bekomme des öfteren mal Leute mit 1900 oder 2000 DWZ, dagegen ist ein wenig Eröffnungswissen nicht schlecht.
1.c4 hab ich auch ein paar mal gespielt. Macht schon Laune, wenn man gegen 1.-e5 oder KI spielen darf. Allerdings verderben so Sachen wie 1.-c6 oder 1.-e6 einem die Lust. Im Moment spiel ich 1.e4, 1.d4 und 1.c4. Sf3 auch, aber nur selten.
Ich denke das größte Theoriewissen hab ich bei 1.d4 und 1.c4.

Ich merke immer mehr, wie egal die Eröffnung ist. Ich hab nach der Eröffnung im schlechtesten Fall eine leicht schlechtere Stellung, die aber voll spielbar ist.

mfg Seng
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  1.e4 + 1.d4 im Repertoire? Beitrag #11 (permalink)  
Alt 23.04.2012, 18:52
vertigo
Benutzer
 
Registriert seit: 11.2009
Beiträge: 27
Also ich finde 1.c4 e5 auch schön für Schwarz!

Gutes Figurenspiel + Einfluss im Zentrum. Und es ist klar, welchen groben Plan Weiß in Zukunft anstreben wird: a- und b-Bauern vor nebst Figuren-Druck auf den schwarzen Damenflügel. Wenn Weiß aber passiv spielt kann er nichts erreichen oder noch schlimmer: Schwarz findet einen aktiven Zug und gelangt auf einmal in Vorteil.
Zwar stimmt es, dass Weiß einem Drachen-Aufbau mit Extrazug spielt, aber das Weiß als erstes ziehen muss und Schwarz damit auch einen Vorteil im Gegenzug bekommt darf man nicht vergessen. Außerdem spielt Schwarz ganz klassisch: er spielt e5 und besetzt das Zentrum, und er kann seine Figuren recht frei entwickeln, da Weiß eine abwartende Strategie fährt. D.h. wenn Weiß nicht energisch weiterspielen wollte kann Schwarz die Initiative ergreifen.
Das ist nach meinem Geschmack angenehmer zu spielen als wenn man in einer hochgradig symmetrischen 1.c4 c5 - Engländer-Stellung zügelang darauf warten muss, das endlich mal was los ist...
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