Die von Fälix erwähnten Guica-Pianissimo-Stellungen mit Springer-Läufer-Fesselungen nebst taktischen Schweinereien sollte man kennen. Aber auch wissen, daß man dort ggf. nicht zu frühen rochieren sollte, daß man aber auch nicht fesseln sollte, wenn man selbst schon rochiert hat und der Gegner noch nicht, sonst geht die Fesselung nach hinten los.
Allgemein (wenn die Fesselung z.B. wegen ...h6 nicht geht oder nachteilig ist) wissen Anfänger in solchen blockierten Stellungen gar nicht so recht, wie sie nach e4/Sf3/Lc4/Sc3/d3/0-0 fortfahren sollen, da kommen dann oft passive Züge wie h3/a3/Ld2/usw. Diese
Passivität durch Vermeidung von taktischen Spannungen ist aber ziemlich falsch und wenig lehrreich.
Gerade am Anfang ist es wichtig, daß man sich gleich mit einfachen taktischen Motiven ausreichend beschäftigt. Und die gibt es nun mal in offenen Stellungen weitaus zahlreicher als in halboffenen, geschlossenen oder gar blockierten! Wenn man den tollen Artikel von Kresh über "die ultimative Strategie" Zentrumsspannung gelesen hat, weiß man außerdem, daß das Auflösen der Zentrumsspannung meist einen Nachteil bedeutet.
Folglich sollte man dem Gegner auch erstmal Gelegenheit bieten, die Spannung zu lösen und in Raumnachteil mit wenig Figurenaktivität zu geraten, und dazu muß man zunächst einmal eine gewisse Spannung herbeiführen!
Konkret bedeutet dies in den offenen Spielen (1.e4 e5) relativ schnell zu d2-d4 zu kommen! Dies geht entweder direkt (Mittelgambit, Göring-Gambit, Schottisch, Schottisches Gambit, Schottisches 4Springerspiel, Urusow-Gambit, Max-Lange-Gambit) oder mit Vorbereitung durch c2-c3 oder Lf1-b5 (Ponziani, Italienisch-Möller, Evans-Gambit, Spanisch) oder durch Ablenkung des Be5 durch f4 (Königsgambit, Wiener Partie, Läuferspiel).
Im Ergebnis würde ich für den Anfang unbedingt Eröffnungen empfehlen, wo relativ schnell d4 gespielt wird (2.d4 ist vielleicht zu schnell?!) und tendenziell Lf1-c4 nebst Angriff (und Taktik).
Also Italienisch mit 4.c3 & 5.d4 oder Schottisches Gambit oder Göring-Gambit (die gehen ja z.T. auch ineinander über!).
wolfgang01 hat bestimmt recht, daß alle Eröffnungen bißchen kompliziert sind. Zumindest in dem Sinne, daß ein Meister fast jede Eröffnungsvariante verfeinern und letztendlich besser spielen kann. Trotzdem (vergleiche meine Ausführungen zu "genetischem Lernen" in anderen Threads) gibt es Eröffnungen, die nur kompliziert oder sehr kompliziert gespielt werden können, und die man erstmal (lange Zeit!?) vermeiden sollte. Und dafür EÖ spielen sollte, die man sehr einfach oder einfach oder normal oder kompliziert oder sehr kompliziert spielen kann. Und mit diesen eben sehr einfach anfängt.
tracke

PS: Aljechins Bücher, insbesondere "Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft" sind in der Tat sehr lehrreich!