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Vorab: Warum sind die Themen im Eröffnungsarchiv alle geschlossen?
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In einem anderen Thema wurde gefragt, warum 1..Sc6 nach 1.e4 eine seltene Eröffnung sei. Das Hauptthema war aber ein anderes, dennoch bin ich kurz auf die Frage eingegangen mit groben Angaben über die wichtigsten Fortsetzungen auf e4.
Um diesen Thread nicht übermäßig mit themenfremden Erörterungen zu stören, habe ich bzgl. der Fortsetzung nach e4 hier ein eigenes Thema erstellt.
Nach Prüfung meines Eröffnungsbuches für 1.e4 fand ich das bestätigt, was ich bereits in der anderen Diskussion angegeben habe.
Am meisten wird tatsächlich c5 gespielt, das fällt in der angehängten Statistik besonders ins Gewicht, weil das Eröffnungsbuch auf zahlreichen Computerpartien basiert: Programme haben offenbar eine noch wesentlich höhere Vorliebe für c5 als menschliche Spieler. Dies wurde vor einiger Zeit auch indirekt im CSS-Forum bestätigt.
Darüberhinaus sind aber auch "menschliche" Partien prominenter Spieler berücksichtigt, u.a. alle Partien aus der Chessbase-Datenbank sowie aus dem wöchentlichen TWIC-Service.
1..Sc6 macht gerade mal 0,8% aller Fortsetzungen aus.
Nicht berücksichtigt sind hier die Partieergebnisse, die ELO-Werte und die Lernwerte (Wichtungen). Besonders die Wichtungen hängen von der jeweiligen PC-Ausstattung ab.
(Bei mir stützen sich die Wichtungen u.a. auf die Ergebnisse der Partien im Maschinenraum - daher würde deren Berücksichtigung die Statistik entwerten, denn meine persönliche PC-Ausstattung ist schließlich nicht allgemeingültig, daher habe ich den Einfluss meiner Partien in Form der Wichtungen herausgelassen.)
Basis der Statistik ist nur die Anzahl der Partiefortsetzungen:
Ich habe einmal die Anzahl und Verteilung der verschiedenen Fortsetzungen in einer Excel-Tabelle erfasst und dann prozentual und diagrammmäßig aufbereitet.
Nun scheint dieses Forum Anhänge im Excel-Format nicht zu akzeptieren (warum eigentlich nicht?), daher als Grafik im Anhang.
würde sagen dass sc6 deswegen nicht sooft gespielt wird da es nicht sinnvoll aussieht.
dies hat mehrere gründe:
-der c-bauer ist gesperrt der wichtig für die eroberung des zentrums ist.
-2.d4 kann trotzdem gespielt werden da er von der dame gedeckt wird.
die idee muss bei 2...e5!? liegen doch dann folgt d5 und weiß erhält tempi da der springer eigentlich auf e7 muss und dort schlecht steht.
ich empfehle daher folgende variante für schwarz auf 2.d4:
1. e4 Nc6 2. d4 d5 3. Nc3 dxe4 4. d5 Ne5 5. Qd4 Ng6 6. Qxe4 Nf6 7. Qa4+ Bd7 8. Bb5 a6 9. Bxd7+ Qxd7 10. Qxd7+ Nxd7
und daher empfehle ich für weiß mit 2.Sf3 in den spanier zu wechseln oder wenn 2...Sf6 folgt eine art aljechin:
1. e4 Nc6 2. d4 Nf6 3. e5 Nd5 4.d4 d6 5. c4 Nb6 aber mit
6. Sc3 oder 6.exd6 statt e6
Weil das EA als Inhaltsverzeichnis unseres Eröffnungsteils ordentlich aussehen sollte (für jeden Zug einen eigenen Beitrag)und wenn ich die Themen öffne, dann sieht es irgendwann nach einer Mischung aus allen EÖ-Foren aus, was ja nicht der Sinn sein kann. In letzter Zeit ist der Aufbau ins Stocken geraten, aber ich werde heute wieder anfangen. In "Fragen und Feedback" kann jeder User Ergänzungen und Einwände bringen und ich über jeden Kommentar hocherfreut.
1...Sc6 sieht nicht nur weniger sinnvoll aus als z.B. 1...c5, es ist einfach schlechter. Das heißt, so einfach auch wieder nicht, denn da 1...Sc6 (berechtigterweise) selten gespielt wird, ist die Theorie auch nicht so furchtbar fein ausgearbeitet (weil die Experten eben schnell sehen, daß weitere Analyse sich kaum lohnt). Im Ergebnis ist Weiß oft wenig bis gar nicht drauf vorbereitet und Schwarz scort kurzfristig ganz vernünftig.
Nach 1.e4 Sc6 2.d4 e5?! sind wohl sowohl 3.d5 als auch 3.dxe5 besser für Weiß.
Nach 1.e4 Sc6 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4?! 4.d5! Se5 5.Dd4 Sg6 spielt Weiß nicht 6.Dxe4 Sf6= sondern z.B. 6.Da4+ Ld7 7.Db3 oder 6.Lb5+ Ld7 7.Sge2 oder schon früher 5.Lf4 Sg6 Lg3. Alles besser für Weiß.
Das geringste Übel für Schwarz ist der Übergang in eine französische Nebenvariante mit 3.Sc3 e6!, wo es ungewohnte Sellungsbilder dem Weißen gar nicht einfach machen, mehr als winzigen Vorteil nachzuweisen. Supertoll für Schwarz ist das aber auch nicht, wenn Weiß es bißchen kennt.
Auch 2.d4 d5 3.exd5 oder 3.e5 sind nicht ganz harmlos.
Wahrscheinlich lohnt es für die meisten Weißspieler aber gar nicht, die entsprechende abartige Theorie zu studieren, da 1...Sc6 zu selten vorkommt. Wenn man ein Viertel der dafür benötigten Zeit verwendet, um seine Varianten gegen Sizilianisch aufzupolieren, hat man langfristig mehr davon. [D.h. wenn man seinen Score gegen Sizilianisch von 53% auf 54% verbessert, so bringt das insgesamt mehr, als wenn man seinen Score gegen 1...Sc6 von 55% auf 80% erhöht, (was vielleicht möglich wäre!)]. Insofern ist 2.Sf3 ein sehr pragmatische Wahl, auch Empfehlung vieler Weißrepertoire-Autoren, die sich Arbeit sparen wollen. Danach ist 2...e5 objektiv wohl das Beste, interessant ist auch 2...Sf6 3.e5 Sg4!? 4.d4 d6 5.h3 Sh6. Die Überleitung nach Aljechin verspricht dem Weißen aber Vorteil nach 6.e6!
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Statistiken sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, aber Sizilianisch ist schon insgesamt das populärste mit etwa 40-60% Ausspielwahrscheinlichkeit. Was je nach Spielniveau noch etwas verschieden ist: bei den Anfängern sowie bei der absoluten Weltspitze kommt 1...e5 (was sonst so bei etwa 20% liegt) nahe an 1...c5 heran. Dann kommt noch Französisch (~10-15%, zur Weltspitze hin abnehmend) und Caro-Kann (~5-10%, zur Spitze hin zunehmend). Alles andere liegt eben bei 0-5% und spielt auf GM-Niveau irgendwann keine nennenswerte Rolle mehr.
Die Popularität von Sizilianisch hat auch etwas mit Turnierformen zu tun. Im Remissinne minimal solider wären Spanisch/Russisch/Caro-Kann, die deswegen bei Rundenturnieren auf sehr gehobenem Niveau etwas wichtiger werden. Für Open auf 1800-2500-Niveau aber (und daher kommt ein sehr großer Teil heutiger Partien), wo man auch mit Schwarz prinzipiell gute Gewinnchancen braucht (mit einem ersten und vier fünften Plätzen gewinnt man mehr Geld als mit fünf dritten Plätzen), ist Sizilianisch für viele Spieler besser geignet.
Dabei beziehe ich mich durchgängig auf Menschen als Spieler. Wenn Computer Sizilianisch noch stärker als Menschen bevorzugen, liegt dies mMn daran, daß sie so (von Menschen!) mit ihrem Eröffnungsbuch eingestellt sind. Sizilianisch ist nicht nur objektiv ganz passabel, vor allem wird´s tendenziell auch taktisch und die Gefahr (für Computer!) von ineinandergeschobenen Bauernketten, wo die Blechdosen oft bißchen hilflos sind, ist sehr gering. Bei meinem Fritz und Rybka sind jedenfalls viel 1...c5 und bißchen 1...e5 in den Büchern (als "Turnierzüge") voreingestellt. Wenn man die Engines mal ohne EÖBücher spielen läßt bzw. die Stellung nach 1.e4 im Mehrvariantenmodus analysieren läßt, so wird eindeutig zentrales Vorgehen und frühe Springerzüge bevorzugt (1...d5, 1...e5, 1...Sc6, 1...Sf6, 1...d6, 1...e6; alles mit durchaus komischen Varianten). Sizilianisch wird so als 4. bis 8. Wahl bewertet. Wie sollten die dummen Blechdosen auch kapieren, daß bei 1.e4 c5 die Chance ziemlich groß ist, daß bei beidseitig gutem Spiel im 12. Zug eine dynamische halboffene Stellung mit schwarzer Zentralbauernmehrheit entsteht?! - Wie gut, daß die ersten Züge zur computerfreundlichen Stellung deshalb alle einprogrammiert sind!
Dass Computer "gern" Sizilianisch spielen, ist möglicherweise ein rekursiver, sich selbst verstärkender Prozess:
Im Eröffnungsbuch ist 1..c5 hoch gewichtet, also wird das oft ausgespielt.
Diese so entstehenden Partien werden dann von Computer-Schach-Betreuern zusätzlich ins Eröffnungsbuch importiert und die Wahrscheinlichkeit für 1..c5 steigt weiter an.
Geht man vom 1.Zug etwas tiefer in die ausgespielten Eröffnungen, wirkt dieser Effekt der Auslese von Eröffnungsvarianten auch - und übrigens verstärkt - auf die Folgezüge:
Nach einiger Zeit ist zu beobachten, dass im Computerschachbereich die B90-Variante ("Najdorf") mit 5..a6 die eigentliche Standard-Ausgangsposition ist und alles andere (auch im sizilianischen Sektor, wie etwa 5..g6, e6 oder 2.Sf3 Sc6 [statt 2..d6]) zu Nebenvarianten degradiert wird.
Noch mehr ist die Dominanz von "B90" zu beobachten, wenn das Eröffnungsbuch ausschließlich mit Computerpartien gefüttert wird: Dann haben Eröffnungen wie "Französisch" oder "Spanisch" oder gar Eröffnungen mit 1.d4/1.c4/1.Sf3 keine Chance mehr und erscheinen im Eröffnungsbuch als höchst exotische Varianten.
Im Sinne der Abwechslung ist es durchaus sinnvoll, auch von menschlichen Großmeistern gespielte Partien ins Eröffnungsbuch zu integrieren.
Ich selbst bin kein alzu großer Freund vom Sizi, der Franzose hat bei mir mehr Erfolge hinterlassen. Auch bin ich keiner der gerne Varianten büffelt, sodass der Sizilianer ohnehin schon ecklig wird, wobei auch der Franzose mit allerlei Varinten aufwartet. Und genau das wundert mich eigentlich, ich hab zwar keinen Plan von aktuellen studien noch befsse ich mich mit der Wichtung, die mein Programm nennt (ich hab das blöde Ding eh schon in die Hölle fahren lassen), aber warum nimmt der Franzose in der GM Klasse an beliebtheit im vergleich zum Sizi ab. Ich meine der Franzose bietet mehr möglichkeiten, zumindest fühle ich mich da nicht so verbaut und verbunkert wie im Sizi?!
Ich würde sagen, Französisch nimmt auf Weltklasse-Ebene gerade eher zu.
Vor allem das Klassische Französisch/Steinitz und die Rubinstein-Variante sind gerade wieder im Kommen, vor allem gespielt von Morosewitsch, Iwantschuk und Anand.
Meiner Meinung nach kann man nach 1.e4 mit nur wenig Theorie bis 1800 DWZ 1...Sc6 spielen!
Ab 1800 DWZ sollte man sich ran machen, die Varianten durchzubüffeln, auch wenn die Gegner nur die ersten 4 Züge kennen.
Ich spiele diese Eröffnung nun auch in der folgenden Saison.
Sicherlich wird es etwas gefährlich, mit zwei Bauern im Zentrum, allerdings muss Weiß mit viel Material verteidigen und Schwarz bekommt dadurch mehr Spielraum.
Da bin ich mir nicht so sicher, denn viele Varianten, wie zum Beispiel 1.e4 Sc6 2.d4 e5 3.Sf3 enden in ganz anderen Eröffnungen, und das nicht immer in einer günstigen Variante.
In dem von mir genannten Beispiel müsste sich Schwarz zum Beispiel mit Schottisch herumschlagen, was schon einiges an Theorie hat.
Wenn Schwarz also wrklich 1....Sc6 spielen will, dann sollte er auf jeden Fall die Zugumstellungen, die vorkommen können, kennen und diese zu vermeiden wissen oder sich doch an die Theorie ranmachen.
Außerdem ist die Eröffnung Anfängern sicherlich nicht zu empfehlen, denn sie verstößt direkt gegen die Grundsätze des Eröffnungsspiels!
Ich spiele auf 1.e4 gerne 1...c5 2.Sf3 Sc6. Falls nun wie üblich 3.d4 cxd4 4.Sxd4, dann spiele ich sofort 4...e5 (Löwenthal) und auf 5.Sb5 - was nicht jeder Weißspieler kennt - 5...a6 usw. Man sollte sich hier natürlich auch einiges ansehen, aber es ist fast nur eine Variante sozusagen. Ich gebe unten in der PGN eine kurze Beispielfortsetzung. 8.Dd1 ist von IMs aufwärts die häufigste Fortsetzung, aber dann wird sehr deutlich daß Weiß viele Tempi verloren hat:
r1b1k1nr/1p1p1ppp/p1n2q2/4p3/4P3/8/PPP2PPP/RNBQKB1R b KQkq - 0 8
Eine wichtige Abweichung ist 3.Lb5 (Rossolimo) und darauf habe ich mich mit dem seltenen 3...Sd4 angefreundet. Aber das spiele man "auf eigene Gefahr"! Gegen meine Gegner nützt sicher der Überraschungseffekt. Falls 4.Sxd4 cxd4 5.c3(?), dann 5...e5 und der weiße Damenflügel hat gewisse Entwicklungsstörungen.
r1bqkbnr/pp1p1ppp/8/1B2p3/3pP3/2P5/PP1P1PPP/RNBQK2R w KQkq e6 0 6
Langer Rede kurzer Sinn, man muß ja nicht gleich im ersten Zug etwas seltenes suchen. In diesem Beispiel hier sind 4...e5 und 5...a6 vergleichsweise seltenere Fortsetzungen als andere.
einiges ist gut... ich kenne keine eröffnung bei der man sich mehr anschauen sollte
Vermutlich ungenau gelesen? Die Anmerkung war doch nur auf die Variante 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e5 5.Sb5 a6 gemünzt, nicht auf das ganze Sizilianisch. Also gemeint war, daß man sich nach 5...a6 noch einiges anschauen sollte.
Man muß mir nicht erklären daß man für ein "umfassendes Beherrschen" von Sizilianisch extrem viel lernen muß bzw. müßte. Das hab ich während rund 30 Jahren der Beschäftigung mit Schach schon mitbekommen, dankeschön.
Gerade wegen der Variantenberge in Sizi-Hauptvarianten suchen sich ja Leute solche Nebenvarianten. Was ich meinte ist jedoch, daß man mit diesem Ansatz nicht unbedingt völlig auf 1...c5 verzichten muß (weil der Erstposter 1...Sc6 besprach), sondern auch danach "seltene Pfade" betreten kann.
Geändert von Alois Schachownik (25.07.2009 um 06:09 Uhr)
Na ich weiß nicht, ob es gut ist,im Sizilianer Nebenvarianten zu spielen.
Da gerät man oft viel zu schnell in Nachteil. Wenn überhaupt dann gibts ja noch so Varianten wie Vierspringersystem und Basman-Sale, die Weiß gut kennen muss (vor allem Basman-Sale).
Nun zur Löwenthal-Variante: In Experten vs. Sizilianisch (sehr zu empfehlen) wird 8.Dxf6 empfohlen. Ich finde das logisch, weil Weiß zum ersten nach Dd1 schon einiges an Theorie kennen muss und vor allem weil es Schwarz Richtung Endspiel mit einem Riesenloch auf d5 und einer schwachen Bauernstruktur zurücklässt - also Schwächen, die man sich als Weißer schon nicht mehr erarbeiten muss, sondern die man "nur noch" ausnutzen muss.
zur Löwenthal-Variante: In Experten vs. Sizilianisch (sehr zu empfehlen) wird 8.Dxf6 empfohlen. Ich finde das logisch, weil Weiß zum ersten nach Dd1 schon einiges an Theorie kennen muss und vor allem weil es Schwarz Richtung Endspiel mit einem Riesenloch auf d5 und einer schwachen Bauernstruktur zurücklässt - also Schwächen, die man sich als Weißer schon nicht mehr erarbeiten muss, sondern die man "nur noch" ausnutzen muss.