Re: Igelsystem
Hi Sanndrah!
Das Igel-System ist weniger eine konkrete Eröffnungsvariante
als vielmehr eine Mittelspielstruktur, die in einigen Eröffnungen
relativ häufig nach ca. 8-12 Zügen entsteht und durch eine
bestimmte Bauernstruktur gekennzeichnet ist, nämlich:
weiße Bauern auf a2,b2,c4,e4,f2,g2,h2
schwarze Bauern auf a6,b6,d6,e6,f7,g7,h7
der weiße d-Bauer und der schwarze c-Bauer sind getauscht.
Dies wäre ein "reiner schwarzer Igel", häufig steht der weiße
B-Bauer schon auf b3, oder der f2 auf f3, oder oder oder
Meistens sind beim Entstehen dieser Struktur noch (fast)
Schwer- und Leichtfiguren auf dem Brett.
Weiß hat Raumvorteil, er versucht den schwarzen Zentrums-
gegenstoß d6-d5 zu verhindern und greift üblicherweise am Königsflügel an
Schwarz besitzt eine sehr elastische Auffangstellung, die kurzfristig ziemlich passiv erscheint, aber langfristig sehr
explosive Konter vorbereitet; und wenn der weiße Angriff
fehlschlägt, ist die schwarze Bauernstruktur im Endspiel
oft sehr günstig!
Auf Supergroßmeister-Niveau hat Weiß zwar einen minimalen
Vorteil in den theoretischen Varianten, aber die schwarze
Stellung ist am Brett oft einfacher zu spielen, man kann
wohl von gleichen Chancen sprechen.
Insbesondere entsteht eigentlich immer eine interessante
Partie, es gibt keine Abtausch- oder Remisvarianten.
Entwickelt wurde dieses Mittelspielkonzept für Schwarz etwa
ab 1965 insbesondere von GM Mihai Suba, zuerst meist aus
Sizilianisch (Scheveninger Variante). Dann auch aus anderen
Sizilianisch-Varianten (Najdorf,Paulsen,Taimanov) sowie aus
der Englischen Symmetrievariante oder häufig auch aus
Damenindisch.
Seit einigen Jahren ist der Igel sehr populär geworden (wie
früher der Drachen), in Deutschland vor allem dank den
Bemühungen von GM Matthias Wahls.
Bei aller Attraktivität ist der Igel keine ganz einfach zu
handhabende Struktur, man sollte schon Dwz 1700 haben,
bevor man sich da rantraut!
Den Igel mit Weiß sieht man bedeutend seltener, da Weiß
sich ja sozusagen freiwillig erstmal in die Defensive begibt,
z.B. 1.b3 c5 2.Lb2 Sc6 3.e3 Sf6 4.c4 e5 5.d3 d5 6.cxd5 Sxd5
7.a3 usw.
MfG tracke
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