Den Stonewall (wohlgemerkt mit Weiß) habe ich früher selber jahrelang gespielt. Von daher kenne ich ihn auch ein bißchen näher. Als seine größte Schwäche sehe ich die Eindimensionalität. Das Motto lautet eigentlich nur "Angriff am Königsflügel". Das angestrebte Entwicklungsschema des Weißen ist meistens dasselbe: d4, e3, Ld3, c3, f4, Sf3, 0-0, Se5, g4, g5, Lxh7+, Dh5+, Tf3, Th3 und aus die Maus.
Aber selbst schwächere Spieler sind in der Lage diesem die Spitze zu brechen. Zum Beispiel durch das Fiancchetto des Königsläufers (... g6 + ... Lg7), ein frühzeitiges ... Lg4 oder einfach die lange Rochade (Es gibt nichts Schöneres als die herunterfallenden Mundwinkel eines Stonewallers zu sehen, wenn Schwarz plötzlich lang rochiert.

). Und schon steht der Stonewaller auf dem Trockenen. Da helfen dann auch andere Spielideen - wie z.B. von
Soltis in
The Stonewall Atack dargelegt - in meinen Augen nicht so recht weiter. Stonewall ist einfach zu sehr auf einen Flügel ausgerichtet.
Das hat auch Soltis selber erkannt. Und bietet in einem anderen Buch (
White Opening System Combining Stonewall Attack, Colle System, Torre Attack) eine Kombination verschiedener Eröffnungen an. Wobei der Weiße immer die geeignetste wählen soll - in Abhängigkeit von den jeweiligen Zügen des Schwarzen.
Aber das war mir auf die Dauer zu umständlich. Darum bin ich auf das Damengambit umgestiegen. In deren Abtauschvariante beispielsweise ergibt sich von alleine eine große Vielfalt an Plänen und Ideen für den Weißen; Minoritätsangriff am Damenflügel, Bauerndurchbruch im Zentrum oder auch lange Rochade und Angriff am Königsflügel.Weiß hat (fast) die freie Wahl.
Ich bin jedenfalls mit dem Damengambit erfolgreicher als mit Stonewall, und das Schach macht mir wieder wesentlich mehr Spaß. Vielleicht war das ja auch einer der Gründe, warum ich nur einen * vergeben habe. Aber mehr als 1½ * sind auch heutzutage nicht drin.