Gehört dieser Thread nicht irgendwo anders hin? Vielleicht unter "Strategie/Eröffnungen"?
@Leko: Ich glaube, es ist Giddens und cream schon klar, daß Sg1-h3-f4 gemeint ist. - Außerdem finde ich nicht, daß die SOS-Bücher so richtig zu creams Frage passen.
Was 4.Dxd4 im d6-Sizilianer betrifft, so möchte ich anmerken, daß dies tatsächlich eher ein praktisches/psychologisches Problem mancher Schwarzspieler ist. Theoretisch hat Schwarz wohl keine Probleme nach 4.Dxd4 (und sogar die Wahl zwischen 4...Sc6, 4...a6 oder dem ganz scharfen 4...Sf6?!). Die Zugumstellung über 3...Sf6 4.Sc3 cxd4 bringt dafür andere Varianten mit sich (4.dxc5, 4.e5), die wohl letztlich alle ebenso ausgeglichen/unklar sind (?, damit habe ich mich zuletzt vor 10 Jahren beschäftigt) aber eben auch gelernt/studiert werden müssen.
Im Holländer liegen die Dinge m.E. ganz anders: dort hat Schwarz ein echtes theoretisches Problem (klein aber unangenehm), falls er nur den Stonewall oder nur Iljin-Genewski beherrscht. Erst mit der Kenntnis beider Systeme
und einer geschickten Zugfolge kann er den weißen Stellungsvorteil auf ein erträgliches Maß herunterschrauben.
Was die allgemeine Problematik dieser Zugfolgenfeinheiten angeht ("Handeln mit Optionen") angeht, so ist die Darstellung bei Giddens ziemlich optimal, um das Grundproblem und die Lösung zu verstehen. Allerdings kenne ich kein Buch, wo wesentlich mehr Beispiele gebracht werden.
Dies liegt wohl auch daran, daß die Dinge oft viel komplizierter liegen als im Holländer! Da ist es nicht so, daß beide Spieler 5 Optionen haben und mit jedem Zug eine Option gegen eine andere tauschen. Nein, in einem Konglomerat von 30 Subsystemen (definiert etwa im 6-12.Zug) beherrscht jeder Spieler 25 dieser 30 und tauscht mit jedem Zug 4 davon gegen 4 andere. (Und manche GM wie Timman oder Iwantschuk haben ein derart breites Repertoire, daß man sie praktisch nicht auf dem falschen Fuß erwischen kann; man muß sie schon auf dem richtigen Fuß erwischen und irgendwo "die Theorie knallhart diskutieren").
Einige halbwegs einfache Probleme findet man wohl im Offenen Sizilianer:
Mit Schwarz: Scheveningen über 2...d6 oder 2...e6 - Klassisch über 2...d6 oder 2...Sc6 - Taimanov über 2...e6 oder 2...Sc6, usw.
Mit Weiß: 2...Sc6 3.Sc3 verhindert Sweschnikow, erlaubt 3...e5 oder Beschl.Drachen ohne Maroczy - 2...d6 3.Sc3 verhindert Najdorf?
Die kompliziertesten Fälle gibt es dann in der "d6/g6-Familie" (Königsindisch, Pirc, Königsfianchetto, Leningrader, verschiedene Benoni-Abarten) und in der "e6-Familie" (Französisch, Damenfianchetto, Damengambit, Halbslawisch, Holländisch, Mod.Benoni, Franco-Benoni, Franco-Indisch, Nimzo/Damen/Bogo/Dzindzi-Indisch, usw.); diese Aufzählungen machen wohl schon klar, daß eine allgemeine Darstellung u.a. an Platzgründen scheitert.
Der prominenteste Fall für Weiß liegt in 1.Sf3/1.c4, falls Weiß im Prinzip Damengambit, Slawisch oder Königsindisch spielen aber Grünfeld/Nimzo/Benoni/Wolga umgehen möchte (siehe dazu Khalifmans Kramnik-Repertoire). Dafür muß Weiß dann den Igel und frühes Sf3 im Damengambit inkaufnehmen. Komischerweise sehen die wenigsten 1.c4-Spieler 1...e5! als Problem (sollten sie aber!).
Nun gut, cream, vielleicht solltest Du mit speziellen Problemen anfangen. Denn für praktisch jede Eröffnungsvariante gibt es irgendwo eine spielbare Zugfolgenfalle! Vielleicht sollten spezifische Probleme aber auch an entsprechender Stelle behandelt werden - ich will aber den Thread hier nicht abwürgen. Und vielleicht hattest Du Dir auch eine ganz andere Art von Antwort vorgestellt?!
tracke

Es dürfte auch klar sein, daß diese Problematik sehr eng mit der yevonne aufgeworfenen Frage nach einem mehrgleisigen Repertoire zusammenhängt. Ein sehr enges und daher ausrechenbares Repertoire kann man tendenziell natürlich viel leichter austricksen. Es sei denn, daß dies Repertoire an jeder Stelle so solide und wasserdicht ist, daß man minderwertig abweichen müßte, um herauszukommen.