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Schach - Eröffnung / Figurenentwicklung

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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #1 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 09:02
Benutzerbild von Calimero44
Calimero44
beinahe ein Schachjournalist
 
Registriert seit: 01.2005
Ort: Bergheim
Beiträge: 254
Frage Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen

Hallo Forum,

mit Weiß bin ich ein absoluter Anhänger der Wiener Partie.
Zumeist wähle ich den Aufbau e4; Sc3; Lc4; d3; f4

Obwohl ich mit dieser Eröffnung eine nahezu perfekte Quote gegen ebenbürtige Gegner aufweise (zuletzt +5, -0, =1), zerlegt mich Fritz8 bei der anschließenden Analyse nahezu in alle Einzelteile:
Er sieht mich nach diesem Aufbau fast grundsätzlich bereits auf Verlust, was mich natürlich etwas unsicher macht, da ich mich in der Eröffnung sehr wohl fühle und der Erfolg ihr/mir auch Recht gibt.

Meine Frage an Euch : wie geht ihr mit derartigen Erkenntnissen um? Gebt ihr im heutigem Computer-Zeitalter der Technik "Recht" und schwenkt entsprechend um, oder spielt ihr unbeirrt das weiter, was euch das beste Gefühl vermittelt? Eure Erfahrungen müssen natürlich nicht auf Basis der Wiener Partie entstanden sein sondern grundsätzlich.

Ich bin mir sicher, dass das eine Frage der Spielstärke ist und die Technik einen sicher eines besseren Belehren wird je stärker die Gegner werden.
Aber bei meiner Spielstärke (Elo 1500 - 1800???). Steh ich mir selbst in meiner Entwicklung im Wege wenn ich Fritz Analyse unbeachtet lasse und auf mein Gefühl höre?

Würde mich über Anmerkungen zu diesem "Gewissenskonflik" freuen.

Gruß

Cali
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #2 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 10:07
Cpt. Bligh
Garry des Forums
DWZ/Elo: 1757
 
Registriert seit: 02.2004
Ort: Münster
Beiträge: 2.415
Ich würde mal sagen, du beherrschst die Eröffnung nicht so gut wie sie sein könnte, hast aber deshalb eine so gutew Quote, weil deine Gegner die Eröffnung nicht kennen.
Sowas kennt man ja, man spielt irgendeinen Wurscht (was bei diraber nicht der Fall ist) und kommt in Vorteil weil der Gegner die Stellung noch nicht gesehen hat.
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #3 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 10:14
Big Ben
alter Hase
DWZ/Elo: ~ 2100
 
Registriert seit: 08.2004
Beiträge: 174
Nimm Fritz in dem ZUsammenhang einfach nicht zu ernst, sonst musste bald aufhören Schach zu spielen. Natürlich ist es sinnvoll darauf zu achten, was Fritz taktisch empfiehlt. Allerdings bringt es schon mal viel, wenn Du mit nem konstruktiven Plan spielst. Also spiel das weiter, würde ich Dir raten.
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #4 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 10:16
Benutzerbild von JoelH
JoelH
Chessgeek
DWZ/Elo: 1800
 
Registriert seit: 06.2004
Ort: Burg Frankenstein
Beiträge: 265
hmm,

Zitat:
Zitat von Calimero44
Ich bin mir sicher, dass das eine Frage der Spielstärke ist und die Technik einen sicher eines besseren Belehren wird je stärker die Gegner werden.
Aber bei meiner Spielstärke (Elo 1500 - 1800???). Steh ich mir selbst in meiner Entwicklung im Wege wenn ich Fritz Analyse unbeachtet lasse und auf mein Gefühl höre?

Würde mich über Anmerkungen zu diesem "Gewissenskonflik" freuen.

Gruß

Cali
Ich denke nicht. Ich gehe mal davon aus dass dich Fritz zumeist taktisch wiederlegt und feine Königsangriffe insziniert. Dieses Problem wirst du gegen Spieler deiner genannten Stärke in viel geringerem Maße haben. Natürlich ist es frustrierend wenn man sieht wie Fritz einem immer wieder die Stellung zerbröselt, nichtsdestotrotz ist eine spielbare Eröffnung eine spielbare Eröffnung und nicht jeder Gegner ein Taktikmonster. Ich denke du kannst auch was dabei lernen, vor allem versuch mal typische Schemata zu erkennen die Fritz nutzt, dass hilft dir auf jeden Fall. Ich meine wenn ich Fritz glauben würde dürfte ich definitiv kein Leningrader spielen.

Geändert von JoelH (26.04.2005 um 10:17 Uhr) Grund: typos
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #5 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 10:22
Nebuchadnezzar
Aktiver
DWZ/Elo: 1900
 
Registriert seit: 03.2005
Beiträge: 35
Solange Du eine so eindrucksvolle Bilanz mit dieser Eröffnung vorweisen kannst, würde ich dabei bleiben. Es scheint, dass die Eröffnung gut mit deinem Spielstiel harmoniert und das ist das wesentlichste.

Sicher solltest Du an deinen eröffnungstheoretischen Kenntnissen arbeiten.

Leg dir entsprechende Literatur zu. Spiele mal 50 Schnellpartien mit dieser Eröffnung gegen Fritz und schaue sie dir danach mit Fritz an. Dann wird es dir weniger passieren, dass Du aus einer Verluststellung heraus versuchen musst den Gegner zu übertölpeln. Je besser Du und deine Gegner werden, desto weniger kannst Du dir es erlauben bereits die Eröffnung zu versauen.

mfg Nebuchadnezzar
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #6 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 12:48
berserksgangr
Schachjournalist
DWZ/Elo: ~1750
 
Registriert seit: 11.2004
Ort: Bonn
Beiträge: 267
bei eröffnungen darf man fritz nicht ernst nehmen! ich spiele gerne mal 1. b4, wonach mich fritz schon mit 0,6 hinten sieht ;-)

guck dir mal im internet GM-partien an und analysier die. da zeigt fritz nach 2 zügen manchmal auch 0,7 an... ich glaube kaum daß die GMs das spielen würden wenns nicht spielbar wäre!

und zu guter letzt:
ich glaube ein spieler unter 1800 kann einen stellungsvorteil von 0,5 gar nicht nutzen. ein nicht guter zug (ich vermeide das wort schwach ) kann direkt mal 0,3-0,5 kosten
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #7 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 14:16
Benutzerbild von Calimero44
Calimero44
beinahe ein Schachjournalist
 
Registriert seit: 01.2005
Ort: Bergheim
Beiträge: 254
Zitat:
Zitat von Nebuchadnezzar
Je besser Du und deine Gegner werden, desto weniger kannst Du dir es erlauben bereits die Eröffnung zu versauen.
Mein Eindruck war eben, dass ich die Eröffnung bislang nicht "versaut" habe, sondern sie echt eindrucksvoll Wirkung hinterlässt.

Besten Dank aber an dieser Stelle für die viele konstruktiven Feedbacks.
Ich halte fest...es lohnt sich Fritz zu Rate zu ziehen, wenn es an die Feinheiten der Eröffnung geht. Man sollte es/ihn (welches Geschlecht hat Fritz eigentlich? ) aber nicht zu ernst nehmen und seinem innersten Gefühl tendentiel treu bleiben.

Irgendwie ein beruhigendes Gefühl, dass wir es alle vorziehen unseren eigenen Gedanken zu folgen als uns von einer Maschine abhängig zu machen.

Möchte den Thread damit aber nicht schließen..würde mich über weitere Meinungne freuen.

Cali
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #8 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 14:24
Big Ben
alter Hase
DWZ/Elo: ~ 2100
 
Registriert seit: 08.2004
Beiträge: 174
Zitat:
Zitat von Calimero44
Man sollte es/ihn (welches Geschlecht hat Fritz eigentlich? )

Fritz denkt logisch, also sollte er männlich sein

@berserksgangr: Auch wenn man kleine Vorteile nicht unbedingt nutzen kann, ist es oft angenehmer damit zu spielen als mit nem Nachteil. Und einfach herschenken würde ich die Vorteile auch nicht. Das ist typisch für 1600er, dass es ihnen halbwegs egal ist, wenn die Position nicht ganz stimmt, solange sie ihre Tricks (Fallen, taktische Optionen ... ) haben. Wenn man sich verbessern will, sollte man da schon Wert drauf legen, genau zu spielen.

Dass Fritz strategische Beurteilungen nicht leicht fallen ist, denke ich, auch klar.
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #9 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 14:32
Benutzerbild von Calimero44
Calimero44
beinahe ein Schachjournalist
 
Registriert seit: 01.2005
Ort: Bergheim
Beiträge: 254
Zitat:
Zitat von Big Ben
Das ist typisch für 1600er, dass es ihnen halbwegs egal ist, wenn die Position nicht ganz stimmt, solange sie ihre Tricks (Fallen, taktische Optionen ... ) haben. Wenn man sich verbessern will, sollte man da schon Wert drauf legen, genau zu spielen.
Nur eine Verständnisfrage @ BigBen:

Steht diese Auffassung nicht entgegen Deiner vorherigen Aussage, dass ich Fritz nicht so ernst nehmen sollte wenn er mich trotz Strategie auf Verlust sieht?

Im übrigen denke ich auch, dass Fritz zumindest "er" oder "es" ist..und nicht "sie".
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #10 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 14:48
Benutzerbild von JoelH
JoelH
Chessgeek
DWZ/Elo: 1800
 
Registriert seit: 06.2004
Ort: Burg Frankenstein
Beiträge: 265
hmm,

Zitat:
Zitat von Big Ben

@berserksgangr: Auch wenn man kleine Vorteile nicht unbedingt nutzen kann, ist es oft angenehmer damit zu spielen als mit nem Nachteil.
Kannst du erkennen ob du 0,3 (Fritz)-Einheiten vorne liegst, ich meine Am Brett wärend der Partie, nicht wärend der Analyse. Ich glaubs nämlich nicht.
Zitat:
Zitat von Big Ben
Und einfach herschenken würde ich die Vorteile auch nicht.
s.o., mit dem Zusatz versehen, analysiere viel mit Fritz und du wirst oft sehen dass er oft Fantasiebewertungen bringt die nach wenigen Zügen völlig anders sein können. Wenn ich Fritz analysieren lassen dann mit einer Tolleranz von 0.5 weil was darunter ist eh meinst nur marginal ist, nur ganz selten ist etwas dabei was wirklich interessant ist. Zumindest bei den meisten Zügen einer Partie. Nur bei Schlüsselstellungen ist eine genauere Analyse interessant, wo man dann auch den Variantenbaum richtig durchanalysiert.

Zitat:
Zitat von Big Ben
Dass Fritz strategische Beurteilungen nicht leicht fallen ist, denke ich, auch klar.
Aber genau dies ist ein Problem wenn man seinen Wertungen folgt.
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #11 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 15:42
Big Ben
alter Hase
DWZ/Elo: ~ 2100
 
Registriert seit: 08.2004
Beiträge: 174
@JoelH: Ich gebe Dir in allen Punkten recht, ich kann sicher nicht einschätzen, wie Fritz eine Stellung bewertet. Hoffentlich verstehe ich aber manche strategischen Aspekte und Pläne besser als er. Was ich eigentlich sagen wollte, ist das man zwischen zwei potentiellen Zügen nicht den wählen sollte, der eine Falle aufstellt, sondern den, der besser für die Position ist.
Ob ich in ner Partie leicht besser oder schlechter ( +-0.3 ) stehe, kann ich glaube ich schon halbwegs oft bewerten (wobei man da unter GM-Niveau sicher immer wieder falsch liegen wird).

@berserk: Die zitierte Aussage war nicht auf Fritz bezogen. Allein wegen der von Joel berichteten Schwankungen in der Bewertung sind solche Computerbewertungen nicht auf dei Goldwaage zu legen. Ich meine damit eher, dass man zweitklassige Züge wie 1.b4 nicht zu oft machen sollte.
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  Fritz contra Wiener Partie/eigenen Erfahrungen Beitrag #12 (permalink)  
Alt 26.04.2005, 15:51
Benutzerbild von James Bond 007
James Bond 007
Garry des Forums
DWZ/Elo: 1561
 
Registriert seit: 12.2004
Ort: Bad Kissingen
Beiträge: 1.130
Ich möchte zu dieser Diskussion noch erwähnen, dass Sizilianisch, immerhin die meistgespielte Eröffnung überhaupt, meistens vom Fritz mit einem +0.4 Vorteil für Weiß bewertet wird. Schon allein deshalb muss man Fritz-Analysen in der Eröffnung mit Vorteil genießen.
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