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Schach - Gambits

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  Groteske Eröffnungsideen - Teil 01 Beitrag #1 (permalink)  
Alt 17.11.2010, 20:43
Dede
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DWZ/Elo: 2122/----
 
Registriert seit: 08.2010
Ort: Hamburg
Beiträge: 89
Groteske Eröffnungsideen - Teil 01

Hai Folks,

Im Sinne einer stärkeren Beteiligung von euch Schreibfaulen an einer Diskussion, eröffne ich hiermit mal einen neuen Thread zum Thema Eröffnung, oder genauer: zum Thema Gambits. Das meiste von dem, was von nun an hier von mir eingestellt werden wird, stammt aus einer Zeit von vor etwa 15 bis 20 Jahren, als ich einerseits noch daran interessiert war, eine eigene Eröffnungsvariante zu "(er)finden" und andererseits kein wirklich starkes Computerprogramm besaß, mit dem ich die Ideen aus meiner Hexenküche prüfen konnte. Ich habe mittlerweile wieder kein solches Programm mehr (lenkt mich zu sehr ab...), und nun zusätzlich weder die Zeit, noch die Lust, das Versäumte nachzuholen. Das heißt, dass alles, was ihr hier so lesen werdet, im Grunde nur aus meinen relativ oberflächlichen Analysen von damals sowie aus ein paar Probepartien gegen relativ schwache Schachcomputer (dann allerdings auf hohen Spielstufen) stammt. Aber es geht mir gerade darum, dass ihr euch mit euren Urteilen nicht zurückhalten sollt. Schaut euch einfach an, was mir dereinst so durch den Kopf ging. Wer weiß, vielleicht haut ihr mir das ja einfach um die Ohren. Oder ihr entdeckt Interessantes, das ihr demnächst selbst mal ausprobieren wollt?! Kurios, grotesk oder bizarr sind jedenfalls so manche der Ideen. Doch schaut und lest selbst:

Vielleicht erging es euch ja auch schon mal so ähnlich wie einst mir. Eventuell ward ihr einmal genauso interessiert daran, nicht nur Varianten und Systeme aus Büchern zu verstehen, sie zu studieren, zu pauken, ins Repertoire zu übernehmen oder einfach zu bestaunen, sondern vielleicht wolltet ihr auch selbst schon eine Eröffnung kreieren, die dann auf ewig mit eurem Namen verbunden sein würde.
Eventuell macht es euch aber noch mehr Spaß, Neuerungen in einer Eröffnung zu untersuchen und gegebenenfalls zu widerlegen. Nun, wie dem auch sei, aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es mit den eigenen Eröffnungen bzw. Widerlegungsversuchen herbe Enttäuschungen geben kann (in der Regel war es zumindest mit meinen so!).
Mein erster Versuch, eine eigene und neue Eröffnung zu erfinden, fand um die Weihnachtszeit 1979, also im zarten Alter von 14 Jahren statt. Na, und weil meine schachliche Natur von jeher taktisch ausgelegt war, sollte es selbstverständlich ein Gambit sein, das ich erfinden wollte. Nachdem ich beim Experimentieren auf einen kühnen, gambitartigen Zug gekommen war und diesen in ein, zwei (ziemlich oberflächlich gespielten) Partien gegen mich selbst nicht sofort widerlegen konnte, befragte ich meine (seinerzeit zahlenmäßig sehr gering vorhandenen) allgemeinen Eröffnungswerke. Und siehe da, „mein“ neuer Zug wurde nirgends erwähnt. Mit jugendtypischem Enthusiasmus (aber ebensolch typischer Einfalt) ging ich einerseits davon aus, etwas umwälzend Neues entdeckt zu haben, andererseits glaubte ich auch, auf der Höhe meiner Schachkunst zu stehen! Nach einer weiteren kurzen, nur wenig umfangreicheren Untersuchung erzählte ich meinem damals ständigen und einzig ernstzunehmenden Schachpartner H.-J. W., dass ich eine neue Eröffnung für Schwarz ersonnen hätte und sie gerne einmal gegen ihn probieren wollte. So kam es am 2. Januar 1980 zu einem ersten praktischen Test (zur Gaudi gebe ich meine drei damaligen Kommentare mit an!):

W. - ich
freie Partie Berlin 1980
Mittelgambit im Nachzug (vermeintliches „M.-Gambit“) [C 40; KP 9-10]
1. e4 e5 2. Sf3 d5 [„Ein von mir erdachter Zug, der mir ein gutes Zentrum sichert.“] 3. exd5 e4! 4. Sg1 Sf6 5. Sc3 Sxd5 6. Lc4 [„Natürlich nicht 6. Sxe4 De7 7. d3 f5 mit Figurenverlust.“] 6. ... Sf6 [„Ein Tausch bringt Weiß ein gutes Zentrum (6. ... Sxc3 7. bxc3 nebst d2-d3 oder d2-d4).“] 7. Sge2 Sc6 8. 0-0 Lc5 9. Te1 0-0 10. Sf4 Lf5 11. b3 De7 12. Lb2 Tad8 13. d3 e3! 14. fxe3 Lxe3† 15. Kh1 Dc5? 16. Sa4 De7 17. c3 Lg4 18. Db1 Tfe8 19. d4 Dd7 20. Dd3?? Lxf4 21. Txe8† Txe8 22. h3 Te3! 23. Dc2 Lxh3! 24. gxh3 Dxh3† 25. Kg1 Tg3† 26. Kf2 Tg2† 27. Ke1 Dh1† 28. Lf1 Txc2 29. Td1?? Lg3#.

Abgesehen davon, dass ich von einer gediegenen Partieanalyse und -kommentierung damals offensichtlich nur eine bestenfalls überaus vage Ahnung hatte (was meine fehlerhaften Varianten sowie die Tatsache, dass ich keinen einzigen Wendepunkt erkannt bzw. benannt habe, beweisen) und genauso offensichtlich von einer dogmatischen Wertschätzung des Zentrums sehr stark beeinflusst war, möchte ich als Pluspunkt für mich reklamieren, dass ich immerhin auf die Idee e5-e4 ganz allein gekommen war.
Leider war die Freude über und das Gefühl des Stolzes auf „mein Gambit“ von nur sehr, sehr kurzer Dauer. Schon am 3. Januar teilte mir mein Freund Achim (der nach dieser Niederlage natürlich bei sich zu Hause ebenfalls sofort in seinen Theoriewerken nachgeforscht hatte) schonungslos offen mit, dass die Spielweise 1. e4 e5 2. Sf3 d5 nicht nur bereits bekannt sei, sondern „Mittelgambit im Nachzug“ heiße und laut seines Buches (Teschner: »Das moderne Schachlehrbuch - Teil 1 - Die Eröffnung«, Wilhelm Goldmann Verlag) keinen guten Ruf genösse.
Das enttäuschte mich zunächst sehr, aber nach einer kurzen Periode der Resignation beschloss ich, nicht aufzugeben.
Ich unternahm einen weiteren Versuch, ein eigenes Gambit zu erfinden. Die Geschichte des „M.-Gambits“ zweiter Teil nahm eigentlich einen ziemlich ähnlichen Verlauf wie der erste Anlauf; nur dass die Erkenntnis, nichts Neues entdeckt zu haben, sich über einen viel längeren Zeitraum erstreckte. Und das war so: In der Pirc-Verteidigung kam mir im Februar 1980 nach 1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. Lg5 Lg7 der frühzeitige Zentrumsvorstoß 5. e5 in den Sinn, und ich experimentierte damit herum. Noch in dieser Experimentierphase kam es auch zur ersten praktischen Erprobung „meines“ Gambits:

ich - W.
Freie Partie Berlin 1980
Pirc-Verteidigung [B 07; PU 7-9]
1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. Lg5 Lg7 5. e5!? dxe5 6. dxe5 Sfd7 [Intuitiv vermied Achim den Damentausch. Vielleicht, weil er davon ausging, dass sich dahinter eine Falle verbergen müsse, da ich damals dafür bekannt war, nur ungern zu einem so frühen Zeitpunkt die Damen zu tauschen.] 7. e6! fxe6 8. Dd2 b6? 9. Lh6 Lxh6?! [Damals kommentierte ich lakonisch: „Daß (sic!) die Dame auf ein schlechtes Feld kommt, scheint nur so.“ - Offensichtlich!] 10. Dxh6 Lb7 11. 0-0-0 Dc8 12. Sge2 Sf8?? 13. Sf4? [Mein damaliger Kommentar war wieder genauso lapidar wie zutreffend: „Besser Dg7 [mit] T[urm]-Gewinn!!“] 13. ... e5 14. Sd3 Sc6 15. f4 ef 16. Sxf4 Dg4 17. Le2 Df5 18. g4 De5? 19. Td5! Df6 20. Se4! Df7 21. Lc4! e6 22. Te1!! [Nein, wofür ich damals so alles Rufzeichen verteilt habe. Beinahe wie W. Uhlmann...] 22. ... Sb4 23. Td4 Lxe4 24. T1xe4 c6? 25. Sxe6 Sxe6 26. Txe6† De7 27. Txe7† Kxe7 28. Dg7† Schwarz gab auf (1-0).

Dieser Erfolg, der eigentlich noch deutlicher hätte ausfallen müssen (12. Dg7...), beflügelte meine Analysewut. Erst nach einiger Forschungsarbeit schaute ich in meiner immer noch unzulänglich ausgestatteten Bibliothek nach und fand in der Reihe „Kleine Schachbücherei“ im Band 6 [Borik, O. (1977): »Eröffnungen Halboffene Spiele«, Beyer Verlag Hollfeld] auf Seite 79 den Hinweis: „... 5. e5!? de5: 6. de5: Dd1:†(?) 7. Td1: Sd7! (7. ... Sg4? 8. h3! Se5: 9. Sd5! und gewinnt z.B.: 9. ... Sa6? 10. La6: ba6: 11. Sc7:† Kf8 12. Td8 matt) 8. Sd5 Le5: 9. Sf3 Ld6 10. Le7: Le7: 11. Sc7:† Kd8 12. Sa8: b6 nebst Lb7 - unklar. Einfacher wäre 6. ... Sg4 7. Dd8:† Kd8: 8. Tad1† Ld7 9. f4 h6! 10. Lh4 g5 11. fg5: hg5: 12. Lg5: Sh2: drohend Sf3† und Le5: –/+“.
Sehr befriedigt stellte ich fest, dass meine eigenen Untersuchungen offensichtlich nicht schlecht waren, denn dass die natürliche Reaktion 6. ... Dxd1† ein weniger guter Zug ist, hatte ich auch analysiert. Ich hatte sogar die sich anschließende Buchvariante als für beide Seiten beste Möglichkeit selber entdeckt. Allerdings sah ich nach 12. ... b6 immer noch eher Weiß im Vorteil, was nur zum Teil darauf beruhte, dass ich die Variante ja für Weiß entwickeln wollte. Ich hatte nämlich außerdem noch die Untersuchung mit 13. Lc4 Lb7 14. Ld5 fortgesetzt und gemeint, dass es in dem sich abzeichnenden endspielartigen Mittelspiel mit weißem Turm und zwei Bauern gegen zwei schwarze Leichtfiguren nur Schwarz wäre, der in Verlustgefahr geraten könnte. Darüber hinaus sagte mir das Abspiel 14. Sxb6 ab 15. Lxf7 Lxf3 16. gxf3 Tf8 17. Ld5 Kc7 weit weniger für Weiß zu, weil die undynamische weiße Bauernstruktur am Königsflügel nur wenig Hoffnungen auf Vorteil zuzulassen schien. Nicht ohne Stolz möchte ich anmerken, dass ich all diese Ergebnisse Jahre später in der einschlägigen Literatur bestätigt fand. Doch damals hatte ich davon noch keine Ahnung.
Ich erinnere mich, dass ich seinerzeit nicht allzu sehr von der Tatsache, dass vor mir schon andere Spieler auf die Idee gekommen waren, 5. e5 zu spielen, enttäuscht war. Zwar hätte ich es natürlich lieber gesehen, wenn schon dieser Zug ausschließlich mein Patent gewesen wäre, doch einerseits empfand ich Befriedigung darüber, einiges selbst gefunden zu haben und vor allem andererseits hatte ich bei 5. e5 neben der Fallenstellerei offenbar einen anderen Hintergedanken als O. Borik: Ich wollte nämlich hauptsächlich diesen Bauern opfern!
5. ... dxe5 6. dxe5 Sg4 wollte ich mit 7. Sd5!? bzw. 7. Dxd8† Kxd8 8. Sf3!? und undurchschaubaren Verwicklungen beantworten, während ich auf 6. ... Sfd7 7. e6! zu ziehen gedachte. Beides war augenscheinlich neu, denn sonst hätte es Borik doch erwähnt, so glaubte ich jedenfalls. Lange Zeit ging ich davon aus, mit der Entdeckung 5. e5 in Verbindung mit meiner Absicht, diesen Bauern für Linienöffnungen zu opfern, wenigstens teilweise theoretisches Neuland betreten zu haben. Als ich dann später aus besseren (bzw. umfassenderen) Theoriebüchern erfuhr, dass all das in Wirklichkeit schon von anderen lange vor mir entdeckt worden war, musste ich einsehen, dass es wieder nichts mit dem „M...-Gambit“ war. Die Tatsache jedoch, dass meine Analysen zum Thema zum größten Teil korrekt und auch die Einschätzungen oft richtig waren, erfüllt mich noch heute mit Stolz. Ich habe damals viel an sauberer Analysetätigkeit gelernt und auch wenn das Thema selbst niemals meinen Namen tragen wird, führte die ausführliche Arbeit daran am Ende dazu, dass die Spielweise immer noch zu meinem Eröffnungsrepertoire (freilich in ausgefeilterer Form) gehört.
Doch noch bevor ich herausfand, dass letztendlich nicht einmal die Bauernopferidee von mir allein ausgeheckt worden war, suchte ich schon wieder unverdrossen nach einer anderen eigenen Gambit-Eröffnung. Schließlich war mir ja bewusst, dass zumindest die Einleitung (1.e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. Lg5 Lg7) nicht von mir stammte. Mein Ehrgeiz, etwas ganz Eigenes zu kreieren, war größer denn je.
Die Geschichte des „M.-Gambits“ dritter Teil nahm jedoch in gewisser Weise einen noch tragischeren Verlauf, als der erste Versuch. Es war wieder in der Weihnachtszeit, diesmal im Jahre 1981, als ich glaubte, endlich am Ziel zu sein. Mittlerweile war ich wesentlich besser mit Schachbüchern ausgestattet, so dass ich, als ich auf die Idee 1. e4 e5 2. Sf3 c6 verfiel, schon eher davon ausgehen konnte, dass es dieses Bauernopferangebot nun wirklich noch nicht geben würde, nachdem ich es in meiner Bibliothek nicht finden konnte. Nach einer relativ ausführlichen Untersuchungsphase, die sich über ziemlich genau drei Monate hinzog und in der ich sogar ein Analyse-Heftchen anlegte und Diagramme anfertigte, ausschnitt und einklebte, erprobte ich die Spielweise auch praktisch. Und das mit sehr hoffnungsvollem Beginn (ich gewann gegen einen Vereinskammeraden eine Blitzpartie, gegen einen anderen Schachfreund eine freie Partie und gegen meinen Mephisto modular eine Partie auf Turnierstufe).
Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. Es war der alte Fuchs und ehemalige Berliner Meister K.-U. Müller, der in einer freien Partie im April 1982 keine Minute brauchte, mir die Stellung um die Ohren zu hauen:

Müller - ich
freie Partie Berlin 1982
??-Gambit (vermeintliches „M.-Gambit“) [C 40; KP 9-10]
1. e4 e5 2. Sf3 c6 3. Sxe5 De7 4. d4 d5 5. exd4! [Ich glossierte damals: „Zu meiner großen Verblüffung spielt er ausgerechnet den Zug, von dem ich dachte, er ginge am wenigsten.“] 5. ... f6? 6. d6! [„Die Pointe. Weiß behält bei wesentlich besserer Stellung einen Bauern mehr. Nach 6. ... Dxd6 7. Sf3 gab ich bald auf (1-0). Auch 6. ... De6 7. Lc4 ist für Weiß gewonnen. Schwarz muß wohl nach 5. exd4 mit 5. ... cxd4 ein echtes Gambit versuchen. Aber nach 6. Le2 steht der weiße Vorteil wohl außer Zweifel. Schade, ich habe seither das Gambit nicht mehr angewandt.“]

Die Krönung war dann jedoch ein weiterer, aus psychologischer Sicht womöglich schlimmerer Hieb, der mich gänzlich unerwartet traf. Zu dem schachlichen Fiasko kam nämlich noch hinzu, daß ich Jahre später von einem anderen Vereinskammeraden erfahren mußte, dass selbst dieses ominöse Gambit schon von anderen Spielern (und natürlich unter anderem Namen!) in einschlägigen Gambitturnieren tatsächlich heute noch Anwendung finden würde. Also stellte sich schließlich wieder einmal heraus, dass "meine" Idee längst bekannt war.
Diesen neuerlichen Rückschlag steckte ich schon nicht mehr so leicht weg. Irgendwann beschloss ich, den Ehrgeiz, gleich eine ganz neue Eröffnung (er)finden zu wollen, zu zügeln und mich damit zu begnügen, zunächst einmal Neuerungen in bekannten Spielweisen zu suchen. Immerhin hatte ich damit ja bereits gute Erfahrungen machen dürfen (vgl. oben). So stieß ich beispielsweise 1983 (mehr zufällig) in einer freien Partie gegen H.-J. W. nach 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 Sf6 4. e5 Sfd7 5. Ld3 c5 6. c3 Sc6 7. Se2 Db6 8. Sf3 cxd4 9. cxd4 f6 auf 10. Sc3!? und hatte damit Erfolg. Ich hielt das zunächst wieder einmal für eine Neuerung, bis ich herausfand, dass dies längst von anderen entdeckt und zum Beispiel in der Enzyklopädie der Schacheröffnungen veröffentlicht war...
Wiederum ein Jahr später - 1984 - untersuchte ich im Muzio-Gambit (1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Sf3 g5 4. Lc4 g4 5. 0-0 gxf3 6. Dxf3 Df6) die Folgen von 7. b3 N. Das wäre nun wirklich mal eine Neuerung gewesen. Leider musste ich auch feststellen, dass dieses weitere Opferspiel doch zu phantastisch war.
Ich versuchte erfolglos in der Aljechin-Verteidigung die als schlecht geltende Variante 1. e4 Sf6 2. e5 Sd5 3. c4 Sb6 4. d4 d6 5. f4 g6 6. Sc3 dxe5 7. fxe5 Lg7 8. Le3 0-0 9. Sf3 c5 10. dxc5 S6d7 11. e6 fe 12. h4?! Da5 13. Dc2 Sxc5 14. h5 e5 für Weiß mit 15. b4(?) N wieder aufzupeppeln, und in die gleiche Zeit fiel auch mein Gedanke, nach 1. e4 Sf6 2. e5 Sd5 3. c4 Sb6 den Zug 4. a4 einzuschieben. Später errfuhr ich, dass dies ein Vorschlag war, den auch R. Tomczak erwog, ohne dass ich davon etwas ahnte. Soweit mir heute bekannt ist, verfolgten wir beide allerdings auch andere Ideen damit.
1986 wollte ich mich im Sizilianischen Vierspringerspiel nach 1. e4 c5 2. Sf3 e6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 Sf6 5. Sc3 Sc6 6. Sxc6 bxc6 7. e5 Sd5 8. Se4 Dc7! 9. f4 Db6 nicht damit abfinden, dass Schwarz nach 10. Ld3 La6! entweder zum Abtausch der weißfeldrigen Läufer kommt oder Weiß zwingen kann, den schwächenden Zug 11. c4(?) zu spielen. Darum experimentierte ich mit der Idee 10. Dd3. Ich erwog alles Mögliche, doch im Open St. Ingbert 1990 antwortete einer meiner Gegner mit dem auf der Hand liegenden 10. ... a5 und kam schnell in entscheidenden Vorteil. All die hier erwähnten Abspiele blieben von mir aus den verschiedensten Gründen nur stiefmütterlich behandelt und teilweise offensichtlich ziemlich unvollständig untersucht. Ähnlich verhält es sich im Prinzip auch mit den Varianten, die ich im Folgenden vorstellen möchte. Dabei hege ich im stillen zwei Hoffnungen.
Erstens, dass ihr entweder angeregt werdet, eigene neue Ideen (sofern vorhanden und ihr sie veröffentlicht sehen wollt!) abzufassen.
Zweitens, dass die einzelnen neuen Züge, Varianten bzw. Eröffnungen euren Widerspruchsgeist herausfordern und womöglich zu einer Artikulation in schriftlicher Form in dieser Rubrik anregen mögen.
Die geeignete Vorgehensweise scheint mir daher folgende zu sein: Zunächst stelle ich die jeweilige neue Idee bzw. Eröffnung kurz vor und lasse anschließend ein paar mehr oder weniger unkommentierte Partien folgen. Sollte die verehrte Leserschaft dann Lust verspüren, auch die eigenen Neuerungen preiszugeben oder mir die vermeintlichen Widerlegungen um die Ohren zu hauen, so kann ich nur ausrufen: Nur zu, behaltet eure Weisheit nicht für euch, denn wie heißt es dazu so treffend in einem Indischen Sprichwort: „Ein Löffel voll Tat ist besser als ein Scheffel voll Rat!“ oder sollte ich, gemäß dem Motto nach den Decretalen des kanonischen Rechts: „Wer schweigt, stimmt zu!“, glauben, dass ihr all dem hier zustimmt?!

Beginnen werde ich mit der krassesten der fünf Ideen, die ich von meiner Seite aus vorzustellen gedenke. Ehrlich gesagt stammt sie nicht von mir, sondern ich habe sie ursprünglich mal in einer Gambit-Revue gesehen. Sie stammt von einem offenbar kreativen amerikanischen Schachfreund namens Rob Rittenhouse. Aber ich greife sie aus drei Gründen dennoch an dieser Stelle auf:
Erstens, weil ich meine, dass sie geiegnet ist Mut zu machen, auch die eigenen Werke vorzustellen (ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass eine weitere, ähnlich verrückte Neuerung darunter sein wird, so dass einer Veröffentlichung von eurem Kraut eigentlich nichts im Wege stehen sollte!).
Zweitens, weil sie den Widerspruch jedes vernünftigen (im Sinne von seriösen) Schachspielers bzw. jeder -spielerin hervorrufen muss!
Drittens, weil ich in jungen Jahren einst eine ähnliche Idee in einem Spielstärketest gegen einen Schachcomputer ausprobierte (s.u.) und darum sogleich „väterliche“ Gefühle verspürte, als mir die Spielweise zum erstenmal unterkam...

DAS RITTENHOUSE-GAMBIT (A 85; HD 5)
1. d2-d4 f7-f5 2. c2-c4 Sg8-f6 3. Sb1-c3 e7-e5?!



Eine absurd anmutende Idee, oder? Meine oben erwähnte Partie, in der ich eine ähnliche Idee präsentierte, verlief dagegen so (Zugbewertungen von mir aus dem Jahr 1984):

Chess Chalenger Spielstufe?) - ich
freie Partie 1984
Budapester Gambit (A 52; QG 1-6)
1. d4 Sf6 2. c4 e5!? 3. dxe5 Sg4 4. Sf3 Sc6 5. Lg5?! Lb4†(?) 6. Sc3 Lc5?? [Kein Versehen, sondern volle Absicht! Damals kommentierte ich: „Jeder halbwegs begabte Schachspieler würde mir diese Stellung um die Ohren hauen...“] 7. Lxd8 Lxf2† 8. Kd2 Le3† 9. Kc2 d5?! 10. Lxc7!? [10. Sxd5! +–] 10. ... Lf5† 11. Kb3 dxc4† 12. Kxc4 0-0 13. Dd6 Tac8 14. Td1? Sf2 15. Dxf8†?? [Im Ernst, so trug es sich zu!] 15. ... Kxf8 16. Td5!? Txc7 17. Sb5? Sxe5†† 18. Kb3 Lc2† 19. Ka3 Lc5† 20. Txc5 [20. b4 Sc4#] 20. ... Txc5 21. Sxe5 Txb5 22. Sd7† Ke7 23. Tg1 Kxd7 Ich schrieb die Züge der Partie noch bis zum 33. Zug weiter auf, und schloss mit der sarkastischen Bemerkung: „... es gelang mir später doch tatsächlich, den weißen König zu erlegen - Verhöhnung höchsten Grades.“ (0-1). Ich gebe ja zu, dass mein Werk noch unzureichender ist, als das nun Folgende, aber trotzdem fühlte ich mich irgendwie verpflichtet, das Banner des Rittenhouse-Gambits zu ergreifen...

4. d4xe5 Sf6-g4 5. Sg1-f3 Lf8-c5?! 6. Lc1-g5 ...
Das scheint dem Läuferausfall nach c5 mindestens das Attribut „voreilig“ aufzudrücken. In Wirklichkeit gehört gerade der ehrgeizige letzte weiße Zug zum eigentlichen Plan des Nachziehenden. Nach dem vorsichtigeren 6. e3 ergibt sich quasi eine Stellung aus dem Budapester Gambit, in der Schwarz den Zug f7-f5, Weiß dagegen Sb1-c3 gemacht hat. Es fällt nicht allzu schwer, zu beurteilen, welche Partei wohl größeren Nutzen aus ihrer jeweiligen Zugwahl wird ziehen können. Obwohl 6. e3 auch schon gespielt wurde und nach meiner Erfahrung gerade von schwächeren oder übervorsichtigen Spielern gern gewählt wird, will ich im Rahmen dieser Vorstellung nicht weiter darauf eingehen.
Der Wert der mit dem nächsten Zug verbundenen Idee wird wahrscheinlich von vielen Leserinnen und Lesern unterschiedlich beurteilt werden. Blasphemisten (wie ich) werden vor Freude jubeln, Konservative (und andere) werden sie als Unsinn abtun. Tatsächlich könnte Schwarz im Moment das Ärgste (sprich größere Materialeinbußen) noch mit 6. ... Le7 vermeiden, aber das wäre im höchsten Grade inkonsequent und brandmarkte den gesamten Versuch als schlecht. Von daher stellt das Damenopfer...



6. ... Lc5xf2†!?
... die einzige konsequente (und geplante!) Fortsetzung der Idee f7-f5 / Lf8-c5 dar. Schwarz erzielt jedoch unter Umständen zumindest gegen menschliche Gegner, die zum erstenmal mit dieser Spielweise konfrontiert werden, eine noch größere Schockwirkung, wenn er statt des Einschlags auf f2 à Tempo 6. ... Dxg5(!) spielt. Im Prinzip läuft das auf dieselbe Stellung nach dem 9. Zug hinaus, aber es gibt doch einen winzigen Unterschied auf psychologischer Ebene. Versetzen wir uns einmal in die Gemütslage von Weiß: Vor dem Schlagen auf f2 könnte Weiß den Eindruck gewonnen haben, dass Schwarz Lc1-g5 übersehen hat. Ja, mehr noch: Wenn Weiß den Angriffszug 6. Lg5 ausführt, wird er selbstverständlich auch erkannt haben, daß 6. ... Lf2:† trotz des Schachgebotes schlecht sein muss, weil Schwarz danach entweder seine Dame nicht mehr retten kann oder nach 7. Kd2 Le3† 8. Lxe3 völlig sinnlos eine Figur verliert. Weiß wird daher wahrscheinlich den reumütigen Rückzug 6. ... Le7 für erzwungen halten und sich auf das damit verbundene leichte Spiel freuen. Wenn Schwarz nun trotzdem 6. ... Lxf2† spielt, wird Weiß davon ausgehen, dass sein Gegner tatsächlich ein schwacher Spieler ist (eigentlich auch keine schlechte Basis, aber unbefriedigend, wenn man nachher die Partie wirklich verliert, weil für Weiß dann ja schon „immer“ klar war, dass es so kommen musste!). Der Anziehende weiß dann, dass er nun bald die Dame oder eine Figur mehr haben wird, so dass das Opferspiel 7. ... Dxg5 in seinen Augen lediglich den Versuch darstellen wird, die Haut der ohnehin verlorenen Dame so teuer wie möglich zu verkaufen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt dabei auch, dass Weiß nicht einmal Bedenkzeit investieren muss, weil nach 6. ... Lxf2† das Ausweichen des weißen Königs nach d2 erzwungen ist und auch nach dem weiteren 7. Kd2 Dxg5 das Zurückschlagen auf g5 nahezu selbstverständlich ist.
Anders verhält sich die Sache hingegen, wenn Schwarz statt dessen im sechsten Zug den Läufer g5 mit der Dame herausschlägt. Vor allem, wenn Schwarz das à Tempo tut. Weiß wird davon überrascht sein, denn Schwarz hatte immerhin noch die „Rettung“ des Materials mittels Lc5-e7 zur Verfügung. Die Blitzartigkeit, mit der Schwarz auf g5 schlägt, muss Weiß darüber hinaus den Eindruck vermitteln, eventuell in eine Falle geraten zu sein. Aus dem vermeintlich resignativen (passiven) Damenopfer wird dadurch im Handumdrehen ein verunsicherndes aggressives (aktives) Konzept! - Und wenn Schwarz am Ende die Partie verliert, kann er (auch vor Weiß) leicht den Standpunkt vertreten, dass sein Eröffnungsexperiment eben daneben gegangen sei.

7. Ke1-d2 Dd8xg5† 8. Sf3xg5 Lf2-e3† 9. Kd2-c2 ...
Natürlich wäre Schwarz angesichts seines Materialrückstands mit einem Remis durch ewiges Schach nach 9. Ke1 Lf2† 10. Kd2 Le3† usw. vollauf zufrieden. Andererseits müsste er es wohl auch sein! Und hier liegt m.E. die erste Schwäche der Idee. Weiß kann seinen Gegner zum Remis „zwingen“. Gerade gegen viel schwächere Gegner ist das ein relativ großer Makel. In der Praxis muss Schwarz allerdings nicht ernsthaft damit rechnen, dass Weiß sich so verhalten wird (zumindest nicht in freien Partien), denn die „Schmach“, selbst mit einer quasi vorgegebenen Dame mehr nicht gewonnen zu haben, ist einfach zu groß.

9. ... Le3xg5



Dies kann man als Ausgangsstellung des (angenommenen) Rittenhouse-Gambits ansehen. Schwarz gab seine Dame für zwei Leichtfiguren, Gabeldrohungen (momentan auf f2 und e3) sowie vor allem dynamische Angriffschancen gegen den weißen Monarchen. Ein Opfer auf (sehr) lange Sicht also. Würde ich die Idee als Moderator in einer Fernsehsendung vorstellen, wäre jetzt wohl der richtige Moment, die Zuschauer schleunigst darum zu bitten, nicht weiterzuzappen bzw. gar abzuschalten!! Ich höre euch direkt schimpfen, was ich euch hier für einen Unsinn vorzusetzen wage!? - Tatsächlich ist die Beschwörung, die schwarze Spielweise habe auch konkrete Vorteile (vor allem psychologische!), so dass das kleine Manko einer in materieller Hinsicht völligen Verluststellung vorerst nicht ins Gewicht falle, bitter nötig. Dabei sei jedoch einerseits darauf hingewiesen, dass Damenopfer dieser Kategorie auch in anderen Eröffnungen und von prominenteren Spielern versucht wurden:
Erinnert sei beispielsweise an D. Bronsteins Opfer im Sämisch-System der Königsindischen Verteidigung (E 87; KI 41): 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. f3 0-0 6. Le3 e5 7. d5 Sh5 8. Dd2 Dh4† 9. g3 Sxg3!? 10. Df2 Sxf1 11. Dxh4 Sxe3.
Oder R. Spielmanns Experiment im Königsgambit (C 33; KG 3): 1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Df3!? Sc6 4. c3 Sf6 5. d4 d5 6. e5 Se4 7. Lb5 Dh4† 8. Kf1 g5 9. Sd2(!) Lg4 10. Sxe4 Lxf3 11. Sxf3 Dh6 12. Sf6† Kd8.
Schließlich will ich noch auf G. Kasparow hinweisen, der im WM-Titelkampf 1990 gegen keinen geringeren als A. Karpow in der Gligoric-Variante der Königsindischen Verteidigung (E 92; KI 17) das folgende Damenopfer brachte: 1. d4 Sf6 2. c4 g6 3. Sc3 Lg7 4. e4 d6 5. Sf3 0-0 6. Le2 e5 7. Le3 De7 8. de de 9. Sd5 Dd8!? 10. Lc5 Sxe4 11. Le7! Dd7 12. Lxf8 Kxf8 13. Dc2? Sc5 14. Td1 Sc6! 15. 0-0 Se6 16. Sb6 axb6 17. Txd7 Lxd7.
Daneben darf indes andererseits auch nicht die psychologische Komponente eines solchen Damenopfers unterschätzt werden. Und wer verspürt beim Abzählen des Materials in dieser Stellung nicht den Druck, mit Weiß hier gewinnen zu müssen? Damit wäret ihr bereits auf dem gefährlichen Pfad... Aber nun: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen.“ (Goethe, Faust).
Ich wünsche jedenfalls allen Interessierten viel Vergnügen beim Analysieren und hoffe aufrichtig, dass wir zusammen zu einer abschließenden Beurteilung kommen mögen - so oder so! Als Studienmaterial seien im Folgenden ein paar Partien angefügt (die Zugbewertungen geben meinen subjektiven Eindruck wieder. Sie erfolgten größtenteils spontan, ohne nähere Analyse und könnten somit völlig danebenliegen!):

Mulfort - Rittenhouse
Fernpartie 1988
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. c4 f5 2. d4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. e3 Sc6 7. e6 f4 8. Se4 Lb4† 9. Ld2 fxe3 10. Lxb4 Sxb4 11. Db3 De7 12. fxe3 Sxe3 13. Tc1 Sxf1 14. Txf1 Tf8 15. Kf2 dxe6 16. Kg1 Ld7 17. a3 Lc6 18. Sed2 Dc5† 19. Kh1 Sa6 20. Dc3 0-0-0 21. b4 Dd6 22. Dxg7 Tg8 23. Dc3 Df4 24. Tf2 Tg6 25. Te1 Tdg8 26. b5 Lxf3 27. Txf3 Dg4 28. Tg3 Dh4 29. De3 Sc5 30. Txg6 Txg6 31. Tf1 De7 32. Tf4 Tg8 33. Df3 Dd6 34. De3 h5 35. Td4 Df8 36. Tf4 Dh6 37. Sf1 Tf8 38. Tf2 Txf2 39. Dxf2 b6 40. Df7 Kd8 Remis gegeben (½-½).


Tejler - Rittenhouse
Fernpatie 1988
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. c4 f5 2. d4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. Lg5 Lxf2† 7. Kd2 Dxg5† 8. Sxg5 Le3† 9. Kc2 Lxg5 10. De1 Sc6 11. h4 Lh6 12. Kb1? d6!? 13. Sd5 f4 14. b3 Lf5† 15. Kb2 0-0-0 16. g3 dxe5 17. Lg2 g6 18. Sb4 Sxb4 19. Dxb4 e4 20. Tae1 fxg3 21. Da4? Td2† 22. Kc3 Se3! 23. Lh3 Thd8 24. b4 Lg7† 25. Kb3 T8d3† 26. ed Td3:#.

Novag VIP (Stufe 7) - ich
freie Partie Berlin 1990
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. c4 f5 2. d4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. Lg5 Lxf2† 7. Kd2 Dxg5† 8. Sxg5 Le3† 9. Kc2 Lxg5 10. Dd3 Sc6! 11. Kb1 d6!? 12. Sb5? 0-0! 13. Sxc7 Sb4 14. Dxd6 f4! 15. Se6! Td8!! 16. Dxb4 [16. Sxd8 Lf5† 17. Kc1 f3(†) 18. e3 (18. Kd1 Lc2† 19. Ke1 f2#!) 18. ... Lxe3† 19. Kd1 Sf2† 20. Ke1 Sc2#!] 16. ... Lxe6 17. b3 Sxe5 18. Dxb7?? Sxc4! 19. e4 Sd2† 20. Kc2 Tac8† 21. Lc4 Sxc4 22. bxc4 Lxc4! 23. Dxa7 Lf6! 24. Db7 Ld3†† 25. Kb3 Lc2† 26. Ka3 Td3† 27. Kb4 Td4† 28. Ka5 Ld8† 29. Ka6 Ld3† 30. Db5 Tb4! 31. Thc1 Lxb5† 32. Kb7 La6††! 33. Ka7 Lb6†! 34. Kxa6 Lc5! 35. Txc5 Ta8#.

Saitek Simultano (Stufe b3) - ich
freie Partie Berlin 1990
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. c4 f5 2. d4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. Lg5 Lxf2† 7. Kd2 Dxg5† 8. Sxg5 Le3† 9. Kc2 Lxg5 10. Sd5 0-0 11. Sxc7(?) Se3† 12. Kd3 Sxd1 13. Txd1 Ld8 14. Sxa8 b6 15. Ke3 f4† 16. Kf2 Lb7 17. e6 Lxa8 18. exd7 Lc6 19. b4 Lxd7 20. Kg1? Lc6 21. Td4? Le7 22. a3 a5 23. Td1 axb4 24. axb4 Lxb4 25. h3 Lc5† 26. Kh2? Le3 27. Ta1 g5 28. Ta3 h5 29. Ta2 g4 30. Tg1 g3† 31. Kh1 Sd7 32. Ta3 Se5 33. Tc3 Tf6 34. Tc2 Sg4 35. hxg4 hxg4 36. c5 Th6#.

Fritz 1 (386, 33 MHz; Turniermodus) - ich
freie Partie Berlin 1992
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. d4 f5 2. c4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. Lg5 Lxf2† 7. Kd2 Dxg5† 8. Sxg5 Le3† 9. Kc2 Lxg5 10. Dd3 0-0!? 11. Dg3 d6! 12. exd6 f4! 13. Df3 Lf5† 14. Kc1 Sc6 15. dxc7 Sge5 16. Dd5† Kh8 17. h4 Lh6 18. Dc5? b6 19. Dd5 f3(†) 20. e3 Lxe3† 21. Kd1 Sd4!! 22. Tc1 [22. Dxe5?? Lc2† 23. Ke1 f2#.] 22. ... Lg4! 23. g3 f2(†) 24. Se2 Sxe2 25. Kc2? Lf5† 26. Kb3 Sxc1† 27. Ka3 Sed3 28. Lg2 Lc5† 29. Ka4 Sxb2† 30. Kb5 a6† 31. Kc6 Sxa2 32. Kb7 Tae8 33. g4 Lc8† 34. Ka7 Te7 35. Kb8 Le6(†) 36. Dd8 Tee8 37. Ka7 Txd8 38. cxd8L Txd8 39. Ta1 Sb4 40. Tc1 Sxc4 41. g5 b5(†) 42. Kb7 Sd6† 43. Kc7 Tc8#.

Fritz 1 (386, 33 MHz; Turniermodus) - ich
freie Partie Berlin 1992
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. d4 f5 2. c4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. Lg5 Lxf2† 7. Kd2 Dxg5† 8. Sxg5 Le3† 9. Kc2 Lxg5 10. Dd3 0-0!? 11. Dg3 d6! 12. exd6 f4! 13. Df3 Lf5† 14. Kc1 Sc6 15. dc Se3 16. Sd1 Sd4 17. Dh5 Sxf1! 18. Txf1 [18. Dxg5?? Se2:#.] 18. ... h6 19. h4 g6 und Schwarz gewann im 43. Zug (0-1).

Den in meiner bisherigen Praxis womöglich gefährlichsten Widerlegungsversuch unternahm das PC-Programm Fritz 1 in folgender Partie:

Fritz 1 (386, 33 MHz; Turniermodus) - ich
freie Partie Berlin 1992
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. d4 f5 2. c4 Sf6 3. Sc3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. Lg5 Lxf2† 7. Kd2 Dxg5† 8. Sxg5 Le3† 9. Kc2 Lxg5 10. Sd5! Sa6 [10. ... 0-0!?] 11. Dd4 d6!? 12. exd6 0-0 13. dxc7 f4 14. h3 Lf5† 15. Kc1 f3(†) 16. e3 Sxe3!? 17. Sxe3 Sxc7 18. h4 Tad8 19. Dc5 Se6 20. Da3 Lf4 21. g3 Lh6 22. g4 Lxg4 23. Tg1 Lf5 24. Dc3 b6 25. b4 g6 26. a4 Sd4 27. c5 bxc5 28. Lc4† Kh8 29. bxc5 Tfe8 30. Tg5!? Lg7!? 31. Da5 Se2† 32. Lxe2 fxe2 33. Ta3 Td4 34. Txf5 gxf5 35. Sg2 f4 36. Kc2 Le5 37. Da6 Tb4 38. Tb3 Txb3 39. Kxb3 f3 40. Se1 Tb8† 41. Ka3 Tf8 42. h5 f2 43. Dxe2 f1D 44. Dxe5† Df6 45. Sd3 und in dem entstandenen Endspiel konnte der Nachziehende zwar noch den Bauern h5 erobern und seinen eigenen h-Bauern in eine Dame umwandeln, er musste dafür indes seinen a-Bauern geben, den Turm gegen den gefährlichen c-Freibauern opfern und konnte es nicht verhindern, daß der Anziehende eine Remisstellung erreichte. Dass Schwarz dennoch im 94. Zug gewann, geschah nur aufgrund eines krassen Fehlers von Weiß.

Zum Abschluss noch ein Beispiel für ein sehr artverwandtes Damenopfer eigener Kreation. Da es auf der Idee von Rittenhouse basiert, nennen wir es mal Rittenhouse-Gambit II:

Saitek Simultano (Stufe b3) - ich
freie Partie 1990
Rittenhouse-Gambit (A 85; HD 5)
1. d4 f5 2. c4 Sf6 3. g3 e5 4. dxe5 Sg4 5. Sf3 Lc5 6. Lg5 Lxf2† 7. Kd2 Dxg5† 8. Sxg5 Le3† 9. Kc3 [Das ist schon ein Haken an der Sache, da der weiße König in dieser Version etwas mehr Spielraum hat...] 9. ... Lxg5 10. Dc2 0-0 11. Lg2 [Weitere Haken sind: Weiß entwickelt schnell seinen Königsflügel und Schwarz hat weder das einengende f5-f4 noch das damit verbundene Gegenspiel Lc8-f5. Es scheint mir, dass die Rittenhouse-Idee nach 3. g3 noch zweifelhadter ist.] 11. ... Sxe5 12. Sd2 Sbc6 13. Ld5†? [Patzer sieht Schach, Patzer gibt Schach!] 13. ... Kh8 14. Sf3 Lf6 15. Sxe5 Sxe5 16. Db3 c6 17. Lg2 d5 18. cxd5 f4! [Naja, vielleicht ist das jetzt doch noch eine Idee...] 19. Db4? Lf5 20. Kb3 a5 21. Dxf4 a4† 22. Kb4 c5†! 23. Kxc5 Tfc8† 24. Kb4 Le7† 25. d6 Lxd6† 26. Kb5 Ld7† 27. Kb6 Lc5† 28. Kxb7 Ta7#.

Kleiner Nachtrag: Ich lernte das Rittenhouse-Gambit ungefähr Anfang der 1990 kennen. Es war mit den beiden oben stehenden Partien in
Leisebein & Schneider (1990): »500 brandneue Gambitpartien« Mädler
(S. 95) vertreten. Doch im Kaissiber 37 (S. 39) fand ich kürzlich einen hochinteressanten Artikel von Volker Hergert über die Caro-Kann-Verteidigung. Dort wird in erster Linie eine aggressive Möglichkeit gegen diese Langweiler-Eröffnung vorgestellt. Der Begriff "Langweiler-Eröffnung" stammt in diesem Zusammenhang von mir; man möge mir dies verzeihen. Ich stütze mich bei dieser Bezeichnung in gewisser Weise auf A. Karpow, der in Karpow (1978): »Wie ich kämpfe und siege« über Caro-Kann einst schrieb: "Diese passive Verteidigung hat früher immer - wenn ich mich so ausdrücken darf - einen deprimierenden Eindruck auf mich ausgeübt." (Karpow wandte die Verteidigung allerdings selber in Wettkämpfen an, 1974 gegen Spasski und dann noch später gegen Kasparow). Ich fand jedenfalls auch immer, dass diese Eröffnung (von wenigen, nicht erzwingbaren Abspielen abgesehen) ziemlich deprimierend-langweilig ist. Aber ich schweife ab...
Wie gesagt, im Kaissiber 37 gibt's diesen Artikel und darin steht, dass der Schwede Arne Bryntse in den 1960-70er Jahren folgende Variante gegen Sizilianisch testete: 1. e4 c5 2. f4 d5 3. Sf3 dxe4 4. Sg5 Sf6 5. Lc4, um nun auf 5. ... Lg4 mit 6. Lxf7† Kd7 7. Dxg4 Sxg4 8. Le6† Kc6 9. Lxg4 die Dame zu opfern! Der aufmerksamen Leserschaft ist natürlich nicht entgangen, dass es sich hier um eine makellose Weiß-Variante der Rittenhouse-Idee handelt. Aber weil diese Version bereits in den 1960-70er Jahren entwickelt wurde, liegt natürlich der Verdacht nahe, dass der Schwede ein Recht auf die Urheberschaft hat und nicht Rittenhouse, der die Idee möglicherweise einfach auf die schwarzen Steine transformierte. Wen nun noch interessiert, warum Bryntses Idee gegen Sizilianisch in einem Artikel über die Caro-Kann-Verteidigung zu finden ist, dem sei gesagt, dass Hergert aus diversen Gründen Bryntses tolle Idee gegen Sizilianisch für - nun, sagen wir mal - obskur hält. Aber gegen die Caro-Kann-Verteidigung gäbe es da weit weniger Bedenken. Und so gibt es das Damenopfer auch noch in folgender Version: 1. e4 c6 2. f4 d5 3. Sf3 dxe4 4. Sg5 Sf6 5. Lc4 Lg4 6. Lxf7† Kd7 7. Dxg4 Sxg4 8. Le6† Kc7(?) [Besser dürfte 8. ... Ke8 sein, wonach Weiß ein Dauerschach geben kann, aber unter Umständen trotzdem auch mit 9. Lxg4 auf Gewinn spielen könnte?!] 9. Lxg4 De8 [Andere Damenzüge sind nicht besser: 9. ... Dd5 10. Se6† Kb6 11. d3 Sd7 12. Le3† c5 13. Sc3 Dc6 14. d4 cxd4 15. Lxd4† Ka5 16. b4† Kxb4 17. Tb1† Ka5 18. Tb3 b6 19. Le2 Sc5 20. 0-0 Sxb3 21. axb3 Dxe6 22. Ta1† Kb4 23. Ta4#.] 10. Se6† Kb6 und hier schreibt Hergert: "Das einfach einzuprägende Angriffsschema lautet wie folgt: Der Damenspringer greift via a3 oder d2 auf c4 ein, der Läufer über e3. Der d-Bauer rückt zunächst ein Feld vor. Wenn er nicht geschlagen wird und Schwarz c5 spielt, folgt d3-d4..."

So Leute, nun seid ihr am Zuge! Was haltet ihr von dieser Damenopfer-Gambit-Idee? Ich freue mich auf eure Einschätzung...

LG von der Waterkant.

Geändert von Dede (17.11.2010 um 21:26 Uhr)
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  Groteske Eröffnungsideen - Teil 01 Beitrag #2 (permalink)  
Alt 20.11.2010, 18:21
Fälix
Super GM des Forums
 
Registriert seit: 07.2008
Beiträge: 478
Ich wundere mich, dass ich bis dato noch nichts von diesem Gambit gehört habe- es scheint ja sehr wohl spielbar zu sein.
Wobei ich es eher mit Weiß gegen Caro-Kann spielen würde- mit schwarzen holländischen Aufbau muss Weiß erstmal auf 1.d4 f5 2.c4 statt der Hauptvariante 2.g3 spielen. Außerdem wird Schwarz wohl weniger Kompensation bekommen, da der Weiße König durch den Bauern c4+ den Springer auf c3 zusätzliche Verteidiger hat (verglichen mit Caro-kann). Bei der caro-kann Variante hat Schwarz den Springer auf b8 noch nicht entwickelt, der zusätzlich vom Bauer c6 blockiert wird, d.h. es wird für ihn schwieriger, den Damenflügel zu entwickeln.
Dass Weiß/Schwarz, der das Opfer annimmt, schlechter entwickelt ist, ist ja denk ich mal mit die Hauptkompensation für den opfernden.
Selbst Fritz gibt dem Gambit (gegen Caro-kann) eine Chance, da er die Stellung mit "=" bewertet. Nach
1. e4 c6 2. f4 d5 3. Nf3 dxe4 4. Ng5 Nf6 5. Bc4 Bg4 6. Bxf7+ Kd7 7. Qxg4+ Nxg4 8. Be6+ Kc7 9. Bxg4 Qe8 10. Ne6+ Kb6 11. d3 Nd7 12. Na3 Rc8 13. Be3+ c5 14. dxe4
sieht er sogar einen minimalen Vorteil für Weiß.

Das Problem ist ja, dass man das Gambit nur gegen stärkere spielen sollte, da man auch mit einem Dauerschach zufrieden sein muss... ich werds wenn, ich mal gegen deutlich stärkere spiele, vielleicht auch ausprobieren (beim blitzen sicherlich).
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  Groteske Eröffnungsideen - Teil 01 Beitrag #3 (permalink)  
Alt 21.11.2010, 05:22
Benutzerbild von Goethe
Goethe
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Registriert seit: 08.2006
Ort: Weimar
Beiträge: 126
Zitat:
Zitat von Dede Beitrag anzeigen
In der Pirc-Verteidigung kam mir im Februar 1980 nach 1. e4 d6 2. d4 Sf6 3. Sc3 g6 4. Lg5 Lg7 der frühzeitige Zentrumsvorstoß 5. e5 in den Sinn, und ich experimentierte damit herum.
e5 ist ein Hauptsinn von Lg5
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  Groteske Eröffnungsideen - Teil 01 Beitrag #4 (permalink)  
Alt 21.11.2010, 13:04
Dede
Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: 2122/----
 
Registriert seit: 08.2010
Ort: Hamburg
Beiträge: 89
Moin,
@ Goethe: Schon, aber nicht sofort, ich meine auf dem schnellsten Wege...!
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  Groteske Eröffnungsideen - Teil 01 Beitrag #5 (permalink)  
Alt 04.12.2010, 13:45
Benutzerbild von Goethe
Goethe
Kenner
 
Registriert seit: 08.2006
Ort: Weimar
Beiträge: 126
Zitat:
Zitat von Dede Beitrag anzeigen
5. ... dxe5 6. dxe5 Sg4 wollte ich mit 7. Sd5!? bzw. 7. Dxd8† Kxd8 8. Sf3!? und undurchschaubaren Verwicklungen beantworten, während ich auf 6. ... Sfd7 7. e6! zu ziehen gedachte.
Im Erzbischof-Angriff 4.Le3 Lg7 wird Sg4 durch 5.h3 ausgeschlossen.
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