DAS MUZIO-GAMBIT
In seinem Buch "200 neue Eröffnungsfallen" von 1973 schreibt Emil Gelenczei:
"Ist das Königsgambit ein Sommergewitter, dann gleicht das Muzio-Gambit einem Tornado, der
alles hinwegzufegen droht.
Moser - Hardings, Kanada 1963
1. e2 - e4 e7 - e5
2. f2 - f4 e5 : f4
3. Sg1 - f3 g7 - g5
4. Lf1 - c4 g5 - g4
5. 0 - 0 g4 : f3
6. Dd1 : f3 ....
Die Grundstellung des Muzio-Gambits. Erstmals wurde es von Polerio beschrieben und analysiert,
dann geriet es in Vergessenheit. 1634 gewann es in einem Buch des Neapolitaners Salvio von
neuem Publizität;er schrieb es Muzio zu, durch dessen Namen wir es heute kennen. Das Gambit
ist gefährlich für Schwarz; am besten ist es, sich nicht auf den Figurengewinn einzulassen, sondern
mit 4. ... Lg7 auszuweichen, worauf Weiss mit 5. 0-0, dem Hanstein-Gambit, fortfahren kann. Zu
weseen Vorteil das gereicht, hat die Theorie bis zum heutigen Tage nicht geklärt.
6. ... Dd8 - f6
7. e4 - e5!
Weiss kann nur erfolgreich agieren, indem er Schwarz keinen einzigen Zug zur ruhigen Entwicklung
gewährt.
7. ... Df6 : e5
8. d2 - d3 Lf8 - h6
9. Sb1 - c3 Sg8 - e7
10. Lc1 - d2 Sb8 - c6
11. Ta1 - e1 De5 - d4+
Bisher verlief alles der Theorie gemäss. Der letzte Zug von Schwarz ist eine Neuerung, die
akzeptabel ist, weil er auch nach 11. ... Df5 den Kopf voller Sorgen hat, und ein neuer Zug kann den
Angriff von Weiss verwirren.
12. Kg1 - h1 Sc6 - e5
Nachdem sich die Wolken zusammengeballt und einige Blitze das Nahen des Gewitters angekündigt
haben, bricht jetzt mit voller Kraft der Sturm aus.
13. Te1 : e5! Dd4 : e5
14. Tf1 - e1 De5 - d6
15. Sc3 - d5 Lh6 - g5
16. Ld2 - c3! ...
Nicht nur der Turm wird bedroht, es kann auch Le5 folgen.
16. ... 0 - 0
17. Sd5 : e7+ Lg5 : e7
18. Te1 : e7! Dd6 - g6
Bei 18. ... De7 19. Dg4+ wird Schwarz matt.
19. Df3 : f4
Jeder Zug eine gefährliche Bedrohung! Es droht L:f7+ und auch Dd4.
19. ... d7 - d5
20. Df4 - e5 f7 - f6
21. Lc4 : d5+ Kg8 - h8
22. Te7 - e8!
Schwarz kann dem Matt nicht entgehen und gab daher auf (22. ... Le6 oder 22. ... D :e8 23. D :f6+)."
In dem sehr empfehlenswerten Buch "Seltene Gambits" von Anatoli Mazukewitsch (Sportverlag
Berlin 1988) lesen wir auf Seite 26:
"Alessandro Muzio war ein italienischer Schachspieler des 17. Jahrhunderts. Ihm wurde
fälschlicherweise die Erfindung des Polerio-Gambits zugeschrieben, auf das wir gleich zu sprechen
kommen."
Und auf Seite 27:
"Giulio Cesare Polerio (um 1548 - 1612) gehörte Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts
zu den führenden italienischen Schachmeistern und - theoretikern. Er schrieb alle ihm erreichbaren
Partien seiner Zeitgenossen nieder. Diese Aufzeichnungen wurden erstmals 1873 von dem
deutschen Historiker Antonius van der Linde überarbeitet und herausgegeben.
1. e4 e5 2. f4 ef 3. Sf3 g5 4. Lc4 g4 5. 0-0
Von den vielen Variationen des Springeropfers auf f3 im Königsgambit dürfte das wohl die
beste sein. Sie wurde erstmals in einer Handschrift Polerios erwähnt. Die umfangreichen
praktischen Erfahrungen und theoretischen Untersuchungen lassen folgende Variante als
präziseste erscheinen:5. ... gf 6. Df3: Df6 7. e5 De5: 8. d3 Lh6 9. Sc3 Se7 10. Ld2 Sbc6 11. Tae1
Df5 12. Sd5 Kd8.Die kritische Stellung. Die logischste Fortsetzung besteht in 13. De2 De6! 14. Df2!
Df5 15. De2 De6 mit Remis durch Zugwiederholung."
Schon erstaunlich, das die Theoretiker ein derart aggressives Gambit zum Remis hin analysieren...
Um einiges ausführlicher sind die Analysen von Paul Keres in seinem Standardwerk "Theorie der
Schacheröffnungen", Band 2 Offene Spiele, Seite 238 ff, Sportverlag Berlin 1958:
"(1. e2 - e4 e7 - e5 2. f2 - f4 e5 : f4 3. Sg1 - f3 g7 - g5) 4. Lf1 - c4 Bei dieser Fortsetzung kann
Weiss nur dann auf Erfolg rechnen, wenn Schwarz auf Angriff spielt und seine Bauernstellung auf
dem Königsflügel mit 4. ... g5 - g4 weiter schwächt. Zerstört Schwarz jedoch die Festigkeit seiner
Bauernformation nicht und hütet sich vor einer weiteren Schwächung wie z.B. in Variante 2 ( damit
ist 4. ... Lg7 gemeint - Punxatan), so behauptet er gewöhnlich den Mehrbauern bei gutem Spiel.
In der Diagrammstellung (das, was nach den Zügen in der Klammer entsteht - Anmerkung
Punxatan) nützt nur der Zug 4. h2 - h4 die von Schwarz zugelassene Schwächung seiner Stellung
durch 3. ... g7 - g5 aus.Als Antwort auf 4. Lc4 hat Schwarz in der Hauptsache zwei Verteidigungen:
4. ... g5 - g4 und 4. ... Lf8 - g7.
4. ... g5 - g4
Schwarz will den Springer von f3 vertreiben, um dann mit Dd8 - h4+ Weiss der Rochademöglichkeit
zu berauben. Ein Bauernsturm in einem so frühen Partiestadium und bei derart ungenügender
Entwicklung ist unpositionell und, wie die in der Folge angeführten Analysen zeigen, für Schwarz
ausserordentlich gefährlich. Die einzige Rechtfertigung eines solch frühen Angriffs wäre der Umstand,
dass auch Weiss nicht besonders entwickelt ist und daher die Vorbereitung eines Gegenangriffs von
dieser Seite einige Zeit erfordert, die Schwarzzur Organisierung seiner Verteidigung benutzen kann.
Bedeutend aussichtsreicher ist der Zug 4. ... Lf8 - e7. (...)
In der nach 4. ... g4 entstandenen Stellung steht Weiss vor der Wahl, entweder Se5 zu spielen und
das Schach auf h4 zuzulassen oder den Springer f3 zu opfern und dafür eine ausgezeichnete
Entwicklung und gute Angriffsaussichten zu erhalten. (...) Die für Weiss möglichen Fortsetzungen
(...): 5. 0-0, 5. Se5, 5. Sc3, 5. d4, 5. Lf7:+
5. 0 - 0
Das Polerio-Muzio-Gambit. Weiss hat seinen König in Sicherheit gebracht und droht jetzt mit
Wegzug des Springers f3, so dass praktisch für Schwarz die Annahme des Opfers auf f3
erzwungen ist; damit ist es dem Anziehenden jedoch möglich, stärksten Druck auf die schwarzen
Bauernschwächen der f-Linie auszuüben. Das mit dem Zug 5. 0 - 0 verbundene Opfer wurde schon
zu Beginn des XVII. Jahrhunderts von Polerio analysiert, doch herrschte in der Literatur lange Zeit die
Bezeichnung "Muziogambit" vor (nach Ansicht einer Reihe von Forschern völlig unbegründet). Wir
werden vorübergehend die doppelte Bezeichnung beibehalten.
5. ... g4 : f3
Verschiedene Theoretiker schlugen vor, das Springeropfer nur nach vorherigem 5. ... d7 - d5
anzunehmen. Danach hat Weiss jedoch bessere Aussichten als in der Textfortsetzung. (...)
6. Dd1 : f3
Das Opfer einer zweiten Figur 6. Lc4 : f7+ Ke8 : f7 7. Dd1 : f3 (die sogenannte "wilde" Variante des
vorliegenden Gambits) überlässt Schwarz nach 7. ... d7 - d6 genügend Verteidigungsmöglichkeiten
(schwächer ist 7. ... Df6 8. d4 Dd4:+ 9.Le3 Df6 10. Sc3 mit siegreichem weissem Angriff).
In der Stellung nach 7. ... d6 sind folgende Fortsetzungen möglich:
1.) 8. d2 - d4 (8. Df4:+ Sf6 9. d4 läuft nur auf Zugumstellung hinaus) 8. ... Sg8 - f6 9. Df3 : f4 (auf
9. Lf4: folgt 9.... Sc6 10. c3 Lg4) 9. ... Sb8 - c6 10. Sb1 - c3 (oder 10. Le3 Lg7 11. Sc3 Tf8 12. e5
Kg8 mit Vorteil für Schwarz) 10. ... Lf8 - g7! (das ist stärker als 10. ... Sd4

11. Sc3 - d5 Th8 - f8
12. Sd5 : f6 Dd8 : f6 13. Df4 - g3 Df6 : f1+ 14. Kg1 : f1 Kf7 - e8+ mit gewonnener Stellung für
Schwarz;
2.) 8. Df3 - h5+ Kf7 - g7 (oder 8. ... Ke7 9. Tf4: De8, und der schwarze König bringt sich über die
Felder d7 und d8 in Sicherheit) 9. Tf1 : f4 Sg8 - f6 10. Dh5 - g5+ Kg7 - f7 11. b2 - b3 Lf8 - g7
12. Lc1 - b2 Th8 - f8 mit Vorteil für Schwarz.
Schwächer wäre auch 6. d4 - d4 oder 6. Sb1 - c3, worauf Schwarz am besten 6. ... d7 - d5
nebst Lc8 - g4 antwortet und damit die Öffnung der f-Linie verhindert.
Die nach 6. Df3: entstandene Stellung ist der Ausgangspunkt für die Untersuchung des Gambits.
Die ganze Aufmerksamkeit von Schwarz muss auf Abwehr des weissen Angriffs in der f-Linie
gerichtet sein. Wenn auch die folgenden Analysen keinen klaren Vorteil für Weiss ergeben, so hat
man in der Hauptvariante doch das Empfinden, dass Weiss günstiger steht. Noch überzeugender
sind die Ergebnisse bei der Anwendung des Gambits in der Praxis; der Angreifer hat bedeutend
mehr vom Spiel. Schwarz ist in eine sehr schwierige Verteidigung gedrängt und kann auch bei
sorgfältigstem Spiel auf nicht mehr als Ausgleich rechnen.
6. ... Dd8 - f6
Die Alternative besteht in 6. ... Dd8 - e7, wonach auch 7. ... Dc5+ mit Läufergewinn droht.
In seinem Buch "Dreispringerspiel bis Königsgambit" von 1968 führt Keres hier noch weiter zu
6. ... De7 aus: "... eine von From befürwortete Verteidigung, wonach folgen könnte:
1.) 7.D:f4 (...)
2.) 7. d4 (das sieht stärker aus als 7. Df4

7. ... Sc6 8. Sc3! (nicht aber 8. D:f4 Lh6 oder 8. L:f4
S:d4 9. Dh5 Se6 10. Le5 Lg7 11. L:e6 Dc5+ nebst 12. ... D:e5 usw.; auf 8. c3 ist aber 8. ... Se5!
9. d:e5 Dc5+ sehr stark) 8. ... S:d4 (jetzt folgt auf 8. ... Se5 jedoch 9. d:e5 Dc5+ sehr stark)
8. ... S:d4 (jetzt folgt auf 8. S:e5 jedoch 9. d:e5 Dc5+ 10. Kh1 D:c4 11. Sd5! usw.) 9. Dd3 Se6
10. Sd5 Dc5+ 11. Kh1 b5 12. Lb3 Lh6 13. Ld2 mit sehr starker weisser Druckstellung
(Steinitz - Anderssen, London 1862)"
Bei anderen Fortsetzungen kommt Weiss in Vorteil; z. B.
1.) 6. ... Lf8 - h6 7. d2 - d4 Dd8 - f6 (auf 7. ... De7 folgt 8. Sc3 oder 8. Lf4:, während 7. ... Dh4
Weiss die starke Antwort 8. g3! ermöglicht) 8. e4 - e5 Df6 - f5 9. Sb1 - c3 Sg8 - e7 10. Sc3 - e4
mit Vorteil für Weiss;
2.) 6. ... Sb8 - c6 (nach 6. ... d6 7. Df4: De7 8. Lf7:+ Kd8 9. Sc3 De5 10. d4 kommt Weiss
ebenfalls in Vorteil) 7. Df3 : f4 f7 - f6 (stärker ist 7. ... De7) 8. Sb1 - c3 Dd8 - e7 9. Lc4 : g8
Th8 : g8 10. Sc3 - d5 mit Vorteil für Weiss.
7. e4 - e5 ...
Die schärfste Angriffsfortsetzung, die unter Bauernopfer neue Linien für den Angriff öffnet. Ruhiger
aber dennoch recht energisch ist der Zug 7. d2 - d3. (...)
Keres 1968: "Die andere hauptsächlich in Betracht kommende Fortsetzung des Angriffs mittels
7. d3 ergibt folgende Möglichkeiten:
1) 7. ... d5 8. e : d5 (auf 8. L:d5 erfolgt 8. ... c6 9. Sc3 Ld6 usw.) 8. ... Lh6 (auf 8. ... Ld6 wäre
9. Ld2 lästig, was jetzt mit 9. ... Se7 10. Lc3 Db6+ nebst 11. .... Tg8 beantwortet werden kann)
9. Sc3 Sd7 10. De4+ De7 11. L:f4 D:e4 12. S:e4 L:f4 13. T:f4 Sh6 14. Lb5, und der weisse Druck
wiegt den kleinen materiellen Nachteil wohl auf (Zinkl - Modern, Fernpartie 1899)
2. 7. ... Lh6 (...)
Andere Angriffsmethoden (...) bieten dem Anziehenden wenig Aussichten auf Erfolg.
7. ... Df6 : e5
Das beste, da sowohl nach /. ... De6 - b6+ 8. Kg1 - h1 Lf8 - h6 9. Sb1 - c3 Db6 - c5 10. d2 - d3
oder 7. ... Df6 - f5 8. d2 - d4 Lf8 - h6 9. Sb1 - c3 als auch nach 7. ... Df6 - g5 8. d2 - d4 Lf8 - h6
9. g2 - g3 Weiss in Vorteil kommt.
8. d2 - d3
Der solideste Zug, der der Bauern f4 bedroht, den Läufer c4 deckt und die Entwicklung des
Damenflügels vorbereitet. An dieser Stelle zu opfern, dürfte sich nicht lohnen, was folgende
Analysen und praktische Beispiele unterstreichen:
1.) 8. Lc4 : f7+ Ke8 : f7 9. d2 - d4 De5 : d4+ 10. Lc1 - e3 Dd4 - f6 11. Df3 - h5+ (etwas bessere
Angriffsaussichten bietet 11. Sc3, da der schwaze König zu einer langen Wanderung gezwungen
ist, ehe er ein sicheres Zufluchtsfeld erreicht) 11. Df6 - g6 12. Tf1 : f4+ Sg8 - f6 13. Tf4 : f6+
Kf7 : f6 14. Le3 - d4+ Kf6 - f7 15. Dh5 - d5+ Dg6 - e6 16.Dd5 - f3+ (Schumow - Beskrowny, 1869),
und Schwarz kam mit 16. ... Kf7 - e8 in Vorteil;
2.) b2 - b3 De5 : a1 (gut ins Spiel kommt Schwarz auch nach 8. ... d5 9. Ld5 : Se7 10. Lc4 Sbc6
11. d2 - d4 (oder 11. Df4: Tf8) 11. ... Lc5 : d4 12. Lc4 : f7+ (nach 12. Df4: kommt Schwarz durch
12. ... Dc1:! in Vorteil) 12. ... Ke8 - d8 13. Lc1 - d2 Da1 : f1+ 14. Df3 : f1 Th8 - f8 15. Df1 : f4
Sb8 - c6 mit Vorteil für Schwarz;
3.) 8. Sb1 - c3 (das mit diesem Zug angebotene Opfer des Lc4 ist praktisch noch gar nicht
erprobt, dürfte aber kaum bessere Aussichten bieten als die früher betrachteten Varianten)
8. ... De5 - d4+ (falls 8. ... Lh6, so hat Weiss keine Veranlassung, mit 9. d3 Se7 in die
Hauptvariante einzulenken; er kann im Gambitstil mit 9. Lf7:+ Kf7: fortsetzen) 9. Kg1 - h1
Dd4 : c4 10. d2 - d3 Dc4 - e6 (stärker ist zweifellos 10. ... Dc6 11. Df4: f6, und es ist für Weiss
sehr schwer, eine befriedigende Angriffsfortsetzung zu finden; nach 10. ... De6 dagegen erhält
Weiss einige Chancen) 11. Lc1 : f4 Lf8 - e7 12. Ta1 - e1 De6 - g6 13. Sc3 - d5, und der weisse
Angriff führt zu klarer Überlegenheit.
8. ... Lf8 - h6
Schwarz muss seinen Bauern f4 decken, um Weiss nicht die Möglichkeit zu geben, einen
entscheidenden Angriff in der f-Linie zu inszenieren; z.B. : 8. ... Sc6 9. Lf4: Df6 10. Sc3 Sge7
11. Tae1 oder 8. ... Lc5+ 9. Kh1 Le3 10. Le3: De3: 11. Dh5 De7 12. Sc3, - in beiden Fällen mit
Vorteil für Weiss.
9. Sb1 - c3
Möglich ist auch 9. Lc1 - d2, worauf Schwarz am besten mit 9. ... Sg8 - e7 fortsetzt, um nach
10. Sb1 - c3 in die Hauptvariante einzulenken. Die Theorie hält die Antwort 9. ... Db2: für
spielbar; praktisch aber steht Schwarz dem nach 10. Sc3! anrollenden weissen Angriff hilflos
gegenüber.
9. ... Sg8 - e7
Das ist wegen der Drohung 10. Lf4: Lf4:? 11. Tae1 fast erzwungen.
10. Lc1 - d2 Sb8 - c6
Schwarz muss die Stellung seines Springers e7 befestigen, um den bevorstehenden weissen
Druck in der e-Linie zu neutralisieren. Die Theorie hält den Textzug für das stärkste. (...)"
11. Ta1 - e1 De5 - f5
12. Sc3 - d5
"Zukertort empfahl seinerzeit, den Angriff mit 12. Te4 fortzusetzen, worauf Weiss jedoch nach
12. ... 0 - 0! (schwächer wäre 12. ... d6 13. L:f4 L:f4 14. T:f5 Dc5+ 15. Kh1 oder 12. ... Se5
13. De2 S:c4 14. d:c4 Kd8 15. L:f4 usw.) 13. L:f4 Lg7 um eine erfolgreiche Fortsetzung verlegen ist;
es könnte z. B. folgen 14. De2 d5 15. L:c7 Dg5 (gut ist ebenfalls 15. ... d:e4 16. T:f5 L:f5, was
auch auf andere Läuferabzüge folgen könnte) 16. h4 Dg6 17. S:d5 S:d5 18. L:d5 Lf5 mit klarer
schwarzer Überlegenheit"
12. ... Ke8 - d8
13. Df3 - e2 ...
Diese von Mac Lean entdeckte Angriffsfortsetzung wird heute für die stärkste gehalten. Früher
spielte man ausnahmslos 13. Lc3 (in Frage kommt noch 13. Te4, was aber nicht ausreichend
erforscht ist), worauf weiter folgen könnte:
1) 13. ... Te8 14. Lf6 (auch 14. Sf6 Tf8 15. g4 Dg6 16. h4 d5 17. L:d5 L:g4, Anderssen - Zukertort,
1865, oder 14. g4 Dg6 15. h4 S:d5 16. T:e8+ K:e8 17. L:d5 Se7, Anderssen - Neumann, 1866,
überlässt Schwarz die bessere Stellung) 14. ... Lg5 15. g4 (nach 15. L:g5 D:g5 16. S:f4 ergibt
16. ... d6 17. L:f7 Se5 Vorteil für Schwarz) 15. ... Dg6 16. L:g5 D:g5 17. h4 D:h4 (auch 17. ... Dg7
ist zu beachten) 18. D:f4 d6 19. Sf6 und jetzt nicht 19. ... Se5? 20. T:e5! d:e5 21. D:e5 L:g4
22. Dd4+ Kc8 23. Le6+!, und Weiss gewinnt (Tschigorin - Dawydow, Petersburg 1874), sondern
19. ... Tf8!, wonach Schwarz durch 20. ... Lf5! seinen Vorteil klarzustellen droht. Es ist nicht zu
sehen, wie Weiss den Angriff erfolgreich fortsetzen kann.
2) 13. ... Tg8 (...)
3) 13. ... Tf8 (...)
13. ... Df5 - e6
Wiederum nach der Theorie der beste Zug (...).
Zu dieser Stellung soll nach dem heutigen Stand der Theorie bei beiderseits bestem Spiel das
Muziogambit führen. Und nun hält man die Zugwiederholung 14. Df3 Df5 15. De2 für das beste,
was aus der Stellung herauszuholen ist. Welch eine Ironie des Schicksals , dass eine derart
scharfe und komplizierte Eröffnung mit einem Remisschluss enden soll!
... so jedenfalls Keres 1968 in seinem Buch "Dreispringerspiel bis Königsgambit".