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Schach - Gambits

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  Königsgambit??? Beitrag #1 (permalink)  
Alt 21.02.2004, 10:30
Gast4983
Gast
 
Beiträge: n/a
Beitrag Königsgambit???

Hi Leute,
ich überlege zur Zeit ob ich mir als Eröffnung das Königsgambit wählen soll, und bin mir aber nicht sicher ob es so gut ist.
Was haltet ihr davon? Habt ihr eventuell auch einen Link zu einer Website auf der etwas über das Königsgambit steht?
Danke im Vorraus.
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  Königsgambit??? Beitrag #2 (permalink)  
Alt 21.02.2004, 10:30
Gast4836
Gast
 
Beiträge: n/a
Beitrag Re: Königsgambit???

Servus,
ich kann euch gut verstehen, denn ich war auch mal in dieser Phase, als ich das Königsgambit häufig anwandte, doch es hat den Nachteil, dass es den Königsflügel schwächt.
Hier sind 2 VariantenA)1.e4 e5 2.f4 ef 3.Sf3(Mit 3.Lc4 kann Weiß ins Königsläufergambit einlenken, muss allerdings mit dem Schach auf h4 rechnen, für diesen Fall geht der König auf sein neues Fluchtfeld f1. Ein Fehler wäre jedoch sofort 3.e4? wegen Dh4+!) g5 (eine andere Möglichkeit ist 3....Sf6 4.e5 Sh6)4.h4 g4 5.Se5(Das ist das Kyseritzki-Gambit, welches für aussichtsreicher gehalten wird als das mit 5.Sg5 beginnende Algaier-Gambit.) Sf6 6.d4 d6 7.Sd3 S:e4 8.De2(es ist auch 8.L:f4 möglich) De7 9.L:f4.
                            (B)1.e4 e5 2.f4 d5(das Falkbeer-Gambit)
3.ed e4(nicht so gut ist 3....ef wegen 4.Df3)4.d3 Sf6 5.De2 und die Chancen stehen ungefair gleich.
                            (C)1.e4 e5 2.f4 d6!?(eine meiner Lieblingsmethoden)3.Sf3 Sc6 4.Lc4(4.Lg5 ist ebenfalls möglich) Lg4 5.0-0 und Weiß muss sich vor 5....Sd4? wegen 6.L:f7+! K:f7 7.Sg5+ Ke8 8.D:g4 nicht fürchten, denn auf 8....S:c2?? folgt 9.Se6!! Dd7 10.fe S:a2 11.T:f8+ Ke7 12.Dg5+ und Schwarz hat arge Schwierigkeiten. Dasselbe kommt bei 9....De7 heraus.

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  Königsgambit??? Beitrag #3 (permalink)  
Alt 15.04.2004, 13:59
Gast5493
Gast
 
Beiträge: n/a
Daumen hoch Abgelehntes Königsgambit

ABGELEHNTES KÖNIGSGAMBIT
In seinem 1953 in Wien erschienenem "Taschenbuch der Eröffnung im Schach" führt der
Grossmeister Ernst Franz Grünfeld aus:
"Auch diese "romantische Eröffnung" aus der Zeit von Morphy und Anderssen wird neuerdings
wieder öfters versucht. Von den lebenden Meistern wenden Keres und Bronstein diese Spielweise
öfters und teilweise mit Erfolg an. Die Verteidigung muß genau geführt werden, wenn Schwarz zu
einer befriedigenden Stellung gelangen will." Weiter führt er zwei Varianten an: 2. ... Lc5 und 2. ...d5.

In seiner dreibändigen, 1953 in Ostberlin erschienenen "Theorie der Schacheröffnungen" bezieht Paul
Keres wie folgt Stellung:
"... Wer uns bis hierher durch die Theorie des angenommenen Königsgambits gefolgt ist, wird die
Fülle verwirrender und unübersichtlicher Abspiele bewundern, die besonders das Königsspringergambit
aufweist. Es ist klar, daß eine genaue Analyse dieser heute nur selten gespielten Varianten von einem
Schachpraktiker eine ungeheure Arbeit erfordern würde; daher also ist das angenommene
Königsgambit aus dem Eröffnungsrepertoire moderner Turniere fast verschwunden. Wenn es aber
jemand auch wagt, sich als Weißer in den Strudel der Varianten des angenommenen Königsgambits
zu stürzen, so dürfte sich andererseits kaum ein Gegner darauf einlassen, in der Regel wird das
Gambit abgelehnt. Die objektive Betrachtung des Königsgambits ergibt, daß es als eine vollwertige
Eröffnung anzusehen ist; man kann davon überzeugt sein, daß es früher oder später wiederum den ihm
gebührenden Platz in der Turnierpraxis einnehmen wird. Man muß nur mit Großmeister Bronstein der
Meinung sein, daß das Königsgambit nicht auf alte Weise, sondern mit frischer, moderner Einstellung
behandelt werden muß." Und weter, zum abgelehnten Königsgambit:
"Viele Schachspieler, die als Antwort auf 1. e2-e4 gern e7-e5 spielen, sind mit den Verwicklungen des
angenommenen Königsgambits nicht genau vertraut und suchen, sie nach Möglichkeit zu vermeiden.
Sie lehnen daher nach 2. f2-f4 die Annahme des Gambitbauerns ab und trachten danach, auf andere
Art und Weise die Schwächung der weißen Königsstellung auszunutzen oder einen Gegenangriff auf
das Zentrumsfeld e4 einzuleiten.
Da das abgelehnte Königsgambit erheblich weniger an verwickelten Stellungen aufzuweisen hat als
zum Beispiel das Königsspringergambit, vermeidet Schwarz damit eine grosse Zahl sonst möglicher
Überraschungen.
Man kann dennoch keineswegs sagen, daß die Ablehnung des Gambits besser sei als seine
Annahme. Die Ablehnung des Gambits ist vielmehr positionell weniger stichhaltig als das Schlagen
2. ... ef, und gerade deshalb muß man die interessante Tatsache feststellen, daß Schwarz im
abgelehnten Gambit erheblich öfter katastrophale Reinfälle erlebt als im angenommenen Gambit.
Ich persönlich teile die vorherrschende Meinung, daß eine erfolgreiche Bekämpfung des
Königsgambits nur durch seine Annahme möglich ist, während seine Ablehnung Weiß gewöhnlich
ein gutes Spiel bei gesichertem Ausgleich verschafft.
Nach den Zügen
1. e2-e4 e7-e5
2. f2-f4
kann Schwarz die Annahme des Gambits auf verschedene Arten ablehnen, da Weiß wegen
3. ... Dh4+ noch nicht über die "Drohung" 3. fe verfügt.
Trotzdem darf Schwarz keineswegs unbekümmert weiterspielen, da Weiß schon nach dem
nächsten Zug 3. Sf3 den Bauern e5 zu nehmen droht und überhaupt auf diesen Bauern einen starken
Druck auszuüben beginnt. Schwarz muß sich daher darum bemühen, irgendeine Kompensation zu
erhalten.
Die gewöhnlichen Möglichkeiten, das Königsgambit abzulehnen, bestehen in den Zügen 2. ... Lf8-c5
und 2. ... d7-d5. Erstere ist darauf gerichtet, die durch den Vorstoß 2. f2-f4 entstandenen Schwächen
der weißen Stellung auszunutzen, während 2. ... d7-d5 einen unverzüglichen Gegenstoß im Zentrum
einleitet"
Im 1968 in Ostberlin erschienen Buch "Dreispringerspiel bis Königsgambit" führt Paul Keres dann
aber noch zwei weitere Möglichkeiten aus:
"Von den anderen Ablehnungsarten erwähnen wir folgende:
1.) 2. ... Sf6 3. f:e5 S:e4 4. Sf3 Sg5 (besser sieht 4. ... d5 5. d3 Sc5 aus) 5. c3 (nach 5. d4 S:f3+
6. D:f3 Dh4+ müßte Weiß mit 7. Df2 die Damen tauschen; am besten ist aber der einfache
Entwicklungszug 5. Sc3) 5. ... S:f3+ (nach Rawinski erlangt Schwarz mit 5. ... d6 6. d4 S.f3+ 7. D:f3
Dh4+ 8. g3 Dg4 gleiches Spiel) 6. D:f3 Dg5 (das ist zu riskant, besser 6. ... d6) 7. Le2 D:e5 8. 0-0
mit schöner Angriffsstellung für den Bauern.
2.) 2. ... d6 (die Möglichkeit 2. ... Sc6 3. Sf3 Lc5 betrachten wir später in der Hauptvariante; 2. ... f5
ist wegen 3. e:f5 günstig für Weiß) 3. Sf3 Sf6 (nur Zugumstellung bedeuter 3. ... Sc6 4. Lb5, während
3. ... e:f4 eine bekannte Stellung aus dem angenommenen Königsgambit ergibt) 4. Sc3 Sc6 5. Lb5
Ld7 6. d3 e:f4 (es drohte schon 7. L:c6 mit Bauerngewinn) 7. L:f4 mit freierem Spiel für Weiß."

Hier zur Unterhaltung noch die Partiie Spielmann gegen van Scheltinga, Amsterdam 1938:
1. e4 e5 2. f4 Lc5 3. Sf3 d6 4. c3 Sf6 5. fe de 6. d4 ed 7. cd Lb4+ 8. Ld2 Ld2:+ 9. Sbd2 00 10. Ld3
c5 11. d5 Lg4 12. 00 Sbd7 13. Dc2 Te8 14. Tae1 Dc7 15. d6 Dd6: 16. e5 Se5: 17. Te5: Ted8
18. Lc4 Schwarz gab auf...
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  Königsgambit??? Beitrag #4 (permalink)  
Alt 15.04.2004, 20:30
ssiimm
GM im Verlieren
DWZ/Elo: 1873/2008
 
Registriert seit: 04.2004
Ort: Kindberg-Cryza
Beiträge: 483
Partie

Hier eine Partie die von mittelmäßigen Spielern gespielt wurde!!
Ich spielte mit weiß und mein gegner hat das ende etwas beschleunigt!!aber die stellung wäre nach analyse immer für weiß gewonnen gewesen!!das königsgambit ist eine gute eröffnung!!
e4 e5
f4 ef4:
Sf3 d6
d4 Le7
Lf4: Lg4
Lc4 c6
0-0 Sf6
h3 Lf3:
Df3: 0-0
Sc3 Db6
Tad1 Db2:
Lb3 Da3
e5 de5:
de5:Lc5+ Kh1
Se8 Lc1
Da5 e6 fe6: Le6+ 1-0
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  Königsgambit??? Beitrag #5 (permalink)  
Alt 15.07.2004, 17:03
Gast5493
Gast
 
Beiträge: n/a
Neues von 1. e4 e5 2. f4 ...

In der neuen Ausgabe der Rochade (http://ourworld.compuserve.com/homepages/rochade);
die Juli-Ausgabe meine ich; ist mal wieder eine interessante kommentierte KG-Partie...
Insofern bemerkenswert, weil dieses Gambit nur sehr selten in den "höheren" Spielerkategorien gespielt wird.
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  Königsgambit??? Beitrag #6 (permalink)  
Alt 19.07.2004, 13:40
Gast5493
Gast
 
Beiträge: n/a
Muzio-Gambit

DAS MUZIO-GAMBIT
In seinem Buch "200 neue Eröffnungsfallen" von 1973 schreibt Emil Gelenczei:
"Ist das Königsgambit ein Sommergewitter, dann gleicht das Muzio-Gambit einem Tornado, der
alles hinwegzufegen droht.

Moser - Hardings, Kanada 1963

1. e2 - e4 e7 - e5
2. f2 - f4 e5 : f4
3. Sg1 - f3 g7 - g5
4. Lf1 - c4 g5 - g4
5. 0 - 0 g4 : f3
6. Dd1 : f3 ....
Die Grundstellung des Muzio-Gambits. Erstmals wurde es von Polerio beschrieben und analysiert,
dann geriet es in Vergessenheit. 1634 gewann es in einem Buch des Neapolitaners Salvio von
neuem Publizität;er schrieb es Muzio zu, durch dessen Namen wir es heute kennen. Das Gambit
ist gefährlich für Schwarz; am besten ist es, sich nicht auf den Figurengewinn einzulassen, sondern
mit 4. ... Lg7 auszuweichen, worauf Weiss mit 5. 0-0, dem Hanstein-Gambit, fortfahren kann. Zu
weseen Vorteil das gereicht, hat die Theorie bis zum heutigen Tage nicht geklärt.
6. ... Dd8 - f6
7. e4 - e5!
Weiss kann nur erfolgreich agieren, indem er Schwarz keinen einzigen Zug zur ruhigen Entwicklung
gewährt.
7. ... Df6 : e5
8. d2 - d3 Lf8 - h6
9. Sb1 - c3 Sg8 - e7
10. Lc1 - d2 Sb8 - c6
11. Ta1 - e1 De5 - d4+
Bisher verlief alles der Theorie gemäss. Der letzte Zug von Schwarz ist eine Neuerung, die
akzeptabel ist, weil er auch nach 11. ... Df5 den Kopf voller Sorgen hat, und ein neuer Zug kann den
Angriff von Weiss verwirren.
12. Kg1 - h1 Sc6 - e5
Nachdem sich die Wolken zusammengeballt und einige Blitze das Nahen des Gewitters angekündigt
haben, bricht jetzt mit voller Kraft der Sturm aus.
13. Te1 : e5! Dd4 : e5
14. Tf1 - e1 De5 - d6
15. Sc3 - d5 Lh6 - g5
16. Ld2 - c3! ...
Nicht nur der Turm wird bedroht, es kann auch Le5 folgen.
16. ... 0 - 0
17. Sd5 : e7+ Lg5 : e7
18. Te1 : e7! Dd6 - g6
Bei 18. ... De7 19. Dg4+ wird Schwarz matt.
19. Df3 : f4
Jeder Zug eine gefährliche Bedrohung! Es droht L:f7+ und auch Dd4.
19. ... d7 - d5
20. Df4 - e5 f7 - f6
21. Lc4 : d5+ Kg8 - h8
22. Te7 - e8!
Schwarz kann dem Matt nicht entgehen und gab daher auf (22. ... Le6 oder 22. ... D :e8 23. D :f6+)."

In dem sehr empfehlenswerten Buch "Seltene Gambits" von Anatoli Mazukewitsch (Sportverlag
Berlin 1988) lesen wir auf Seite 26:
"Alessandro Muzio war ein italienischer Schachspieler des 17. Jahrhunderts. Ihm wurde
fälschlicherweise die Erfindung des Polerio-Gambits zugeschrieben, auf das wir gleich zu sprechen
kommen."
Und auf Seite 27:
"Giulio Cesare Polerio (um 1548 - 1612) gehörte Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts
zu den führenden italienischen Schachmeistern und - theoretikern. Er schrieb alle ihm erreichbaren
Partien seiner Zeitgenossen nieder. Diese Aufzeichnungen wurden erstmals 1873 von dem
deutschen Historiker Antonius van der Linde überarbeitet und herausgegeben.
1. e4 e5 2. f4 ef 3. Sf3 g5 4. Lc4 g4 5. 0-0
Von den vielen Variationen des Springeropfers auf f3 im Königsgambit dürfte das wohl die
beste sein. Sie wurde erstmals in einer Handschrift Polerios erwähnt. Die umfangreichen
praktischen Erfahrungen und theoretischen Untersuchungen lassen folgende Variante als
präziseste erscheinen:5. ... gf 6. Df3: Df6 7. e5 De5: 8. d3 Lh6 9. Sc3 Se7 10. Ld2 Sbc6 11. Tae1
Df5 12. Sd5 Kd8.Die kritische Stellung. Die logischste Fortsetzung besteht in 13. De2 De6! 14. Df2!
Df5 15. De2 De6 mit Remis durch Zugwiederholung."
Schon erstaunlich, das die Theoretiker ein derart aggressives Gambit zum Remis hin analysieren...

Um einiges ausführlicher sind die Analysen von Paul Keres in seinem Standardwerk "Theorie der
Schacheröffnungen", Band 2 Offene Spiele, Seite 238 ff, Sportverlag Berlin 1958:
"(1. e2 - e4 e7 - e5 2. f2 - f4 e5 : f4 3. Sg1 - f3 g7 - g5) 4. Lf1 - c4 Bei dieser Fortsetzung kann
Weiss nur dann auf Erfolg rechnen, wenn Schwarz auf Angriff spielt und seine Bauernstellung auf
dem Königsflügel mit 4. ... g5 - g4 weiter schwächt. Zerstört Schwarz jedoch die Festigkeit seiner
Bauernformation nicht und hütet sich vor einer weiteren Schwächung wie z.B. in Variante 2 ( damit
ist 4. ... Lg7 gemeint - Punxatan), so behauptet er gewöhnlich den Mehrbauern bei gutem Spiel.
In der Diagrammstellung (das, was nach den Zügen in der Klammer entsteht - Anmerkung
Punxatan) nützt nur der Zug 4. h2 - h4 die von Schwarz zugelassene Schwächung seiner Stellung
durch 3. ... g7 - g5 aus.Als Antwort auf 4. Lc4 hat Schwarz in der Hauptsache zwei Verteidigungen:
4. ... g5 - g4 und 4. ... Lf8 - g7.
4. ... g5 - g4
Schwarz will den Springer von f3 vertreiben, um dann mit Dd8 - h4+ Weiss der Rochademöglichkeit
zu berauben. Ein Bauernsturm in einem so frühen Partiestadium und bei derart ungenügender
Entwicklung ist unpositionell und, wie die in der Folge angeführten Analysen zeigen, für Schwarz
ausserordentlich gefährlich. Die einzige Rechtfertigung eines solch frühen Angriffs wäre der Umstand,
dass auch Weiss nicht besonders entwickelt ist und daher die Vorbereitung eines Gegenangriffs von
dieser Seite einige Zeit erfordert, die Schwarzzur Organisierung seiner Verteidigung benutzen kann.
Bedeutend aussichtsreicher ist der Zug 4. ... Lf8 - e7. (...)
In der nach 4. ... g4 entstandenen Stellung steht Weiss vor der Wahl, entweder Se5 zu spielen und
das Schach auf h4 zuzulassen oder den Springer f3 zu opfern und dafür eine ausgezeichnete
Entwicklung und gute Angriffsaussichten zu erhalten. (...) Die für Weiss möglichen Fortsetzungen
(...): 5. 0-0, 5. Se5, 5. Sc3, 5. d4, 5. Lf7:+
5. 0 - 0
Das Polerio-Muzio-Gambit. Weiss hat seinen König in Sicherheit gebracht und droht jetzt mit
Wegzug des Springers f3, so dass praktisch für Schwarz die Annahme des Opfers auf f3
erzwungen ist; damit ist es dem Anziehenden jedoch möglich, stärksten Druck auf die schwarzen
Bauernschwächen der f-Linie auszuüben. Das mit dem Zug 5. 0 - 0 verbundene Opfer wurde schon
zu Beginn des XVII. Jahrhunderts von Polerio analysiert, doch herrschte in der Literatur lange Zeit die
Bezeichnung "Muziogambit" vor (nach Ansicht einer Reihe von Forschern völlig unbegründet). Wir
werden vorübergehend die doppelte Bezeichnung beibehalten.
5. ... g4 : f3
Verschiedene Theoretiker schlugen vor, das Springeropfer nur nach vorherigem 5. ... d7 - d5
anzunehmen. Danach hat Weiss jedoch bessere Aussichten als in der Textfortsetzung. (...)
6. Dd1 : f3
Das Opfer einer zweiten Figur 6. Lc4 : f7+ Ke8 : f7 7. Dd1 : f3 (die sogenannte "wilde" Variante des
vorliegenden Gambits) überlässt Schwarz nach 7. ... d7 - d6 genügend Verteidigungsmöglichkeiten
(schwächer ist 7. ... Df6 8. d4 Dd4:+ 9.Le3 Df6 10. Sc3 mit siegreichem weissem Angriff).
In der Stellung nach 7. ... d6 sind folgende Fortsetzungen möglich:
1.) 8. d2 - d4 (8. Df4:+ Sf6 9. d4 läuft nur auf Zugumstellung hinaus) 8. ... Sg8 - f6 9. Df3 : f4 (auf
9. Lf4: folgt 9.... Sc6 10. c3 Lg4) 9. ... Sb8 - c6 10. Sb1 - c3 (oder 10. Le3 Lg7 11. Sc3 Tf8 12. e5
Kg8 mit Vorteil für Schwarz) 10. ... Lf8 - g7! (das ist stärker als 10. ... Sd4 11. Sc3 - d5 Th8 - f8
12. Sd5 : f6 Dd8 : f6 13. Df4 - g3 Df6 : f1+ 14. Kg1 : f1 Kf7 - e8+ mit gewonnener Stellung für
Schwarz;
2.) 8. Df3 - h5+ Kf7 - g7 (oder 8. ... Ke7 9. Tf4: De8, und der schwarze König bringt sich über die
Felder d7 und d8 in Sicherheit) 9. Tf1 : f4 Sg8 - f6 10. Dh5 - g5+ Kg7 - f7 11. b2 - b3 Lf8 - g7
12. Lc1 - b2 Th8 - f8 mit Vorteil für Schwarz.
Schwächer wäre auch 6. d4 - d4 oder 6. Sb1 - c3, worauf Schwarz am besten 6. ... d7 - d5
nebst Lc8 - g4 antwortet und damit die Öffnung der f-Linie verhindert.
Die nach 6. Df3: entstandene Stellung ist der Ausgangspunkt für die Untersuchung des Gambits.
Die ganze Aufmerksamkeit von Schwarz muss auf Abwehr des weissen Angriffs in der f-Linie
gerichtet sein. Wenn auch die folgenden Analysen keinen klaren Vorteil für Weiss ergeben, so hat
man in der Hauptvariante doch das Empfinden, dass Weiss günstiger steht. Noch überzeugender
sind die Ergebnisse bei der Anwendung des Gambits in der Praxis; der Angreifer hat bedeutend
mehr vom Spiel. Schwarz ist in eine sehr schwierige Verteidigung gedrängt und kann auch bei
sorgfältigstem Spiel auf nicht mehr als Ausgleich rechnen.
6. ... Dd8 - f6
Die Alternative besteht in 6. ... Dd8 - e7, wonach auch 7. ... Dc5+ mit Läufergewinn droht.
In seinem Buch "Dreispringerspiel bis Königsgambit" von 1968 führt Keres hier noch weiter zu
6. ... De7 aus: "... eine von From befürwortete Verteidigung, wonach folgen könnte:
1.) 7.D:f4 (...)
2.) 7. d4 (das sieht stärker aus als 7. Df4 7. ... Sc6 8. Sc3! (nicht aber 8. D:f4 Lh6 oder 8. L:f4
S:d4 9. Dh5 Se6 10. Le5 Lg7 11. L:e6 Dc5+ nebst 12. ... D:e5 usw.; auf 8. c3 ist aber 8. ... Se5!
9. d:e5 Dc5+ sehr stark) 8. ... S:d4 (jetzt folgt auf 8. ... Se5 jedoch 9. d:e5 Dc5+ sehr stark)
8. ... S:d4 (jetzt folgt auf 8. S:e5 jedoch 9. d:e5 Dc5+ 10. Kh1 D:c4 11. Sd5! usw.) 9. Dd3 Se6
10. Sd5 Dc5+ 11. Kh1 b5 12. Lb3 Lh6 13. Ld2 mit sehr starker weisser Druckstellung
(Steinitz - Anderssen, London 1862)"
Bei anderen Fortsetzungen kommt Weiss in Vorteil; z. B.
1.) 6. ... Lf8 - h6 7. d2 - d4 Dd8 - f6 (auf 7. ... De7 folgt 8. Sc3 oder 8. Lf4:, während 7. ... Dh4
Weiss die starke Antwort 8. g3! ermöglicht) 8. e4 - e5 Df6 - f5 9. Sb1 - c3 Sg8 - e7 10. Sc3 - e4
mit Vorteil für Weiss;
2.) 6. ... Sb8 - c6 (nach 6. ... d6 7. Df4: De7 8. Lf7:+ Kd8 9. Sc3 De5 10. d4 kommt Weiss
ebenfalls in Vorteil) 7. Df3 : f4 f7 - f6 (stärker ist 7. ... De7) 8. Sb1 - c3 Dd8 - e7 9. Lc4 : g8
Th8 : g8 10. Sc3 - d5 mit Vorteil für Weiss.
7. e4 - e5 ...
Die schärfste Angriffsfortsetzung, die unter Bauernopfer neue Linien für den Angriff öffnet. Ruhiger
aber dennoch recht energisch ist der Zug 7. d2 - d3. (...)
Keres 1968: "Die andere hauptsächlich in Betracht kommende Fortsetzung des Angriffs mittels
7. d3 ergibt folgende Möglichkeiten:
1) 7. ... d5 8. e : d5 (auf 8. L:d5 erfolgt 8. ... c6 9. Sc3 Ld6 usw.) 8. ... Lh6 (auf 8. ... Ld6 wäre
9. Ld2 lästig, was jetzt mit 9. ... Se7 10. Lc3 Db6+ nebst 11. .... Tg8 beantwortet werden kann)
9. Sc3 Sd7 10. De4+ De7 11. L:f4 D:e4 12. S:e4 L:f4 13. T:f4 Sh6 14. Lb5, und der weisse Druck
wiegt den kleinen materiellen Nachteil wohl auf (Zinkl - Modern, Fernpartie 1899)
2. 7. ... Lh6 (...)
Andere Angriffsmethoden (...) bieten dem Anziehenden wenig Aussichten auf Erfolg.
7. ... Df6 : e5
Das beste, da sowohl nach /. ... De6 - b6+ 8. Kg1 - h1 Lf8 - h6 9. Sb1 - c3 Db6 - c5 10. d2 - d3
oder 7. ... Df6 - f5 8. d2 - d4 Lf8 - h6 9. Sb1 - c3 als auch nach 7. ... Df6 - g5 8. d2 - d4 Lf8 - h6
9. g2 - g3 Weiss in Vorteil kommt.
8. d2 - d3
Der solideste Zug, der der Bauern f4 bedroht, den Läufer c4 deckt und die Entwicklung des
Damenflügels vorbereitet. An dieser Stelle zu opfern, dürfte sich nicht lohnen, was folgende
Analysen und praktische Beispiele unterstreichen:
1.) 8. Lc4 : f7+ Ke8 : f7 9. d2 - d4 De5 : d4+ 10. Lc1 - e3 Dd4 - f6 11. Df3 - h5+ (etwas bessere
Angriffsaussichten bietet 11. Sc3, da der schwaze König zu einer langen Wanderung gezwungen
ist, ehe er ein sicheres Zufluchtsfeld erreicht) 11. Df6 - g6 12. Tf1 : f4+ Sg8 - f6 13. Tf4 : f6+
Kf7 : f6 14. Le3 - d4+ Kf6 - f7 15. Dh5 - d5+ Dg6 - e6 16.Dd5 - f3+ (Schumow - Beskrowny, 1869),
und Schwarz kam mit 16. ... Kf7 - e8 in Vorteil;
2.) b2 - b3 De5 : a1 (gut ins Spiel kommt Schwarz auch nach 8. ... d5 9. Ld5 : Se7 10. Lc4 Sbc6
11. d2 - d4 (oder 11. Df4: Tf8) 11. ... Lc5 : d4 12. Lc4 : f7+ (nach 12. Df4: kommt Schwarz durch
12. ... Dc1:! in Vorteil) 12. ... Ke8 - d8 13. Lc1 - d2 Da1 : f1+ 14. Df3 : f1 Th8 - f8 15. Df1 : f4
Sb8 - c6 mit Vorteil für Schwarz;
3.) 8. Sb1 - c3 (das mit diesem Zug angebotene Opfer des Lc4 ist praktisch noch gar nicht
erprobt, dürfte aber kaum bessere Aussichten bieten als die früher betrachteten Varianten)
8. ... De5 - d4+ (falls 8. ... Lh6, so hat Weiss keine Veranlassung, mit 9. d3 Se7 in die
Hauptvariante einzulenken; er kann im Gambitstil mit 9. Lf7:+ Kf7: fortsetzen) 9. Kg1 - h1
Dd4 : c4 10. d2 - d3 Dc4 - e6 (stärker ist zweifellos 10. ... Dc6 11. Df4: f6, und es ist für Weiss
sehr schwer, eine befriedigende Angriffsfortsetzung zu finden; nach 10. ... De6 dagegen erhält
Weiss einige Chancen) 11. Lc1 : f4 Lf8 - e7 12. Ta1 - e1 De6 - g6 13. Sc3 - d5, und der weisse
Angriff führt zu klarer Überlegenheit.
8. ... Lf8 - h6
Schwarz muss seinen Bauern f4 decken, um Weiss nicht die Möglichkeit zu geben, einen
entscheidenden Angriff in der f-Linie zu inszenieren; z.B. : 8. ... Sc6 9. Lf4: Df6 10. Sc3 Sge7
11. Tae1 oder 8. ... Lc5+ 9. Kh1 Le3 10. Le3: De3: 11. Dh5 De7 12. Sc3, - in beiden Fällen mit
Vorteil für Weiss.
9. Sb1 - c3
Möglich ist auch 9. Lc1 - d2, worauf Schwarz am besten mit 9. ... Sg8 - e7 fortsetzt, um nach
10. Sb1 - c3 in die Hauptvariante einzulenken. Die Theorie hält die Antwort 9. ... Db2: für
spielbar; praktisch aber steht Schwarz dem nach 10. Sc3! anrollenden weissen Angriff hilflos
gegenüber.
9. ... Sg8 - e7
Das ist wegen der Drohung 10. Lf4: Lf4:? 11. Tae1 fast erzwungen.
10. Lc1 - d2 Sb8 - c6
Schwarz muss die Stellung seines Springers e7 befestigen, um den bevorstehenden weissen
Druck in der e-Linie zu neutralisieren. Die Theorie hält den Textzug für das stärkste. (...)"
11. Ta1 - e1 De5 - f5
12. Sc3 - d5
"Zukertort empfahl seinerzeit, den Angriff mit 12. Te4 fortzusetzen, worauf Weiss jedoch nach
12. ... 0 - 0! (schwächer wäre 12. ... d6 13. L:f4 L:f4 14. T:f5 Dc5+ 15. Kh1 oder 12. ... Se5
13. De2 S:c4 14. d:c4 Kd8 15. L:f4 usw.) 13. L:f4 Lg7 um eine erfolgreiche Fortsetzung verlegen ist;
es könnte z. B. folgen 14. De2 d5 15. L:c7 Dg5 (gut ist ebenfalls 15. ... d:e4 16. T:f5 L:f5, was
auch auf andere Läuferabzüge folgen könnte) 16. h4 Dg6 17. S:d5 S:d5 18. L:d5 Lf5 mit klarer
schwarzer Überlegenheit"
12. ... Ke8 - d8
13. Df3 - e2 ...
Diese von Mac Lean entdeckte Angriffsfortsetzung wird heute für die stärkste gehalten. Früher
spielte man ausnahmslos 13. Lc3 (in Frage kommt noch 13. Te4, was aber nicht ausreichend
erforscht ist), worauf weiter folgen könnte:
1) 13. ... Te8 14. Lf6 (auch 14. Sf6 Tf8 15. g4 Dg6 16. h4 d5 17. L:d5 L:g4, Anderssen - Zukertort,
1865, oder 14. g4 Dg6 15. h4 S:d5 16. T:e8+ K:e8 17. L:d5 Se7, Anderssen - Neumann, 1866,
überlässt Schwarz die bessere Stellung) 14. ... Lg5 15. g4 (nach 15. L:g5 D:g5 16. S:f4 ergibt
16. ... d6 17. L:f7 Se5 Vorteil für Schwarz) 15. ... Dg6 16. L:g5 D:g5 17. h4 D:h4 (auch 17. ... Dg7
ist zu beachten) 18. D:f4 d6 19. Sf6 und jetzt nicht 19. ... Se5? 20. T:e5! d:e5 21. D:e5 L:g4
22. Dd4+ Kc8 23. Le6+!, und Weiss gewinnt (Tschigorin - Dawydow, Petersburg 1874), sondern
19. ... Tf8!, wonach Schwarz durch 20. ... Lf5! seinen Vorteil klarzustellen droht. Es ist nicht zu
sehen, wie Weiss den Angriff erfolgreich fortsetzen kann.
2) 13. ... Tg8 (...)
3) 13. ... Tf8 (...)
13. ... Df5 - e6
Wiederum nach der Theorie der beste Zug (...).
Zu dieser Stellung soll nach dem heutigen Stand der Theorie bei beiderseits bestem Spiel das
Muziogambit führen. Und nun hält man die Zugwiederholung 14. Df3 Df5 15. De2 für das beste,
was aus der Stellung herauszuholen ist. Welch eine Ironie des Schicksals , dass eine derart
scharfe und komplizierte Eröffnung mit einem Remisschluss enden soll!
... so jedenfalls Keres 1968 in seinem Buch "Dreispringerspiel bis Königsgambit".
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  Königsgambit??? Beitrag #7 (permalink)  
Alt 22.07.2004, 13:42
Gast5493
Gast
 
Beiträge: n/a
Das Internet...

Wenn man z.B. die Wörter "Blackmar-Diemer-Gambit" bei www.google.de in die Suchmaschine eingibt, wird man überrascht sein, wie umfangreich die Antwort ausfällt...
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  Königsgambit??? Beitrag #8 (permalink)  
Alt 16.08.2004, 20:26
Michalczak
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Königsgambit Pro und Kontra

Das Königsgambit (KG) ist eine sehr interessante ernstzunehmende Eröffnung. Sie ist theoretisch sehr umfangreich erschlossen und dennoch gibt es noch viel zu entdecken, da es sich beim KG um ein sehr komplexes Gebiet der Eröffnungstheorie handelt.
Theoretisch führt das KG nur zum Ausgleich.
Viele Schwarzspieler möchten das KG widerlegen. Die Folge ist, dass sie die Stellung überziehen. Somit hat Weiß in gewisser Weise einen psychologischen Vorteil.
Ein großer praktischer Vorteil besteht darin, dass Schwarz mit 2.f4 auf ein Gebiet gezerrt wird, das von Weiß bestimmt wird.
Das KG ist in erster Linie eine taktisch reichhaltige Eröffnung, doch spätestens seit Bronstein und Spassky ist das KG mit tiefen strategischen Ideen bereichert worden.
Die Ideen sind für Lernende nicht immer leicht nachzuvollziehen.
Ich habe mit Artur Jussupow und unserem Bundestrainer Uwe Bönsch gesprochen und überraschenderweise (zumindest für mich) meinten beide, unabhängig voneinander, dass junge Spieler (auch 8 jährige) von vornherein Spanisch spielen sollten, wenn sie auf eine leistungsorientierte Schachausbildung wert legen.
Willst Du KG spielen? Kauf Dir die NCO, und kommentiere Fedorovs Partien mit der Theorie aus diesem Buch.
Studiere neben Fedorovs Partien noch die von Bronstein und Spassky. Das ist ein guter Einstieg und reicht bis auf ein erstaunlich hohes Spielniveau (mindestens 2300).
Hilfe: ECO Code C30-C39 ist das KG.
Achso, aktuelle Entwicklungen mit Hilfe von TWIC zu beobachten wäre empfehlenswert, obwohl im KG nur alle paar Jahre etwas wichtiges passiert, ein weiterer Vorteil.

Viel Theorie bedeutet oft den zusätzlichen Vorteil, dass Du Fehler nachschlagen kannst, ohne einen teuren Trainer zu benötigen. Dein Gegner wird kaum die ganze Theorie beherrschen.
Schachpartien werden durch Fehler entschieden. Um den Gegner zu einem Fehler oder mehreren Fehlern zu bewegen ist das Königsgambit, akzeptabel, vorausgesetzt Du machst weniger Fehler.
Solange das KG von GM´ s gespielt wird ist nichts zu befürchten.

Geändert von WilhelmHH (10.08.2005 um 15:11 Uhr)
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  Königsgambit??? Beitrag #9 (permalink)  
Alt 18.08.2004, 00:25
Michalczak
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Beiträge: 76
http://www.chesslive.de/index_d.htm

Unter Weiß: Fedorov,Alexei
eingeben und auf dem Brett die Züge 1.e4 e5 2.f4 eingeben, dann den Button "search" drücken.

Viel Spaß!!!
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  Königsgambit??? Beitrag #10 (permalink)  
Alt 03.09.2004, 12:09
Michalczak
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Beiträge: 76
War dies das Thema Königsgambit?

Hallo,

Man muss versuchen die Züge zu verstehen. Dazu gibt es drei übliche Methoden:
1. Erkläre Dir den Sinn der Züge selbst (Analyse/Erfahrung).
2. Suche etwas brauchbares in der Schachliteratur, oder im Internet.
3. Lasse Dir den Sinn der Züge von einem qualifizierten Trainer erklären.

Schreibe Dir den Sinn der Züge und alle eigenen Erfahrungen (auch relevante Blitzpartien) in Deinen Eröffnungsübersichten auf, das ist viel Arbeit, aber eine gute Eröffnung spielt man ein Leben lang (solange die Augen funkeln).

Eine gute strategische Grundausbildung ist durch nichts zu ersetzen.
(Das Training der Variantenberechnung, der Kombinationsmotive und des Endspiels lasse ich hier mal beiseite. Klar, dass man in dieser Hinsicht auch sehr viel tun muss. Taktik Übungen sogar täglich!)
Die Lektüre folgender Bücher und CD´s ist ein guter strategischer Grundstock: "Das Schachspiel" von Siegbert Tarrasch, "Mein System"& "Die Praxis meines Systems"von Aron Nimzowitsch, "Schachtraining 1" "Schachtraining 2" "Schachtraining 3" Chessbase Mittelspiel CD´s von Bartashnikov, "Das Mittelspiel" von Max Euwe (gibts auch auf CD von Chess Acadamy), "Das systematische Schachtraining" von Sergiu Samarian und ggf. um noch ein paar zusätzliche Beispiele zu haben, "Modernes Mittelspiel" von Ludek Pachmann. Natürlich ist bei Lektüre all dieser Bücher vieles doppelt erklärt, aber das vertieft das Verständnis und viele Beispiele sind unterschiedlich. Hat man das alles ernsthaft studiert (ca.3 Jahre), sollte man sich überlegen welche Eröffnung man spielt. Dann gehts weiter mit komplexerer Mittelspielkost.
Bis dahin ist ziemlich egal, ob man Italienisch, Evans-Gambit, Königsgambit, Schottisch oder Spanisch spielt. Man möchte schliesslich besser werden und hier befindet man sich in einer frühen Phase der schachlichen Entwicklung.
Den Weg, diese Eröffnungen nacheinander zu spielen um die Entwicklungsgeschichte der Schachtheorie Revue passieren zu lassen, finde ich einen sehr guten Ansatz!
Von einer Widerlegung des Evans Gambit kann keine Rede sein.
Mark Dworetski schrieb einmal, das klar vorteilhafte Stellungen (plus minus übereinander) sich von gewonnenen Stellungen (plus minus nebeneinander) darin unterscheiden, dass Stellungen des ersten Typs noch Remis zu halten sind. Die theoretische Einstufung des Evansgambits liegt meiner Meinung nach im Bereich von = , über unklar bis =+.
Möchte man mit Weiß Evans Gambit spielen, sollte man die unklaren Stellungen bevorzugen . Das kann ein Zug sein, der einem für Weiß gefällt und der einer analytischen Prüfung standhält.
Es gibt noch einige unerforschte Zweige dieser romantischen Eröffnung. Wenn jemand schreibt warum er meint, dass das Evans-Gambit nicht spielbar ist, analysieren wir das in einem neuen Thread. Freue mich schon darauf.

Viele Grüße,
Tom

Geändert von WilhelmHH (10.08.2005 um 14:52 Uhr)
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  Königsgambit??? Beitrag #11 (permalink)  
Alt 15.11.2004, 09:27
Michalczak
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Neues vom Königsgambit

Hallo Schachfreunde,

gerade komme ich zurück aus Heraklion (Kreta) wo die diesjährige Jugend WM U10-U18 ausgetragen wurde.

Hier 2 interessante Königsgambitpartien von dort in denen ein Spanier, der in der Klasse U18m mitspielte, wiederholt gute Stellungen gegen Spieler mit Elo über 2400 erlangte.


[Date "2004.11.08"]
[Round "6"]
White "Asis Garagatagli, Hipolit (Elo 2340) (Spanien)
Black "Pashikian, Arman (Elo 2473) (Armenien)
[ECO "C32"]

1. e4 e5 2. f4 d5 3. exd5 e4 4. d3 Nf6 5. dxe4 Nxe4 6. Nf3 Bc5 7. Qe2 f5 8. Be3 Na6 9. Nbd2 Qxd5 10. O-O-O Qxa2 11. Nxe4 fxe4 12. Bxc5 Nxc5 13. Qb5+ Nd7 14. Bc4 Qa1+ 15. Kd2 Qa6 16. Rhe1 Qxb5 17. Rxe4+ Kf8 18. Bxb5 Nf6 19. Re3 Bg4 20.Rde1 Rd8+ 21. Kc1 c6 22. Bc4 Bxf3 23. Rxf3 h5 24. Rb3 Rd7 25. Ba6 b6 26. Re6 c5
27. Rc6 Re7 28. Rd3 Kf7 29. Bc4+ Kg6 30. Rd5 h4 31. Rg5+ Kh6 32. Bd3 Rd8 33. g4 hxg3 34. hxg3 Rd4 35. g4 Rxd3 36. cxd3 Re1+ 37. Kd2 Rf1 38. Re5 Kh7 39. g5 Ng4 40. Rf5 Rf2+ 41. Kc1 Rf1+ 42. Kd2 Rf2+ 43. Ke1 Rxb2 44. Rf8 1-0

[Date "2004.11.10"]
[Round 7]
White "Asis Garagatagli, Hipolit (Elo 2340) (Spanien)
[Black "Iskakov, A. (Elo 2431) (Kasachstan)
[ECO "C36"]

1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Nf3 d5 4. exd5 Nf6 5. Bb5+ c6 6. dxc6 Nxc6 7. Ne5 Ne4 8.Qf3 Qd5 9. Nxc6 bxc6 10. Nc3 Qe6 11. Nxe4 cxb5 12. O-O Bb7 13. Nf6+ Qxf6 14.Re1+ Kd8 15. Qxb7 Qb6+ 16. Qxb6+ axb6
Weiß steht etwas besser und darf mit dem Ausgang der Eröffnung sehr zufrieden sein.
17. d4 Bd6 18. Rf1 g5 19. g3 Rg8 20. Kg2
h5 21. Bd2 Kd7 22. a3 Rac8 23. c3 Ra8 24. Rae1 f5 25. gxf4 gxf4+ 26. Kh1 Rg4 27. Rf3 Re8 28. Rxe8 Kxe8 29. Rh3 Kf7 30. Rxh5 Ke631. Rh6+ Kd5 32. h3 Rg8 33.Rf6 f3 34. Be1 f4 35. Rf5+ Ke4 36. Rf6 Bb8 37. Re6+ Kd3 38. h4 Rg2 39. h5 Rg5 40. h6 Bc7 41. Re8 Bd6 42. h7 Rh5+ 43. Kg1 Rxh7 44. Kf2 Rh3 45. Kf1 Rh7 46. Kf2
Rh2+ 47. Kxf3 Rxb2 48. Re6 Bxa3 49. Rxb6 b4 50. cxb4 Kxd4 1/2-1/2

Mich überraschte, dass die Nachziehenden nicht 2...exf4 3.Sf3 g5 wählten.

Viele Grüße,
Tom
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  Königsgambit??? Beitrag #12 (permalink)  
Alt 20.04.2005, 01:14
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TeilDrei
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Beiträge: 16
Nordwalder Variante

Hmm, die Nordwalder Variante als KG-Widerlegung? So weit geht wenn ich mich richtig erinnere noch nicht einmal Stefan Bücker in seiner (inzwischen auch schon was älteren) Monografie zur Nordwalder.

Meines Erachtens reicht 3. d3 ("Bilguer-Variante") völlig zum Ausgleich - und dafür muss man danach als Weißer eigentlich nur logische Züge machen. Und wenn man mehr will: In den Abspielen nach 3. Sf3;Dxf4 4. Sc3 ist ziemlich viel taktisch gehaltvolles drin. Ein Schwarzer, der die Theorie nicht sauber gelernt hat und nur auf den Überraschungseffekt der Variante setzt, geht hier ohne Machete in einen Dschungel.

Gleiches gilt allerdings auch für Weiß. KG gehört aus meiner Sicht zu den Eröffnungen, von denen man schlicht die Finger lassen sollte, wenn man "theoriefaul" ist. Denn viele von den - ja schon angesprochenen - forcierten Variantenbäume lassen sich wenn man kein Rechenmonster ist nicht wirklich am Brett finden.

Ansonsten halte ich es für absolut spielbar, auch gegen leicht stärkere Gegner. Hinzu kommt, dass ich glaube, dass jemand, der sich die Mühe macht, über ein paar abgefahrene Varianten (Allgaier-Gambit oder so was) mal den Rechenknecht mit ordentlicher Bedenkzeit drüber zu jagen, wahrscheinlich in der Eröffnung gute Chancen hat, noch Analysefehler aus der Vor-Computerzeit in den Büchern zu finden (schließlich wird ja auch bei Schachpublikationen voneinander abgeschrieben). Das wird auf "ausgetreteneren" Pfaden kaum noch vorkommen.

Meiner Ansicht nach lohnt sich also die Beschäftigung mit dem KG durchaus. Wobei ich allerdings zugeben muss, dass ich die Eröffnung schon vor einigen Jahren aus meinem Repertoire gestrichen habe - mir liegt Spanisch halt doch mehr ...


Ooups - hab' gerade gesehen, dass es unter "offene Spiele" einen Thread zur Nordwalder Variante mit einer kleinen Variantenübersicht gibt ...

Geändert von TeilDrei (20.04.2005 um 13:29 Uhr)
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  Königsgambit??? Beitrag #13 (permalink)  
Alt 20.04.2005, 13:31
Scipio
Garry des Forums
DWZ/Elo: 2095D/2123E
 
Registriert seit: 03.2004
Ort: Gelnhausen ( Hessen)
Beiträge: 681
Wie siehts denn momentan so mit der KG Theorie aus?
Ist es auf Spitzenniveau noch spielbar?

Was ist denn mit diesen Se7 Varianten, gelten die mitlerweile als inoffizielle Widerlegung des KG´s?
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  Königsgambit??? Beitrag #14 (permalink)  
Alt 05.05.2005, 09:58
Yossarian
Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: 1471
 
Registriert seit: 01.2005
Beiträge: 82
Eine Lanze für's KG brechen!

Ich halte das KG für eine sehr gute Eröffnung, die auch für uns Laien geeignet ist.
Die Nachteile:
1. Der Königsflügel wird frühzeitig geschwächt.
2. Man gibt früh einen Bauern.
3. Die Rochade ist nicht immer möglich, während man dies beim Schwarzen nicht unbedingt verhindern kann.
4. Der Theorieumfang ist groß. (wirklich ein Nachteil?)

Die Vorteile:
1. Man muss nur das KG kennen und sich nicht um Russisch etc. kümmern.
2. Wenige Gegner kennen die Theorie und haben meist nur die ersten 4-6 Züge irgendeiner Verteidigung parat.
3. Die Beachtung von Eröffnungsprinzipien ist das A und O, was zum Einen den Lerneffekt erhöht und zum Anderen leicht Fehler des Nachziehenden aufzeigen kann.
3a) Kommt man in eine Variante, die einem unbekannt ist, hilft meist das Festhalten an den EÖ-Prinzipien weiter. (erstmal entwickeln, Zentrum stärken...)
3b) Fehler des Nachziehenden erkennen: 1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Sf3 d5 4.exd5 Dxd5? <- Man weiß sofort, dass 4...Dxd5 ein Fehler sein MUSS! Die Fortsetzung ist dann schon ein Automatismus: 5.Sc3 De6+ 6.Kf2 mit der Drohung Lb4+ und Te1. (Entwicklung und Tempo!)
4. Im Bereich unter DWZ 2000 ist m.E. die Verteidigungskunst nicht immer hoch genug, was dazu führt, dass bei einem halbwegs guten Angriff die Chance groß ist, dass genug kleine Verteidigungsfehler ausgenützt werden wollen.
5. Die vorhandene KG-Theoriemasse hilft bei der eigenen Fehleranalyse.

Was ist mit dem Bauern und dem geschwächten Königsflügel? Ich denke, dass dies kein Problem darstellen sollte. Man spielt schließlich auf Angriff. Macht man dies richtig, spielt das sowieso keine Rolle. Und ein Bauer weniger ist noch lange kein Verlust!

Aber um das KG zu spielen muss man natürlich gern auf Angriff spielen. Wenn man eher ein "Skandinavier"-Typ ist und sich nur freut, dass der Gegner einem nichts tun kann, wird man mit dem KG wohl nur wenig Freude haben.

MfG
Yossarian.

P.S. Wenn ich nicht gut drauf bin und nicht das Gefühl habe, angriffslustig genug spielen zu können, lenke ich einfach ein und hole mir den Bauern zurück um abwartend zu spielen.
P.P.S. Selbst schwarze Remiskünstler geraten gern gegen das KG ins Schwimmen und spielen schon mal das meist fatale f7-f6 um ihren Bauern festzuhalten.
P.P.P.S. Man muss im KG nicht opfern, opfern, opfern. Es reicht, wenn der Gegner so unter Druck gerät, dass man sich sagen kann: "OK, ich seh das Matt in 10 nicht. Also nehme ich mir lieber diesen und jenen Bauern und verhunze die schwarze Stellung während ein paar umfassenden Abtäuschen. Auf in's leicht zu gewinnende Endspiel."

Geändert von Yossarian (05.05.2005 um 15:14 Uhr)
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  Königsgambit??? Beitrag #15 (permalink)  
Alt 12.07.2005, 16:24
Wuest0r
Neuling
DWZ/Elo: 1940
 
Registriert seit: 07.2005
Beiträge: 7
Ich weiß nicht, ob das schon gepostet wurde, aber Fischer hat gezeigt, dass Schwarz mit 3.d6 in allen Varianten den Bauern und leichten Vorteil behält.

http://www.academicchess.com/Games/c...gsgambit.shtml
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