Hallo!
Ich würde GeDa recht geben, der Lernaufwand lohnt nicht so richtig im Verhältnis zur Häufigkeit des Vorkommens. Es sei denn, man betrachtet das Ausarbeiten der Varianten als Taktiktraining.
Ich habe früher das Traxler-Gambit selbst als Schwarzer gespielt (nach Estrins Buch aus den 80ern), dreimal sogar in Turnierpartien (so auf ~1800-Niveau). Einmal hat Weiß eine forcierte Remisvariante gespielt, zweimal wurde Traxler "abgelehnt" mit 5.0-0 0-0 6.d3 h6 7.Sf3, wonach man darüber diskutieren kann, ob in diesem ruhigen Italiener die beiden Mehrtempi Schwarz was bringen: h6 kann man auch als Schwäche ansehen. Auf jeden Fall hatte ich nach diesen Partien von Traxler genug, nachdem ich eine der 5.0-0-Partien sogar noch verlor, und habe meine Zeit sinnvoller verwendet.
Habe jetzt mal ins Buch "The Two Knights Defence" (Everyman 2003) hineingeguckt, IM Jan Pinski gibt bezüglich Traxler auf 26 Seiten einen meiner Meinung nach sehr guten Überblick (im folgenden referiere ich nur, ohne eine eigene begründete Meinung dazu zu haben):
5.Sxf7 und 5.Lxf7+ sind natürlich die einzigen ernstzunehmenden Fortsetzungen, weder 5.d4 noch 5.b4?! [RR: noch 5.0-0] geben Weiß irgendwas.
5.Sxf7 ist (wenn Weiß es will und kann) wohl auf mehrere Weisen remis durch Dauerschach, ansonsten höchst unklar. Daß hier im Zweifelsfalle nur Schwarz gewinnen könne, ist wohl Ansichtssache. Natürlich muß Weiß sich furchtbar genau verteidigen, um nicht mattgesetzt zu werden, aber andererseits muß Schwarz wohl auch furchtbar genau angreifen, denn wenn man mit soviel Minus-Material spielt, dann muß die Kompensation schon ziemlich konkret sein.
Wenn man davon ausgeht, daß ein gut vorbereiteter Weißer mit 5.Sxf7 ein forciertes Remis haben kann, so ist 5.Lxf7+ wohl der weiße Gewinnversuch. Das galt schon mal als Widerlegung von Traxler, mittlerweile ist man sich wohl nicht mehr ganz so sicher, denn Schwarz hat doch einiges Spiel für den Bauern. Pinskis Hauptvariante ist 5.Lxf7+ Ke7 6.Lb3! (stärker als 6.Ld5) Tf8 7.d3! h6! 8.Sf3 d6 und nun etwa 9.Le3 Lg4 10.Lxc5 dxc5 11.Sbd2 Sd4 12.h3 Lh5 13.0-0 Sxf3+! 14.Sxf3 Dc8! 15.Kh2 g5 16.De2 g4 17.hxg4 Sxg4+ 18.Kg1 De8 "and Black has compensation here".
Pinski verweist darauf, daß von GM Beljawski 4...Lc5?! auch auf Top-GM-Niveau gespielt wurde, es allein deshalb nicht allzu schlecht sein könne.
tracke

EDIT: Zum Betrügen beim Blitzen reicht auch schon 4...Sxe4??!