Aus den ersten beiden Partien kann und sollten die Weißspieler lernen, dass man das Evans-Gambit nicht mal eben spielt, weil einen gerade die Lust auf Romantik überkommt, sondern, dass auch in dieser Eröffnung wissenschaftlicher Rationalismus in der Eröffnungsvorbereitung angesagt ist.
Die erste Partie die Du angibst zeigt die Bauernopferannahme gefolgt vom Rückzug Ld6. Das ist eine interessante, moderne Antwort.
Sie traf Badur Jobava entweder unvorbereitet, oder er erinnerte sich falsch an seine Vorbereitung.
Die Variante war eigentlich hinlänglich aus Partien auf GM Level bekannt.
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 Ld6!?
Festigt den Zentralbauern, schafft aber offensichtliche Entwicklungsprobleme (Theorie vor 2000). Früher war so ein Zug verrufen, aber Ld6 ist plötzlich in vielen Varianten der offenen Spiele zu einem akzeptablen Zug herangereift, z.B. Spanisches Vierspringerspiel, Worral-Angriff, etc., so auch im altehrwürdigen Evans-Gambit. 6...Sf6 7.Te1 0-0 8.d4
8...h6! Prophylaxe gegen Lg5. Da Weiß schon kurz rochiert hat ist so ein Zug, der eine Angriffsmarke schafft, möglich. Hätte Weiß noch nicht rochiert wäre nun Tg1 nebst g2-g4 stark. statt des bekannten Zugs 9.Sbd2 setzte Jobava hier mit
9.Sh4? fort.
9...exd4 10.Sf5 Lc5 11.cxd4 d5 12.exd5 Lxf5 13.dxc5 Sa5 14.Lb3 Sxb3 15.Dxb3 Dxd5 16.Sc3 Tfe8 17.Le3 Dc6 war klar besser für Schwarz. Jobava,B-Grischuk,A/Plovdiv 2003
; 9.Sbd2 Te8 10.Lb3 Der bisher erfolgreichste Zug für Weiß.
a)Die Fortsetzung 10.Ld3 hat sich weniger bewährt exd4 11.cxd4 Lf8 12.e5 Sd5 13.Lc4 Sb6 14.Lb3 d6 15.Dc2 dxe5 16.Sxe5 Sxe5 17.dxe5 Le6 18.Lb2 Sd5 19.De4 Sb4 20.Tad1 Dc8 21.a3 Lxb3 22.Sxb3 Sc6 23.f4 De6 24.Dc2 Dg4 25.f5 Tad8 26.Txd8 Txd8 27.e6 f6 28.Tf1 Da4 29.Dc3 Db5 30.Dg3 Td3 31.Dg6 Txb3 32.Df7+ Kh7 0-1 Sermek,D-Mikhalchishin,A/Bled 2002
b)10.Db3!? Diese Fortsetzung finde ich am beachtlichsten, Weiß kann Sh4 in den folgenden Varianten anscheinend wirklich vorteilhaft spielen![Michalczak 2004] 10...Te7 (b)10...De7 11.Sh4 Sa5 12.Da4 Sxc4 13.Sxc4 De6 14.d5 Dg4 15.Sxd6 cxd6 16.Sf5±; b)10...Tf8 11.Ld3 Te8 12.Sc4±) 11.Sh4! exd4 (b)11...Sa5 12.Da4 Sxc4 13.Sxc4 Te6 14.Sxd6 cxd6 15.d5 Te8 16.Sf5±) 12.Sf5 dxc3 13.Sf3 Txe4 14.Lxf7+ Kh8 15.Txe4 Sxe4 16.S3h4 Df6 17.Sg6+ Kh7 18.Dd5 Se5 19.Lg8+ Kxg6 20.Dxe4 Dxf5 21.Lh7+ Kxh7 22.Dxf5+±; Demnach scheint 5...Ld6 zwar interessant, mehr aber vielleicht auch nicht. Vermutlich findet Schwarz eine Verstärkung zum +=.
Kommen wir nach diesem kurzen Ausflug zurück zum bekannten Zug des Läufers nach b3.
10.Lb3 Lf8 (10...exd4 11.cxd4 Lf8 12.e5 Sh7 13.d5± [Michalczak 2003]) 11.Sxe5 Sxe5 12.dxe5 Txe5 13.Sf3 Te7 (13...Txe4!? 14.Lxf7+ Kh8÷ [Michalczak 2003](14...Kxf7 15.Txe4 Sxe4 16.Dd5+ Kg6 17.Dxe4+ Kf7 18.Dd5+ Kg6 19.De4+= [Michalczak 2003]) ; 14.e5 Se8 15.Sh4 d5 16.Lxd5 Le6 17.Lxb7 Td7 18.Da4 Tb8 19.Le4 c5 20.Sf5 Sc7 21.Se3 Sb5 22.Dc2 Da5 23.Lb2 Sa3 24.De2 Da4 25.f3 Sc4 26.Lc2 Db5 27.Lc1 Sxe5 28.Dxb5 Txb5 29.La4 Ta5 30.Lxd7 Sxd7 31.c4 Sb6 32.a3 Ld6 33.Lb2 Sa4 34.Tad1 Lxh2+ 35.Kxh2 Sxb2 36.Td8+ Kh7 37.f4 g6 38.g4 Txa3 39.Sd5 Sxc4 40.Sf6+ Kg7 41.Se8+ Kf8 42.f5 Ke7 43.Ta8 Se3 44.fxe6 Sxg4+ 45.Kg2 fxe6 46.Sc7 e5 47.Sb5 Ta2+ 48.Kg3 h5 49.Kh4 Tg2 50.Txa7+ Ke6 51.Ta6+ Kf7 52.Sd6+ Kg7 53.Tb1 1-0 Sveshnikov,E-Zheliandinov,V/Bled 2000 Empfiehlt sich zum Studium für jeden Evans-Gambit Spieler.
Hinzugefügt:
Die 2. angegebene Partie war
Morozevich,A (2745) - Adams,M (2746) [C52]
Corus Wijk aan Zee (4), 17.01.2001
Wie gesagt halte ich diesen schwarzen Versuch für den kritischsten.
Morozevich wich der Partie Short-Adams, Sarajevo 2000 aus, da er mehr als ein Remis erreichen wollte.
Moment...
Mehr als Remis... klingt nicht gerade nach Widerlegung des Evans-Gambit, oder gibt es zur Partie Short-Adams eine tolle Verstärkung für Schwarz?
Morozevichs Abweichung enttäuschte mich.
Lukacs Frage: „What was Morozevich's improvement?“, stellte ich mir auch.
Ich verfolgte die Partie damals mit 100ten von Spielern life im ICC.
Keine besonders gute Werbung für das Evans Gambit. Morozevich überlegte auffällig lange in der Eröffnung wenn ich mich richtig erinnere und man hatte den Eindruck, dass eher Weiß Probleme hat.
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 La5 6.d4 exd4 7.0-0 Sge7!
Diese Variante wurde in der 2.Hälfte des 19.Jhd populär, als sie im Match Anderssen-Mieses, Breslau 1867 zur Anwendung kam [Kasparow 2003].
Schwarz entwickelt sich, schließt die Diagonale a3-f8 und bereitet den Zentralkonter d7-d5 vor, das sieht gesund aus, aber stellt diese Fortsetzung das Gambit in Frage?.Diese Frage muss geklärt werden. So lange bleibt 7...Sge7 eine interessante und zur Jahrtausendwende theoretisch heiß diskutierte Fortsetzung [Michalczak 2001].
Der Zug 7....Sge7, früher von Keres als beste Chance, und auch von Harding in dieser Stellung empfohlen, gilt für mich wegen 8.Sg5! als verdächtig [Michalczak 1995]. Die Meinungen hierzu gehen aber weit auseinander. In NCO wird 7...Sge7 empfohlen und führt sogar nach 8.cd4: zum schwarzen Plus. 8.Sg5 wird hingegen nur kurz behandelt. Neuere Analysen zeigen aber, dass es hier noch viel zu klären gibt. Vielleicht ist sogar 8.La3 der gegebene Zug [Michalczak 2001].
8.Sg5! Ist der kritische Zug.
[8.La3!? ist noch sehr wenig erforscht! Vielleicht aber auch möglich]
8...d5!
9.exd5 Se5
Diese kritische Position verdient ein genaues Studium.
10.Lb3! ist nun der renomierteste Zug.
[10.Dxd4 wird von Jozef Palkövi befürwortet f6 (10...S7g6 =+ [NCO] Das Urteil ist mir nicht klar, z.B.: 11.Te1 0-0? 12.Txe5 Sxe5 13.Dxe5 Te8 14.Df4 Te1+ 15.Lf1± [Michalczak 2002]) 11.Te1! (11.Lb3 Lb6 12.Da4+ Dd7 13.Se6 Dxa4 14.Lxa4+ Kf7 =+ [Bilguer]) 11...Lb6 12.Dh4 S5g6 (12...fxg5 13.Lxg5 S5g6 14.Dh5 Lc5 15.d6 Lxd6 16.Sd2 mit weißer Initiative Idee Se4, Tad1 [Palkövi 1998]) 13.Dh5 fxg5 14.La3 0-0 15.d6+ Sd5 16.Lxd5+ Kh8 17.Lf3 cxd6 sieht gut für Schwarz aus. Hier wüßte ich gerne was Palkövi beabsichtigt.]
10...0-0 als Antwort auf 10.Lb3 gilt in NCO als unklar! Weiß stehen nun zur Wahl 11.cxd4, oder 11.Sxh7
Kurz warum andere Züge schlecht für Schwarz sind:
[10...dxc3?! 11.De2! h6 (11...f6 12.Se4 Sxd5 13.La3 c6 14.Sd6+ Kd7 15.f4 Sg6 16.Lxd5 Db6+ 17.Kh1 cxd5 18.Sxc3 Lxc3 19.Tab1 Dc6 20.Dd3 d4 21.Sb5 Td8 22.Sxc3 Dxc3 23.Db5+ Dc6 24.Db3 Th8 25.Tbc1 De6 26.Dc2 Db6 27.Lc5 Dc6 28.Db3 Kd8 29.Lxd4 De4 30.Dc3 Le6 31.Tfe1 Dd5 32.Tcd1 Ke8 33.Lxf6 Dxd1 34.Txd1 gxf6 35.Dxf6 Lf7 36.f5 Tg8 37.Dd6 Lxa2 38.fxg6 Txg6 39.Dd7+ Kf8 40.Dxh7 Tg7 41.Dh8+ Lg8 42.Tf1+ Tf7 43.Dh6+ Ke8 44.Te1+ Te7 45.Dh5+ Kf8 46.Dh6+ Ke8 47.Tf1 Tf7 48.Td1 Th7 49.Dd6 Te7 50.h4 Le6 51.De5 1-0 Bronstein,D-Comp Heuristic Alpha/The Hague AEGON 1992) 12.Dxe5 hxg5 13.La3 unklar;
10...h6? 11.cxd4 hxg5 (11...S5g6 12.Sxf7) 12.dxe5±;
10...f6? 11.cxd4 S5g6 12.d6! fxg5 13.dxe7± Dd7 14.Df3 Sf4 (14...Df5 15.La4+ c6 16.Lxc6++-; 14...Dxe7 15.La3 Sh4 16.Dd5+-) 15.Lxf4 gxf4 16.Dh5++-]
Zurück zur Hauptvariante (HV)
11.cxd4 Sg4 12.Df3 spielte Morozevich
[12.La3 ist alt, aber nicht widerlegt!. Raum für neue Partien gibt es hier sehr wohl! Sxd5 13.Lxf8 Dxg5 14.Lxd5 Dxd5 (15.Lc5!? [Michalczak 2004]) 15.La3+= [Poldauf 2000] Weiß hat hier eine Qualität für einen Bauern mehr, die schwarzen Figuren haben aber gute Optionen. Hier wurde bisher nur 15...Ld7 gespielt. Nach 15...Le6= Ich sehe keinen Grund warum Schwarz klagen sollte [Michalczak 2000], Dirk Poldaufs Urteil += darf trotzdem diskutiert werden. Nach dem von Lukacs angegebenen Zug Ld7 finde ich für Weiß noch weniger Grund zur Klage. 15...Ld7 16.Sd2! Te8 (16...Dxd4? 17.Sb3 Viel stärker als das von Lukacs angegebene Sf3! Dxd1 18.Tfxd1 Lc3 19.Tac1+- [Michalczak 2000]) 17.Sb3 Lb6 18.Tc1 (Stattdessen schlage ich 18.Lc5 als Verstärkung für Weiß vor, z.B. Lxc5 19. Sxc5 Dd6 20.g3 Sf6 21.Sxd7 Sxd7 22.Te1 += [Michalczak 2004]) Te6 19.Tc3 Lb5 20.Te1 Lxd4 21.Sxd4 Dxd4 Diese Stellung als =+ zu bewerten ist bei Betrachtung der Partiefolge zunächst unverständlich. Der nächste Zug von Weiß war sehr stark. 22.Lc5 Dd5 (Dxd1 sieht auf dem ersten Blick kritisch aus.) 23.f3 La4 24.Dc1 Se5 25.Te4 Le8 26.Lxa7 f5 27.Te1 Lc6 28.Lf2 Dxa2 29.Tce3 Da5 30.Dc3 Dxc3 31.Txc3 f4 32.Tc5 Sxf3+ 33.gxf3 Tg6+ 34.Kf1 Lxf3 35.Txc7 Lc6 36.Tee7 h5 37.Ld4 Kh7 38.Txg7+ Kh6 39.h4 Te6 40.Tg5 Tg6 41.Lg7+ 1-0 Anderssen,A-Mieses,J/Breslau m 1867; ]
12...Sf6 [12...Dd6 13.Lf4 Df6 14.Sc3 Remis in Bronstein,D-Ivanov,An, Maidstone 1994]
11.Sxh7?! Kxh7 12.Dh5+ Kg8 13.Dxe5 Sf5! Idee Te8 nebst dc3: (13...dxc3? 14.La3 Te8? 15.Te1 c2 16.Lb2! f6 17.d6+ Kf8 18.Dxa5 Sc6 19.dxc7+- [Mazukewitsch 91]) 14.Ld2 (14.cxd4 Te8 15.Df4 Lb6 16.Lb2 Te2 =+ [Poldauf 2000]) 14...c5 (Hier gefällt mir 14...Te8 besser wonach ich Schwarz etwas im Vorteil sehe) 15.dxc6 bxc6 16.Te1 Lc7 17.De4 Df6 18.Lf4 Remis in Short-Adams, Sarajevo 2000
Also:
Nach 10.Lb3
11.Sxh7 führte zum Remis durch Übereinkunft Short-Adams Schwarz hat aber z.B. die Verbesserung 14...Te8)
Nach 11.cxd4 Sg4 ist sowohl 12.Df3, als auch 12.La3 spielbar.
Besonders 12.La3 halte ich für relativ gut spielbar.
Interessant ist 10.Dxd4 obwohl ich dort ein Problem für Weiß sehe 12...S5g6.
Die Fortsetzung 8.La3 ist ebenfalls möglich!?
Falls jemand gegen 8.La3 einen Weg zum schwarzen Vorteil findet, kopiere ich gerne meine Analysen hierzu in den thread.
Zur dritten Partie.
Es wird nach Analyse der Partien Short-Adams und Morozevich-Adams verständlich warum Short im Jahr 2003 sein Glück mit der weniger bekannten Fortsetzung
7.Db3 versuchte.
7.Db3 war die dritte Partie, die laut Tschaturanga zeigen sollte, dass: „Selbst wenn der Spieler klar besser ist hat Schwarz gute Chancen sofern er die Eröffnung kennt.“,
Hier stimme ich nicht zu.
7.Db3 De7 8.0-0 Lb6 9.cxd4 Sxd4 mit klarem Vorteil für Schwarz war ein altes theoretisches Urteil, dass in der Praxis gehörig umgekrempelt wurde! Der Score für Weiß (statistisch) sieht mehr als ganz gut aus.
Short fand eine Verstärkung zur Partie
Kovalevskaya,E (2486) - Stefanova,A (2497) [C52]
EUCup (Women) 7th Antalya (4), 02.10.2002
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 La5 6.d4 exd4 7.Db3 De7 8.0–0 Lb6 9.cxd4 Sxd4 10.Sxd4 Lxd4 11.Sc3 Sf6 12.La3 d6 13.Tad1 Lxc3 14.Dxc3 De5 15.Dxe5+ dxe5 16.f4 Le6 17.Lxe6 fxe6 18.fxe5 Sd7 19.Tc1 Tc8 20.Ld6 Kd8 21.La3 Ke8 22.Ld6 Kd8 23.La3 Ke8 24.Ld6 ½–½
Oder habe ich irgendwo gehört, oder gelesen, dass er sogar bei der Analyse der beiden WGM´s dabei war?!
Jedenfalls spielte er 12.Sb5 und überraschte Peter Heine Nielsen, der auch ein sehr guter Spieler ist.
Nielsen antwortete mit guten Zügen. Ob er die Antwort auf 12.Sb5 zuhause vorbereitet hatte ist stark anzuzweifeln, wenn gleich nicht ausgeschlossen.
Die Gewinnerwartung von Short gegen Nielsen bei einer Elodifferenz von 75 Punkten beträgt 0,6.
D.h. er holt 6 Punkte aus 10 Partien, dass könnte bedeuten 8 Remis und 2 Siege.
http://www.schachbund.de/dwz/wo/anhang_2-1.html
Das Remis war also gar nicht so unwahrscheinlich.
Short war demnach also gar nicht so klar besser, als dass er hätte unbedingt gewinnen müssen.
Nielsen kannte den ihm vorgesetzten neuen Zug 12.Sb5 vermutlich nicht.
Ich finde dennoch 7.0-0 stärker als 7.Db3.
Die weitere Argumentation und Suche der Widerlegung sollte sich also auf 7.0-0 konzentrieren (2.Partie), da ich 2 Wege angegeben habe auf die Weiß versuchen kann eine Stellung mit Spiel zu bekommen.
7.Db3 führte in der Partie Short-Nielsen zum Remis und scheint noch nicht widerlegt.
Kasparov hatte 1995 wirklich einen großen Vorteil, da stimme ich Dir voll zu.
Das Evans Gambit (EG) möchte ich auf Weltklasse Niveau nicht als widerlegt ansehen.
Schliesslich haben Nigel Short und Alexander Morozevich noch vor kurzem mit Weiß so gespielt.
Der Überraschungseffekt spielt auf Weltklasseniveau auch eine große Rolle. Gelegentliches Anwenden des EG ist unangenehm für den Gegner, der Vorbereitungsaufwand wird auf beiden Seiten größer, aber nur Weiß weis wann es dazu kommt C51, C52 theoretisch weiter zu diskutieren.
Ich habe das Evans Gambit im Turnierschach zuletzt 2001 gespielt. Vielleicht spiele ich mal wieder so...
Insgesamt habe ich aus 14 Turnierpartien im Evans Gambit einen Score von 12 Siegen, 1 Remis und 1 Niederlage. Wobei ich einmal mit Schwarz gewann:
Berning - Michalczak,T [C51]
Porz Open, 1990
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 Le7 6.d4 Sa5 7.Sxe5 (7.Le2!? spielte Kasparov) Sxc4 8.Sxc4 d5 9.exd5 Dxd5 10.Se3 De4!?
Auf diesen seltenen Zug brachte mich damals Andreas Fuhrmann aus Haltern, der mir einige Wochen vor der Partie erzählte, daß er diesen etwas extravagant anmutenden Damenzug in einer Schachzeitschrift als Empfehlung gesehen hätte (ich glaube es war eine schon damals ältere Ausgabe des Schachmagazin 64, die ich leider nie wieder in den Händen hatte.). 11.0–0! Der beste und angeblich einzige Zug. Da mir das SM bisher nicht zugänglich war, stammen folgende Varianten von mir. [11.Sd2?! Dd3 12.Lb2³ Und nach dem unumgänglichen Damentausch steht Schwarz besser.; 11.La3 Lxa3 12.Sxa3÷ (12.Da4+÷) ; 11.c4!? c5! (11...Lb4+ 12.Ld2! Lxd2+ (12...Dxd4? 13.Lxb4 Dxa1 14.Lc3 Dxa2 15.Lxg7+-) 13.Dxd2 Sf6 14.Sc3²) 12.Lb2 (12.d5?? Lf6–+) 12...Lf6 13.Sd2 Dg6 (13...De7? 14.0–0 Le6 15.Te1±) 14.0–0÷ (14.Sb3÷) ] 11...Lf6 [11...Sf6!? 12.Sd2?! (12.De2!?÷; 12.La3 Lxa3 13.Da4+ c6 14.Dxa3 De7=) 12...Dd3 13.Lb2 0–0 14.Sdc4 Dxd1 15.Taxd1 c6 16.Tfe1 Le6³ Bütow-Michalczak, Chessnet 1999] 12.Te1 Se7 13.La3 Le6 14.h3? [14.Lxe7! Lxe7 (14...Kxe7? 15.d5 Tad8 16.Db3+-) 15.d5 0–0–0 16.Sd2 Dd3 17.dxe6 Dxd2 18.Dg4±; 14.d5!?±] 14...Df4 15.Sd2 0–0 16.Df3 Dxf3 17.Sxf3 Tfe8 18.Sg4 Lxg4 19.hxg4³ Nun folgt eine Endspielleistung, auf die ich damals sehr stolz war. 19...h6 20.Lxe7 Txe7 21.Txe7 Lxe7
22.Kf1 Te8 23.Ke2 Lh4+ 24.Kf1 Lf6 25.Te1 Kf8 26.Txe8+ Kxe8 27.Ke2 c5 28.Kd3 cxd4 29.cxd4 Kd7 30.Kc4 Kc6 31.d5+ Kd6
32.Sd2? [32.a4] 32...b5+! 33.Kxb5 Kxd5 34.Sf1 Ld4 35.f3 g6 36.Sg3 Ke5 37.Kc4 Lb6 38.Kd3 Lc5 39.Kc4 Lb6 40.Kd3 Kd5 41.Se4 Ld8 42.Sd2 Ke5 43.Sc4+ Kf4 44.Ke2 Kg3 45.Kf1 Lc7 46.Sd2 f5 47.gxf5 gxf5 48.Sc4 Lf4 49.Sb2 h5 50.Sd1 Ld2 51.Sf2 h4 52.Sh3
52...Le3 53.Sg1 Lxg1 54.Kxg1 f4 55.Kf1 h3 0–1
Bin sehr zufrieden mit dem Evans-Gambit gewesen und die Partien haben alle viel Spaß gemacht. Und darum geht es doch, Spaß am Schach.
Viele Grüße,
Tom