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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #1 (permalink)  
Alt 03.09.2004, 12:28
Michalczak
Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: ELO 2364
 
Registriert seit: 08.2004
Ort: Haltern am See
Beiträge: 75
Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt?

Hallo Schachfreunde,

Das Evans Gambit halte ich aus weißer Sicht für spielbar.
Die Eröffnungszugfolge die zur charakteristischen Ausgangsstellung führt ist folgende: 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4!?

Insbesondere im ersten Jahr der Schachausbildung finde ich es gut geeignet für den Lernenden, obgleich einige Authoritäten meinen man sollte von Anfang an Spanisch spielen.

Mit dem Evans-Gambit kann man das dynamische Angriffsspiel bei Materialungleichheit sehr schön üben, eine Fähigkeit die für viele Spieler sehr schwer zu erlernen ist, wenn sie erst einmal mit ruhigeren Eröffnungen begonnen haben (Fehlendes Zutrauen zu materiellen Investitionen).

Für erfahrenere Spieler ist es wohl eine Geschmacksfrage ob man so scharf eröffnet.

Von einer Widerlegung des Evans Gambit kann keine Rede sein.

Mark Dworetski schrieb einmal sinngemäß, das klar vorteilhafte Stellungen (plus minus übereinander) sich von gewonnenen Stellungen (plus minus nebeneinander) darin unterscheiden, dass Stellungen des ersten Typs noch Remis zu halten sind.

So schlimm, dass die Stellungen klar vorteilhaft für Schwarz sind ist es meiner Ansicht nicht, obwohl Weiß nach Dworetski´s Einschätzung selbst dann noch das Remis erreichen würde (das normale Ergebnis einer beiderseits gut geführten Schachpartie).

Die theoretische Einstufung des Evansgambits liegt meiner Meinung nach im Bereich von =, über unklar bis =+.

Möchte man mit Weiß Evans Gambit spielen, sollte man die unklaren Stellungen bevorzugen . Das kann ein relativ unerforschter Zug sein, der einem für Weiß gefällt und der einer analytischen Prüfung standhält, oder eine bekannte Variante in der man eine neue Idee hat.

Es gibt noch einige unerforschte Zweige dieser romantischen Eröffnung. Wenn jemand schreibt warum er meint, dass das Evans-Gambit nicht spielbar ist, analysieren wir das in diesem Thread. Freue mich schon darauf.

Vielleicht gibt es ja noch andere Spieler außer mir, welche die weiße Spielanlage unterstützen.

Viele Grüße,
Tom

Geändert von Michalczak (03.09.2004 um 12:36 Uhr)
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #2 (permalink)  
Alt 03.09.2004, 18:22
Big Ben
alter Hase
DWZ/Elo: ~ 2100
 
Registriert seit: 08.2004
Beiträge: 174
Ich bin auch ein Fan vom Evans-Gambit, weil es interessant zu spielen ist. Allerdings glaube ich, daß es für weiß sehr schwer ist, das ganze gegen einen korrekt verteidigenden Gegner zu spielen. Meistens spiele ich das Gambit nur in Blitzpartien.

Die kritischen Varianten sind meiner Meinung nach die angenommenen z.B. mit La5. ( 1.e4 e5 2. Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5. c3 La5 6. 0-0 )

Weiß hat dann zwar eine angenehme Stellung, aber schwarz sich gut verteidigt kommt er meiner Meinung nach in Vorteil. Und eine Bewertung "unklar" bedeutet ja eigentlich nur, daß die Variante noch nicht 100% erforscht ist.
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #3 (permalink)  
Alt 03.09.2004, 19:47
Michalczak
Erfahrener Benutzer
DWZ/Elo: ELO 2364
 
Registriert seit: 08.2004
Ort: Haltern am See
Beiträge: 75
Hallo Big Ben,

Unklar => nicht widerlegt.
Die Zugfolge
1.e4 e5 2. Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5. c3 La5
ist möglich. 6.0-0 ist aber nicht gut, da man dann in eine ungünstige Variante gerät.
6.d4 finde ich stärker. Nun ist 6...d6 die sogenannte Lasker Verteidigung.
Nach 7.Db3! Dd7 8.dxe5! ist nicht zu sehen welche Probleme Weiß haben sollte, da ihm mehrere spielbare Varianten zur Verfügung stehen - 4 verschiedene finde ich in meinen Dateien auf Anhieb.
6...exd4 7.0-0 ist vermutlich kritischer.
Schwarz hat die interessante Wahl zwischen 7...d6, oder 7...Sge7 (finde ich noch am interessantesten). Andere Fortsetzungen wie 7...d3, oder 7...dxc3 sind allgemeinen theoretischen Äußerungen nach minderwertig, sollte man aber vielleicht auch diskutieren.
Was soll nun die Widerlegung sein?
Vielleicht ist 4...Lb6 der beste schwarze Versuch, aber Widerlegung kann man das nicht gerade nennen - 5...Le7 wohl nicht, danach kann Weiß sowohl Kasparov´s Spielweise kopieren, als auch auch das alt her gebrachte spielen.
Wo wird es nun kritisch für Weiß?
Ich würde gerne wieder mehr Evans-Gambit Partien sehen, besonders von jungen GM´s ...

Geändert von Michalczak (12.01.2005 um 11:26 Uhr)
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #4 (permalink)  
Alt 04.09.2004, 19:40
Tschatarunga
Gast
 
Beiträge: n/a
Hi Micha

Ich stimme mit Dir überein daß Spanisch nicht die geeignete Eröffnung zum Lernen von Schach ist. Evt. auch nicht das Evans Gambit, allerdings dieses doch eher als Spanisch. Spanisch ist trockene Arbeit und verleitet nicht zu vergnüglichen Spielen. Im Evans Gambit ist Feuer auf dem Brett und die Verbindung Zeit-Material-Position ist gut zu erklären.

Das Evans Gambit ist auf Nichtweltklasseebenen nicht widerlegt und eindeutig eine starke Eröffnung.

Lassen wir erst einmal die Statistik zu Wort kommen. In meiner Standarddatenbank befinden sich 2882 Partien damit. 1421 +, 501 =, 957 -, dies bedeutet 58% zu 42%. Das akzeptierte Gambit mit Abweichungen zur Hauptvariante ist 61% zu 39%, das abgelehnte 54% zu 46%, und das akzeptierte mit der Hauptvariante (c3 La5) hat 57% zu 43%.

Dieses Statistik hat sich seit 1880 bis heute nicht wesentlich verändert, ist also Jahr für Jahr ungefähr gleich geblieben.

Eine zu hohe Ausbeute für Weiß.

Warum spielen dann Weltklassespieler also diese Eröffnung nicht? Weiter geht es mit Statistik....
Wenn beide Spieler über 2500 ELO haben dann ist sie folgende: 44% zu 56%, also Schwarz hat die Oberhand.

Es fällt auf daß die Weißgewinne immer nur dann waren wenn der Spieler klar besser war. Eine einzige Ausnahme habe ich gefunden.

Folgende interessante Partien dazu:

Jobava,B (2605) - Grischuk,A (2732) [C51]
EU-chT (Men) Plovdiv (8), 19.10.2003

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 Ld6 6.d4 Sf6 7.0-0 0-0 8.Te1 h6 9.Sh4 exd4 10.Sf5 Lc5 11.cxd4 d5 12.exd5 Lxf5 13.dxc5 Sa5 14.Lb3 Sxb3 15.Dxb3 Dxd5 16.Sc3 Tfe8 17.Le3 Dc6 18.Db5 Dxb5 19.Sxb5 Sd5 20.Ld2 Ted8 21.Tac1 Lg6 22.a3 c6 23.Sd6 b6 24.Sc4 f6 25.f3 Ld3 26.Sb2 Lg6 27.Sc4 Tac8 28.Ted1 Td7 29.Le3 Tcd8 30.cxb6 axb6 31.Lf2 b5 32.Sa5 Sf4 33.Txd7 Txd7 34.Ta1 Td6 35.Le3 Sd3 36.a4 Te6 37.Ld2 Te2 38.Ta2 Lf7 39.Tc2 b4 40.Kf1 Tf2+ 41.Kg1 b3 42.Tb2 Sxb2 0-1


Morozevich,A (2745) - Adams,M (2746) [C52]
Corus Wijk aan Zee (4), 17.01.2001
[Lukacs]

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 La5 6.d4 exd4 7.0-0 Sge7 8.Sg5 d5 9.exd5 Se5 10.Lb3 0-0 11.cxd4 This is the old line here, which was regarded as satisfactory for Black. What was Morozevich's improvement? [11.Sxh7 - Short-Adams, Bosna Super GM Sarajevo 2000 CBM 77] 11...Sg4 12.Df3 [12.La3 Sxd5! This is the typical method for a strong counterattack. Suddenly Black's pieces come out of passivity very quickly, and it is White, who has to defend himself.
13.Lxf8 Dxg5 14.Lc5 (14.Lxd5 Dxd5 15.La3 Ld7 Black has more than enough compensation for the exchange because of his lead of development, _, and the weak pawns in White's camp. 16.Sd2 Te8 (16...Dxd4 17.Sf3 Dxd1 18.Tfxd1 Lc6³) 17.Sb3 Lb6 18.Tc1 Te6 19.Tc3 Lb5 20.Te1 Lxd4 21.Sxd4 Dxd4³ Anderssen-Mieses, Breslau m 1867; 14...Sf4!© with attacking chances on the ».] 12...Sf6!? [12...Dd6 deserves also attention. 13.Lf4 (13.Dg3 Dxg3 14.hxg3 Lb6) 13...Df6 14.Sc3 (Bronstein-Ivanov, Maidstone Menchik op 1994) missing the brilliant 14...Sxh2! 15.Dh5 (15.Kxh2 Lxc3µ; 15.Lxh2 Dxg5 16.d6 Lg4µ) 15...Lf5µ] 13.La3 h6 14.Se4 [14.De2 Sfxd5 15.Lxd5 Sxd5 16.Lxf8 Dxg5³] 14...Sxe4 15.Dxe4 Te8 White has still problems with the development of his ¤. 16.Lb2 Sf5 17.Df4 Lb4 … ¥d6 blockading the weak pawns and attacking on the ». 18.Sa3 Ld6 Black has a very comfortable position, the duel in the opening is clearly to his favour. 19.Dd2 Dh4 20.g3 Dh3 21.Sc4 b5! [21...Sh4 22.f4 Lg4 23.Se5 Lxe5 24.dxe5 Sf3+ 25.Txf3 Lxf3 26.e6©] 22.Se5? White wants more than he can afford in the position. [22.Sxd6 cxd6 leaves Black with a virtual § majority, but White has chances for a persistant defence because of his _. 23.Tac1 Lb7 24.Tc7 Te7 25.Tfc1 Tae8 26.Txe7 Txe7 27.Te1 (27.Da5? Te2 28.Dxb5 Sh4! 29.gxh4 Dg4+ 30.Kf1 Df3!-+) 27...a6 28.Txe7 Sxe7 29.De2 Dd7³] 22...Lb7 23.Tae1 a5! 24.a3 b4! 25.axb4? This loses outright, already it is difficult to give a good advice. [25.a4 Se7-+] 25...Lxb4 26.Lc3 Lxc3 27.Dxc3 Sh4! 0-1

Selbst wenn der Spieler klar besser ist hat Schwarz gute Chancen sofern er die Eröffnung kennt.

Short,N (2701) - Nielsen,P (2626) [C52]
Samba Cup 1st Skanderborg (8), 18.10.2003

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 La5 6.d4 exd4 7.Db3 De7 8.0-0 Lb6 9.cxd4 Sxd4 10.Sxd4 Lxd4 11.Sc3 Sf6 12.Sb5 d5 13.exd5 Lxa1 14.La3 De5 15.f4 Ld4+ 16.Kh1 De3 17.Sxd4 Dxb3 18.Te1+ Kd8 19.Le7+ Kd7 20.Sxb3 c6 21.d6 b6 22.Lxf7 c5 23.Sd2 Kc6 24.Sc4 Lf5 25.Se5+ Kb7 26.a4 h5 27.Lxf6 gxf6 28.Ld5+ Ka6 29.Lc4+ Kb7 30.Ld5+ Ka6 31.Lc4+ Kb7 ½-½

In Weltklasseniveau ist Evans Gambit damit als widerlegt anzusehen.
Es scheint so zu sein dass Schwarz bei guter Eröffnungskenntnis aus der Sache gut rauskommt. Allerdings sind halt doch viele Spieler nicht sehr mit dem Evans Gambit vertraut und es ist auch eine psychologische Kampfansage an den Gegner, viele kommen damit nicht zurecht.

Es scheint nun auch klar zu sein warum die Weltklasse dieses Risiko normalerweise nicht auf sich nimmt.

Kasparov konnte 1995 noch einige Spieler damit überraschen, aber diese haben sich jetzt darauf eingestellt.


Schöne Grüße
Tschatarunga
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #5 (permalink)  
Alt 05.09.2004, 04:57
Michalczak
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Ort: Haltern am See
Beiträge: 75
Aus den ersten beiden Partien kann und sollten die Weißspieler lernen, dass man das Evans-Gambit nicht mal eben spielt, weil einen gerade die Lust auf Romantik überkommt, sondern, dass auch in dieser Eröffnung wissenschaftlicher Rationalismus in der Eröffnungsvorbereitung angesagt ist.

Die erste Partie die Du angibst zeigt die Bauernopferannahme gefolgt vom Rückzug Ld6. Das ist eine interessante, moderne Antwort.
Sie traf Badur Jobava entweder unvorbereitet, oder er erinnerte sich falsch an seine Vorbereitung.
Die Variante war eigentlich hinlänglich aus Partien auf GM Level bekannt.

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 Ld6!?
Festigt den Zentralbauern, schafft aber offensichtliche Entwicklungsprobleme (Theorie vor 2000). Früher war so ein Zug verrufen, aber Ld6 ist plötzlich in vielen Varianten der offenen Spiele zu einem akzeptablen Zug herangereift, z.B. Spanisches Vierspringerspiel, Worral-Angriff, etc., so auch im altehrwürdigen Evans-Gambit. 6...Sf6 7.Te1 0-0 8.d4
8...h6! Prophylaxe gegen Lg5. Da Weiß schon kurz rochiert hat ist so ein Zug, der eine Angriffsmarke schafft, möglich. Hätte Weiß noch nicht rochiert wäre nun Tg1 nebst g2-g4 stark. statt des bekannten Zugs 9.Sbd2 setzte Jobava hier mit
9.Sh4? fort.
9...exd4 10.Sf5 Lc5 11.cxd4 d5 12.exd5 Lxf5 13.dxc5 Sa5 14.Lb3 Sxb3 15.Dxb3 Dxd5 16.Sc3 Tfe8 17.Le3 Dc6 war klar besser für Schwarz. Jobava,B-Grischuk,A/Plovdiv 2003


; 9.Sbd2 Te8 10.Lb3 Der bisher erfolgreichste Zug für Weiß.

a)Die Fortsetzung 10.Ld3 hat sich weniger bewährt exd4 11.cxd4 Lf8 12.e5 Sd5 13.Lc4 Sb6 14.Lb3 d6 15.Dc2 dxe5 16.Sxe5 Sxe5 17.dxe5 Le6 18.Lb2 Sd5 19.De4 Sb4 20.Tad1 Dc8 21.a3 Lxb3 22.Sxb3 Sc6 23.f4 De6 24.Dc2 Dg4 25.f5 Tad8 26.Txd8 Txd8 27.e6 f6 28.Tf1 Da4 29.Dc3 Db5 30.Dg3 Td3 31.Dg6 Txb3 32.Df7+ Kh7 0-1 Sermek,D-Mikhalchishin,A/Bled 2002

b)10.Db3!? Diese Fortsetzung finde ich am beachtlichsten, Weiß kann Sh4 in den folgenden Varianten anscheinend wirklich vorteilhaft spielen![Michalczak 2004] 10...Te7 (b)10...De7 11.Sh4 Sa5 12.Da4 Sxc4 13.Sxc4 De6 14.d5 Dg4 15.Sxd6 cxd6 16.Sf5±; b)10...Tf8 11.Ld3 Te8 12.Sc4±) 11.Sh4! exd4 (b)11...Sa5 12.Da4 Sxc4 13.Sxc4 Te6 14.Sxd6 cxd6 15.d5 Te8 16.Sf5±) 12.Sf5 dxc3 13.Sf3 Txe4 14.Lxf7+ Kh8 15.Txe4 Sxe4 16.S3h4 Df6 17.Sg6+ Kh7 18.Dd5 Se5 19.Lg8+ Kxg6 20.Dxe4 Dxf5 21.Lh7+ Kxh7 22.Dxf5+±; Demnach scheint 5...Ld6 zwar interessant, mehr aber vielleicht auch nicht. Vermutlich findet Schwarz eine Verstärkung zum +=.

Kommen wir nach diesem kurzen Ausflug zurück zum bekannten Zug des Läufers nach b3.
10.Lb3 Lf8 (10...exd4 11.cxd4 Lf8 12.e5 Sh7 13.d5± [Michalczak 2003]) 11.Sxe5 Sxe5 12.dxe5 Txe5 13.Sf3 Te7 (13...Txe4!? 14.Lxf7+ Kh8÷ [Michalczak 2003](14...Kxf7 15.Txe4 Sxe4 16.Dd5+ Kg6 17.Dxe4+ Kf7 18.Dd5+ Kg6 19.De4+= [Michalczak 2003]) ; 14.e5 Se8 15.Sh4 d5 16.Lxd5 Le6 17.Lxb7 Td7 18.Da4 Tb8 19.Le4 c5 20.Sf5 Sc7 21.Se3 Sb5 22.Dc2 Da5 23.Lb2 Sa3 24.De2 Da4 25.f3 Sc4 26.Lc2 Db5 27.Lc1 Sxe5 28.Dxb5 Txb5 29.La4 Ta5 30.Lxd7 Sxd7 31.c4 Sb6 32.a3 Ld6 33.Lb2 Sa4 34.Tad1 Lxh2+ 35.Kxh2 Sxb2 36.Td8+ Kh7 37.f4 g6 38.g4 Txa3 39.Sd5 Sxc4 40.Sf6+ Kg7 41.Se8+ Kf8 42.f5 Ke7 43.Ta8 Se3 44.fxe6 Sxg4+ 45.Kg2 fxe6 46.Sc7 e5 47.Sb5 Ta2+ 48.Kg3 h5 49.Kh4 Tg2 50.Txa7+ Ke6 51.Ta6+ Kf7 52.Sd6+ Kg7 53.Tb1 1-0 Sveshnikov,E-Zheliandinov,V/Bled 2000 Empfiehlt sich zum Studium für jeden Evans-Gambit Spieler.

Hinzugefügt:

Die 2. angegebene Partie war
Morozevich,A (2745) - Adams,M (2746) [C52]
Corus Wijk aan Zee (4), 17.01.2001
Wie gesagt halte ich diesen schwarzen Versuch für den kritischsten.

Morozevich wich der Partie Short-Adams, Sarajevo 2000 aus, da er mehr als ein Remis erreichen wollte.
Moment...
Mehr als Remis... klingt nicht gerade nach Widerlegung des Evans-Gambit, oder gibt es zur Partie Short-Adams eine tolle Verstärkung für Schwarz?

Morozevichs Abweichung enttäuschte mich.
Lukacs Frage: „What was Morozevich's improvement?“, stellte ich mir auch.
Ich verfolgte die Partie damals mit 100ten von Spielern life im ICC.
Keine besonders gute Werbung für das Evans Gambit. Morozevich überlegte auffällig lange in der Eröffnung wenn ich mich richtig erinnere und man hatte den Eindruck, dass eher Weiß Probleme hat.

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 La5 6.d4 exd4 7.0-0 Sge7!
Diese Variante wurde in der 2.Hälfte des 19.Jhd populär, als sie im Match Anderssen-Mieses, Breslau 1867 zur Anwendung kam [Kasparow 2003].
Schwarz entwickelt sich, schließt die Diagonale a3-f8 und bereitet den Zentralkonter d7-d5 vor, das sieht gesund aus, aber stellt diese Fortsetzung das Gambit in Frage?.Diese Frage muss geklärt werden. So lange bleibt 7...Sge7 eine interessante und zur Jahrtausendwende theoretisch heiß diskutierte Fortsetzung [Michalczak 2001].
Der Zug 7....Sge7, früher von Keres als beste Chance, und auch von Harding in dieser Stellung empfohlen, gilt für mich wegen 8.Sg5! als verdächtig [Michalczak 1995]. Die Meinungen hierzu gehen aber weit auseinander. In NCO wird 7...Sge7 empfohlen und führt sogar nach 8.cd4: zum schwarzen Plus. 8.Sg5 wird hingegen nur kurz behandelt. Neuere Analysen zeigen aber, dass es hier noch viel zu klären gibt. Vielleicht ist sogar 8.La3 der gegebene Zug [Michalczak 2001].

8.Sg5! Ist der kritische Zug.
[8.La3!? ist noch sehr wenig erforscht! Vielleicht aber auch möglich]
8...d5!
9.exd5 Se5
Diese kritische Position verdient ein genaues Studium.

10.Lb3! ist nun der renomierteste Zug.

[10.Dxd4 wird von Jozef Palkövi befürwortet f6 (10...S7g6 =+ [NCO] Das Urteil ist mir nicht klar, z.B.: 11.Te1 0-0? 12.Txe5 Sxe5 13.Dxe5 Te8 14.Df4 Te1+ 15.Lf1± [Michalczak 2002]) 11.Te1! (11.Lb3 Lb6 12.Da4+ Dd7 13.Se6 Dxa4 14.Lxa4+ Kf7 =+ [Bilguer]) 11...Lb6 12.Dh4 S5g6 (12...fxg5 13.Lxg5 S5g6 14.Dh5 Lc5 15.d6 Lxd6 16.Sd2 mit weißer Initiative Idee Se4, Tad1 [Palkövi 1998]) 13.Dh5 fxg5 14.La3 0-0 15.d6+ Sd5 16.Lxd5+ Kh8 17.Lf3 cxd6 sieht gut für Schwarz aus. Hier wüßte ich gerne was Palkövi beabsichtigt.]

10...0-0 als Antwort auf 10.Lb3 gilt in NCO als unklar! Weiß stehen nun zur Wahl 11.cxd4, oder 11.Sxh7

Kurz warum andere Züge schlecht für Schwarz sind:

[10...dxc3?! 11.De2! h6 (11...f6 12.Se4 Sxd5 13.La3 c6 14.Sd6+ Kd7 15.f4 Sg6 16.Lxd5 Db6+ 17.Kh1 cxd5 18.Sxc3 Lxc3 19.Tab1 Dc6 20.Dd3 d4 21.Sb5 Td8 22.Sxc3 Dxc3 23.Db5+ Dc6 24.Db3 Th8 25.Tbc1 De6 26.Dc2 Db6 27.Lc5 Dc6 28.Db3 Kd8 29.Lxd4 De4 30.Dc3 Le6 31.Tfe1 Dd5 32.Tcd1 Ke8 33.Lxf6 Dxd1 34.Txd1 gxf6 35.Dxf6 Lf7 36.f5 Tg8 37.Dd6 Lxa2 38.fxg6 Txg6 39.Dd7+ Kf8 40.Dxh7 Tg7 41.Dh8+ Lg8 42.Tf1+ Tf7 43.Dh6+ Ke8 44.Te1+ Te7 45.Dh5+ Kf8 46.Dh6+ Ke8 47.Tf1 Tf7 48.Td1 Th7 49.Dd6 Te7 50.h4 Le6 51.De5 1-0 Bronstein,D-Comp Heuristic Alpha/The Hague AEGON 1992) 12.Dxe5 hxg5 13.La3 unklar;
10...h6? 11.cxd4 hxg5 (11...S5g6 12.Sxf7) 12.dxe5±;
10...f6? 11.cxd4 S5g6 12.d6! fxg5 13.dxe7± Dd7 14.Df3 Sf4 (14...Df5 15.La4+ c6 16.Lxc6++-; 14...Dxe7 15.La3 Sh4 16.Dd5+-) 15.Lxf4 gxf4 16.Dh5++-]

Zurück zur Hauptvariante (HV)
11.cxd4 Sg4 12.Df3 spielte Morozevich
[12.La3 ist alt, aber nicht widerlegt!. Raum für neue Partien gibt es hier sehr wohl! Sxd5 13.Lxf8 Dxg5 14.Lxd5 Dxd5 (15.Lc5!? [Michalczak 2004]) 15.La3+= [Poldauf 2000] Weiß hat hier eine Qualität für einen Bauern mehr, die schwarzen Figuren haben aber gute Optionen. Hier wurde bisher nur 15...Ld7 gespielt. Nach 15...Le6= Ich sehe keinen Grund warum Schwarz klagen sollte [Michalczak 2000], Dirk Poldaufs Urteil += darf trotzdem diskutiert werden. Nach dem von Lukacs angegebenen Zug Ld7 finde ich für Weiß noch weniger Grund zur Klage. 15...Ld7 16.Sd2! Te8 (16...Dxd4? 17.Sb3 Viel stärker als das von Lukacs angegebene Sf3! Dxd1 18.Tfxd1 Lc3 19.Tac1+- [Michalczak 2000]) 17.Sb3 Lb6 18.Tc1 (Stattdessen schlage ich 18.Lc5 als Verstärkung für Weiß vor, z.B. Lxc5 19. Sxc5 Dd6 20.g3 Sf6 21.Sxd7 Sxd7 22.Te1 += [Michalczak 2004]) Te6 19.Tc3 Lb5 20.Te1 Lxd4 21.Sxd4 Dxd4 Diese Stellung als =+ zu bewerten ist bei Betrachtung der Partiefolge zunächst unverständlich. Der nächste Zug von Weiß war sehr stark. 22.Lc5 Dd5 (Dxd1 sieht auf dem ersten Blick kritisch aus.) 23.f3 La4 24.Dc1 Se5 25.Te4 Le8 26.Lxa7 f5 27.Te1 Lc6 28.Lf2 Dxa2 29.Tce3 Da5 30.Dc3 Dxc3 31.Txc3 f4 32.Tc5 Sxf3+ 33.gxf3 Tg6+ 34.Kf1 Lxf3 35.Txc7 Lc6 36.Tee7 h5 37.Ld4 Kh7 38.Txg7+ Kh6 39.h4 Te6 40.Tg5 Tg6 41.Lg7+ 1-0 Anderssen,A-Mieses,J/Breslau m 1867; ]

12...Sf6 [12...Dd6 13.Lf4 Df6 14.Sc3 Remis in Bronstein,D-Ivanov,An, Maidstone 1994]

11.Sxh7?! Kxh7 12.Dh5+ Kg8 13.Dxe5 Sf5! Idee Te8 nebst dc3: (13...dxc3? 14.La3 Te8? 15.Te1 c2 16.Lb2! f6 17.d6+ Kf8 18.Dxa5 Sc6 19.dxc7+- [Mazukewitsch 91]) 14.Ld2 (14.cxd4 Te8 15.Df4 Lb6 16.Lb2 Te2 =+ [Poldauf 2000]) 14...c5 (Hier gefällt mir 14...Te8 besser wonach ich Schwarz etwas im Vorteil sehe) 15.dxc6 bxc6 16.Te1 Lc7 17.De4 Df6 18.Lf4 Remis in Short-Adams, Sarajevo 2000

Also:
Nach 10.Lb3
11.Sxh7 führte zum Remis durch Übereinkunft Short-Adams Schwarz hat aber z.B. die Verbesserung 14...Te8)
Nach 11.cxd4 Sg4 ist sowohl 12.Df3, als auch 12.La3 spielbar.
Besonders 12.La3 halte ich für relativ gut spielbar.
Interessant ist 10.Dxd4 obwohl ich dort ein Problem für Weiß sehe 12...S5g6.
Die Fortsetzung 8.La3 ist ebenfalls möglich!?
Falls jemand gegen 8.La3 einen Weg zum schwarzen Vorteil findet, kopiere ich gerne meine Analysen hierzu in den thread.

Zur dritten Partie.
Es wird nach Analyse der Partien Short-Adams und Morozevich-Adams verständlich warum Short im Jahr 2003 sein Glück mit der weniger bekannten Fortsetzung
7.Db3 versuchte.
7.Db3 war die dritte Partie, die laut Tschaturanga zeigen sollte, dass: „Selbst wenn der Spieler klar besser ist hat Schwarz gute Chancen sofern er die Eröffnung kennt.“,
Hier stimme ich nicht zu.
7.Db3 De7 8.0-0 Lb6 9.cxd4 Sxd4 mit klarem Vorteil für Schwarz war ein altes theoretisches Urteil, dass in der Praxis gehörig umgekrempelt wurde! Der Score für Weiß (statistisch) sieht mehr als ganz gut aus.
Short fand eine Verstärkung zur Partie
Kovalevskaya,E (2486) - Stefanova,A (2497) [C52]
EUCup (Women) 7th Antalya (4), 02.10.2002
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 La5 6.d4 exd4 7.Db3 De7 8.0–0 Lb6 9.cxd4 Sxd4 10.Sxd4 Lxd4 11.Sc3 Sf6 12.La3 d6 13.Tad1 Lxc3 14.Dxc3 De5 15.Dxe5+ dxe5 16.f4 Le6 17.Lxe6 fxe6 18.fxe5 Sd7 19.Tc1 Tc8 20.Ld6 Kd8 21.La3 Ke8 22.Ld6 Kd8 23.La3 Ke8 24.Ld6 ½–½

Oder habe ich irgendwo gehört, oder gelesen, dass er sogar bei der Analyse der beiden WGM´s dabei war?!
Jedenfalls spielte er 12.Sb5 und überraschte Peter Heine Nielsen, der auch ein sehr guter Spieler ist.
Nielsen antwortete mit guten Zügen. Ob er die Antwort auf 12.Sb5 zuhause vorbereitet hatte ist stark anzuzweifeln, wenn gleich nicht ausgeschlossen.

Die Gewinnerwartung von Short gegen Nielsen bei einer Elodifferenz von 75 Punkten beträgt 0,6.
D.h. er holt 6 Punkte aus 10 Partien, dass könnte bedeuten 8 Remis und 2 Siege.
http://www.schachbund.de/dwz/wo/anhang_2-1.html
Das Remis war also gar nicht so unwahrscheinlich.

Short war demnach also gar nicht so klar besser, als dass er hätte unbedingt gewinnen müssen.
Nielsen kannte den ihm vorgesetzten neuen Zug 12.Sb5 vermutlich nicht.

Ich finde dennoch 7.0-0 stärker als 7.Db3.

Die weitere Argumentation und Suche der Widerlegung sollte sich also auf 7.0-0 konzentrieren (2.Partie), da ich 2 Wege angegeben habe auf die Weiß versuchen kann eine Stellung mit Spiel zu bekommen.
7.Db3 führte in der Partie Short-Nielsen zum Remis und scheint noch nicht widerlegt.

Kasparov hatte 1995 wirklich einen großen Vorteil, da stimme ich Dir voll zu.

Das Evans Gambit (EG) möchte ich auf Weltklasse Niveau nicht als widerlegt ansehen.
Schliesslich haben Nigel Short und Alexander Morozevich noch vor kurzem mit Weiß so gespielt.

Der Überraschungseffekt spielt auf Weltklasseniveau auch eine große Rolle. Gelegentliches Anwenden des EG ist unangenehm für den Gegner, der Vorbereitungsaufwand wird auf beiden Seiten größer, aber nur Weiß weis wann es dazu kommt C51, C52 theoretisch weiter zu diskutieren.

Ich habe das Evans Gambit im Turnierschach zuletzt 2001 gespielt. Vielleicht spiele ich mal wieder so...
Insgesamt habe ich aus 14 Turnierpartien im Evans Gambit einen Score von 12 Siegen, 1 Remis und 1 Niederlage. Wobei ich einmal mit Schwarz gewann:

Berning - Michalczak,T [C51]
Porz Open, 1990
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.b4 Lxb4 5.c3 Le7 6.d4 Sa5 7.Sxe5 (7.Le2!? spielte Kasparov) Sxc4 8.Sxc4 d5 9.exd5 Dxd5 10.Se3 De4!?
Auf diesen seltenen Zug brachte mich damals Andreas Fuhrmann aus Haltern, der mir einige Wochen vor der Partie erzählte, daß er diesen etwas extravagant anmutenden Damenzug in einer Schachzeitschrift als Empfehlung gesehen hätte (ich glaube es war eine schon damals ältere Ausgabe des Schachmagazin 64, die ich leider nie wieder in den Händen hatte.). 11.0–0! Der beste und angeblich einzige Zug. Da mir das SM bisher nicht zugänglich war, stammen folgende Varianten von mir. [11.Sd2?! Dd3 12.Lb2³ Und nach dem unumgänglichen Damentausch steht Schwarz besser.; 11.La3 Lxa3 12.Sxa3÷ (12.Da4+÷) ; 11.c4!? c5! (11...Lb4+ 12.Ld2! Lxd2+ (12...Dxd4? 13.Lxb4 Dxa1 14.Lc3 Dxa2 15.Lxg7+-) 13.Dxd2 Sf6 14.Sc3²) 12.Lb2 (12.d5?? Lf6–+) 12...Lf6 13.Sd2 Dg6 (13...De7? 14.0–0 Le6 15.Te1±) 14.0–0÷ (14.Sb3÷) ] 11...Lf6 [11...Sf6!? 12.Sd2?! (12.De2!?÷; 12.La3 Lxa3 13.Da4+ c6 14.Dxa3 De7=) 12...Dd3 13.Lb2 0–0 14.Sdc4 Dxd1 15.Taxd1 c6 16.Tfe1 Le6³ Bütow-Michalczak, Chessnet 1999] 12.Te1 Se7 13.La3 Le6 14.h3? [14.Lxe7! Lxe7 (14...Kxe7? 15.d5 Tad8 16.Db3+-) 15.d5 0–0–0 16.Sd2 Dd3 17.dxe6 Dxd2 18.Dg4±; 14.d5!?±] 14...Df4 15.Sd2 0–0 16.Df3 Dxf3 17.Sxf3 Tfe8 18.Sg4 Lxg4 19.hxg4³ Nun folgt eine Endspielleistung, auf die ich damals sehr stolz war. 19...h6 20.Lxe7 Txe7 21.Txe7 Lxe7
22.Kf1 Te8 23.Ke2 Lh4+ 24.Kf1 Lf6 25.Te1 Kf8 26.Txe8+ Kxe8 27.Ke2 c5 28.Kd3 cxd4 29.cxd4 Kd7 30.Kc4 Kc6 31.d5+ Kd6
32.Sd2? [32.a4] 32...b5+! 33.Kxb5 Kxd5 34.Sf1 Ld4 35.f3 g6 36.Sg3 Ke5 37.Kc4 Lb6 38.Kd3 Lc5 39.Kc4 Lb6 40.Kd3 Kd5 41.Se4 Ld8 42.Sd2 Ke5 43.Sc4+ Kf4 44.Ke2 Kg3 45.Kf1 Lc7 46.Sd2 f5 47.gxf5 gxf5 48.Sc4 Lf4 49.Sb2 h5 50.Sd1 Ld2 51.Sf2 h4 52.Sh3
52...Le3 53.Sg1 Lxg1 54.Kxg1 f4 55.Kf1 h3 0–1

Bin sehr zufrieden mit dem Evans-Gambit gewesen und die Partien haben alle viel Spaß gemacht. Und darum geht es doch, Spaß am Schach.

Viele Grüße,
Tom


Geändert von Michalczak (07.09.2004 um 02:56 Uhr)
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #6 (permalink)  
Alt 12.09.2004, 21:09
ssiimm
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experten

wow ihr seid wirklich profis! habe das meiste eurer beiträge gelesen und denke das man es spielen kann(werde ich auch machen!) aber eben nur bis zu einer gewissen stärke!
@tschatarunga was sollte man jugendlichen denn als erste eröffnung lernen?? italienisch??klar spanisch ist kompliziert und trocken-ich denke aber auch man sollte ganz am anfang das evans gambit meiden da dann viele grundlos bauern herschenken lernen!
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #7 (permalink)  
Alt 13.09.2004, 00:00
Michalczak
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Hallo ssiimm,

als Anfänger soll man verstehen lernen, dass man nicht grundlos Bauern verschenkt, sondern das man sie opfert um etwas anderes dafür zu bekommen (Materie im Wechsel gegen Raum und/oder Zeit).

Genau deshalb finde ich das Evans Gambit besonders geeignet für Anfänger, da der erlangbare Gegenwert besonders leicht erkannt werden kann.

Vielleicht haben wir aber ein unterschiedliches Verständnis davon, was Anfänger sind. Leute die nicht verstehen können warum man Bauern opfert, sollten das Spiel noch etwas besser verstehen lernen, bevor sie anfangen Partien zu spielen (Status Anfänger).

Ich habe 2 Schachbücher gelesen, bevor ich zum ersten Mal in den Schachverein gegangen bin.

"Die ersten Züge" von J.N. Walker und "Zug um Zug Schach für Jedermann 2 - das Turmdiplom" von Helmut Pfleger.

Das Schachspiel von Tarrasch wäre zwar ein besserer Einstieg gewesen, aber was soll´s.

Jedenfalls gebe ich Herrn Tarrasch Recht, dass man zuerst etwas üben sollte bevor man spielt.

Wenn man das Buch "Das Schachspiel" studiert hat und die ersten Partien spielt, sollte man auch das Evans-Gambit ansatzweise verstehen können und auf diese Weise weitere schnelle Fortschritte durch taktisch betonte Spielführung erreichen können.

Viele Grüße,
Tom
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #8 (permalink)  
Alt 13.09.2004, 14:16
Cpt. Bligh
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Es juckt zwar jetzt keinen, aber ich habe eine kurze Anmerkung, in einem anderen Thread oder zuvor in diesem schrieb irgendjemand zum Thema Widerlegung des Evans-Gambit, dass Anand es einmal verucht hätte gegen Kasparov aber nach 25 Zügen gescheitert sei. Tatsächlich war es aber genau andersherum, Kasparov spielte es gegen Anand und machte ihn mit weiß in 25 Zügen nieder, nur als Anmerkung zur Widerlegung.
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #9 (permalink)  
Alt 13.09.2004, 14:21
ssiimm
GM im Verlieren
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hast recht

sicher sollte man zuerst üben aber von allen schachspielern die es lernen machen es vielleicht 2% so! für mich sind anfänger spieler die gerade das spiel erlernt und vielleicht ein bisschen trainiert haben-für dich so scheint mir sind das spieler die schon bücher gelesen haben! zum bücher lesen-die meisten schachspieler können vorher auch keine bücher lesen da sie das spiel früh erlernen( zwischen 6-10) und genau in dieser zeit haben sie überhaupt kein interesse bücher zu lesen(habe ich schon oft gesehen und war bei mir auch so)-auch wollen viele trainer den schüler nicht nur so trainingsbeispiele geben sondern lassen sie auch spielen da die kinder sonst unerträglich werden-stören nur und haben kein interesse-und spielen fürht ja zur stümperschaft wie tarrasch schon sagte!
wenn man einmal tarrasch gelesen hat und anderes halte ich es für kein problem evans gambit spielen zu lassen doch zu früh wäre es fahrlässig!ich denke evans gambit sollte man so nach 2 jahren spielen!
p.s. ich hatte auch mal eine zeit da spielte ich nur gambite weil sie so lustig waren und dabei lernt man viel dazu!! aber ziemlich am anfang halte ich sie für falsch!
mfg simon
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #10 (permalink)  
Alt 16.09.2004, 11:45
kassi
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selbst wenn sie wiederlegt wäre der schwarze muss sie ja auch können :-)
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #11 (permalink)  
Alt 16.09.2004, 17:01
Michalczak
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Hallo Kassi,

Es spielt meiner Ansicht nach keine Rolle für die Diskussion, ob ein Gegner die Widerlegung dieser Eröffnung kennt (falls es eine gibt) oder nicht kennt.

Eine Eröffnung regelmäßig spielen bedeutet, dass man sie im Repertoire hat.
Das macht allerdings nur Sinn wenn sie zuverlässig ist.

Um die Eröffnung unzuverlässig erscheinen zu lassen reicht es, wenn es eine Widerlegung gibt, die irgendwo steht, auch wenn es im Notebook irgendwelcher GM´s ist.

Wenn man sich gewissenhaft auf einen Gegner vorbereitet checkt man alle Eröffnungsvarianten die dieser spielt.

Selbst wenn man vor der Vorbereitung die Widerlegung nicht kennt, kennt man sie oft nach einer gewissenhaften Vorbereitung.
Es gibt verschiedene Quellen in denen man nach Eröffnungsinformationen suchen kann.

Falls es keine Widerlegung gibt die irgendwo steht, lohnt es bei fragwürdig erscheinenden Eröffnungsvarianten die der Gegner spielt, selbst zu analysieren und anschließend diese Analysen mit Schachprogrammen zu überprüfen.

Wenn man in der Eröffnung Vorteil erreicht ist das eine gute Voraussetzung für den Gewinn der Partie.

In schlechten Stellungen werden dem Gegner generell mehr Fehler geschehen, was die eigene Erfolgschance nach vorteilhaftem Eröffnungskampf weiter vergrößert.

Nicht zu vergessen ist der nachteilige psychologische Effekt den das Spielen einer nachteilhaften Eröffnungsvariante mit sich bringt.

Du hast natürlich Recht, wenn Du meinst, dass die meisten Nachziehenden zu faul sind um die Theorie zu lernen und viele Spieler nicht dazu in der Lage sind, sich Varianten dauerhaft zu merken, aber das hat nichts damit zu tun, ob es eröffnungstheoretische Gründe für das Meiden des Evans Gambit seitens des Anziehenden gibt.

Also weiterhin. Wo ist das eröffnungstheoretische Problem für Weiß?

Die veröffentlichten "Widerlegungen" sind mit obigen Varianten aufgehoben, oder meint jemand eine kritische Spielweise gefunden zu haben, die Schwarz mühelosen Ausgleich oder sogar mehr erlaubt?

Also, oben habe ich geschrieben:
"Die theoretische Einstufung des Evansgambits liegt meiner Meinung nach im Bereich von =, über unklar bis =+."

Um die Diskussion etwas zu beleben behaupte ich einfach mal das Evans Gambit ist mindestens +=.


Viele Grüße,
Tom.

Geändert von Michalczak (16.09.2004 um 17:06 Uhr)
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #12 (permalink)  
Alt 16.09.2004, 18:14
kassi
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natürlich hast du recht:-)

aber hab schon oft erlebt das sich schwächere spieler nicht die schlechten varianten anschaun (spielt ja eh keiner denken sich sich wohl) und gewann schliesslich

gruss kassi:-)
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #13 (permalink)  
Alt 16.09.2004, 19:08
ssiimm
GM im Verlieren
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ich frage mich wie es die diskusion beleben wird?? aber um dir zu helfen sage ich das kann gar nicht += sein da es sonst viel mehr Gm oder IM spielen würden!
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #14 (permalink)  
Alt 16.09.2004, 19:36
Cpt. Bligh
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Denkt daran, was widerlegt überhaupt bedeutet. Es heißt nicht, dass man damit verliert, sondern dass man bei perfektem Spiel des Gegners forciert in eine schlechtere Position kommt, aber wie oft kommt das auf einem Niveau unter 2600 vor?

Wie ich schon geschrieben habe, auch Kasparov hat ab und an das Evans-Gambit gespielt und z.B. Anand damit ganz schön fertig gemacht.
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  Meint jemand das Evans-Gambit ist widerlegt? Beitrag #15 (permalink)  
Alt 17.09.2004, 00:07
Michalczak
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Hallo nochmal,

Eigentlich erwarte ich kein Gelaber, sondern Variantenvorschläge.

Meine Variantenvorschläge für Weiß finden sich im obigen Thread.

Evans Gambit ist keine "schlechte Variante" (wie Kassi es schreibt) sondern wird von vielen GM´s gespielt Kasparov, Short, Sveshnikov, Jobava und anderen (um ssiimm ein paar Namen zu nennen).

Es wird oft von unternehmungslustigen Spielern gespielt die auf ihre taktischen Fähigkeiten vertrauen.

Der pragmatische Stil der Zeit verbietet natürlich Eröffnungen wie Königsgambit sowie das Evans Gambit und schreibt stattdessen Spanisch vor. Die Gambit Eröffnungen beinhalten insbesondere in den offenen Spielen eine große Portion Risikobereitschaft.

Mit Weiß möchten die meisten Spieler aber kein Risiko eingehen. Die meisten zeitgenössischen Großmeister spielen mit Weiß Eröffnungen mit denen sie gewinnen können und wenn der Gegner gut spielt wird es eben Remis.

Das ist in Eröffnungen wie Evans Gambit oder Königsgambit etwas anders (obwohl Fedorov es in letzter Zeit im Königsgambit meist schafft bei bestem Spiel des Gegners Remis zu halten, ebenso wie Short im Evans Gambit!).

In diesen Gambit Eröffnungen ist es viel eher wahrscheinlich, dass Weiß bei gutem schwarzen Spiel nach einer kleinen Ungenauigkeit seitens des Anziehenden die Partie gewinnt.

Eine Aussage ob die Eröffnungen widerlegt sind oder nicht gibt die seltenere Anwendung durch Großmeister daher in unserer Zeit nicht.

Im Gegenteil. Die Tatsache das in den letzten Jahren (nach 2000!) SuperGM´s (Morozevich, Short) das Evans Gambit spielten deutet darauf hin, dass das Evans Gambit in ihren Augen sehr wohl als spielbar gilt. Diese Spieler sind weder Wahnsinnig noch Vollidioten, die spielen keine widerlegten Eröffnungen.

Wenn ich nun den += Standpunkt vertrete, meine ich gegen jede beliebige schwarze Spielweise eine unklare Variante zu haben deren Erforschung mit Leichtigkeit voran getrieben werden kann.

Ich werde gerne weitere unklare Varianten auf Eure kritischen "Widerlegungsversuche" hin vorschlagen und diese unklaren Varianten derart kommentieren, dass die These += vertretbar erscheint. Daraufhin seit ihr wieder am Zug. Betrachtet diesen Thread als Chance Euren Umgang mit dem Bekämpfen von Initiative unter Materialrückopfer und anderen Methoden zu schulen. Ab Sonntag bin ich für 7 Tage auf einem Turnier. Ich hoffe wenn ich zurückkehre finde ich "Widerlegungsversuche" vor.

Behaupten, dass das Evans Gambit widerlegt ist, kann jedes Kindergartenkind.
Ich bin bereit das Gegenteil zu behaupten und Eure Vorschläge durch Varianten zu nichte zu machen.

Ich behaupte nicht, dass 3...Lc5 nicht spielbar ist, sondern nur, dass Weiß mit 4.b4 eine gut spielbare Stellung mit vollwertigen Aussichten bekommt, die die Aussichten in toten Eröffnungen wie Ponziani, Göring Gambit, Wiener Partie und Mittelgambit bei weitem übertreffen.

Ich hoffe auf eine spannende Analyse.

Viel Glück beim Finden einer Widerlegung,

Viele Grüße,
Tom
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