Zunächst einmal möchte ich Angies Übersicht der weißen Aufbauten ergänzen, es gibt (nach 1.f4 d5) tendenziell wohl fünf grundsätzliche Möglichkeiten für den Anziehenden:
1) f4/Sf3/
g3/Lg2/d3/0-0 farbvertauschter Leningrad-Holländer, auch
Leningrader Angriff genannt , nach ein paar Internet-Lektionen von GM Danielsen auch Polar Bear ("Eisbär") getauft
2) f4/Sf3/
e3/d4/c3/Ld3/0-0 farbvertauschter Stonewall-Holländer, auch weißer Stonewall oder
Stonewall-Angriff
3) f4/Sf3/
e3/b3/Lb2 Bird-Larsen-Angriff
4) f4/Sf3/
e3/Le2/d3 farbvertauschter Iljin-Genewski-Holländer,
Klassisches Bird
5) f4/Sf3/
d3/c3/Dc2/e4 farbvertauschter Hort-Antoschin-Holländer,
Hort-Antoschin-Angriff
Ich bin einer Meinung z.B. mit Bird-Autor Timothy Taylor, daß
Nr.4 die grundlegende Variante ist; ganz einfach deshalb, weil das eigentlich die Struktur ist, die Weiß nach 1.f4 d5 am ehesten durchsetzen kann!
Mit dem Bird-Larsen-Angriff wird´s wohl nix nach 1.f4 d5 2.Sf3 g6! , das "raffinierte" 2.b3?! Lg4! (oder 2...d4?!) ist sehr riskant bis schlecht für Weiß.
Die (sowieso seltene aber durchaus interessante) Hort-Antoschin-Variante geht nicht gut, wenn Schwarz z.B. schnell zu c7-c5 und d5-d4 kommt.
Die Leningrader Struktur ist vielleicht die zweitwichtigste Struktur, man bekommt sie nach 2.Sf3 Lg4!? aber nicht hin, und 2.g3?! h5! sieht auch nicht sehr verlockend aus.
Nur Systeme mit frühem e2-e3 (im 2./3./4.Zug) bekommt Weiß eigentlich gegen jede schwarze Zugfolge hin (wenn man taktische Besonderheiten wie 1...e5?! mal ausklammert). Und da gilt der klassische Iljin-Genewski-Aufbau als deutlich gesünder und besser als der Stonewall, weshalb er auch das Hauptsystem schlechthin gilt. (Im Holländer hat man übrigens das gleiche Phänomen: nach 1.d4 f5 2.Sf3 Sf6 3.Lg5 kriegt Schwarz keinen gutes Königsfianchetto mehr hin). Natürlich gibt es viele Möglichkeiten nach 1.f4 d5, wo Weiß einen Aufbau a la Leningrad (oder Stonewall, Bird-Larsen, Hort-Antoshin) spielen kann oder sogar sollte, aber erzwingen läßt sich das nicht gegen jede schwarze Zugfolge.
Wenn man die klassischen Strukturen a la Iljin Genewski bzw Bird überhaupt nicht mag, sollte man meiner Ansicht nach kein 1.f4 spielen! (Natürlich kann man 1.g3, 1.b3 etc. eröffnen und dann ggf. in den Eisbär bzw. Bird-Larsen übergehen, dann können aber natürlich auch ganz andere Sachen außerhalb von Bird entstehen z.B. nach 1...e5)
Eine andere Sache ist, wie Weiß damit umgeht, wenn Schwarz kein ...d5 spielt und auch e2/e3-e4 nicht richtig verhindert. Langfristig will Weiß ja sowieso eigentlich immer seinen e-Bauern vorstoßen, und wahrscheinlich sollte Weiß möglichst schnell e2/e3/e4 drohen und den Nachziehenden vor die Entscheidung stellen, um eine weiße Angriffsbauernfront e4+f4 wirklich erlaubt wird: also etwa 1.f4 Sf6 2.Sf3 g6/c5 3.d3 . Falls Schwarz durch einen sizilianischen/königsindischen Aufbau weißes e4 wirklich erlaubt, sollte Weiß davon wohl auch Gebrauch machen. Das weiße Bauernzentrum ist alles andere als harmlos, Schwarz hat auch kein schnelles Gegenspiel gegen d4.
Die dann entstehenden Stellungen ähneln dem Geschlossenen Sizilianer und gehen teilweise auch durch Zugumstellung über. Allerdings oft in einer für Weiß vorteilhaften Variante, was dadurch zustandekommt, daß im Geschl. Sizilianer der weiße Be4 sofort ein Angriffsziel ist. Oder Weiß spielt einen Geschl. Sizilianer ohne Sc3 (stattdessen vielleicht c3,Sa3-c2-e3). Auch ein Plan ohne weißes Fianchetto (f4/Sf3/d3/e4/Le2/0-0) ist durchaus gefährlich: der Le2 wirkt Richtung g4/h5 (wo ein schwarzer Springer vielleicht hinwollte) sowie gegen ...c5-c4.
Langer Rede kurzer Sinn: ich bin mir nicht sicher, ob Schwarz sich auf sowas wie 1.f4 Sf6 2.Sf3 g6 3.d3 Lg7 4.e4 d6 5.Le2 0-0 6.0-0 wirklich einlassen sollte. Oder ob Schwarz jede Form eines (nachträglich entstehenden) Geschlossenen Sizilianers spielen sollte - nicht umsonst werden entsprechende Aufbauten in der sizilianischen Zugfolge 1.e4 c5 am besten mit frühem Angriff auf e4 beantwortet: 2.g3 d5!, 2.d3 Sc6 3.g3 d5!, 2.f4 d5! bzw. 2.Sc3 Sc6 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Lb5 Sd4! (6.Sxd4 cxd4 mit Angriff auf Sc3, was nach 1.f4 c5 2.Sf3 Sc6 3.e4! g6 4.Lb5 nicht geht).
Natürlich, ohne großen Nachteil ist ziemlich viel gegen 1.f4 spielbar. Aber wenn man als Nachziehender wirklich zu (annähernd) gleichen Chancen kommen will, sollte man meines Erachtens in den ersten drei/vier Zügen zu ...e5! oder ...d5! kommen!
1...d5! ist sicherlich der einfachste, solideste und wahrscheinlich beste Weg, auch wenn das genau das ist, worauf weiß eingestellt ist.
Das Froms-Gambit
1...e5?! (viele Theoretiker geben auch nur ein ?) ist sicher aktiv und lehrreich, seine Korrektheit (auf höherem Niveau, bei guter weißer Vorbereitung, im Fernschach) ist eine andere Frage.
Züge wie 1...Sf6!, 1...g6! oder 1...c5! sind zusammen mit baldigem ...d5 wohl ebenfalls vollwertig, ohne baldiges ...d5 aber wie oben gesagt etwas riskant.
Entsprechend kann man mit 1...d6!? oder 1...Sc6!? baldiges ...e5 vorbereiten (oder dies zumindest drohen), da gibt es noch viele weiße Flecken auf der Theoriekarte.
Ich würde immer zu 1...d5! raten. Wem die Hauptvarianten zu positionell sind, kann ja z.B. 2.Sf3 Lg4 probieren.
tracke