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22.03.2005, 22:39
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Nimzowitsch-Larsen-Angriff
Hallo Leute,
ich möchte den Nimzowitsch-Larsen-Angriff spielen. Habe aber keine Literatur darüber. Kann man das noch gut spielen, falls sich Schwarz königsindisch dagegen verteidigt?
Danke für eine Antwort,
Gambler
Geändert von WilhelmHH (16.08.2005 um 21:35 Uhr)
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23.03.2005, 00:18
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Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
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Registriert seit: 02.2004
Ort: zuhause
Beiträge: 678
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[Gehört dieser Thread nicht eher in die nächste Rubrik, unter Flankenspiele?!]
Hallo Gambler,
die Literatur ist halbwegs übersichtlich: 1.) Byron Jacobs & Jonathan Tait : Nimzo-Larsen attack
Everyman, London 2001, 192 Seiten, ~24 Euro
Alles zu 1.b3 und 1.Sf3 d5 2.b3 ; 69 ausführlich kommentierte Musterpartien 2.) Angus Dunnington : Winning Unorthodox Openings
Everyman, London 2000, 144 Seiten, ~22 Euro
30 der 144 Seiten behandeln 1.b3 anhand von 5 ausführlich kommentierten Musterpartien, der Rest ist über 1.b4, 1.Sc3, 1.f4, 1.g3, 1.g4 ..., 8 Seiten des 1.f4-Kapitels sind für den 1.b3-Spieler auch noch sehr nützlich 3.) Raymond Keene : Nimzowitsch/Larsen Attack
Batsford, London 1977, 126 Seiten, längst vergriffen (antiquarisch?/ebay?)
Der Klassiker, eine Mischung aus Theoriedarstellung/Musterpartien/Übersichtstexten
Auch Andeutungen über wichtige Überleitungen zu Reti/Englisch
Die letzten 8 Seiten behandeln die Owen-Verteidigung 1.e4 b6 4.) Rolf Schwarz : Die Eröffnung b2-b3 (Nimzowitsch-Larsen-Eröffnung)
Schachverlag Rudi Schmaus, Heidelberg 1987, 154 Seiten, längst vergriffen (antiquarisch?/ebay?)
kapitelweise Theoriedarstellung+Musterpartien, wenig Erläuterungen/Kommentare
ein typischer Schwarz: praktisch reine Materialzusammenstellung ohne Wertung
Das ist eigentlich alles. Bent Larsens Biographie "Ich spiele auf Sieg" aus den 60ern dürfte auch interessantes Material enthalten, leider nicht mehr erhältlich und antiquarisch unerschwinglich!
Im Band1 von SchachOhneScheuklappen gibt´s ein Gegenmittel aus schwarzer Sicht: ganz interessant, aber Weiß muß keine Angst haben.
Sehr interessant sind Kasparows Kommentare in "My Great Predecessors" zu Larsen-Spassky1970 (->Spassky), Larsen-Naydorf1968 (->Fischer), Fischer-Tukmakov1970 (->Fischer) und besonders zum Igel-im-Anzug-Klassiker Fischer-Andersson1970 (->Fischer)
Das Alter der Theoriebücher spielt keine große Rolle, 99% der "Theorie" ist heute noch genauso wie zur Blütezeit um 1970 - wichtig ist, daß man die Stellungen verstanden hat!
Womit wir meines Erachtens auch schon beim Knackpunkt wären: man sollte Reti, Englisch, Bird, Königsindisch-Fianchetto sowie (seitenverkehrt) Damenindisch, Nimzoindisch und Sizilianisch-Paulsen schon "verstanden" haben, bevor man sich an 1.b3 traut. Und 1800++ wäre auch gut. Man kann das nämlich nicht schematisch spielen. Manchmal muß Weiß e3+c4 spielen, manchmal e3+f4, manchmal g3+c4, manchmal e3+d4; all diese Stellungstypen sollte Weiß schon beherrschen, DANN ist 1.b3 eine schöne Eröffnung. Und dann reicht der Dunnington auch aus, um erstmal reinzukommen, später kann man mit den anderen Büchern überpolieren.
Königsindische Aufbauten gelten als Standardrezept gegen 1.b3, aber m.E. hat Schwarz genau dann mit der exakten Zugfolge ein Problem:
Auf 1.b3 Sf6 2.Lb2 g6 hat Weiß 3.Lxf6 mit Trompovsky-Stellungen. Auf 1.b3 e5 2.Lb2 d6 kann Weiß frühes d2-d4 versuchen. Verhindert Schwarz dies mit ...Sc6, so ist dies ein Angriffspunkt für Lb5. Deckt Schwarz mit ...Sd7, so kann Weiß mit c4/g3/Lg2/Sf3/d4 in reguläre KI-Fianchetto-Varianten übergehen, wo Sbd7 solide aber nicht sehr aktiv ist.
Dies ist alles nicht sehr einfach und bedarf ausreichender Erfahrung in allen möglichen Stellungstypen.
tracke
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23.03.2005, 09:47
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Garry des Forums
DWZ/Elo: 1757
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Ort: Münster
Beiträge: 2.415
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Möglich, aber woher soll ich den wissen was der Nimzowitsch-Larsen Angriff ist?
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23.03.2005, 18:43
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Hallo Tracke,
über die fundierte Antwort habe ich mich gefreut.
Mein interresse in dieser eröffnung liegt mehr an der zugfolge 1. sf3 - d5 2. b3, als an 1. b3. Gilt deine einschätzung dann auch, oder mit einschränkungen? Meiner Meinung nach (ähnlich deiner auffassung) liegt in den entstehenden positionen weniger taktik als vielmehr strategie bzw. positionsverständnis. Mann kann diese eröffnung eher "aus dem bauch heraus" spielen, ohne kenntnis forcierter theorievarianten. Gruß, Gambler.
Geändert von WilhelmHH (16.08.2005 um 21:36 Uhr)
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23.03.2005, 20:08
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Garry des Forums
DWZ/Elo: ~2200
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Ort: zuhause
Beiträge: 678
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Hallo Gambler!
Zu 1.Sf3/2.b3 ist Jacobs/Tait definitiv die beste Quelle, allerdings kommen sie (wie auch ich) zu dem Ergebnis, daß dies kein eigenständiges und vollständiges Repertoire ist, eher nur eine Erweiterung, wenn man sowieso schon 1.Sf3 nebst Reti/KIA spielt.
- Nach 1.Sf3 g6 sollte Weiß vielleicht was anderes wählen als 2.b3, denn 2...Lg7 3.d4 ist angenehm für Schwarz
- Nach 1.Sf3 d6 sollte Weiß wieder was anderes spielen als 2.b3, denn 2...e5 3.Lb2 f5 ist sehr aktiv für Schwarz
- 1.Sf3 f5!? ist für Schwarz wohl zumindest weniger schlecht als 1.b3 f5?! 2.Lb2 Sf6 3.Lxf6! bzw. 2...e6 3.e4!
- 1.Sf3 d5 2.b3 Lg4 ist für Schwarz angenehmer als 1.b3 d5 2.Lb2 Lg4 : im ersten Fall behindert der Bb3 nach 3.Se5 Lf5! 4.c4 d4 das Trompowsky-gemäße Db1-b3, im zweiten Fall hat Weiß die Optionen g3/Lg2/Sf3/c4 nebst Reti oder f3/e3/g4 nebst Chaos.
- Viele ruhige Stellungen sind eigentlich Englisch und entstehen meist auch über Englisch, etwa 1.c4 c6 2.Sf3 d5 3.e3 Sf6 4.b3 Lg4 5.Lb2 e6 6.Le2 Sbd7 . Die b3-Bücher verweisen auf die Englisch-Bücher und umgekehrt, am besten guckt man sich Torre mit Schwarz an und versucht aus dem Extratempo was zu machen.
- Natürlich ist 1.b3 e5! eine harte Nuß, aber andererseits doch irgendwie genau das, was Weiß sich wünscht!
tracke
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11.08.2005, 14:55
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Totaler Kenner
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hmm...Ist nimzowitsch-larsen eigentlich eine korrekte eröffnung?! und was sind die Ziele?
GreeTz
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11.08.2005, 14:59
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beinahe ein Schachjournalist
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Hallo Phate,
was ist schon "korrekt"? Wer will das beurteilen. Also vielleicht postest Du mal ein paar Varianten, dann können sich die Forumsmitglieder auch was darunter vorstellen. Einfach so ins Blaue rein ist es immer ein wenig schwierig.
Grüße
Cresspahl
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14.08.2005, 18:11
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Totaler Kenner
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hmm also ich spiele in letzter Zeit 1.b3
Bis jetzt hatt ich des öfteren das Problem, dass ich nicht genug initative hatte... Den zug f4 spiel ich nicht, c4 is da für mich intressanter...also mein Prinzipieler Aufbau mit weiß: 1.b3 2.lb2 3.c4 4.e3 5.Sf3
Doch dann krieg ich oft probleme mit meinem d-bauern, der vorstoß nach d5 geht nicht immer...Auch mit meinem Damenspringer habe ich des öfteren das Problem, dass ich nicht weiß wohin mit ihm...Und der Königsläufer findet manchmal auch keine gute position auf dem Brett..
Ich habe auch im Internet nach 1.b3 gesucht und auch eine Menge gefunden... Ausser Bent larsen hat auch bobby fischer manchmal 1.b3 gespielt..Da frage ich mich, warum man auf den Zug sonst kaum trifft, vor allem bei der Weltspitze nicht...Dem anschein nach hat der Zug mehr sinn, als nur den Gegner zu überraschen...Wenn sogar Top GMs wie Bent Larsen, oder sogar Weltmeister wie bobby fischer diesen Zug spielen muss die Eröffnung doch auch korrekt sein oder?
Was sind denn die Ziele der Eröffnung? und warum wird der Zug kaum gespielt? und wohin mit dem D-bauern, Meinem Damenspringer und meinem Königsläufer?
GreeTz
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14.08.2005, 18:27
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Naja, es sollte meistens halt in Reti oder Katalanisch uebergehen, siehe im Post ueber mir ( so viel Ahnung hab ich jetzt aber auch nicht von den Feinheiten dieser Systeme, also nicht hauen, wenn das gerade Stuss war  )
1.b3 ist bestimmt Spielbar, allerdings nciht im Vorteilssinne, ein IIM hat es mal gegen mich versucht, es war nicht wirklich viel los in der Partie und am Schluss hat er noch Glueck gehabt, dass er net verloren hat, weil ich nicht genug Zeit hatte den GEwinn zu sehen, wars dann nur remis und ich hatte mit Schwarz, nachdem ich ein gutes Konzept hatte, nciht wirklich irgend welche Probleme in der Partie.
Damit moechte ich sagen, man kanns spielen, aber hohe Remistendenz, gegen schwaechere ist Reti allerdings gar nicht so schlecht, da diese dort sehr oft mal einen ungenauen Bauernzug einstreuen und sich somit positionell selbst toeten, dafuer musst du selbst das halt aber auch ausnutzen koennen.
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14.08.2005, 18:40
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Aha ^^..damit wäre meine Fragen nur teilweise beantwortet..Ich war bei deiner Partie nicht dabei, aber glaubst du der IM hatte von der Eröffnung Theoriekenntise?
Solche gescchichten wie von dir habe ich im internet auch gelesen...also dass jemand gegen jemand stärkeren gegen 1.b3 gewonnen hat...das erklärt aber nicht, warum bent Larsen, ein 2700 GM, oder bobby fischer darauf zurückgeriffen haben...Ausserdem habe ich auch viele Partien gefunden, in denen Weiß, übrigens auch gegn stärkere Spieler, gewonnen hat, oft in einem Königsangriff
GreeTz
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14.08.2005, 19:08
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Ich sage nur, dass es remisverdaechtig ist, ich habe dann fast gewonnen, weil er etwas uebersehn hat, war auch schwer zu sehn und hat eigentlich sein ganzes Konzept im spaeteren Partieverlauf wiederlegt, naja....
Falls es dich trotzdem interessiert kannst du sie gerne haben
Ich sage ja auch, dass es eher remisverdaechtig ist.
Natuerlich kommt es auch auf Schwarz an, er kann bestimmt auch versuchen scharf zu spielen wo es zu einem solchen Koenigsangriff kommen kann, wenn Schwarz aber konsequent versucht die Dominanz, die Weiss auf den schwarzen Zentralfeldern aufbauen meochte, zu neutralisieren wird es halt schnell remislich...
Es ist sicherlich eine Eroeffnung die Ausgleich gibt, also keinen deut schlechter fuer Weiss, aber wie gesagt, gegen schwaechere kann man solche Systeme spielen, weil man hier leicht strategische Fehler im Sinne von falschen Bauernzuegen amchen kann.
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14.08.2005, 19:13
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hmm gut, du kennst dich da bestimmt besser aus ich bin ja wesentlich spielschwächer als du....allerdings versteh ich dann immer noch nicht, warum so starke spieler wie larsen oder fischer die eröffnung gespielt haben ^^
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14.08.2005, 19:19
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Wie ich bereits gesagt habe, viele Schwarzspieler bringen sich durch falsche Bauernzuege selber um und gegen Taktiker ist es bestimmt eine gute Wahl.
Aber sooo die Ahnung hab ich jetzt auch net
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14.08.2005, 19:24
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lol gut, allerdings wunder ich mich dann immer noch warum, wenn es so einfach ist wie du sagst, unsre beiden Top spieler die eröffnung angewendet haben..ich habe auch manchen 2400 die eröffnung spielen sehen, zumindest habe ich das im Internet gefunden..Irgendwas müssen die doch an der Eröffnung finden, oder?
mfg
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14.08.2005, 19:51
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So einfach remis zu halten ist es bestimmt auch nicht, man muss halt wenn Schwarz wirklich versucht so zu spielen, wie ich gesagt habe, das Spiel nicht verflachen zu lassen und das erfordert oft "starke" Zuege und die zu finden ist zwar nicht einfach aber bestimmt fuer Leute wie Fischer oder Larsen moeglich.
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