Also Erfahrung habe ich nicht gerade mit 1.b4 c6 , obwohl ich mich vor etlicher Zeit mal damit beschäftigt habe. Schließlich gefielen mir 1...e5 2.Lb2 f6! und 1...d5 2.Lb2 Lg4! noch besser aus schwarzer Sicht. Die meist drittklassige Literatur zu 1.b4 habe ich auch schon vor langer Zeit wieder ins Altpapier entsorgt. Behalten habe ich nur "Winning Unorthodox Openings" von Angus Dunnington (EverymanChess 2000, 22 Euro, 144 Seiten), definitiv das beste Werk zu allem Unorthodoxen, weil hier mal ein wirklich starker Turnierspieler (IM!) den Versuch unternommen hat, sowas wie einen Grundriß der "Theorie" zu 1.b4, 1.b3, 1.Sc3, 1.f4, 1.g3, 1.g4, 1.Sa3, 1.Sh3 etc zu liefern (zu 1.g3 nur Varianten OHNE Übergang zu Reti,KIA,Englisch,Katalanisch,...!).
Zurück zu
1. b4 c6. Hier ein paar Anmerkungen ohne Gewähr:
Wenn Weiß wirklich nach
2.Lb2 a5 auf 3.bxa5 oder 3.a3 axb4 4.axb4 Txa1 5.Lxa1 Db6 6.c3 angewiesen wäre, wäre wohl schon 2.Lb2 ein Fehler. Aber Weiß hat das sehr interessante positionelle Gambit
3.b5!?, und nach
3...cxb5 (alles andere ist kaum kritisch) dann 4.Sc3, 4.e3 oder 4.e4 . Da Schwarz seinen Bauern b5 gar nicht gegen Lf1+Sc3 schützen kann, muß er mit b5-b4 vorrücken, worauf er mit a2-a3 befragt wird. Deckt Schwarz mit a7-a5 und tauscht auf b4, so ist sein Mehrbauer verdoppelt und isoliert. Nimmt Schwarz auf a3, so hat Weiß offene Linien am Damenflügel und das herrliche Feld b5. Der argentinische GM Campora hat so schon mit Weiß gespielt, eine seiner Partien ging weiter mit 4.e4 b4 5.a3 bxa3 6.Sxa3 d6 7.d4 e6 8.Ld3 Sf6 9.Se2 Le7 10.0-0 und ausreichender Kompensation laut Dunnington.
Auch mit
2.Lb2 Db6 3.a3 a5 kommt Weiß zurecht, nämlich mittels
4.c4! axb4 5.c5!, und nun muß die schwarze Dame zurück nach c7, da 5...Dxc5 an 6.axb4 scheitert.
Wenn Weiß das obige Gambit nicht spielen mag, hat er natürlich noch
2.e3 , wonach Schwarz aber mit 2...e5 3.Lb2 Ld6 eine gute Stellung erlangt.
Ob Weiß auch
2.c4 spielen kann, weiß ich jetzt gar nicht so genau, kritisch wäre wohl
2...Db6!?. Nun muß wahrscheinlich 3.Db3 folgen, denn der Damenfang 3.a3 Dd4 4.Dc2 Dxa1 5.Lb2 Da2 6.e3 funktioniert nicht wegen 6...Sa6!! 7.Sc3 Sxb4 8.axb4 Da6 9.c5 b5 mit schwarzem Vorteil.
Alles lustige Varianten, die man sich mal ausklabüstern kann. Am einfachsten läßt man einfach die Finger von 1.b4 und spielt als Schwarzer klassisch mit 1...e5 oder 1...d5 in die Mitte. Meinetwegen auch 1...c5?! 2.bxc5 e5 3.Lb2 Sc6 4.Sf3 Lxc5! und nun sollte Weiß erstmal 5.e3 einflechten.
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