Angenommenes Damengambit ist eine sehr gute und interessante Wahl für Schwarz gegen 1.d4 - und die einzige Verteidigung gegen 1.d4, die von allen Weltmeistern mit Schwarz in wichtigen Partien angewandt wurde, während sie (jeweils) zur absoluten Weltspitze gehörten!
ADG ist ziemlich konkret und dynamisch. Man lernt in den Hauptvarianten viele wichtige Positionen und typische Stellungen(z.B. Isolani.), die man auch in vielen anderen Eröffnungen nutzen kann. Im Gegensatz zu anderen DG-Systemen (z.B. DG-Abtausch, Slawisch-Abtausch, e3-Slawe) schafft Weiß es weniger, schnell eine minimal vorteilhafte Struktur zu fixieren, sich dahinter erstmal zu entwickeln und später mal "zu gucken was geht". Gerade auf Niveau 1500-1900 kommen Weißspieler mit 2.dxc4 erstaunlich schlecht zurecht, wenn sie ohne großes Nachdenken paar natürliche Züge machen, insbesondere zu frühes Sc3: in Slawisch/Abgel.DG ist frühes Sc3 immer gut und scharf, im AngDG oft suboptimal bis schlecht. Und viele Weißspieler verschätzen sich auch, daß sie den Gambitbauern auf c4 nicht sofort zurückgewinnen, sondern erstmal das Zentrum besetzen, rochieren usw, und "später" das Material zurückgewinnen wollen. Wenn es nicht mehr geht.
Ein Nachteil ist, daß Weiß mit 1.c4 oder 1.Sf3 ausweichen kann; danach sind Zugumstellungen zum AngDG noch möglich, man kann Weiß da aber nicht hineinzwingen.
Es gibt viele verschiedene Varianten für beide Seiten und auch viele Wege, da jeweils hinzukommen. Die eigentliche Schlüsselstellung (klassische Variante) entsteht nach
1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.Sf3 Sf6 4.e3 e6 5.Lxc4 c5.
Eigentlich hat Schwarz zunächst keinen zwangläufigen Plan: er hat minimal weniger Raum und die minimal schlechtere Entwicklung, ist dafür aber sehr flexibel und hat keine direkten Schwächen, die Weiß angehen könnte. Falls Weiß nichts Besonderes macht, hat Schwarz noch viele vernünftige Züge zur Verfügung: Sb8-c6/d7, a6, Lf8-e7/d6, 0-0, vielleicht b6 oderb5 (im Falle von weißem a4 ist b4 ein schönes Figurenfeld), vielleicht Lb7, vielleicht bescheiden Ld7, vielleicht auf d4 tauschen, vielleicht mit c5-c4 vorziehen, vielleicht Dd8-c7/b6/c8/b8, vielleicht abwarten, nach Möglichkeit die Türme f8/a8 nach d8/c8 aktivieren.
Die Frage ist, was Weiß denn macht. Lustloses Weiterentwickeln führt zu nix, höchstens zu Abtäuschen und Remis, falls nicht (was unterhalb des Meisterniveaus aber häufiger ist) einer von beiden in ausgeglichener Stellung irgendwas wegstellt. Weiß muß (falls nicht vorher c5xd4+e3xd4 getauscht wurde) also e3-e4-e5 nebst Königsangriff versuchen. Was aber auch Schwächen schafft z.B. auf d4. Und der weiße Angriffsbauer e4/e5 ist stark und schwach zugleich. Und dazu sind auf unterem/mittleren Niveau die meisten d4-Spieler noch ziemlich unfähig, in unklarer Stellung einen nur figurengestützten Königsangriff 15 Züge tief vorbereiten zu können. Nur mit dreizügigen Kombinationen kommt Weiß nicht weit, da steht schon eher Schwarz besser weil kompakter.
Es gibt also
vor allem drei Strukturen:1) Schwarz tauscht c5xd4, Weiß nimmt e3xd4 zurück
Dann entstehen typische Isolani-Stellungen
2) c5 und d4 werden getauscht und der weiße e-Bauer bleibt auf e3
Entweder d4xc5 oder c5xd4 und weiße Figur nimmt wieder. Das ist dann meist ziemlich ausgeglichen (oft Damentausch!) und sieht langweilig aus, ist es aber nicht: mit viel Material auf dem Brett und die Bauern noch sehr flexibel, da kann man Spielstärke ausspielen
3) c5 und d4 werden getauscht und der weiße e-Bauer geht nach e4/e5 Dann hat Weiß Chancen auf Königsangriff, Schwarz aber auch sehr gute Verteidigungschancen. Und im Endspiel kann der weiße e-Bauer schnell schwach werden
Diese Tatsache, daß es nach 8-12 Zügen für beide Seiten einige verschiedene gute Pläne, aber nicht den klaren Hauptplan mit klaren Figurenwegen hin zu eindeutigen Angriffszielen gibt, macht das Ang.DG für Ungeübte (mit beiden Farben!) nicht ganz einfach zu spielen. Wobei die natürlichen Züge für Schwarz oft die guten sind, für Weiß oft die schlechten!
Wenn jemand sowieso schon ein System im Abgelehnten DG nach 1.d4 d5 2.c4 e6 spielt, so ist das Ang.DG ein sehr gute Ergänzung bei frühem Sf3. Tatsächlich kommen heutzutage viele AngDGs über 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 dxc4 5.e3 c5 6.Lxc4 a6 zustande. Durch diese Zugumstellung hat Schwarz frühes Sb1-c3 "erzwungen", was ein eventuelles b7-b5-b4 mit Tempo droht; Schwarz muß dann aber auch zu 5.e4 Lb4 nebst Wiener Variante bereit sein.
Nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 kann Schwarz mit 3...dxc4 wohl auch Katalanisch umgehen (4.g3 c5!)
Das war jetzt nur ein grober Umriß,
eine mE sehr gute Einführung in Theorie und Strategie ist Starting Out: Queen´s Gambit Accepted von Raetsky/Chetwerik (~20€)
http://www.everymanchess.com/chess/b...ambit_Accepted
Schon deutlich anspruchsvoller sind die sehr guten Bücher von Rizzitano und Sakaev/Semkow. Die DVD von Lilov dagegen kann ich nicht empfehlen.
tracke