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Ich spiele ja selbst hin und wieder 1.b3 und kenne zwei Dutzend guter Aufbauten dagegen. Man kann als Schwarzer vieles spielen, wenn man nur gut fortsetzt. Man sollte es wirklich davon abhängig machen, was für Strukturen man sonst mit Schwarz oder Weiß so spielt. Und man sollte 1.b3 nicht widerlegen wollen, das geht nach hinten los. 1.b3 ist mMn definitiv besser als 1.b4, 1.f4, 1.g4, 1.e3, 1.Sc3 etc., eher schon so gut wie 1.Sf3, 1.c4 oder 1.g3.
Abraten würde ich von allem Holländischen bzw. allgemein von frühem ...f5. Weiß drückt schon bißchen auf der Diagonalen e5-h8, da muß Schwarz nicht auch noch h5-e8 und Feld e6 schwächen, das geht eigentlich immer irgendwie schief (besonders drastisch wäre etwa 1.b3 f5?! 2.Lb2 e6?! 3.e4! dxe4?! 4.Dh5+ g6?? 5.De5 1-0 )
hm die frage hör ich immer wieder von spielern verschiedenster spielstärken und konnte sie eigentlich noch nie nachvollziehen. evtl liegt das auch daran dass ich im gegensatz zu euch beiden jetzt nicht gerade 2100+ bin aber ansich "stört" der 1.b3 doch erstmal nicht und man kann eigentlich so ziemlich machen worauf man lust hat bzw was man immer macht. mit wenigen konkreten außnahmen natürlich.
Ich möchte holgerk nicht vom Analysieren abhalten, aber die entstehenden Stellungen sind ziemlich kompliziert (für >2000 geradezu unverständlich).
1.b3 e5 2.Lb2 Sc6 3.e3 Sf6 4.Lb5 Ld6!? wird meiner Meinung aus schwarzer Sicht nach überschätzt. Die Schwarzempfehlungen in SOS1 oder bei Palliser sind nicht ganz komplett, inzwischen haben sich die 1.b3-Spieler auch darauf eingestellt. 4...Ld6 ist zwar nicht schlecht, aber keinesfalls besser für Schwarz (Ich halte die Stellung für unklar, bevorzuge aber eher Weiß). Es entstehen halt Stellungsungleichgewichte, etwa nach 5.Lxc6!? dxc6 6.d3 , Bauernstruktur gegen Läuferpaar, ähnlich Spanisch-Abtausch, die unklar sind und in denen der bessere Spieler sich durchsetzen kann. Ich persönlich habe in der Variante mit Weiß 4 aus 6 (+2 =4), was aber kaum an Eröffnungsvorteil lag.
Schwarz muß sich (falls er 4...Ld6 beabsichtigt) natürlich auch auf 4.Sf3, 4.c4, 3.Sf3, 3.c4, 4.Se2, 4.a3 sowie 4.g3/3.g3 einstellen; im letzteren Fall gilt ein durch Sc6/Sf6 begrenztes 2-Bauern-Zentrum als suboptimal gegen den Hippo (im Anzug)!
Was verstehst du denn nicht an den Partien? Ich finde die Züge sind nicht so schwer nachzuvollziehen.
Ich versuche mich jetzt einfach mal an einer Kommentierung (leider ohne Engine).
Ausgangspunkt wird die Stellung nach dem vierten Zug von Schwarz sein.
Diagram 1
Blatny – Gruevich
5.Le2
Weiß ist wohl der Meinung, dass Ld6 ein Tempoverlust war und, dass er sich den Läuferrückzug leisten kann.
5… 0-0
6.d3 Weiß muss sich überlegen wie er sich weiter entwickeln will. Der Partiezug ermöglicht eine Entwicklung des Damenspringers auf das flexible Feld d2. Außerdem wird Sgf3 ermöglicht, ohne dass der Springer gleich mit e5-e4 verscheucht wird.
6… Lb4+ Schwarz nutzt sofort die Chance sein Spiel zu befreien. Im nächsten Zug kommt d7-d5 und Schwarz hat ein starkes Bauernzentrum. Er hat jetzt schon sein größtes Eröffnungsproblem gelöst, idem sein Damenläufer befreit wird.
7.Sd2
7.c3 (Ich glaube nicht, dass Weiß diesen Zug wirklich spielen will) La5 8.b4 Lb6 9.a3 d6 =
7… d5
8.a3 Ich weiß nicht ob dieser Zug als gut oder schlecht zu bewerten ist aber er scheint auf jeden Fall im Geiste der Eröffnung zu sein.
8… Ld6 Das beste Feld für den Läufer, wie ich finde.
Diagramm 2
9. h4 ?! Ich finde diesen Zug fragwürdig. Blatny will am Königsflügel angreifen, obwohl er Entwicklungsrückstand hat und sein König noch in der Mitte des Bretts fest sitzt. Aber vielleicht wollte er einfach nur aktiv spielen oder seinen Gegner aus der Vorbereitung bringen, wer weiß?
Ein anderer Plan wäre 9.c4 Te8 10.cd Sd5: 11.Sf3 mit einem Sizilianer mit vertauschten Farben, wo Schwarz keines Wegs schlechter steht.
9… Le6 Gruevich setzt weiter auf Entwicklung und vertraut auf seine gesunde Stellung. Er vertraut darauf, dass der weiße Angriff nicht korrekt sein kann.
10.g4 Dd7 Ermöglicht dem Springer auf später auf g4 auszuweichen (da g4-g5 ja bald kommt), erhöht die Kontrolle über die weißen Felder auf dem Königsflügel und räumt die Grundreihe für die Türme.
11.g5 Sg4
12.e4
(12.c4 wäre vielleicht eine Alternative)
Diagramm 3
12… Lc5 Wenn man einen Entwicklungsvorsprung hat sollt man versuchen aktiv zu spielen!
13.Lg4: Erzwungen.
13.Sh3 scheitert an 13… Se3! 14.fe Lh3:
13… Lg4:
14.f3 Le6 (Viel besser als 14…Lh5, weil der Läufer auf e6 viel mehr Potential hat.)
15.b4 Le7 Bereitet f7-f6 vor, um die f-Linie für den Turm zu öffnen.
Diagramm 4
16.b5? Dieser Zug wird sich im Verlauf der Partie noch als verhängnisvoll erweisen (siehe Zug 28.). Aber was soll Blatny sonst noch spielen? Habt ihr eine Idee?
16… Sd4
17.a4
Diagramm 5
Da Weiß keine aktiven Angriffszüge mehr hat, höre ich hier mit der Kommentierung auf (der Rest der Partie ist ja in der PGN).
Die Eröffnung ist vorbei und wer steht hier besser? Ich würde sagen Schwarz. Er ist besser entwickelt und ein Vorstoß des f-Bauern kommt mit Angriff. Weiß hingegen, hat Probleme mit der Entwicklung und seine zu weit vorgerückten Flügelbauern sind einfach nur schwach.
@maxquick
Es mag sein, daß die meisten Züge nicht schwer nachvollziehbar sind: in dem Sinne, daß anscheinend halbwegs plausible Motive dahinterstecken könnten. Eine andere Sache ist es aber, etwa nach 1.b3 e5 2.Lb2 Sc6 3.e3 Sf6 4.Lb5 Ld6 die möglichen Kandidatenzüge 5.Le2, 5.Sa3, 5.c4, 5.d4, 5.Se2, 5.Lxc6, 5.Sf3 (...e4 6.Sd4/Sh4) zu ordnen, zu widerlegen oder gutzuheißen. Oder nach "der Hauptvariante" (!?) 5.Sa3 sich zwischen 5...Sa5!?, 5...a6!?, 5...e4!? oder 5...0-0!? (begründet) zu entscheiden.
Insbesondere kann man meist davon ausgehen (oder sollte zumindest damit rechnen), daß der Weißspieler sich in solchen doch etwas entlegenen Winkeln der EÖTheorie besser auskennt (weil er den Mist häufig bis ständig spielt).
@Goethe
Daß nach 3...d6 Weiß nicht zu 4.Lb5?! greifen sollte, ist nach einer hübschen Partie Minasian 0-1 Adams aus den 1990ern (?) eigentlich allgemein unter 1.b3-Spielern bekannt, zumindest steht das auch in allen neueren b3-Büchern. Weiß kann besser 4.c4 oder 4.Sf3 oder 4.Se2 oder 4.g3 spielen.
@holgerk
6.Sh4 ist in der Tat in ziemlich merkwürdiger Zug, aber keinesfalls schlecht - ich habe damit schon als Weißer eine Fernpartie gewonnen!
1.b3 d5 2.Lb2 (e3!?) Lg4 3.f3?! (g3! -> Reti) Lh5/Lf5 4.e4?! dxe4 5.De2 kann auch ziemlich scharf und abartig werden, ohne Theoriekenntnisse würde ich das niemandem empfehlen.
Egal was Schwarz spielt, überall gibt es paar 1.b3-typische Tricks, aber Du solltest es wirklich davon abhängig machen, was Du sonst so mit Weiß oder Schwarz spielst! Spielst Du gerne Offene Sizilianer, königsindische Strukturen, damenindische Strukturen, Damenbauer-Strukturen, 1.d4+2.c4-HV, kreatives Chaos ...?
tracke
PS: Ich erlaube mir nochmal darauf hinzuweisen, daß 1.b3 ein grundsolider, positionell begründeter und korrekter Zug ist und in eine ganz andere Kategorie als 1.b4?!, 1.g4?!, 1.Sa3?! usw. fällt. Vielleicht ist der weiße EÖVorteil deutlich kleiner als bei 1.e4 oder 1.d4, aber widerlegen kann man das nicht und sollte es auch nicht versuchen, selbst wenn es da paar witzige Meisterpartien gibt.
Egal was Schwarz spielt, überall gibt es paar 1.b3-typische Tricks, aber Du solltest es wirklich davon abhängig machen, was Du sonst so mit Weiß oder Schwarz spielst! Spielst Du gerne Offene Sizilianer, königsindische Strukturen, damenindische Strukturen, Damenbauer-Strukturen, 1.d4+2.c4-HV, kreatives Chaos ...?
Im Prinzip spiele ich ganz gerne Damenindisch mit Weiss, aber mein Gegner spielt das auch mit Schwarz und dann noch ein Mehrtempo, das mag ich nicht.
Meine einzige b3 Partie (als Schwarzer) war dann ein offener Sizilianer (1. b3 e5 2. Lb2 Sc6 mit 3. oder 4. c4 ....). Aber mein jetziger Gegner spielt das glaub ich nicht mit so frühem c4, soweit ich weiss.
Kreatives Chaos wäre wahrscheinlich das Beste gegen ihn, aber auf sowas wird er sich wohl nicht einlassen...
Nun, holgerk, Du hast noch gar nicht erzählt, ob Dein Gegner eher besser oder schlechter ist als Du es bist, ob ein Remis akzeptabel wäre oder ob Du gewinnen mußt ...
Je normaler und strategischer die Stellung wird, desto geringer fällt seinr spezielle b3-Erfahrung ins Gewicht - ich würde also empfehlen, einfach farbvertauschtes Damenindisch zuzulassen. Du hast nun mal Schwarz, da kann man nichts machen; immerhin ist 1.b3 ja schon eine leicht suboptimale Ausbeutung des Anzugsvorteils! Ich würde bloß kein vertauschtes Nimzoindisch (Lb5 fesselt Sc6) zulassen, da macht sich das Mehrtempo schnell bemerkbar und Weiß steht oft sehr schnell sehr gut. Umgekehrt kann man meist auch gerne den Sf3 durch Lg4 fesseln (und beseitigen).
Also 1.b3 d5 2.Lb2 c5 und jetzt 3.Sf3?! f6! bzw. 3.e3 a6! Das kannst Du ohne große Theoriekenntnisse (nur mit Verständnis) ruhig weiterspielen.
Alternativ 1.b3 b6 2.Lb2 Lb7 3.e3 e6 und Pokerface aufsetzen. Wie Symmetrie-Englisch ist das so bißchen "Zugzwang light" (Rowson). Solange Schwarz auf g7 aufpaßt, liegt es an ihm, ob er die Symmetrie aufrechterhält (f4->...f5, c4->...c5) oder bricht (f4->...c5, etc). Mit Weiß habe ich schon paarmal verzweifelt und an 4.Dh5!? Sf6 5.Dh3 überlegt, obwohl dies Weiß natürlich auch nichts Besonderes verspricht. Einfach weiterspielen, Theorie gibt´s nicht, der Bessere gewinnt.
Falls Du wie gesagt damenindische Strukturen magst, ist dies mein bester Tip für Dich, alles andere erfordert doch eine gewisse Vorbereitung, um in farbvertauschten Varianten die "b3-spezifischen Tricks" sicher zu umgehen.