Nun, wenn Aagard sein erstes Stonewall-Buch, das er 2001 für Everyman schrieb
http://www.amazon.com/Dutch-Stonewal...3930634&sr=1-1
als sehr schlecht bezeichnet, dann ist das zum einen sicherlich Werbung für seine 2007-Neufassung
http://www.qualitychess.co.uk/produc.../stonewall_ii/
und zum anderen auch ein Zeichen für Aagaards gewachsenen Ansprüche!
Beim ersten Werk war Aagaard noch ein relativ unbekannter IM, der viele Vorgaben des Everyman-Verlags erfüllen mußte, beim zweiten Werk war er nicht nur stärker geworden (GM!) sondern konnte auch das Buch im eigenen Verlag Quality Chess schreiben/layouten/drucken wie er wollte. Daß die Neufassung auf Deutsch erfolgte und nicht "Stonewall (2. bearbeitete Auflage)" sondern "Stonewall 2" hieß (so nennt man ja eigentlich nur den zweiten Teil eines Werkes und nicht eine zweite Auflage), hat bestimmt rechtliche Gründe, da Everyman wohl die Rechte an englischsprachigen "Stonewall"-Büchern von Aagaard hält.
Die 2001-Fassung ist sicherlich nicht schlecht, die 2007-Fassung natürlich deutlich besser (und auf Deutsch!).
Bißchen aktueller ist natürlich das Werk von Johnsen/Bern/Agdestein
http://gambitbooks.com/books/stonewall.html
, das ausführlicher als Aagaard auf frühe Abweichungen sowie auf "Stonewall gegen alles" (d.h. gegen Reti, Englisch usw.) eingeht. Das Buch ist sehr gut organisiert und leserfreundlich geschrieben, andererseits sollte man ruhig im Hinterkopf behalten, daß Hauptautor Johnsen (ein titelloser Schach-Enthusiast) vermutlich nicht mal ein Viertel so viel Ahnung vom Schach und den Feinheiten des Stonewalls hat wie GM Aagard. Inwieweit dies von Bedeutung ist, um ein populäres EÖBuch zu schreiben, das sich doch eher an Schema-Spieler 1600-2000 wendet, ist eine andere Frage, die jeder (potentielle) Käufer selbst beantworten muß.
Erwähnt seien nur folgende Dinge:
- Sucht man in der Megabase Partien von Johnsen, so findet man heraus, daß er zum weitüberwiegenden Teil in seiner Laufbahn "nur" die typischen Klubspieler-Schema-EÖ gespielt hat: Grand-Prix-Angriff, KIA, Damenbauernspiele, usw. Nun also den Stonewall als Allheilmittel ...
- In der Einleitung zu Johnsens Buch wird klar, daß die Co-Autoren Bern (Fernschach-GM) und Agdestein (Nahschach-GM) den Stonewall hauptsächlich oder gar ausschließlich nur als Erwiderung auf 1.d4 propagieren; bei Stonewall-Aufbauten gegen Flankeneröffnungen sind sie zurückhaltend bis skeptisch (vor allem weil Weiß das Bauerndreieck d5-e6-f5 eventuell mit c4-d3-e4! aufreißen kann), die entsprechenden Kapitel gehen allein auf Johnsens Konto
- Ich habe mir vor allem angesehen, was Johnsen gegen "damenindische Angriffe" (1.Sf3/2.b3 oder 1.b3) empfiehlt - ich kann aus eigener erfahrung nur sagen, daß ich mich als Weißer darüber freue ...
Ich denke, daß der Johnsen vielen Spielern sehr gut gefallen wird. Er ist vielleicht auch gut, um auf 1600-2000-Niveau den Stonewall etwas schablonenhaft und praktisch erfolgreich anzuwenden.
Wenn es allerdings vom Verständnis her etwas tiefer gehen soll (um sich zu verbessern und nicht nur sein Niveau ökonomisch zu halten), dann würde ich doch eher den neueren Aagaard empfehlen.
Und ich möchte auch empfehlen, den Stonewall nicht auf Krampf als Stand-Alone-Waffe gegen alles Geschlossene anzusehen. Stonewall ist unwiederlegt und nach gewissen weißen "Signalzügen" (d4,Sf3) sicherlich eine interessanter und kompromißloser wenn auch positionell riskanter Gegenangriff. Als Allzweckwaffe (und so stellt Johnsen ihn dar) ist er m.e. aber eher untauglich.
Ach ja, falls man zuviel Geld oder gutausgestattete Schachfreunde hat, lohnt es sich natürlich auch, in entsprechende Weißrepertoire-Bücher hineinzugucken, da wären vor allem:
Khalifman: Opening acc. to Kramnik Vol.3 (2001)
Avrukh: GM Repertoire 1.d4 Vol.2 (2010, zum Slawischen Stonewall z.T. auch Vol.1 von 2008)
Marin: GM Repertoire 1.c4 Vol.2 (erscheint bald: ~Juli2010)
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