Hi Leute!
Hatte mich vor über zwei Jahren mal hier im Forum angemeldet und seit dem
auch nichts groß geschrieben und denke das ist mal wieder an der zeit

Habe gestern abend einen Thread gesehen, der anscheinend nicht mehr fortgesetzt wurde:
In seinem Buch "The Chess Advantage in Black and White" entwirft der amerikanische IM Larry Kaufman zwei komplette Repertoires: eins für Weiß und eins für Schwarz. Das ganze Werk richtet sich an Vereins- und Turnierspieler (vielleicht so 1700-2300). Obwohl er vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll ist wie beispielsweise Khalifman in seinen Kramnik- oder Anand-Bänden (dann müßte er auch 5000 Seiten schreiben statt 500), versucht er doch den "Chess Advantage" festzuhalten: mit Weiß möchte er dem Schwarzen das Kämpfen um den Ausgleich nicht zu einfach machen, mit Schwarz kämpft er um den vollen Ausgleich (und gesteht dem Weißen nicht von vornherein leichten Vorteil zu).
Nach einer ausführlichen Betrachtung von 1.e4 aus weißer Sicht und 1.e4 e5 aus schwarzer Sicht geht er zur "Verteidigung gegen das Damengambit" über. Wobei er unter "Damengambit" alles versteht, wo Weiß mit 1.d4, 1.c4 oder 1.Sf3 anfängt, sich jedenfalls (auch nach 1.Sf3) mit d4+c4 aufbaut und dann mehr oder minder kritische Hauptvarianten wählt. Dazu zählt also alles vom Angenommenen Damengambit über Königsindisch bis Holländisch, nicht aber Colle, Trompowski, Stauton-Gambit, Torre-Angriff usw.
Seine schlußendliche Wahl für Schwarz fällt auf die Meraner Verteidigung im Halb-Slawen. Dies nur vorweg, es soll nicht den Kern dieses Thread bilden. Interessanter ist es, daß Kaufman 5 Kriterien entwickelt, anhand derer er die verschiedenen schwarzen Verteidigungen gegen Geschlossene Spiele abwägt.
5 Kriterien für eine schwarze Verteidigung gegen Geschlossene Spiele (nach IM Larry Kaufman)
1. Die Verteidigung muß gegen alle weißen Zugfolgen nach 1.d4, 1.c4 oder 1.Sf3 funktionieren
2. Die Verteidigung muß unter starken Großmeistern einen respektablen Ruf haben
3. Die Verteidigung muß gute Gewinnchancen bieten
4. Die Verteidigung darf Weiß keine verflachte Remisvariante bieten, in der er noch risikolos bißchen kneten kann
5. Die Verteidigung muß in der Praxis gute Resultate erzielen
Hier möchte ich einsteigen und jedes halbwegs gängige geschlossene System einmal nach diesen Kriterien untersuchen! Ich werde jeweils SChulnoten von 1 bis 6 vergeben und schauen, keine großen Begründungen liefern und schauen, ob ich am ende ebenfalls zu dem ergebnis komme, dass Halbslawisch am besten ist.
(A) Abgelehntes Damengambit: Capablanca
(B) Abgelehntes Damengambit: Lasker
(C) Abgelehntes Damengambit: Tartakower
(D) Abgelehntes Damengambit: Cambridge-Springs
(E) Abgelehntes Damengambit: Tarrasch
(F) Abgelehntes Damengambit: Tschigorin
(G) Angenommenes Damengambit
(H) Slawisches Damengambit: offen mit 4...dxc4
(I) Slawisches Damengambit: modern mit 4...a6
(J) Slawisches Damengambit: Meraner (über 2...c6)
(K) Slawisches Damengambit: Noteboom (über 2...e6)
(L) Holländisch: Stonewall
(M) Holländisch: Iljin-Genewski
(N) Holländisch: Leningrader
(O) Benoni: Vollbenoni
(P) Benoni: Halbbenoni
(Q) Benoni: Modernes Benoni
(R) Benoni: Wolga-Benkö-Gambit
(S) Indisch: Altindisch
(T) Indisch: Königsindisch
(U) Indisch: Grünfeld Post 10
Universalität4 - Solidität3 - Aktivität1 - Anti-Remis3 - Erfolg2
(V) Indisch: Nimzowitsch
(W) Unregelmäßig: Budapester Gambit Post 16 (Seite 2)
Universalität6 - Solidität5 - Aktivität2 - Anti-Remis3 - Erfolg5
(X) Unregelmäßig: Königsfianchetto
(Y) Unregelmäßig: Damenfianchetto
(Z) Unregelmäßig: Die Verteidigung 1...d6
(A) Abgelehntes Damengambit: Capablanca
1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Le7 5.e3 0-0 6.Sf3 Sbd7 7.Tc1 c6
1. Universalität:
Wenn Weiss nicht das 5.Lf4-System spielt (5. ...0-0
6.e3 c5...) = sehr gut; zumindest wird das Erreichen des
Capablanca-Systems nicht durch 1. c4 oder 1.Sf3 erschwert
2. Guter Ruf bei GMs:
ausreichend; Verteidigung ist taktisch auf keinen Fall
zu widerlegen oder zweifelhaft, allerdings eher passiv
und wird somit fast nie von starken GMs angewandt
3. Gute Gewinnchancen:
mangelhaft; sicher kann man damit - und gerade auf
Amateurebene- hie und da mal gewinnen,
irgendwann im Endspiel vielleicht, aber "Capablanca"
ist nicht gerade der Inbegriff einer "Auf Gewinn-
Eröffnung
4. keine Remistendenz:
gut; Bei aller schwarzen Passivität existiert m.E.
keine klare Remis- oder Verflachungsvariante für
Weiss; lasse mich da gerne eines besseren belehren
5. Gute Resultate:
befriedigend; ich kenne allerdings kaum Partien mit dieser
Variante, abgesehen von denen im damaligen WM-Kampf
Aljechin-Capablanca
(B) Abgelehntes Damengambit: Lasker
1. sehr gut
2. ausreichend
3. ausreichend
4. befriedigend
3. befriedigend